Sold Out! - Volume 6

 

Im Juni 2021 folgten die Ausgaben 5 und 6 der Serie Sold Out! - The Ultimate 8mm Collection. Der sechste Teil deckt die Jahre 1973 bis 1977 ab, hat eine Laufzeit von 2 Stunden und 40 Minuten und kommt wie üblich in einem Digipack mit zwei DVDs.

Die doppelt aufklappbare Verpackung enthält im Mai 2021 verfasste Liner Notes von Dave Hebler, einem der Bodyguards des Kings. Im Gegensatz zu seinen Beiträgen im Buch Elvis - What Happened? hat er diesmal nur positive Dinge zu berichten, übertreibt es nun allerdings ein wenig.

Gestaltet wurde das Set mit passenden Fotos, das Cover-Bild stammt vom Frühjahr 1975, auf der Innenseite findet sich ein Bild vom Sommer desselben Jahres.

 

29. April 1973: Seattle/Washington (Nachmittagsshow)

Unsere Reise beginnt mit einem dreieinhalb minütigen Ausschnitt der Nachmittagsveranstaltung in Seattle. Statt der üblichen, weißen Jumpsuits trägt Elvis hier ein dunkelblaues Exemplar. Der Kameramann stand direkt vor der Bühne, Bild und Ton sind für Clips dieser Art mehr als respektabel. Der Meister hat ein paar Kilos mehr auf den Hüften als noch im Januar, insbesondere in seinem Gesicht ist die Veränderung deutlich zu erkennen. Dafür ist er aber deutlich aktiver als zu Beginn des Jahres, bewegt sich mehr und scheint auch, soweit man es anhand von Aufnahmen dieser Art beurteilen kann, auch stimmlich besser dispositioniert zu sein.

 

29. April 1973: Seattle/Washington (Abendshow)

Auch am Abend war die Kamera direkt vor der Bühne positioniert, jetzt trägt Elvis wieder eines seiner weißen Outfits. Logischerweise unterscheidet sich der Auftritt nicht sonderlich von der wenige Stunden zuvor abgehaltenen Show, dafür sehen wir hier aber sechs Minuten, die nahezu ausschließlich während der ersten Hälfte des Konzertes gefilmt wurden.

 

22. Juni 1973: Uniondale/New York

In Nahaufnahme sehen wir Elvis auf die Bühne kommen und den Auftritt mit See See Rider eröffnen. Bild und Ton sind hervorragend und auch Elvis hinterlässt einen motivierten und fröhlichen Eindruck. Der Film hat eine Laufzeit von zweieinhalb Minuten und zeigt uns quasi eine komplette Fassung des ersten Songs der Show.

 

23. Juni 1973: Uniondale/New York (Abendshow)

Von diesem Konzert gab es bereits auf der ersten Sold Out-DVD ein paar Minuten zu sehen, der sechste Teil der Serie präsentiert uns nun weitere 240 Sekunden, allerdings aus anderer Quelle. Wurde der erste Clip aus weiterer Entfernung gefilmt, sehen wir hier großartige Nahaufnahmen. Unterlegt wurden die Bilder mit Soundboard-Mitschnitten der entsprechenden Songs. Zu den Highlights gehören das nahezu vollständig gefilmte Rock'n'Roll-Medley sowie Fever.

 

24. Juni 1973: Uniondale/New York

Auch von dieser Show fanden sich Ausschnitte auf Sold Out! - The Rex Martin 8mm Collection, aber auch hier werden nun alternative Aufnahmen gezeigt. Im Vergleich zu den vorangegangenen Uniondale-Clips ist die Kamera nun weiter von Elvis entfernt, aber auch hier befand sich der filmende Fan direkt vor der Bühne und die Qualität ist für Aufnahmen dieser Art mehr als respektabel. Im Gegensatz zu früher geht Elvis bei Suspicious Minds während des "Oh let our love survive"-Parts nicht mehr auf die Knie, aber immerhin bewegt er sich etwas mehr als im Rahmen der Aloha-Show. Erstmals auf der DVD bekommen wir auch das Finale einer Presley-Show zu sehen, das ist insofern interessant, als dass die 1973er Sommer-Tournee den Sänger zum letzten Mal mit einem Cape zeigte.

 

03. Juli 1973: Atlanta/Georgia

Qualitativ stellen die zweieinahlb Minuten aus Atlanta die bis dato schlechtesten Aufnahmen dieser Sold Out-Ausgabe dar. Der Kameramann befand sich mittig zur Bühne auf dem Mainfloor der Arena, das Bild ist jedoch recht grobkörnig. Der Hersteller weist allerdings auf dem Cover darauf hin, dass es sich um eine Analogkopie des Originalfilms handelt. Auch dieser Film übertrifft allerdings weite Teile jener Clips, die sich in den Sammlungen der Fans befinden. Elvis selbst gibt mehr Gas als zu Beginn der Tour, geht bei Suspicious Minds nun doch wieder auf die Knie und dreht auch im Action-Part mehr auf. Abermals sehen wir übrigens ein Cape-Finale.

 

August 1973: Las Vegas/Nevada

Der Film beginnt mit Impressionen vom Hilton Hotel und zeigt uns somit wieder ein Las Vegas, das in dieser Form längst nicht mehr existiert. Aus meiner Sicht ist das auch gut so, denn der Betonklotz mitten in der Wüste wirkt aus heutiger Sich dann doch ziemlich trostlos. Gefilmt wurde von einem der Balkone, Nahaufnahmen gibt es nicht. Der etwa vierminütige Film wurde mit Soundboardaufnahmen unterlegt und skippt durch die komplette Show. Ein optisches Highlight ist damit auch dieser Clip nicht, aber Impressionen des Elvis Summer Festival 1973 sind rar und damit auch in dieser Form willkommen.

 

03. März 1974: Houston/Texas (Nachmittagsshow)

Im Rahmen der 1974er März-Tournee gastierte Elvis zweimal im riesigen Astrodome in Houston/Texas. Mit der Nachmittagsvorstellung brach er seinen eigenen Zuschauerrekord von 1970, am Abend würde er dann die noch frische Bestmarke ein weiteres Mal überbieten. Der Film beginnt mit Elvis' Ankunft, in einem Jeep wird er in die Arena gefahren und an der Bühne abgesetzt. Die Bühne war extrem klein, so dass der King auf das Orchester verzichtete und nur mit seiner Band auftrat. Damit alle etwas sehen konnten, drehte sich die Bühne während des Auftritts. Am Ende der Show steigt Elvis wieder in den Jeep und wird noch einmal durch das Stadion gefahren. Jetzt bekommen wir auch Nahaufnahmen zu sehen, die deutlich zeigen, dass der Meister Spaß an der leicht absurden Situation hat. Im Anschluss springen wir nochmal zurück zum Konzert und sehen einen weiteren Fan-Film. Hier ist das Highlight jene Szene, in der Colonel Parker (flankiert von einem Helfer und Vernon Presley) auf einem Esel zur Bühne reitet, um seinem Klienten ein Getränk zu reichen. Insgesamt kommt das Houston-Segment auf sechseinhalb Minuten, unterlegt wurden die Clips mit entsprechenden Soundboard-Aufnahmen.

 

19. Juni 1974: Amarillo/Texas

Aus Amarillo sehen wir drei Minuten und achtundvierzig Sekunden. Der Kameramann befand sich auf dem Mainfloor, etwas rechts von der Bühne. Nahaufnahmen gibt es nicht, dafür wurde der Film aber mit Mischpultaufnahmen unterlegt. Insgesamt nehmen wir also die Perspektive eines normalen Konzertbesuchers ein.

 

26. Juni 1974: Louisville/Kentucky

In Louisville wurden mehr als 16 Minuten gefilmt. Der Clip mit einem Bericht der lokalen TV-Station, in dem vor allem das Drumherum gezeigt wird. Auch Interviews mit Konzertbesuchern sind zu sehen. Ich finde solche Aufnahmen extrem interessant, weil sie eine Welt zeigen, die es längst nicht mehr gibt und mir erklären, in welchem Umfeld sich Elvis und seine Zeitgenossen bewegten. Wie in Amarillo, so wurde auch hier von der Grundebene der Arena direkt vor der Bühne gefilmt, wieder allerdings ohne Zoom. Das Bild ist für Aufnahmen dieser Art durchschnittlich.

 

30. Juni 1974: Omaha/Nebraska (Abendshow)

Auch in Omaha wurde vergleichsweise lange gefilmt, diesmal sogar über 19 Minuten. Unterlegt wurden die Aufnahmen mit einem Mischpultmitschnitt der Show. In s/w sehen wir Aufnahmen der Halle, die Show selbst wurde in Farbe gefilmt. Der Kameramann befand sich direkt vor der Bühne, der King ist nah und klar zu sehen. Zu den Highlights gehören Trying To Get To You, How Great Thou Art und Why Me Lord, während dem Elvis auf dem Boden sitzt! Noch immer liefert der Meister eine ordentliche Show, das Verteilen seiner Halstücher beginnt allerdings bereits Überhand zu nehmen.

 

19. Juli 1975: Uniondale/New York (Nachmittagsshow)

Wir springen ein Jahr nach vorn und schauen vier Minuten lang in das Uniondale-Konzert vom 19. Juli 1975 hinein. Der Clip wurde aus mehreren Filmen zusammengesetzt, der Hauptteil wurde von einem der Balkone mit Zoom gefilmt. Elvis ist erkennbar gewichtiger als 1974, wirkt aber noch immer gesund und guter Dinge. Während Songs wie Burning Love, T-R-O-U-B-L-E oder Mystery Train liefert vielleicht sogar mehr Body English als zum Beispiel im Sommer 1973. Bild und Ton sind mehr als ordentlich, somit bietet der Film einen schönen Abschluss der ersten DVD dieses Sets.

 

02. Mai 1975: Atlanta/Georgia

Dass die zweite Disc ein paar Wochen zurück springt, ist vermutlich dem Umstand geschuldet, dass hier zehn Minuten gefilmt wurde und die Daten nicht mehr auf die erste Scheibe gepasst hätten. Die Position des filmenden Fans war optimal, die Kamera befand sich quasi direkt vor Elvis. Gekleidet in einem weißen, mehrteiligen Anzug betritt er die Bühne und beginnt mit See See Rider. Ähnlich wie im 1968er TV-Special zieht er sich dabei ironisch immer wieder seine Haartolle ins Gesicht. Der Kontakt mit den Fans nimmt inzwischen einen wichtigen Teil der Show ein, immer wieder küsst Elvis Damen am Bühnenrand, nimmt Geschenke entgegen oder verteilt eines seiner Halstücher. Oft bekommt man den Eindruck, der Meister sänge nur nebenbei. Auch der Abschied wird mit ausgiebigem Händeschütteln, etc. zelebriert. Das alles ist in dieser Qualität schön anzusehen und unterhaltsam, aber es fällt eben auf, wie sehr sich die Show gewandelt hat.

 

23. Juli 1975: Ashville/North Carolina

Jetzt springen wir wieder zum Juli und bekommen sechzehneinhalb Minuten aus Ashville präsentiert. Gefilmt wurde vom Balkon etwas rechts der Bühne. Das Bild ist vergleichsweise dunkel und unscharf. Dennoch hat auch dieser Clip interessante Momente, wie eine rare Performance von It's Midnight oder die Action-Sequenzen von Polk Salad Annie und Mystery Train/Tiger Man. Hier zeigt sich, dass Elvis im Sommer 1975 aktiver war als im Vorjahr und sich bei den Uptempo-Nummern durchaus auch körperlich ins Zeug legte.

 

19. August 1975: Las Vegas/Nevada (Dinner Show)

Der 1,75 Minuten lange Film steigt in der Mitte von Can't Help Falling In Love ein. Der Kameramann stand mittig zur Bühne, hatte also einen perfekten Blick auf das Geschehen. Bild und Ton sind in Ordnung. Elvis verteilt seine Halstücher in einem solchen Tempo, dass es fast schon lächerlich wirkt. Dann senkt sich der Vorhang, wie gewohnt kehrt der King aber nochmal zurück, um sich noch ein wenig bejubeln zu lassen. Interessant zu sehen sind die Szenen dennoch.

 

20. August 1975: Las Vegas/Nevada (Dinner Show)

Von dieser Show gibt es knapp vier Minuten zu sehen, wir steigen mit Hound Dog ins Programm ein. Es folgen kurze Sequenzen verschiedener Lieder, interessant ist zum Beispiel, dass Elvis, während er die Geschichte zu Softly, As I Leave You erzählt, auf einem Stuhl sitzt. Von T-R-O-U-B-L-E gibt es mehrere Ausschnitte zu sehen, hier hoffte der Filmer wohl auf Body-Action, die ihm der King allerdings verwehrte. Beim Finale von Burning Love hingegen kommt Elvis etwas in Schwung. Danach folgt Can't Help Falling In Love. Der Clip ist mit dem vorherigen Vergleichbar, die Qualität ist in Ordnung.

 

15. Dezember 1975: Las Vegas/Nevada

Der nahezu zehnminütige Film beginnt mit einer Werbetafel für das Pre-Holiday Jubilee und einem Schwenk über Las Vegas. Das Konzert selbst wurde vom Balkon aus gefilmt, leicht rechts von der Bühne. Nahaufnahmen gibt es keine, grundsätzlich sind Bild und Ton aber gut. Wieder gibt es jede Menge Interaktion mit den Fans, unter anderem bekommt Elvis einen Stoffhund überreicht, der größer ist, als er selbst. Ein kleines Exemplar gibt es ebenfalls, diesmal elektronisch und lustig vorwärts wackelnd. Body-Action gibt es auch zu sehen, während Polk Salad Annie legt der King einen Knee-Bend hin, den ich ihm gar nicht mehr zugetraut hätte. Gesanglich beeindruckt Elvis mit How Great Thou Art, am Schluss der Veranstaltung schaffen es sogar zwei Damen auf die Bühne. Ganz im Gegensatz zu den 1950er Jahren warten sie allerdings brav, bis Elvis sich verbeugt hat und ihnen den ersehnten Schmatzer aufdrückt. As Time Goes By.

 

20. März 1976: Charlotte/North Carolina

Wir sehen die Anzeige am Charlotte Coliseum, dann betritt Elvis auch schon die Bühne ebendieser Arena. Der Kameramann stand recht weit vorn auf dem Mainfloor, wir haben also direkte Sicht auf den King. Das Bild ist sehr gut, unterlegt wurde es mit einem Mischpultmitschnitt der Show. Vier Minuten standen dem aufnehmenden Fan zur Verfügung, wir skippen also nur schnell durch das Konzert. Interessant ist, dass wir hier auch mal Larry Londin zu sehen bekommen, der Ronnie Tutt am Schlagzeug vertrat. Auch hier wirkt der Meister recht korpulent, ist aber körperlich erstaunlich aktiv und hat offenkundig Spaß an seinem Tun.

 

27. Mai 1976: Bloomington/Indiana

Aus Bloomington bekommen wir dreieinhalb Minuten zu sehen. Der Clip beginnt mit Fans auf dem Weg zum Veranstaltungsort, die Aufnahmen von der Show selbst sind allerdings mehr als enttäuschend. Bild und Ton sind schlecht, Elvis ist mehr oder minder ein weißer Umriss. Bei einer Laufzeit von zwei Stunden und vierzig Minuten hätte sich Pyramid diese Sequenz sparen sollen.

 

27. Juli 1976: Syracuse/New York

Die zwei Minuten und dreiundfünfzig Sekunden zeigen die Performance von Love Me. Hier war die Kamera nahe dran, auch wenn das Bild nicht wirklich detaillreich ist. Qualitativ ist der Film in Ordnung. Elvis wirkt stark übergewichtig, der Fokus liegt eindeutig auf dem Verteilen der Halstücher und nicht auf dem Gesang. Dennoch ist es interessant, die Interaktion zwischen Star und Fans zu beobachten.

 

29. Dezember 1976: Birmingham/Alabama

Ein halbes Jahr später präsentierte sich Elvis in deutlich besserer Verfassung, er hat ganz offenkundig etliche Pfunde verloren und wirkt deutlich aktivier. Unterlegt wurde der siebeneinhalb minütige Clip mit passenden Mischpultaufnahmen. Die Bildqualität würde ich als durchschnittlich bezeichnen. Dann aber setzt sich Elvis zur Performance der Unchained Melodie ans Klavier und ist damit zufälligerweise der Kamera ganz nah. Und genau diese Sequenz macht den Film für mich zum Highlight.

 

18. Juni 1977: Kansas City/Missouri

Das Set endet mit einem der wohl besten 8mm-Filme von Elvis, aufgenommen während seiner letzten Konzertreise. Bild und Ton sind ungewöhnlich gut, die Kamera liefert jede Menge CloseUps. Wir sehen das Opening, weite Teile der Gitarren-Session mit Are You Lonesome Tonight und Blue Christmas sowie das 1977 nur noch selten gespielte Big Boss Man. Leider wirkt Elvis angeschlagen, sein Gesicht ist aufgedunsen und er spricht mit schwerer Zunge. Während Are You Lonesome Tonight machen sich Charlie und Elvis wie üblich über Homosexuelle lustig (wobei diese Art von Humor in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts noch anders bewertet wurde), Blue Christmas unterbricht der King, um den Zuschauern zu erzählen, dass er die Probe-Session vor der Tour geschwänzt hat. Charlie Hodge schaut verdutzt und lacht dann gekünstelt - er musste da halt durch. Wie kann man den Clip also zusammenfassen? Technisch Creme de la creme, inhaltlich bottom of the barrel. 

 

Fazit & Bewertung

Hier und dort enthält das Set sicherlich Füllmaterial, aber es wartet eben auch mit vielen sehr guten Filmen und einigen echten Highlights auf.

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte Cover bei Pyramid.