Sold Out! - Volume 2

 

Nachdem Pyramid im Dezember 2020 die Doppel-DVD Sold Out! - The Rex Martin 8mm Collection Volume One auf den Markt gebracht hat, folgt im März 2021  Sold Out Volume 2 - The Ultimate 8mm Collection.

Wie es der Untertiltel bereits vermuten lässt, stammen die Filme diesmal nicht von Rex Martin. Eine weitere Änderung besteht darin, dass sich der Hersteller hier auf die Vegas-Konzerte der Jahre 1970 bis 1973 beschränkt.

Weil die Clips in chronologischer Reihenfolge präsentiert werden und Elvis logischerweise nicht allabendlich sein Programm änderte, haben wir es mit extrem vielen Wiederholungen zu tun, die nach einiger Zeit ermüdend wirken. Dadurch bringt der Zuschauer den Filmen schlussendlich nicht die Wertschätzung entgegen, die sie verdienen würden. Das ist auch insofern schade, als dass wir es in weiten Teilen mit durchaus hochwertigem Material zu tun haben. Zwar bleiben diesmal bezüglich der Bild-Qualität echte Wow-Effekte aus, aber ein Großteil der 8mm-Footage dürfte besser sein, als das, was die meisten Fans in ihren Sammlungen haben.

Aufgrund der Wiederholungen beschreibe ich diesmal nicht jeden einzelnen Film, sondern fasse die Clips nach den Gastspielen zusammen.

 

Februar 1970

Clip Nummer 1 wurde aus der ersten Reihe von der linken Seite gefilmt. Das Bild ist etwas dunkel, es wurde mit einer Soundboard-Aufnahme synchronisiert. Elvis performt Polk Salad Annie und legt sich mächtig ins Zeug.

Auch der zweite Film ist nur kurz, diesmal wurde frontal vom Balkon gefilmt. Wir bekommen ein paar Eindrücke von Suspicious Minds zu sehen, bei denen der King abermals körperlich aufdreht.

Der dritte und letzte Clip wurde ebenfalls vom Balkon aus gedreht, allerdings etwas seitlich. Besonders interessant sind hier die Impressionen von Long Tall Sally (mit Gitarre), Kentucky Rain und In The Ghetto.

Auch wenn die Bildqualität von keinem der Filme an die Clips vom ersten Teil der DVD-Reihe herankommt, so ist es doch interessant, ein paar optische Eindrücke von diesem frühen Vegas-Gastspiel zu bekommen. Elvis ist gertenschlank und sprüht nur so vor Energie.

 

August 1970

Bevor es mit den Konzertaufnahmen losgeht, bekommen wir ein paar Eindrücke von einem der Pools des International Hotels. Solche Szenen finde ich immer extrem interessant, weil sie uns die Welt von damals und das Drumherum der Presley-Konzerte zeigen. Unterlegt sind die Szenen mit der 1961er Studioaufnahme von Blue Hawaii.

Die Midnightshow vom 14. August wurde vom Balkon aus gefilmt. Nahaufnahmen gibt es nicht, grundsätzlich ist die Bildqualität aber sehr gut. Zu den Highlights gehören eine der raren Darbietungen von Oh Happy Day und der Konzert-Standard Suspicious Minds, bei dem Elvis teilweise auf dem Boden liegend singt.

Genau 24 Stunden später saß der Kameramann in der ersten Reihe und kam demnach ganz nah an Elvis heran. Da auch das Bild sehr gut ist, macht dieser Clip natürlich besonders Spaß. Eingeleitet wird er durch die Leuchtreklamen des International Hotels, von der Show sehen wir unter anderem I Got A Woman, Love Me Tender und Suspicious Minds.

Logischerweise unterscheiden sich die hier gezeigten Szenen nicht wesentlich von dem Material, das man in dem nur wenige Tage zuvor gefilmten MGM-Streifen That's The Way It Is sehen kann.

 

Februar 1971

Die Footage vom Februar 1971 ist zwar nur in schwarz/weiß, dafür ist das Bild aber mehr als ordentlich und wir bekommen ein paar wirklich schöne Nahaufnahmen. Zu sehen sind Ausschnitte von Love Me Tender, The Impossible Dream und dem Finale der Show. Synchronisiert wurde das Ganze mit einem Soundboard-Mitschnitt.

Auch hier befindet sich der Sänger in körperlicher Hochform und wirkt dynamisch und agil.

 

August 1971

Jetzt folgt eine ganze Serie von Filmen vom August 1971, so dass wir mit den immer gleichen Abläufen nahezu bombardiert werden. Eingeleitet werden die meisten Clips von Außenaufnahmen vom Hotel. Einige wurden bei Tag geschossen, andere abends oder nachts. Hier kommen natürlich die Neon-Lichter und das "Ewige Feuer" besonders gut zur Geltung. Die im Sonnenlicht gedrehten Filme zeigen, dass Las Vegas damals noch Lichtjahre von der heutigen Entertainment-Metropole entfernt war. Im Prinzip sieht man ein Wüste, in der hier und dort ein Hotel steht. Aus heutiger Sicht wirkt die Stadt ziemlich trostlos.

Die meisten der Clips wurden vom Balkon des Showroom Internationale gemacht, im Gegensatz zu dem Film aus dem Vorjahr arbeitete der Kameramann hier aber mit dem Zoom. Elvis trägt unterschiedliche Variationen der Cisco Kid Suits, ein Exemplar ist kein Jumpsuit, sondern eine Kombination aus Hemd, Hose und Jacke. Auch ein blauer Anzug dieser Art wird gezeigt, in beiden Fällen zieht der Meister zum Ende der Show die Jacke aus. Die Qualität der Filme schwankt ein wenig, grundsätzlich gehören die Clips aber alle zu den besseren 8mm-Aufnahmen dieser Zeit. Zu den gezeigten Liedern gehören Proud Mary, Polk Salad Annie, Suspicious Minds, Love Me, Johnny B. Goode und Sweet Caroline.

Der zweite Teil der August-Aufnahmen zeigt den Meister in jenem Outfit, das wir vom Cover der LP Elvis Now kennen. Der King leistet sich hier einige Scherze, so steht er zum Beispiel während I Got A Woman komplett still oder tut beim wilden Finale von Polk Salad Annie so, als würde er zwischendurch auf die Uhr schauen.  Als er Teddy Bear singt, bewaffnet sich der King mit Plüschbären, die er während des Songs ins Publikum wirft. Während der erste der Now-Clips vom Balkon aus gefilmt wurde, befand sich der Kameramann bei einer anderen Show dieses Gastspiels direkt vor der Bühne. Hier ist den Produzenten der DVD allerdings die Synchronisation missglückt, denn zunächst denkt man, Elvis während All Shook Up mit einem Textblatt zu sehen. Tatsächlich singt er aber eine seltene Fassung des Jailhouse Rock! Auch dass man für den Sound teilweise auf die drei Jahre später aufgenommene LP Elvis Recorded Live On Stage In Memphis zurückgriff, ist mehr als unpassend.

Der King selbst agiert ähnlich wie ein Jahr zuvor im Film That's The Way It Is, nur seine Outfits sind bunter geworden.

 

Februar 1972

Kleidungstechnisch stellt dieses Gastspiel nochmals eine Veränderung dar, jetzt trägt Elvis Anzüge mit Cape und reichhaltigen Verzierungen aus Metall. Leider ist davon in den beiden Filmen nicht viel zu sehen, denn das Material ist überbelichtet und Details sind kaum zu erkennen. Hier ging es den Produzenten aber wohl um die Bilder an sich, denn Filme oder Fotos von diesem Gastspiel sind äußerst selten.

Warf Elvis ein paar Monate zuvor Plüschbären ins Publikum, so tut er das jetzt mit Stoffhunden. Zu den gezeigten Songs gehören (logischerweise) Hound Dog, Proud Mary und Polk Salad Annie.

Auffällig ist, dass sich der King weniger bewegt als noch ein paar Monate zuvor. Noch immer ist er rank und schlank, aber der Wille, sich auch körperlich zu verausgaben, fehlt.

 

Februar 1973

Die gesamte zweite DVD ist dem Gastspiel vom Januar/Februar 1973 gewidmet, so dass die Wiederholungen hier natürlich auf die Spitze getrieben werden. Elvis' Kleidungsstil hat sich abermals verändert, die Jumpsuits sind nun weiß und opulent mit Strass-Steinen geschmückt. Da er sich erst vor wenigen Wochen für das TV-Konzert Aloha From Hawaii Via Satellite in Form gebracht hat, sieht der King hier natürlich blendend aus.

Die meisten Clips wurden vom Balkon aus geschossen, wie gehabt wird viel mit dem Zoom gearbeitet. Die Qualität ist gut bis sehr gut, viel mehr kann man von Privatfilmen aus dieser Zeit wohl kaum erwarten. Auch hier werden viele Clips von Hotel-Impressionen eingeleitet, einmal filmte der Kameramann auch aus dem Fenster seines Zimmers. Einmal mehr bestätigt sich hier der Eindruck, dass die heutige Entertainment-Metropole damals eine recht öde Wüstenstadt war. Viel Sand und viel Beton in Form von aus heutiger Sicht recht einfallslosen Hotel-Klötzen. Schönheit geht anders.

Die Shows bieten Ausschnitte aus dem typischen Repertoire dieser Tage, wir sehen You Gave Me A Mountain, Steamroller Blues, What Now My Love, Fever, Blue Suede Shoes, You Don't Have To Say You Love Me und andere.

Das Highlight ist sicherlich die Dinnershow vom 15. Februar, denn das war eben jenes Konzert, während dem Elvis aufgrund seiner Stimmprobleme die Bühne verlassen musste. Schon während You Gave Me A Mountain (das recht unscharf im Split-Screen präsentiert wird - hier wollte der Hobbyfilmer wohl die neusten Gadgets testen) fallen etliche missglückte Töne auf, bei Fever geht der Meister sogar kurz singend auf seine Probleme ein. Wir sehen Charlie Hodge, wie er die Show während Elvis' Abwesenheit moderiert und wir werden Zeuge der Rückkehr des Meisters sowie, zumindest in Ausschnitten, der raren Darbietungen von Faded Love und I'm So Lonesome I Could Cry. Auch Polk Salad Annie stand 1973 nicht allzu oft auf der Agenda.

 

Fazit & Bewertung

Der zweite Teil kommt an das Original nicht heran, weil die qualitativen Überflieger fehlen und die Konzentration auf wenige Gastspiele zu viele Wiederholungen mit sich bringt. Unter den 8mm-Filmen aus dieser Zeit gehören allerdings auch die hier gezeigten Clips zu den besseren ihrer Art.

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte Cover bei Pyramid.