The Ed Sullivan Shows

Am 20. Juni 1948 startete der Fernsehsender CBS eine wöchentliche Unterhaltungssendung namens The Toast Of The Town. Die Show lief jeden Sonntag zwischen 21:00 und 22:00 Uhr und wurde von dem New Yorker Star-Kolumnisten Ed Sullivan moderiert.

Ab der zweiten Staffel wurde die Sendung um eine Stunde vorverlegt, Ende 1955 änderte CBS den Titel in The Ed Sullivan Show. Bis Mitte 1971 moderierte Sullivan 1068 Ausgaben der Show, in der er fast alle erdenklichen Arten des Entertainments präsentierte. Geboten wurde Musik, Tanz, Akrobatik, Humor und vieles mehr.

Zu den bekanntesten musikalischen Gästen zählten The Bealtes, Bob Dylan, The Rolling Stones, Buddy Holly, The Doors, The Jackson Five und Dean Martin. Auch Jim Henson's Muppets sorgten mit regelmäßigen Gastauftritten für gute Laune. Zu den absoluten Top-Gästen gehörte auch ein gewisser Elvis Presley, der Hauptdarsteller dieser Website.

Ein halbes Jahrhundert nach Elvis' legendären Auftritten in The Ed Sullivan Show  veröffentlichen Sofa Entertainment und Image Entertainment die drei TV-Sendungen im DVD-Format.

Die Datenträger sind in einem vierfach aufklappbaren Digipak untergebracht, das auch ein sechsseitiges Booklet mit Liner Notes von Grail Marcus enthält. Alles zusammen steckt in einem Papp-Schuber und hinterlässt einen wertigen Eindruck.

Neben den einzelnen Fernsehsendungen enthält jede DVD auch kleine Dokumentationen, wie etwa Why Ed Didn't Host Elvis' First Appearance.

Schon zu Beginn des Jahres 1956 wollte Colonel Parker seinen Klienten in der Ed Sullivan Show unterbringen, doch der Namensgeber der Sendung weigerte sich, den Preis von 5.000 US-Dollar pro Auftritt zu bezahlen.

Nachdem Elvis' Erscheinen den konkurrierenden Shows von Milton Berle und Steve Allen aber extrem hohe Einschaltquoten beschert hatte, buchte schließlich auch Sullivan den frisch zum Rock'n'Roll-König ausgerufenen Sänger. Inzwischen verlangte Parker jedoch für ein Paket von drei Auftritten die zehnfache Summe - und bekam sie auch. Nur zum Vergleich: Acht Jahre später erhielten die Beatles für ebensoviele Auftritte in der Ed Sullivan Show lediglich 10.000 US-Dollar.

Sonntag, 9. September 1956 (20:00 bis 21:00 Uhr)

Kurioserweise waren während Elvis' erstem Auftritt in der Ed Sullivan Show weder der King, noch der Moderator und Namensgeber der Sendung im CBS Studio 50 (dem heutigen Ed Sullivan Theater) in New York zugegen. Sullivan musste sich von einem Autounfall im August erholen und ließ sich durch Charles Laughton vertreten. Elvis war mit den Dreharbeiten zu seinem ersten Spielfilm beschäftigt und wurde aus Hollywood zugeschaltet.

Die Show begann mit den Akrobaten The Brothers Amin, dann sang Dorothy Sarnoff Something Wonderful  aus der Broadway-Produktion The King And I. Nach den Vagabonds mit ihrer Nummer Up The Lazy River  war es endlich soweit. Mr. Laughton präsentierte vier goldene Schallplatten, die Elvis für jeweils eine Million verkaufte Tonträger erhalten sollte und kündigte an, dass Ed Sullivan die Auszeichnungen bei der nächsten Gelegenheit persönlich überreichen werde. Mit einem schwungvollen Away to Hollywood!  wurde in die Film-Metropole geschaltet, wo Elvis aus einer dunklen Studio-Kulisse mit Gitarren-Silhouetten trat.

Er trug eine modische Freizeit-Jacke, sein Hemd war am Kragen offen. Die Gitarre, inzwischen ein Markenzeichen des Rock'n'Roll-Königs, durfte natürlich ebenfalls nicht fehlen. Nach ein paar Worten des Dankes sang Elvis Don't Be Cruel, danach entledigte er sich seines Instruments und trug Love Me Tender, den Titelsong seines sich just in Produktion befindlichen Spielfilm-Debuts, vor. Verglichen mit seinen vorangegangenen TV-Auftritten bewegte sich der Sänger recht wenig, von seinen Mitstreitern stellte er lediglich die Jordanaires vor - Scotty Moore, Bill Black und D.J. Fontana blieben unerwähnt. Dies geschah vermutlich auf den Wunsch von Colonel Parker, der Elvis als Solo-Künstler mit möglichst anonymen, austauschbaren Musikern präsentieren wollte. Die Jordanaires hingegen waren eine auch in konservativen Kreisen angesehene Gospelgruppe und waren somit dem Aufbau eines seriöseren Images dienlich.

In New York wurde die Show mit den Stepptänzern Conn & Mack fortgesetzt, danach las Charles Laughton eine etwas abgewandelte Fassung von Rotkäppchen & Der Wolf  (in der die Heldin den Wolf mittels Waffengewalt außer Gefecht setzt) und Amru Sani sang I'm In The Mood For Love. Es folgten Carl Ballantine (Comedy & Zauberei) und Toby, der Hund.

Dann schaltete Mr. Laughton abermals nach Hollywood, wo Elvis eine Cover-Version des Little-Richard-Hits Ready Teddy  und seinen eigenen Mega-Hit Hound Dog  sang. Zwar zeigte der Sänger hier etwas mehr Körpereinsatz, im Vergleich zu seinen vorangegangenen TV-Auftritten fielen die Bewegungen aber auch hier eher zahm aus.

Obwohl der Rock'n'Roll-König in der Presse streckenweise scharf kritisiert wurde, verzeichnete die Show eine Einschaltquote von 43,7%. Das bedeutete, dass mehr als 80 von 100 fernsehschauenden Amerikanern die Sendung gesehen hatten.

Zudem schnitten einige DJs Elvis' Vortrag von Love Me Tender  mit und spielten den bis dato unveröffentlichten Song im Radio. Das war zwar nicht legal, heizte aber das Interesse an der kommenden Presley-Single enorm an und sorgte für mehr als eine Million Vorbestellungen.

 

 

Sonntag, 28. Oktober 1956 (20:00 bis 21:00 Uhr)

Bevor Elvis für seinen zweiten Auftritt in der Ed Sullivan Show  nach New York aufbrach, hielt er zuhause in Memphis eine kurze Probe-Session ab. Bis dato hatte er einfach seine Bühnen-Show ins Fernsehen gebracht, nachdem die Live-Auftritte jedoch drastisch reduziert worden waren, sah der King Anlass für zusätzliche Vorbereitungen. Dabei ging es vor allem um die Ballade Love Me, einem Song von seiner kommenden LP.

Am Austragungsort der TV-Sendung wurde abermals geübt, hier traf der junge Star auch erstmals auf Mr. Sullivan. Dieser machte schon zu Beginn der Show keinen Hehl daraus, dass Elvis die Hauptattraktion des Abends sein würde. Zunächst sang jedoch ein Kinderchor namens The Little Gaelic Singers.

Der Rock'n'Roll-King sang wie bei seinem ersten Auftritt die Lieder Don't Be Cruel  und Love Me Tender. Sein Outfit war jedoch konservativer und die Haare waren neuerdings schwarz. Obgleich sich Elvis auch heute nicht viel bewegte, war das Publikum so begeistert, dass der Gastgeber mehrfach beruhigend einwirken musste und einen baldigen, weiteren Auftritt des Kings versprach. Zuvor trat jedoch der Bauchredner und Artist Senor Wences auf.

Dann kehrte Elvis auf die Bühne zurück, machte etwas Werbung für seine kommende LP und sang daraus die Ballade Love Me. Zwar verhaspelte er sich dabei kurz im Text, schien mit dem Fauxpas aber keine Probleme zu haben und ging charmant darüber hinweg.

Dem Rock'n'Roll King folgte die als Königen verkleidete Joyce Grenfell, die das von ihr zusammen mit Richard Addinsell verfasste komische Gedicht The Countess Of Cotely  vortrug. Danach sang die Besetzung des Musicals The Most Happy Fella  die Songs Happy To Make Your Acquaintance  und Big D. Bei letzterem Titel sang übrigens auch Shorty Long, der zu Beginn des Jahres während einiger Schallplatten-Sessions für Elvis Klavier gespielt hatte. Ed Sullivan bewarb nun kurz die kommende Show, dann trat Elvis mit Hound Dog  in Aktion.

Ironisch kündigte er die Nummer als das traurigste Lied an, das er jemals gehört habe und lobte die Qualität des Textes. Dann stieg er kraftvoll in den Rock-Song ein, hielt sich aber auch hier mit seinen Bewegungen zurück. Danach dankte er den Zuschauern und wies auf den Start-Termin seines ersten Spielfilms sowie den kommenden Auftritt in der Ed Sullivan Show im Januar hin.

Das Finale bildete ein Auftritt des österreichischen Artisten Franz Furtner, der unter dem Namen Unus in den USA bekannt war und auf seinem Zeigefinger auf einer Glaskugel balancierte.

Mit einer Einschaltquote von 34,6% war das Interesse an Elvis im Vergleich zu seinem ersten Auftritt merklich abgeflaut, aber auch mit diesem Wert überflügelte die Ed Sullivan Show die Konkurrenzprogramme um Längen.

Später verkündete der Gastgeber, der junge Sänger werde bei seinem letzten Besuch in der TV-Sendung nur noch von der Hüfte an aufwärts gefilmt - man wolle schließlich Kontroversen am Sonntagabend vermeiden. Natürlich handelte es sich um einen reinen Marketing-Gag, denn weder hatte sich Elvis bei seinen vorherigen Auftritten ordinär bewegt, noch hatte sich auch nur ein einziger Zuschauer beschwert.

 

 

Sonntag, 6. Januar 1957 (20:00 bis 21:00 Uhr)

Nachdem Elvis im vergangenen Jahr in allen großen Fernsehshows des Landes aufgetreten war, verzichtete Colonel Parker nun auf weitere Buchungen seines Klienten in diesem Format. Nach dem großen Erfolg des Spielfilms Love Me Tender  sollten sich die Fans künftig eine Eintrittskarte fürs Kino kaufen, anstatt ihr Idol kostenlos im TV anzuschauen. Da Elvis selbst die Fernsehauftritte nicht sonderlich mochte, dürfte ihm diese Idee seines Managers durchaus gefallen haben.

Während der Proben zu seinem letzten Besuch der Ed Sullivan Show  geriet der ansonsten so höfliche Sänger zunächst mit dem Moderator und Namensgeber des Programms aneinander. Elvis wollte unbedingt den Gospel Peace In The Valley  singen, Sullivan empfand das Lied als zu großen Gegensatz zum Presley-Image. Schlussendlich setzte sich der Rock'n'Roll-König aber durch und durfte die Show mit dem gewünschten Song beenden.

Trotz dieses Zwischenfalls eröffnete Ed Sullivan seine TV-Sendung sichtlich gut gelaunt, kündigte den Rock'n'Roll-König an und erinnerte die kreischenden Teenager an ihr vorab gegebenes Versprechen, während Elvis' Auftritt Ruhe zu bewahren. Das Bühnenbild bestand aus riesigen Notenblättern, der Sänger trug eine auffällige goldene Weste und die Jordanaires standen so dicht hinter ihm, dass die Techniker den kompletten Gesang mit einem einzigen Mikrophon einfangen konnten.

Elvis eröffnete seinen Auftritt mit einem Medley aus Hound Dog, Love Me Tender  und Heartbreak Hotel. Danach sang er Don't Be Cruel, seinen bis dato größten Verkaufserfolg. Während seiner Darbietungen präsentierte sich der King sehr locker und musste hin und wieder lachen. Obwohl er auch dieses Mal auf ausufernde Bewegungen verzichtete, waren die Fans vollkommen aus dem Häuschen.

Dem Bauchredner Arthur Worsley folgten Will Jordan und Carol Burnett, dann war wieder Mr. Presley an der Reihe.

Er stellte seine neue Single Too Much  vor und sang When My Blue Moon Turns To Gold Again  von seiner aktuellen LP Elvis. Erneut zeigte sich der Sänger nicht 100%ig textsicher, wirkte aber dennoch ungewöhnlich lässig. Zum Abschluss seines Auftritts bedankte er sich bei den Fans für das beste Weihnachtsfest aller Zeiten und gab an, 282 Plüschbären erhalten zu haben. In Anspielung auf den Sponsor der Show bemerkte Elvis, er habe den Fans im Gegenzug jeweils einen Lincoln schenken wollen, aber der Automobilhersteller habe sich geweigert, ihm nicht so viele Exemplare zu verkaufen.

Dem Teeny-Idol folgte der Boxer Sugar Ray Robinson, der bezüglich seines verlorenen Kampfes gegen Gene Fullmer ungewöhnlich hart von Sullivan angegangen wurde. Danach trat die Tänzerin Nanci Crompton auf, Leny Eversong sang El Cubanchero. Weiter ging es mit den Clowns The Six Gutis, den Tänzern Bory & Bory sowie einer weiteren Performance von Leny Eversong. Wie üblich äußerte sich Ed Sullivan noch zur kommenden Show, dann stellte er einige Berühmtheiten im Publikum vor, wie etwa den Baseball-Star Jackie Robinson. Auch für seinen Star-Gast machte Sullivan noch etwas Werbung und kündigte seinen kommenden Film Running Wild  sowie ein geplantes Benefiz-Konzert zugunsten der ungarischen Flüchtlingshilfe an. Schlussendlich würde das Leinwandabenteuer in Loving You  umbenannt werden, die Wohltätigkeits-Show kam nie zustande.

Zum Abschluss des Programms zeigte Elvis eine neue Facette seines Könnens und präsentierte den Fernsehzuschauern den Gospel Peace In The Valley. Zum ersten Mal in der Show wirkte er hier vollkommen ernst, seine Interpretation klang emotional und ergreifend.

Selbst Ed Sullivan schien von der Darbietung berührt, denn er verabschiedete Elvis ungewöhnlich emotional, bezeichnete ihn als anständigen, jungen Mann und betonte, dass er bis dato kaum einen angenehmeren Gast-Star in seiner Show gehabt habe.

Die Zustimmung Sullivans kam für einen Entertainer in den USA der damaligen Zeit einem Ritterschlag gleich. Elvis war nun kein Kuriosum mehr, sondern wurde anerkannt. Der Freak mit dem Hüftschwung war auf dem Weg ins Establishment.

 

 

 

Ausschnitt vom 9. September 1956

 

Fazit & Bewertung

In einer schicken Box bekommen wir alle Ausgaben der Ed Sullivan Show, in denen Elvis seinerzeit mitwirkte. Bild und Ton wurden überarbeitet und sind den zuvor in diversen Dokumentationen und TV-Sendungen gezeigten Ausschnitten weit überlegen.