SINGER presents Elvis

Mit SINGER presents Elvis  geht am 3. Dezember 1968 um 21:00 Uhr die erste TV-Show des Kings über den Sender.

Zweiundvierzig Prozent der amerikanischen Haushalte schalten ein und bescheren NBC die höchste Zuschauerquote des Jahres.

 

Handlung

Das Special beginnt mit einem Close-Up von Elvis, der mit rauer Stimme If you're looking for trouble, you came to the right place  singt. Der Klassiker aus dem Spielfilm King Creole  von 1958 geht in Guitar Man, der Single-Veröffentlichung aus dem Vorjahr über.

Die folgenden Songs wurden vor Live-Publikum aufgezeichnet und zeigen Elvis wahlweise im Kreise der Musiker aus seinen Anfangstagen oder allein in einer Art Boxring. Ein schwarzer Lederanzug soll dabei die Rückkehr zu seinen Wurzeln als Rocker symbolisieren.

Unterbrochen werden diese Szenen von zwei ohne Zuschauer aufgezeichnete Medleys. Eines davon ist der Gospelmusik gewidmet, das andere soll den Aufstieg eines jungen Sängers darstellen. Die Auftrittsorte werden immer besser, bis sich der Protagonist schließlich wieder im schwarzen Lederanzug vor Live-Publikum im NBC-Studio befindet und Guitar Man  singt.

 Das Finale bildet die zeitgeistige Hymne If I Can Dream, dargeboten in einem weißen Anzug vor einem überdimensionalen Elvis-Schriftzug.

Verglichen mit den Kinofilmen wird hier das Presley-Image um 180 Grad gedreht. Hier ist Elvis wieder ein Rocker, gertenschlank, kraftstrotzend und schwitzend. Auch seine Stimme hat sich verändert. Sie ist dunkler, rauer und will nicht mehr freundlich klingen. Ohne Frage spielt Elvis auch hier nur eine Rolle, doch sie wirkt so authentisch, dass man ihm die Wiederauferstehung des Rock'n'Roll-Königs bedingungslos abnimmt.

 

Stab

Bob Finkel, Steve Binder (Produzent), Steve Binder (Regie), Allan Blye, Chris Beard (Drehbuch), Dayton "Bones" Howe (Musik), Jerry Smith (Kamera), Wayne Kenworthy, Armond Poitas (Schnitt).

 

Produktion

Die Verhandlungen mit NBC/Universal hatten bereits im Oktober 1967 begonnen. Gesprochen wurde über ein Paket aus einer Fernsehshow und einem Kinofilm, Colonel Parker und die Manager des Mediengiganten einigten sich schließlich auf die Gage von 1,1 Millionen US-Dollar. Davon entfielen $250.000 auf die TV-Show und $850.000 auf den Film. Zusätzlich erhielt der King noch eine Kostenpauschale von $25.000 für die Produktion des Soundtracks.

Schlussendlich würde Universal kein spezielles Elvis-Projekt realisieren, sondern den Entertainer in dem bereits geplanten Spielfilm Change Of Habit  neben Mary Tyler-Moore einsetzen. Doch bevor dies geschah, widmete man sich zunächst der Produktion der Fernsehshow.

Als Produzent wurde Bob Finkel verpflichtet, der für The Andy Williams Show  bereits zwei Emmys gewonnen hatte. Man wollte eine Weihnachtssendung produzieren, die im Dezember 1968 ausgestrahlt werden sollte und deren Soundtrack einen Nachfolger für das noch immer populäre Christmas Album  abgegeben hätte.

Im Zuge der Vorbereitungen kamen Elvis und Bob jedoch zu der Ansicht, dem Publikum lieber eine Rock' n Roll Show zu präsentieren. Alfred D. Scipio, der zuständige Manager des inzwischen als Sponsor hinzugestoßenen Singer-Konzerns, machte sich ebenfalls für das neue Konzept stark, so dass Colonel Parker und die Verantwortlichen der NBC zustimmten.

Im Mai 1968 wurde Steve Binder als Regisseur verpflichtet. Wie Bob Finkel, so war auch Steve Binder kein unbeschriebenes Blatt. Neben der Fernsehserie Hullabaloo  zeichnete er auch für die Musikshow Teenage Music International  verantwortlich, in der Stars wie Chuck Berry, die Beach Boys oder die Rolling Stones präsentiert wurden.

Kurz bevor er die Arbeit an SINGER presents Elvis  aufnahm hatte Binder ein TV-Special von Petula Clark abgedreht. Ebenfalls im Mai stieß der Musikproduzent Dayton "Bones" Howe zum Team. Er hatte schon zuvor mit Elvis gearbeitet und sollte später an Projekten wie Zurück In Die Zukunft  oder Die Schrillen Vier In Las Vegas  mitwirken.

Während sich Elvis zum Ende des Monates auf den Hawaii-Inseln erholte, schrieben Chris Beard und Allan Blye das Script für die Show. Auch bei diesen beiden Herren handelte es sich um mehrfache Emmy-Gewinner. Auf ihre Konten gingen unter anderem Laugh-In, The Gong Show  oder auch Van Dyke & Company.

Am dritten Juni 1968 begann die eigentliche Zusammenarbeit von Elvis, Steve und Bones. Als drei Tage später Robert Kennedy ermordet wurde, realisierten die beiden Produzenten, wie stark Elvis von den Ereignissen berührt wurde und beauftragten Earl Brown mit einem entsprechenden Final-Song. Das Ergebnis würde If I Can Dream  heißen und den King endlich wieder in die musikalische Gegenwart katapultieren. Billy Strange und Mac Davis steuerten unter anderem den Titel Memories  bei, um die Arrangements der Songs kümmerte sich Billy Goldenberg.

Am 11. Juni traf Elvis auf Bill Belew, den von NBC engagierten Designer für die Outfits. Es war Bills Idee, den Sänger in einem schwarzen Lederanzug zu präsentieren und auch das goldene Jackett, eine Reminiszenz an den berühmten Anzug aus den 1950ern, stammte von ihm. Elvis war dermaßen von den Designs begeistert, dass er auch seine künftige Bühnengarderobe von Bill Belew (und später auch von dessen Assistent Gene Doucette) entwerfen lassen würde.

Die Gestaltung des Studios übernahm Eugene "Gene" McAvory, die Choreographie lag in den Händen von Jaime Rodgers und Claude Thompson. Letzterer zeichnete ebenfalls für das MakeUp verantwortlich.

Zwischen dem 20. und 24. Juni entstanden bei Western Recorders in Burbank, Kalifornien die Studioaufnahmen für SINGER presents Elvis. Neben dem Opening aus Trouble  und Guitar Man  wurden auch die Lieder If I Can Dream, Memories  und A Little Less Conversation  eingespielt. Letzteren Titel nutzten Bob Finkel und Steve Binder nicht für die TV-Show, dafür machte Tom Holkenborg 34 Jahre später den ReMix Elvis vs. JXL: A Little Less Conversation  daraus und stürmte damit weltweit die Hitparaden.

Die Segmente des Road Medley  und des Gospel Medley  wurden einzeln aufgenommen. Dabei setzte man immer bei den letzten Takten des vorherigen Titels an und endete mit den ersten Tönen des nachfolgenden Songs. So konnten die einzelnen Elemente später optimal zusammengeschnitten werden.

Ein zentrales Element der Show sollte eine informelle Jam-Session sein, bei der Elvis mit den Musikern aus seiner Anfangszeit zusammensaß und scheinbar spontan drauflos musizierte. Neben Scotty Moore und D.J. Fontana wirkten hierbei auch Charlie Hodge, Alan Fortas und Lance Legault mit.

Am 24. und 25. Juni wurde in der Garderobe des Kings in den NBC Studios geprobt, am 27. Juni fand drei Stunden vor der eigentlichen Show eine weitere Rehearsal-Session statt. Um 18:00 Uhr und 20:00 Uhr wurde das Prozedere schließlich vor Publikum wiederholt und in Bild und Ton festgehalten.

Weitere Live-Aufnahmen entstanden am 29. Juni, wo Elvis ebenfalls um 18:00 Uhr und 20:00 Uhr vor Zuschauern auftrat. Diesmal stand er allerdings allein auf der Bühne, die Musiker waren im Publikumsbereich untergebracht. Für den King endete die Mitwirkung an der Show am 30. Juni 1968 mit Arbeiten am Opening Trouble / Guitar Man, am Road Medley  und dem Final-Song If I Can Dream. Außerdem wurde das Huh-Huh-Huh Promo  aufgezeichnet.

Die Verantwortlichen der NBC waren von dem fertigen Produkt zunächst nicht sonderlich angetan. Alles wirkte ihnen zu roh und ungeschliffen, außerdem wurde bemängelt, dass Elvis vor den Kameras zu sehr schwitze. Die Specials von Frank Sinatra oder Dean Martin sahen anders aus.

Schlussendlich wurde am Konzept jedoch nichts verändert, lediglich das Weihnachtslied Blue Christmas  wurde aufgrund des Sendetermins hinzugefügt.

 

Soundtrack

Die im Vorfeld veröffentlichte Single If I Can Dream / Edge Of Reality  wird zur bestverkauften 45er des Kings seit drei Jahren und auch die LP Elvis  verkauft sich deutlich besser, als die vorangegangenen Alben. Die im Nachgang herausgebrachte Single Memories / Charro!  kann da nicht mithalten, aber auch hier sind die Verkaufszahlen akzeptabel.

Insgesamt kann RCA Victor etwa sechs Millionen Tonträger absetzen. 

Über die jeweiligen Cover gelangen Sie zu detaillierten Beschreibungen der Schallplatten.

 

Home Entertainment

Nach mehreren Veröffentlichungen im VHS- und DVD-Format brachte BMG im Jahr 2004 schließlich eine DeLuxe-Ausgabe mit 3 DVDs auf den Markt. Diese enthielt neben der TV-Show auch die kompletten Live-Sessions sowie zahlreiche Outtakes.
 
Das Set stürmte in vielen Ländern die DVD-Charts, allein die US-Ausgabe wurde mit einem 2fachen Platin-Award ausgezeichnet.

Auch hier gelangen Sie über das Cover zu einer Review.

 

Ausschnitt aus dem TV-Special (Heartbreak Hotel)

 

Fazit & Bewertung

Mit SINGER presents Elvis  lieferte der King eine krachende Retro-Show, mit der er sich als Archetyp des Rockers darstellte und dem Publikum eindrucksvoll in Erinnerung rief, dass er einmal mehr gewesen war, als ein singender Filmstar.