Elvis In Concert

Sechs Wochen nach dem Tod des Kings schickt CBS am 3. Oktober 1977 das TV-Special Elvis In Concert  über den Sender.

Die Show erreicht eine Einschaltquote von 32,7 Prozent und wird damit im Jahr 1977 zur erfolgreichsten Fernsehsendung ihrer Art.

 

Handlung

Das TV-Special beginnt mit Statements von begeisterten Konzertbesuchern. Danach folgen Bilder von Elvis' Ankunft auf dem Flughafen von Indianapolis und Eindrücke von den Aufbauarbeiten in der Arena. Die Halle füllt sich, Souvenirs werden verkauft, dann geht es los.

Während das Orchester Also Sprach Zarathustra  spielt, warten der King und seine Truppe hinter der Bühne. Jetzt ist Elvis erstmals aus der Nähe und in einer längeren Einstellung zu sehen. Seit der Aloha From Hawaii Via Satellite-Show hat er stark zugenommen und wirkt dadurch ein wenig fremd.

Wie weit Elvis tatsächlich heruntergekommen ist, wird allerdings erst in den nächsten Minuten deutlich. Sein Gesang wirkt träge, die Stimme klingt unflexibel und alt. Manchmal hat sie ein merkwürdig nasales Timbre und nicht immer trifft Elvis den richtigen Ton.

Besonders deutlich wird dies während des Gospelsongs How Great Thou Art. Nur drei Jahre zuvor hatte er für seine Darbietung auf dem Album Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  einen Grammy erhalten. Jetzt klingt er streckenweise unkontrolliert, verfehlt so manchen Ton und schreit oft mehr als dass er singt.

Schon während der Aloha-Show fiel auf, dass er sich kein bisschen für die großen Hits der 1950er interessiert. Jetzt hat er ein Stadium erreicht, in dem die Lieder schlicht und einfach peinlich wirken. Wie ein Roboter wirft er während Teddy Bear / Don't Be Cruel  seine Tücher ins Publikum, den Text des Jailhouse Rock  bringt er durcheinander und bei Hound Dog  kommt man nicht umhin, sich für den einstigen King Of Rock'n'Roll zu schämen.

Elvis' Zustand ist einfach erbärmlich - das Gesicht wirkt aufgedunsen, der Blick ist glasig und seine Zunge schwer. Unsympathisch wirkt er dabei aber nicht, vielmehr scheint es, als erkenne er die Würdelosigkeit der Situation und mache sich darüber lustig. Offenbar konnten auch die Unmengen von Medikamenten und Heerscharen von Jasagern ihm die Selbstironie nicht austreiben.

Wenn Elvis sich zusammenreißt, dann kann er nach wie vor überzeugen. Die eine oder andere Klippe geschickt umschiffend präsentiert er You Gave Me A Mountain  durchaus gut und auch die Country-Ballade I Really Don't Want To Know  und seine 1976er Single Hurt  können sich hören lassen. Das Highlight der Show ist aber fraglos My Way, das hier mehr wie ein Statement als ein gewöhnlicher Song klingt.

Weil Dwight Hemion und seinem Team der Zustand des Sängers nur allzu bewusst ist, versuchen sie den Fokus ein wenig zu verlagern. Immer wieder werden die Konzertaufnahmen durch Interview-Sequenzen unterbrochen, in denen die Fans über ihre Begeisterung für den Sänger, dessen Ausstrahlung, Ehrlichkeit oder Religiosität sprechen. Es soll klargemacht werden, dass Elvis auch im Jahre 1977 nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat und die Auftritte nach wie vor ein Ereignis darstellen.

Während der Schlussnummer Can't Help Falling In Love  kommt auch Vernon Presley zu Wort, der ein paar positive Statements über seinen Sohn und dessen Manager Colonel Parker abgibt. Danach ist die Show vorbei und Elvis verlässt in einer schwarzen Limousine die Arena.

Als Epilog wendet sich noch einmal Vernon Presley an die Zuschauer, diesmal aufgenommen in seinem Büro auf dem Graceland-Grundstück nach Elvis' Tod. Sichtlich unter Schock stehend bedankt er sich für die vielen Beileidsbekundungen und erklärt, dass es sich bei dem TV-Special um den letzten Live-Auftritt seines Sohnes gehandelt habe. Diese Falschaussage dürfte aber eher der Gesamtsituation als bösem Willen oder Effekthascherei geschuldet gewesen sein.

 

Stab

Dwight Hemion, Gary Smith, Rita Scott und Bernard Sofronski (Produzent), Dwight Hemion (Regie), Joe Guercio (Musik), Annett Wolf (Drehbuch), Andy Zall (Schnitt).

 

Produktion

Im Frühjahr 1977 handelte Colonel Parker mit Hilfe der William Morris Agency einen Vertrag mit der CBS Broadcasting Inc. über ein weiteres TV-Special seines Klienten aus. Gegen die Zahlung von 750.000 US-Dollar durfte ein Kamera-Team zwei Konzerte der Sommer-Tournee filmen und daraus ein Fernsehkonzert zusammenschneiden. Parker selbst erhielt weitere 10.000 US-Dollar für die Vermarktung der Show und natürlich war auch RCA zur Stelle, um zeitlich passend ein Soundtrack-Album in die Läden zu bringen. Wie bei den vorangegangenen Specials erhielt der Sender die Erlaubnis zur einmaligen Wiederholung, bevor die Rechte zurück an Elvis fielen.

Das Projekt sollte von Dwight Hemion und Gary Smith realisiert werden, die zuvor schon mit Größen wie Frank Sinatra, Barbara Streisand und Paul McCartney gearbeitet hatten und es im Laufe ihrer Karrieren auf insgesamt 24 Emmy Awards bringen würden.

Schon während des ersten Meetings machte Colonel Parker unmissverständlich klar, dass Elvis selbst mit der Produktion der Show nicht behelligt werden solle und abseits der Konzertbühne nicht zur Verfügung stünde. Ein Besuch des Auftritts in Chicago am 1. Mai 1977 sorgte für weitere Ernüchterung. Der Star war übergewichtig, blass und agierte nicht sonderlich dynamisch. Zudem war die Show langatmig und enthielt kaum musikalische Highlights. Insbesondere Dwight Hemion, der als Regisseur bereits im Rahmen der Steve Allen Show mit Elvis zusammengearbeitet hatte, dürfte entsetzt gewesen sein. Die Fans schienen jedoch nach wie vor begeistert von ihrem Idol, so dass die TV-Profis schnell zu dem Schluss kamen, das Drumherum der Elvis-Presley-Show ein wenig in den Vordergrund zu rücken und dem Programm einen dokumentarischen Touch zu verleihen.

Colonel Parker und die Verantwortlichen der CBS stimmten den Planungen zu, so dass mit den Ausarbeitungen der Details begonnen werden konnte. Die offizielle Ankündigung von Elvis In Concert erfolgte am 1. Juni 1977.

Die Tournee begann siebzehn Tage später in Springfield und endete am 26. Juni in Indianapolis. CBS und RCA gaben dem King zwei Tage zum "Warmlaufen", danach sollte in Omaha, Nebraska (19. Juni) und Rapid City, North Dakota (21. Juni) aufgenommen werden.

Doch wie ein privat gefilmter 8mm-Streifen aus Kansas City enthüllt, befand sich Elvis keinesfalls in vorzeigbarem Zustand. Den jahreszeitlich nicht gerade passenden Song Blue Christmas  brach er ab, um dem Publikum zu erzählen, dass er an den Proben vor der Tour nicht teilgenommen habe und auch sein Erscheinungsbild erinnerte nur noch bedingt an den schlanken und braungebrannten Superstar, den die Zuschauer aus der Aloha From Hawaii Via Satellite-Show kannten.

Tatsächlich erfüllte das Konzert am folgenden Tag die schlimmsten Erwartungen. Mit aufgedunsenem Gesicht und offensichtlich unter dem Einfluss starker Medikamente betrat Elvis die Bühne des Civic Center in Omaha. Zwischen den Songs bekam er kaum einen geraden Satz heraus und auch die Darbietungen der einzelnen Lieder ließen viele Wünsche offen.

Alles hing nun an der zweiten Show und der King riss sich, so gut er es eben noch konnte, zusammen. Ein Kamera-Team filmte ihn hinter der Bühne, wo er den Bürgermeister von Rapid City traf und von einem kleinen Indianermädchen das Medallion Of Life überreicht bekam. Der Auftritt selbst war ebenfalls besser, obgleich Elvis auch hier mit schwerer Zunge sprach und seine Augen glasig wirkten.

Nach Sichtung des Materials kamen die Produzenten mit Colonel Parker überein, dass weite Teile der Aufnahmen vom 19. Juni nicht vorzeigbar waren und der Löwenanteil der Live-Elemente aus dem Rapid City-Film zusammengestellt werden musste. Das Ergebnis wurde vom Presley-Camp und den Verantwortlichen der CBS genehmigt und der Ausstrahlungstermin auf den 3. Oktober festgesetzt.

Als Elvis im August verstarb, kam es zunächst zu Diskussionen über das weitere Vorgehen. Schlussendlich gaben Smith und Hemion dem Special den Anstrich eines Nachrufs, tauschten ein oder zwei Songs aus und filmten in Memphis die Danksagung von Vernon Presley. Am ursprünglich geplanten Sendetermin hielt man jedoch fest, denn dieser war durch den riesigen Hype um den Tod des Kings auf einmal äußerst attraktiv.

 

Soundtrack

Zeitgleich mit der Ausstrahlung des TV-Specials veröffentlicht RCA das Doppel-Album Elvis In Concert. Weil die Radiostationen daraus häufig My Way  spielen, schiebt das Label einen Monat später eine Single mit ebendieser Aufnahme nach. Beide Produktionen werden von der RIAA mit Gold und Platin ausgezeichnet und verkaufen sich zusammengerechnet 7,5 Millionen Mal.

Über die jeweiligen Cover gelangen Sie zu detaillierten Beschreibungen der beiden Schallplatten.

 

Home Entertainment

Im Gegensatz zu SINGER presents Elvis  (1968) und Aloha From Hawaii Via Satellite  (1973) wird Elvis In Concert  nicht für den Home-Entertainment-Bereich veröffentlicht. Nach der Wiederholung der Show im April 1978 fallen die Rechte zurück an Elvis Presley Enterprises, die das Material seither unter Verschluss hält.

Es existieren allerdings Import-DVDs, auf denen sowohl die Fernsehsendung, als auch weite Teile der aufgezeichneten Konzerte zu sehen sind. Von offizieller Seite wurden zusätzliche Aufnahmen lediglich im Film This Is Elvis  (1981) und in der TV-Dokumentation The Great Performances  (1989) gezeigt.

 

Ausschnitt aus dem TV-Konzert (My Way)

 

Fazit & Bewertung

Die Produzenten setzten auf die Begeisterung der Fans und die Zugkraft der Greatest Hits. Dadurch wählten sie allerdings nicht immer die besten Darbietungen und auch die vielen Interview-Sequenzen wirken nach einiger Zeit störend. Insgesamt wirkt Elvis In Concert  wie ein verzweifelter Versuch der Schadensbegrenzung.