Scotty & Elvis - Aboard The Mystery Train

Mit Scotty & Elvis - Abroad The Mystery Train  erscheint im Jahr 2013 eine ergänzte und erweiterte Ausgabe von Scotty Moores 1997er Biographie That's All Right, Elvis.

Das 264seitige Softcover-Buch wurde bei The University Press Of Mississippi verlegt und von Scotty Moore und James L. Dickerson verfasst.

Winfield Scott Moore III wurde am 27. Dezember 1931 zwischen Gadsen und Humboldt in Tennessee geboren. Im Alter von acht Jahren lernte er von diversen Familienmitgliedern das Spielen auf der Gitarre.

Zwischen 1948 und 1952 diente Scotty Moore der US Navy und war unter anderem in China und Korea im Einsatz.

Nachdem er in Memphis sesshaft geworden war, gründete Moore zusammen mit Bill Black die Band The Starlite Wranglers und arbeitete in diesem Zusammenhang eng mit Sam Phillips und dessen Firma SUN Records zusammen.

So kam es, dass Phillips Scotty und Bill zu einer Session mit einem jungen Sänger namens Elvis Presley bat. Schon bald war eine erste Single auf dem Markt und Live-Auftritte an der Tagesordnung. Da irgendjemand als Ansprechpartner der Truppe fungieren musste, ernannte man Scotty kurzerhand zum Manager.

Schon bald wurde diese Rolle jedoch von Bob Neal und später von Colonel Parker übernommen.

Parker war es auch, der die prozentuale Aufteilung der Gagen abschaffte und Moore und Black auf einen festen Betrag pro Auftritt und Aufnahme-Session setzte. Zwar wurde dieser Betrag nach einer zwischenzeitlichen Kündigung der beiden erhöht, das Verhältnis zu dem jüngst zum Rock'n'Roll-König ausgerufenen Sänger war jedoch nachhaltig gestört.

Elvis, Scotty & Bill waren keine Band mehr - jetzt gab es nur noch Elvis und austauschbare Begleitmusiker.

1958 heuerte Moore bei Fernwood Records an und produzierte den Hit Tragedy  für Thomas Wayne Perkins. Zwei Jahre später begann er als Production Manager für den Sam Phillips Recording Service zu arbeiten.

1964 nahm Moore die Instrumental-LP The Guitar That Changed The World  auf und gründete die Firmen Music City Recorders  und Belle Meade Records. Moore arbeitete nun fast ausschließlich als Produzent, lediglich bei den RCA-Sessions des Kings war er noch regelmäßig als Musiker aktiv.

Anno 1968 buchte ihn Elvis für das TV-Special SINGER presents Elvis. In diesem Zusammenhang sprach der King auch eine Europa-Tournee an und wollte in Scottys Studio eine neue Schallplatte aufnehmen.

Schlussendlich erfuhr Moore aus der Zeitung, dass Elvis im American Sound Studio aufnehmen wollte. Zwar ließ ihn der King später für sein geplantes Bühnencomeback in Las Vegas anfragen, doch die Gage lag deutlich unter dem Geld, das Scotty im selben Zeitraum mit seiner Arbeit als Produzent verdienen konnte.

Tatsächlich haben Elvis und Scotty nach dem Abschluss der Arbeiten an der TV-Show nicht mehr miteinander gesprochen. Weder machte der King seine Ankündigungen bezüglich einer Tournee oder Aufnahme-Session wahr, noch hielt er es für notwendig, seinen alten Wegbegleiter überhaupt zu kontaktieren.

Als Elvis-Fan kommt man nicht umhin, sein Idol als schlicht und einfach illoyal anzusehen.

So schenkte er vielen Leuten ein Auto - den von ihm selbst zerstörten Wagen von Scotty ersetzte er nicht. Auch schien er kein Problem damit zu haben, dass Colonel Parker die Band-Struktur der Blue Moon Boys zerstörte und seine Mitstreiter auf eine deutlich geringere Bezahlung setzte. Schlussendlich ließ er den Kontakt einfach einschlafen - auch das ist nicht die feine Art.

Scotty Moore spricht niemals schlecht über Elvis, aber er verbirgt auch seine Enttäuschung nicht.

In den 1970ern und 1980er arbeitete Moore fast ausschließlich als Produzent. In diesem Zusammenhang arbeitete er mit Größen wie Ann-Magret, Ringo Star, Bop Hope, Jerry Lee Lewis, Johnny Cash und Dolly Parton zusammen.

Zudem gründete er eine Firma namens Independent Producers Corporation, die auf das Kopieren von Magnetbändern spezialisiert war.

1992 stand Scotty Moore im Rahmen der Good Rockin' Tonight Show  erstmals seit 1968 wieder auf einer Konzertbühne. Hier spielte er mit Leuten wie D.J. Fontana, James Burton und The Jordanaires. Nach der Einzel-Show ging die Truppe auf eine Tournee durch Großbritannien.

Da sich die Musikproduktion immer stärker digitalisierte, gab Scotty seine Firma für Analog-Kopien auf und konzentrierte sich wieder auf die Arbeit als Gitarrist. Inzwischen genoss er durch seine Arbeit mit Elvis den Status einer Legende und wurde häufig für Live-Auftritte gebucht.

Unter anderem spielte er mit George Harrison (The Beatles), Keith Richards (The Rolling Stones) und Eric Clapton.

Im Jahr 2000 wurde Scotty Moore in die Rock'n'Roll Hall Of Fame  aufgenommen, 2015 folgte die Aufnahme in die Memphis Music Hall Of Fame. Da Scotty nicht persönlich anwesend sein konnte, nahm Keith Richards die Auszeichnung für ihn entgegen.

Scotty Moore verstarb zuhause am 28. Juni 2016 und wurde in Humboldt, Tennessee neben seinen Eltern begraben.

 Ohne Frage hätte der Text des Sinatra-Klassikers My Way  auch zu ihm gepasst.

 

Fazit & Bewertung

Scotty Moore berichtet aus seinem bewegten, manchmal auch sicherlich nicht einfachen Leben und zieht dabei den Leser mit seiner ehrlichen, sympathischen Art in den Bann.