Sold Out! - Volume 5

 

Im Juni 2021 folgten die Ausgaben 5 und 6 der Serie Sold Out! - The Ultimate 8mm Collection. Der fünfte Teil deckt die Jahre 1970 bis 1974 ab, Ausgabe Nummer sechs beschäftigt sich mit der Zeit zwischen 1973 und 1977. Hier soll es um Volume 5 gehen.

Die beiden DVDs stecken in einem doppelt aufklappbaren Digi-pak, das neben passenden Fotos auch Liner Notes von Barb Dobie enthält. Namentlich dürfte sie den wenigsten Fans ein Begriff sein, ihre Bilder und Filme aber sehr wohl. Über die Jahre traf sie Elvis vergleichsweise häufig (bzw. fing ihn ab) und hielt auch etliche Konzerte fest.

 

August 1970: Las Vegas/Nevada

Die erste DVD startet mit einem 40minütigen Clip vom Elvis Summer Festival 1970. Das genaue Aufnahmedatum ist unbekannt, die Produzenten dieses Sets gehen vom 22. August aus. Gefilmt wurde direkt vor der Bühne und auch wenn es keine Close Ups von Elvis gibt, so ist die Bildqualität ungewöhnlich gut. Wie damals üblich, liefert der King auch an diesem Tage voll ab und bringt eine Show, die den wenige Tage zuvor für That's The Way It Is gefilmten Konzerten in nichts nachsteht. Kurz und gut: Das Set beginnt mit einem echten Highlight.

 

14. November 1970: Los Angeles/Kalifornien (Nachmittagsshow)

Wer glaubt, dass es viel besser nicht werden kann, sollte sich nun festhalten. In Los Angeles kam die Kamera dem King richtig nahe, zudem ist das Bild schon fast als sensationell zu bezeichnen. Mehr dürfte mit Amateur-Equipment der 1960er Jahre nicht möglich gewesen sein. Unterlegt wurden die Bilder mit einem sehr gut klingenden Publikumsmitschnitt. Weil der Clip nur zweieinhalb Minuten läuft, wirft er natürlich nur Schlaglichter auf die Show. Die aber haben es in sich und lassen den geneigten Zuschauer sprachlos zurück.

 

14. November 1970: Los Angeles/Kalifornien (Abendshow)

Auch die Abendveranstaltung wurde festgehalten, hier bekommen wir knapp drei Minuten zu sehen. Offenbar stand den Produzenten keine Tonaufnahme zur Verfügung, so dass wir uns mit den Bildern zufrieden geben müssen. Die können mit denen der Nachmittagsshow allerdings locker mithalten, zusätzlich interessant sind sie, weil Elvis einen Anzug mit extrem langen Fransen trägt und damit natürlich herumkaspert. Durch den fehlenden Ton fällt der Wow-Effekt geringer aus, der Film selbst zählt aber zweifellos ebenfalls zum besten 8mm-Material, das von Elvis existiert.

 

20. August 1971: Las Vegas/Nevada (Dinner Show)

Der 44sekündige Film präsentiert uns die letzten Takte von Can't Help Falling In Love sowie das Closing Riff, zu dem Elvis noch einmal auf die Bühne kommt. Das Niveau der vorangegangenen Clips wird hier nicht erreicht, weit weg davon sind die Aufnahmen freilich nicht. Auch hier ist wieder der Bühnenanzug von Elvis interessant, denn das Modell mit den kurzen Fransen wird eher mit dem Vorjahr in Verbindung gebracht.

 

04. September 1971: Las Vegas/Nevada (Dinner Show)

Wir sehen das gigantische Billboard des Hotels wie auch den Entertainment-Tempel selbst. Das frisch von der Hilton Group übernommene Resort trägt bereits das übergroße H an der Fassade, der International-Schriftzug ist allerdings noch vorhanden. Gefilmt wurde vom Balkon schräg links von der Bühne. Nahaufnahmen gibt es nicht, das Bild ist aber auch hier ungwöhnlich gut. Elvis agiert ähnlich dynamisch wie im Vorjahr, das nahezu komplett gefilmte Proud Mary zeigt seine Bewegungsfreude sehr schön auf.  Während Polk Salad Annie erlaubt sich Elvis einen kleinen Scherz und unterbricht seine Body Action für einen Blick auf die imaginäre Armbanduhr. Bei Teddy Bear sieht man ihn Plüschbären ins Publikum werfen. Insgesamt läuft der Film sieben Minuten und einundvierzig Sekunden.

 

16. November 1971: Salt Lake City/Utah

Der nächste Film hat eine Laufzeit von 14,5 Minuten und entführt uns zu Elvis' einziger Städtetournee des Jahres 1971. Nach kurzen Landschaftsimpressionen und Bildern von Salt Lake City betritt der King die Bühne. Der Kameramann befand sich direkt vor Elvis, auch die Bildqualität ist sehr gut. Verglichen mit dem ein halbes Jahr später produzierten Film Elvis On Tour wirkt der Meister hier schlanker, fröhlicher und vitaler. Er ist mit voller Kraft und sichtbarer Spielfreude unterwegs und es macht einfach Spaß, ihm zuzusehen. Auch deshalb stellt der Clip für mich ein echtes Highlight dar.

 

09. April 1972: Hampton Roads/Virginia (Abendshow)

Nun kommen wir zu einem Konzert, das MGM auch für Elvis On Tour mitgeschnitten hat. Die Sold Out! präsentiert uns einen zweiminütigen Fan-Film, der ohne Ton aus größerer Entfernung und mit unterdurchschnittlicher Bildqualität aufgenommen wurde. Hier verfuhr Pyramid offenbar wie seinerzeit Colonel Parker: Wenn's bezahlt wurde, muss es auch veröffentlicht werden.

 

09. Juni 1972: New York City/New York

Die erste DVD des Sets schließt mit einem Film von acht Minuten und vierundvierzig Sekunden, den ein lokaler TV-Sender damals anfertigen durfte. Die ersten drei Minuten zeigen das Vorprogramm mit Jackie Kahane und den Sweet Inspirations sowie Impressionen von der Pause. Dann kommt Elvis und eröffnet die Show mit That's All Right, das nahezu komplett gefilmt wurde. Offenbar durfte das Fernsehteam nur vom Balkon aus drehen, Close Ups gibt es also nicht. Bild und Ton sind aber natürlich trotzdem besser als bei den Amateuraufnahmen.

 

18. August 1972: Las Vegas/Nevada (Dinnershow)

Auch in Vegas wurde vom Balkon leicht rechts der Bühne gefilmt, die Kamera ist Elvis sogar etwas näher als in New York. Bild und Ton kommen natürlich nicht an die professionellen Aufnahmen heran, sind allerdings auch nicht um Welten davon entfernt. Elvis trägt statt einen der üblichen Jumpsuits eine Kombination mit Hemd und Jackett. Während You've Lost That Lovin' Feeling zieht er die Jacke aus, so dass man nun auch das bunte Hemd mit Paisley-Muster bewundern kann. Der 16minütige Film liefert einen guten Eindruck von der Show und ist qualitativ sehr ansprechend.

 

27. August 1972: Las Vegas/Nevada (Dinnershow)

Der Kamerawinkel ist ähnlich, das Bild ist aber nicht ganz so scharf und es werden lediglich sechs Minuten gezeigt. Elvis war inzwischen wieder zu seinen regulären, einteiligen Bühnenkostümen übergegangen.

 

02. September 1972: Las Vegas/Nevada (Dinnershow)

Kommen wir nun zum Highlight der 1972er Vegas-Clips. Der Film läuft gerade einmal drei Minuten, aber die haben es in sich. Wie die LA-Aufnahmen von der ersten DVD weisen auch diese Szenen eine Qualität auf, die wohl dem Ultimo entspricht, was das damalige Amateur-Equipment hergab. Auch hier wurde der Film nachvertont, von Synchronisation kann aber wohl kaum die Rede sein. Es passt einfach hinten und vorne nicht. Trotzdem sind diese Aufnahmen unglaublich faszinierend, weil sie eben tatsächlich beinahe schon an professionelle Filme herankommen. Ein echtes Highlight!

 

13. November 1972: San Bernadino/Kalifornien

An diese Show scheint sich Pyramid einen Narren gefressen zu haben, wir bekommen wieder fast zwanzig Minuten daraus zu sehen. Der Kameramann befand sich direkt vor der Bühne und das Bild ist prinzipiell gut, leider ist Elvis aber überbelichtet, so dass sein Gesicht zu häufig zu weiß blinkt und auch sonst die Details recht verwaschen wirken. Weil es auf vorangegangenen Ausgaben besseres Material von dieser Show gab, komme ich auch hier nicht umhin, den Clip als Füllmaterial zu werten.

 

26. April 1973: San Diego/Kalifornien

Ganz im Gegensatz zum vorangegangenen Clip wartet der achtzehneinhalb minütige Film aus San Diego mit sehr guter Bild- und Tonqualität auf. Als er die Bühne betritt, kommt Elvis der Kamera einmal sogar erstaunlich nahe. Letztere ist leicht rechts vor dem King positioniert.  Verglichen mit der im Januar aufgezeichneten Aloha-Show hat Elvis ein paar Pfunde zugelegt, insbesondere sein Gesicht wirkt fülliger. Dafür ist der Meister aber deutlich aktiver, bewegt sich mehr und hinterlässt auch einen gelösteren Eindruck als seinerzeit in Honolulu.

 

13. Mai 1973: Stateline/Nevada

Von den Auftritten im Del Webb's Sahara Tahoe Hotel in Stateline gibt es kaum Bild- und Tonmaterial, jetzt bekommen wir sogar einen dreiminütigen Film davon zu sehen! Der Kameramann saß auf einem Balkon rechts der Bühne. Nahaufnahmen gibt es keine, doch Bild und Ton sind in Ordnung. Wir sehen Elvis quasi genau so, wie damals der Fan im Publikum.

 

03. Juli 1973: Atlanta/Georgia

Der 58sekündige Film zeigt den King, wie er sein Hotel verlässt und mit einer Limousine Richtung Konzertarena verschwindet. Auf den Ausgaben drei und vier dieser Reihe hat Pyramid Szenen wie diese zur Einleitung benutzt.

 

1973: On Tour

Das genaue Aufnahmedatum ist unbekannt, sicher ist jedoch, dass die Szenen während der Juni/Juli-Tour entstanden. Der Kameramann stand direkt vor der Bühne und schnitt Can't Help Falling In Love sowie Teile des Closing Riffs mit. Bild und Ton sind sehr gut, es war eine der letzten Gelegenheiten, den King mit dem für ihn typischen Cape zu sehen.

 

1973: On Tour

Auch hier steht das Datum nicht fest, der Hersteller tippt aber auf den 27. Juni 1973. Das könnte insofern passen, als dass Elvis hier den Aloha Eagle Suit trägt. Die Szenerie ist ähnlich wie beim vorangegangenen Clip, der King singt Can't Help Falling In Love und verabschiedet sich zu den Klängen des Closing Riffs. Auch die Bild- und Tonqualität ist ähnlich gut. Insgesamt dauert die Aufnahme eine Minute und 39 Sekunden.

 

1973: On Tour

Die DVD schließt mit einem weiteren Film von der 1973er Sommer-Tournee. Elvis trägt abermals den Aloha Eagle Suit, das Aufnahmedatum ist jedoch unbekannt. Diesmal sehen wir den Anfang der Show, der King betritt die Bühne und singt See See Rider. Der einminütige Clip weist ebenfalls eine gute Bild- und Tonqualität auf, die Kamera war allerdings weiter von Elvis entfernt.

 

Fazit & Bewertung

Volume 5 punktet mit einigen extrem guten 8mm-Filmen und vielen überdurchschnittlichen Clips. Leider gibt es auch hier mit Hampton Roads und San Bernadino wieder leicht zu identifizierendes Füllmaterial.

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte Cover bei Pyramid.