Way Down

Anno 2012 veröffentlicht Jerry Scheff unter dem Titel Way Down seine Autobiografie.

Das Buch trägt den Untertitel Playing Bass With Elvis, Dylan, The Doors & More  und wird von Backbeat Books verlegt.

Die meisten Presley-Fans kennen Mr. Scheff nur als Bassist der TCB-Band, aber das 240seitige Softcover-Buch macht schnell klar, dass Jerrys Karriere deutlich umfangreicher ist.

So spielte er im Laufe der Jahrzehnte mit Stars wie Billy Preston, Nancy Sinatra, Bob Dylan, den Doors, Elvis Costello oder auch Neil Diamond.

Seine erste Mitwirkung an einem Projekt des Kings kam übrigens aufgrund einer Verwechslung zustande. Zur Mitte der 1960er rief ihn jemand bezüglich des Soundtracks zum Film Easy Come, Easy Go  an und fragte, ob er Jerry Scheff, der Trompetenspieler sei. Da Jerry dringend Geld benötigte, beantwortete er die Frage positiv, lieh sich eine Trompete und ging zu den Sessions. Da er neben dem Bass auch Tuba spielte, funktionierte das Trompetenspiel ebenfalls recht passabel und die einfachen Noten (die Filmschlager waren musikalisch nicht gerade anspruchsvoll) ließen Jerry die Sessions ohne aufzufliegen überstehen.

Den King selbst traf er freilich erst im Sommer 1969, als dieser für sein Bühnencomeback eine Band zusammenstellte. Diesmal spielte Jerry natürlich Bass und lag -obwohl ihm der Jazz deutlich näher stand als Rock oder Pop- mit dem Meister musikalisch auf einer Wellenlänge.

Aufgrund persönlicher Probleme nahm sich Jerry nach dem Vegas-Gastspiel Anfang 1973 eine Auszeit und kehrte erst zwei Jahre später wieder zur TCB-Band zurück.

Insgesamt nimmt seine Zeit mit Elvis 68 der 240 Seiten ein. Beim Lesen hatte ich den Eindruck, dass Mr. Scheff nicht die Erwartungen der Fans bedienen will, sondern die Dinge einfach so erzählt, wie er sie erinnert.

So gibt er offen zu, dass auch innerhalb der Band (ihn selbst eingeschlossen) Substanzen missbraucht wurden und dass er es vorzog, mit Glen D. Hardin auf eigene Kosten ein Haus in Vegas zu mieten, anstatt mit dem Rest der Show-Truppe gratis im Hilton zu wohnen.

Auch über seine Zusammenarbeit mit anderen Stars schreibt er offen und ehrlich. Als Leser bekommt man dadurch interessante Einblicke in das Musikgeschäft der 1960er bis 1980er Jahre und erfährt auch so manche Story, von der die Presse seinerzeit nichts mitbekam.

Hin und wieder springt Jerry in der Chronologie der Ereignisse, was mich persönlich aber nicht sonderlich gestört hat. In einer Rezension über dieses Buch habe ich die treffende Bemerkung gelesen, Jerry wirke wie der Lieblingsonkel, der seiner Familie ein paar Geschichten von früher erzählt.

Wie bereits erwähnt, bedient Mr. Scheff im Gegensatz zu vielen anderen Mitgliedern des Dunstkreises um Elvis nicht die Erwartungen der Fans und verkauft auch nicht das von Colonel Parker kreierte und von Elvis Presley Enterprises weitergetragene Glitzermärchen vom gläubigen, stets freundlichen und immer hilfsbereiten Übermenschen.

Jerry interessiert sich nicht für Images, er schildert die Musik-Größen als ganz normale Typen - hochtalentiert, aber ansonsten auch nicht besser als du und ich.

 

Fazit & Bewertung

Jerry Scheff erzählt aus dem Leben eines Berufsbassisten - ungeschönt und hochgradig interessant.