Sold Out! - Volume 4

 

Ende April 2021 folgt der vierte Teil der Sold Out! - The Ultimate 8mm Collection. Wie gehabt handelt es sich um zwei DVDs, die in einem einfach aufklappbaren Digipak untergebracht sind. Letzteres enthält auch kurze Liner Note von Duke Bardwell, der von Januar 1974 bis April 1975 für Elvis Bass gespielt hat.

Das passt auch zum Inhalt der DVDs, denn die Filme konzentrieren sich weitgehend auf diese Zeit, obgleich uns auch drei 1976er Clips geboten werden. Insgesamt kommt das Set auf eine Laufzeit von 2 Stunden und 40 Minuten, was in etwa den anderen Teilen der Serie entspricht.

 

1974 - Candid Footage

Wie beim Vorgänger, so fungiert der erste Clip nur als Einleitung. Eine Limousine bringt den King im Sommer 1974 zu einem seiner Auftritte, der Wagen fährt vorbei, auf der Rückbank sehen wir den bereits im Jumpsuit gekleideten Elvis. Das Ganze dauert nur sechs Sekunden, die Bildqualität ist jedoch gut.

 

11. Mai 1974: Los Angeles/California (Abendshow)

Auch der zweite Film läuft keine Minute, er enthält das Ende der Abendveranstaltung vom 11. Mai 1974. In sehr guter Bildqualität sehen wir Elvis im auf dem Cover gezeigten American Eagle Suit, wie er sich zu den Klängen des Closing Riffs verbeugt und anschließend die Bühne verlässt. 

 

25. Juni 1974: Columbus/Ohio

In Columbus trug Elvis dasselbe Outfit, auch hier hat der Clip eine starke Qualität. Der Kameramann stand direkt vor der Bühne, unterlegt wurden die Aufnahmen mit einem passenden Mischpult-Mitschnitt. Unter anderem sehen wir einen vergeigten Einstieg in Trying To Get To You (Elvis sagt "Thank you, it's very nice laughing with you") und Action-Sequenzen von Polk Salad Annie und Suspicious Minds. Hier zeigt sich allerdings, dass der Elvis des Jahres 1974 eher rhythmisch hin und her läuft und ein wenig mit den Armen rudert, als dass er Aktrobatik a' la That's The Way It Is (1970) abliefert. Stimmlich ist er jedoch gut disponiert und hat sichtbar Spaß an seinen Auftritten.

 

29. Juni 1974: Kansas City/Missouri (Abendshow)

Dieser Clip ist in Fankreisen schon fast legendär, denn er geistert seit Jahrzehnten durch die Elvis-Welt und gilt zu Recht als einer der hochwertigsten Filme dieser Art. Wieder wurde direkt vor der Bühne gefilmt, wieder wurde der Clip mit einer passenden Soundboard-Aufnahme unterlegt und wieder trägt der Meister den American Eagle Suit. Elvis war an diesem Abend extrem gut drauf und zündete ein wahres Entertainment-Feuerwerk. Und das Beste ist, dass wir ein Viertelstündchen lang dabei sein können. Elvis lacht sich wärend des Spielchens mit dem Wort "well" kaputt, singt spontan Blue Chistmas und bekommt einen riesigen Stoff-Gorilla überreicht. Den klemmt er sich unter den Arm, kommentiert "C'mon baby, let's go home" und bemerkt als Seitenhieb auf seinen Manager "I told the Colonel to stay off the stage!". Weitere Highlights sind nahezu vollständig gefilmte Versionen von Trying To Get To You und Polk Salad Annie. 

 

02. September 1974: Las Vegas/Nevada (Dinner Show)

Der nächste Film serviert uns knapp 12 Minuten von der vorletzten Show des Gastspiels. Der Kameramann saß auf einem der Balkone, etwas rechts von der Bühne. Nahaufnahmen wie bei den vorangegangenen Clips gibt es nicht, aber allzu weit weg ist Elvis auch nicht und das Bild ist durchaus gut. Der Ton stammt von einem Publikumsmitschnitt, ist aber für Aufnahmen dieser Art durchaus zu gebrauchen. Wir sehen den Anfang der Show, Elvis betritt die Bühne, schüttelt Hände und legt dann los. Er wirkt behäbiger als im Sommer. Während Until It's Time For You To Go verteilt er gleich eine ganze Wagenladung von Halstüchern, bei If You Love Me (Let Me Know) tänzelt er ein wenig herum. Eine 1974er Darbietung von It's Now Or Never zu sehen, hat sicherlich Seltenheitswert und auch die Karate-Demonstration während If You Talk In Your Sleep hat ihren Reiz. So zackig wie im Rahmen der November-Tour aus dem Jahr 1971 bewegt sich der King allerdings längst nicht mehr.

 

02. September 1974: Las Vegas/Nevada (Closing Show)

Jetzt bekommen wir eine Minute von der zu trauriger Berühmtheit gelangten Abschlussvorstellung zu sehen, während der Elvis merklich unter dem Einfluss von Medikamenten stand und sich mit seinen Wortbeiträgen komplett zum Horst machte. Gefilmt wurde direkt vor der Bühne, etwas links vom Zentrum. Die Musiker spielen das Closing Riff, der goldene Vorhang hat sich bereits gesenkt. Elvis, gekleidet im Mad Tiger Suit, ist aber nochmal auf die Bühne gekommen, um sich ausgiebiger zu verabschieden und ein paar letzte Fan-Hände zu schütteln. Von dem vorangegangenen Fiasko ist hier dankenswerterweise nichts zu bemerken, die Bildqualität ist für Aufnahmen dieser Art hervorragend.

 

31. März 1975: Las Vegas/Nevada (Midnight Show)

Jetzt sehen wir den Anfang einer Show, gefilmt wurde etwa zwei Minuten lang von einem der Balkone. So nahe wir beim vorherigen Clip kommen wir Elvis nicht, aber das Bild ist mehr als ordentlich. Der Meister hat etwas zugelegt und trägt statt der hautengen Jumpsuits Kombinationen mit Jackett. Elvis singt den Opener See See Rider und wirkt dabei dynamischer als bei der Aufnahme aus dem Vorjahr.

 

01. April 1975: Las Vegas/Nevada (Closing Show)

Ähnlich wie bei der Closing Show des Elvis Summer Festival 1974 befand sich der Kameramann direkt vor der Bühne. Wie bei der Mitternachtsvorstellung des Vortags trägt der King eine weiße Kombination mit Jackett. Als er Love Me singt, bekommt er einen Helm mit Blinklicht überreicht, den er sich auch sogleich aufsetzt und bezüglich der Beleuchtung kommentiert "That's my brain". Auch wird gezeigt, wie Colonel Parker als Weihnachtsmann verkleidet auf die Bühne kommt und die Band dazu spontan Jingle Bells spielt sowie die Szene, in der Elvis von einem Fan Mickey Mouse-Ohren bekommt, diese Aufsetzt und ein paar Takte des Mickey Mouse March improvisiert. In Nahaufnahme sehen wir Ausschnitte von Big Boss Man, It's Midnight, An American Trilogy und Help Me Make It Through The Night. Während Little Darlin klappt sich Elvis als Gag den Stehtragen seines Jumpsuits nach oben, beim Finale schüttelt er wieder Hände und verteilt Halstücher. Hier gibt es den Meister dann auch wirklich aus der Nähe zu sehen, was in dieser Qualität unglaublich faszinierend ist. Dabei fallen allerdings auch das Übergewicht und die Blässe von Elvis auf.

 

26. April 1975: Tampa/Florida (Abendshow)

Von der Lakeland-Show bekommen wir fünf Minuten zu sehen, gefilmt wurde direkt vor der Bühne, leicht rechts von Elvis. Dieser trägt eine blaue Ausgabe des dreiteiligen Anzuges und ist offenbar gut gelaunt. Nach einem Ausschnitt aus I Got A Woman führt er seine alten Bewegungen vor und lässt JD Sumner seinen Dive Bomb-Effekt vorführen. Der Country-Pop If You Love Me (Let Me Know) wurde nahezu vollständig gefilmt, danach blendet der Clip aus.

 

28. April 1975: Lakeland/Florida

Auch hier standen dem Filmer etwa fünf Minuten an Material zur Verfügung, allerdings verschoss er die nicht gleich am Anfang des Konzertes, sondern schnitt durchgehend einzelne Sequenzen mit. Die Position ist leicht links von Elvis, etwas weiter weg als in Tampa. Das heißt allerdings nicht, dass die Qualität schlechter ist. Leider gibt es keinen Ton, die Produzenten der DVD machten sich auch nicht die Mühe, irgendwelche Instrumental-Tracks zu unterlegen. Der King trägt eine weitere Version des blauen, merteiligen Bühnenkostüms und hinterlässt auch hier einen entspannten, gut gelaunten Eindruck.

 

31. Mai 1975: Huntsville/Alabama (Abendshow)

Der zehnminütige, mit einer Mischpultaufnahme unterlegte Film beginnt mit der Ankunft des Kings in einer Limousine. Der Kameramann befand sich auf einem Balkon auf der linken Seite. So konnte er filmen, wie Elvis vor dem Auftritt eine Treppe zur Bühne hochgeht. Der Meister trägt jetzt übrigens wieder seine typischen Jumpsuits, die nun aufgrund seines Gewichts allerdings unvorteilhaft wirken. Hier hat er sich den Red Phoenix Suit ausgesucht, der vergleichsweise selten zum Einsatz kam. Offenbar legte der Filmer Wert darauf, den Kontakt zwischen dem Star und seinen Fans festzuhalten, immer wieder sieht man Elvis Damen küssen (teilweise sogar via SplitScreen) und Halstücher verteilen. Beim Finale kommt dann auch der Zoom zum Einsatz und wir sehen ein paar Nahaufnahmen. Im Vergleich zu den Clips vom März und April wirkt Elvis' Gesichtsfarbe hier deutlich gesünder.

 

07. Juni 1975: Airport Footage

In Houston wurde der King beim Betreten seines Jets gefilmt. Nur eine Minute lang und ohne Ton, aber dennoch nicht ohne Reiz. Elvis schüttelt die Hände der wartenden Fans und scheint auch Autogramme zu schreiben.

 

17. Juli 1975: New Haven/Connecticut

In New Haven befand sich der Hobbyfilmer auf einem der Plätze hinter der Bühne. Auch hier wurden die fünf Minuten des zur Verfügung stehenden Filmmaterials über das ganze Konzert verteilt. Elvis trägt den Eskimo Totem Pole Suit, zu den Highlights gehören Ausschnitte von Burning Love, T-R-O-U-B-L-E, You Gave Me A Mountain und Mystery Train/Tiger Man. Hier bewegt sich Elvis wieder a' la That's The Way It Is, wenn auch etwas langsamer.

 

28. Juni 1976: Philadelphia/Pennsylvania (Abendshow)

Die erste DVD endet mit zehn Minuten aus Philadelphia. Wir steigen beim Jailhouse Rock in die Show ein, der Kameramann stand direkt in der Mitte der Halle, wenn auch etwas weiter von der Bühne entfernt. Elvis trägt den White Egyptian Bird Suit und ist erkennbar gewichtiger als im Vorjahr. Nahaufnahmen gibt es hier übrigens nicht zu sehen. Während Fever performt der King einen Teil des Songs für die Leute auf der Rückseite der Bühne, Love Letters scheint er von einem Textblatt auf einem Notenständer abzulesen. Das Highlight sind fraglos die beiden Fassungen von Hurt, der damals neusten Single des Kings.

 

18. Juli 1975: Cleveland/Ohio

Mit der zweiten Disc springen wir wieder zurück zur Juli-Tournee des Jahres 1975 und bekommen zwanzig Minuten aus der Cleveland-Show zu sehen. Der Clip wurde aus mehreren Filmen zusammengeschnitten. Ein Fan saß auf den Balkonen rechts der Bühne, hier bekommen viele Totalen zu sehen und erleben die Show quasi aus der Sicht eines typischen Konzertbesuchers. Ein anderer Kameramann befand sich auf einem der Plätze hinter der Bühne, ein dritter liefert frontal gefilmte Nahaufnahmen. Dieser Wechsel macht den Film sehr interessant, zumal die Qualität von Bild und (nachträglich synchronisiertem) Ton sehr gut ist. Während dem Finale von Burning Love geht Elvis voll mit und auch bei Mystery Train/Tiger Man bietet er seinen Fans ein gehöriges Maß an Body English und geht zum Finale in eine Karate-Figur. Als er Little Darlin' singt, überreicht ihm ein Zuschauer einen absurd großen Hut und auch während des Closing Riffs nimmt der Meister Geschenke entgegen. Kurz und gut: Die Disc beginnt mit einem echten Schmankerl.

 

22. März 1976: St. Louis/Missouri

Diesen Film würde ich als das Highlight dieser Veröffentlichung ansehen. Fünfunddreißig Minuten bekommen wir von der Show zu sehen - und zwar in Nahaufnahme! Überdies stand zur Synchronisation ein sehr gut klingender Soundboardmitschnitt zur Verfügung, so dass das Endergebnis einfach nur phantastisch ist. Leider ist Elvis selbst in keiner guten Verfassung, er ist blass, stark übergewichtig und von der Dynamik des Vorjahres ist nicht viel zu sehen. Der im Chicken Rib Suit gekleidete Entertainer arbeitet sein Programm mehr oder minder ab, was er während Polk Salad Annie an Body Action bringt, bekommen auch siebzigjährige Herrschaften noch geregelt. Der Film deckt die komplette Show ab, hat eine phantastische Qualität, zeigt Elvis aber bei weitem nicht im besten Licht.

 

04. Juni 1976: Atlanta/Georgia

In Atlanta wurden nur zweieinhalb Minuten gefilmt, der Clip wurde aus zwei Fan-Filmen kombiniert. Beide Kameramänner saßen auf den Balkonen vor der Bühne und konnten auch mit dem Zoom nicht wirklich nahe an den King herankommen. Das heißt aber nicht, dass die Bildqualität schlecht wäre. Es geht im Eiltempo durch die Show, wir sehen Szenen vom Opening, von Polk Salad Annie, etc. Elvis trägt den White Egiptian Bird Suit.

 

25. Juni 1975: Buffalo/New York

Hier wurden drei Minuten mitgeschnitten, der Filmer befand sich vor der Bühne, konnte aber auch hier keine Nahaufnahmen liefern. Elvis trägt auch hier den White Egyptian Bird Suit. Wir bekommen den Jailhouse Rock und Fever zu sehen. Während letzterem Song spielt der King mit den Fans und treibt die Ladies mit seinen Bewegungen zur Hysterie. 

 

30. November 1976: Anaheim/California

Die DVD endet mit einem fast achtzehnminütigen Film aus Anaheim. Elvis trägt den Indian Feather Suit aus dem Vorjahr und wirkt schlanker als auf den übrigen 1976er Clips. Der Filmer befand sich direkt vor der Bühne und liefert tolle Nahaufnahmen, synchronisiert wurden die Bilder mit einem passenden Soundboard Tape. Das Opening mit See See Rider und I Got A Woman nehmen leider die Hälfte des Films ein, es gibt allerdings auch Ausschnitte aus Fever, Polk Salad Annie und Blue Christmas zu sehen.  Bei letzterem begleitet sich Elvis selbst mit der Gitarre während sich Charlie Hodge als lebendes Mikophonstativ verdingt. An die St. Louis-Aufnahmen kommt die Qualität nicht ganz heran, sie ist aber auch nicht weit davon entfernt. Insgesamt stellt der Clip einen würdigen Abschuss der vierten Sold Out-Ausgabe dar.

 

Fazit & Bewertung

Die Doppel-DVD vereint gute bis sehr gute Fan Footage und darf zu den besten Teilen der Reihe gezählt werden.

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte Cover bei Pyramid.