Der Colonel

Die bis dato umfassendste Parker-Biographie stammt aus der Feder von Alanna Nash und wurde im Jahr 2003 unter dem Titel  The Colonel - The Extraordinary Story Of Colonel Tom Parker And Elvis Presley  als 394seitiges Hardcover-Buch bei Simon & Schuster veröffentlicht.

Anno 2010 folgte eine deutsche Fassung, die bei B+U verlegt wurde.

Die Autorin war unter anderem für die New York Times und das Magazin Entertainment Weekly tätig, über den King hat sie bereits das Buch Elvis Aaron Presley - Revelations From The Memphis Mafia  herausgebracht. Später sollte auch noch Baby, Let's Play House, ein Buch über Elvis' Liebesbeziehungen, folgen.

Die Lebensgeschichte des Andreas Cornelis van Kuijk zu erzählen, ist kein einfaches Unterfangen. Über seine Kindheit und Jugend ist nur wenig bekannt und auch die ersten Jahre in den USA sind kaum dokumentiert.

Das ist auch nicht verwunderlich, denn schließlich wanderte van Kuijk illegal in die USA ein, gab sich den Namen Thomas Andrew Parker und versuchte fortan alles, seine wahre Identität zu verschleiern. Viele Stories basieren auf Hörensagen, ein paar Räuberpistolen hat Parker auch selbst in die Welt gesetzt.

Grundsätzlich hat Frau Nash einen guten Job gemacht und alle verfügbaren Quellen angezapft. Leider ließ sie sich, vielleicht auch mit den Verkaufszahlen im Blick, dazu verführen, eine Mörder-Geschichte in ihr Buch einzubauen.

Kurz bevor sich der junge van Kuijk in die USA absetzte, geschah in seiner Heimatstadt Breda ein Mord. Zwar brachte niemand den späteren Presley-Manager mit der Tat in Verbindung, aber Nash nutzt den zeitlichen Zusammenfall der Ereignisse für die Konstruktion einer Theorie. Als versierte Journalistin vermeidet sie es natürlich, irgendeinen Verdacht tatsächlich auszusprechen, aber sie beschreibt die Ereignisse in einer Art und Weise, die den Leser zu dem Rückschluss verleiten kann, van Kuijk habe etwas mit der Sache zu tun gehabt.

In meinen Augen hat eine solche Verschwörungstheorie -wenn sie auch niemals offen ausgesprochen wird- in einem seriösen Buch nichts zu suchen.

Davon abgesehen hinterlässt Der Colonel  jedoch einen sehr guten Eindruck. Nash berichtet im Detail über die geschäftlichen Aktivitäten von Parker und gibt somit auch einen tiefen Einblick in die Karriere des Kings. Und die lässt sich nur bergreifen, wenn man die Gedankenwelt des Colonel versteht.

Einerseits war Parker (und wohl auch Elvis selbst) stets am schnellen Geld gelegen. Beide nahmen lieber einen Dollar sofort, als anderthalb Dollar übermorgen. Gleichzeitig hatte der Colonel  einen Faible für langfristige Verträge. Auch dabei nahm er geringere Einnahmen in Kauf, wenn diese nur über mehrere Jahre abgesichert waren.

Man könnte die Denkweise des Colonels also durchaus mit dem Spruch Was man hat, das hat man  zusammenfassen.

Ein zweiter wesentlicher Charakterzug Parkers war das absolute Bedürfnis nach Kontrolle. Jedes Detail hatte von ihm entschieden zu werden, sein Klient wurde nach allen Regeln der Kunst von anderen Einflüssen abgeschottet.

Als Promoter dachte der Colonel äußerst unkonventionell und vermarktete Elvis auf noch nie dagewesene Art und Weise. Nie zuvor hatte es von einem Star ein so reichhaltiges Angebot von Merchandising-Artikeln gegeben, nie zuvor war der Cross-Promotion-Effekt zwischen Kinofilm und Schallplatte dermaßen konsequent genutzt worden und nie zuvor war ein Image derartig geschickt aufgebaut und immer wieder angepasst worden, wie das von Elvis Presley. Zudem nutzte Parker auch äußerst geschickt die neusten Medien zur Präsentation seines Künstlers. Man kann durchaus behaupten, dass Parker das heute gängige Vermarktungsprinzip von Stars erfunden und perfektioniert hat.

Im Gegensatz zu anderen Managern versuchte Parker nie, besonders seriös zu wirken. Ganz im Gegenteil, er pflegte stets sein Image als der Typ vom Rummelplatz, der mehr oder minder zufällig über ein Talent wie Elvis Presley gestolpert war. Zudem überraschte er seine Verhandlungspartner mit allerlei skurrilen Ideen und schaffte es so, auch altgediente Geschäftsleute zu überrumpeln. Auch hier ging Parker also neue, äußerst unkonventionelle Wege.

Das Buch beschreibt aber auch einen Mann, der von gesundheitlichen Problemen geplagt war und dessen Ehefrau an einer Demenzerkrankung litt. Parker flüchtete sich immer mehr in die Welt der Spielcasinos und nutzte auch zunehmend die geschäftliche Unbedarftheit seines Klienten für eigene Zwecke aus.

In den frühen 1980ern wurde er von den Erben des Kings verklagt, der Fall wurde jedoch außergerichtlich beigelegt.

Grundsätzlich war Andreas Cornelis van Kuijk als Person deutlich vielschichtiger und interessanter als Elvis und auch intellektuell dürfte der Manager seinem Star deutlich überlegen gewesen sein.

Im Wesentlichen betrachtete er den King als Produkt, das es zu vermarkten galt. Dabei unterliefen ihm über die Jahre sicherlich einige Fehler, insgesamt erledigte Parker diese Aufgabe jedoch mit Bravour.

Elvis war des höchstbezahlte Entertainer seiner Zeit und gilt auch weiterhin als der bestverkaufte Künstler der Musikgeschichte. Seine Legende überlebte die Person um Jahrzehnte, selbst vierzig Jahre nach seinem Ableben investierten die Erben kräftig und eröffneten in direkter Nachbarschaft des Graceland-Anwesens ein neues Hotel sowie einen Museumskomplex. Ganz offensichtlich vertraut man also auch weiterhin auf die Zugkraft des Images.

All das ist auch ein Verdienst von Andreas Cornelis van Kuijk, bekannt als Colonel Parker.

 

Fazit & Bewertung

Ein gut geschriebenes, sauber recherchiertes Buch, das ohne die Mörder-Geschichte sicherlich die volle Punktzahl erreicht hätte.