Sold Out! - Volume 1

 

Ende Dezember 2020 veröffentlicht das Pyramid-Label eine Doppel-DVD namens Sold Out! - The Rex Martin 8mm Collection Volume One. Untergebracht sind die Datenträger in einem einfach aufklappbaren Digi-pak, das mit Bildern von den gezeigten Konzerten gestaltet wurde.

Geboten werden nahezu drei Stunden an Filmen, die Mr. Martin zwischen 1971 und 1976 aus dem Publikum heraus gedreht hat. Weil das analoge Material damals extrem teuer war, nahm Rex immer nur mehr oder minder kurze Sequenzen auf. Ganze Shows bekommen wir also nicht zu sehen, selbst vollständige Songs finden sich höchst selten. Die Aufnahmen werfen also immer nur Schlaglichter auf die entsprechenden Konzerte. 

Natürlich kann die Qualität nicht mit digitalen Aufnahmen der heutigen Zeit mithalten, selbst das billigste Smartphone liefert um Lichtjahre bessere Ergebnisse als die teuerste Amateur-Ausrüstung der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Vergleicht man das hier gezeigte Material jedoch mit zeitgenössischer Fan-Footage, so stellt man unweigerlich fest, dass die Filme von Rex Martin erstaunlich gut sind. Das Bild ist für damalige Verhältnisse detailreich, zudem hält Rex die Kamera ruhiger als die meisten anderen Amateurfilmer dieser Tage. Weil in den 1970ern die meisten Privatfilme tonlos waren, synchronisierten die Produzenten dieser DVD die Clips mit passenden Audience Recordings oder Soundboardaufnahmen.

 

11. Novemer 1971: Cincinnati/Ohio

Die erste DVD beginnt mit einem etwas über 14minütigen Ausschnitt aus der Show vom 11.11.1971. Elvis trat damals in den Cincinnati Gardens vor 13.272 Zuschauern auf. Mr. Martin hat sich sogar ein Intro gebastelt, mit einem Foto aus der TV-Show SINGER presents Elvis, der Inhaltsangabe, etc. Auch einen Abspann gibt es, hier ist bezogen auf den Konzertfilm des letzten Jahres "That's the way it was" zu lesen.

Wir sehen Teile des Vorprogramms mit den Sweet Inspirations und Jackie Kahane. Vom Presley-Konzert werden weite Teile des Openings mit That's All Right und I Got A Woman gezeigt, auch sind Sequenzen von Proud Mary, You Don't Have To Say You Love Me, You've Lost That Lovin' Feeling und Polk Salad Annie zu sehen. Bei letzterem albert der King mit dem Intro herum. Der Film endet mit dem Abgang des Sängers und Impressionen aus dem Publikum. Hier sieht man übrigens auch Colonel Parker durchs Bild laufen (die Szene hat Rex Martin zuvor auch für seinen Vorspann verwendet).

Beim Anschauen der Live-Sequenzen drängt sich natürlich der Vergleich mit dem während der nächsten Konzertreise gedrehten Film Elvis On Tour auf. Im November 1971 trägt Elvis ein Outfit aus derselben Serie (Black Fireworks Suit), wirkt aber schlanker und kraftvoller. Seine Körperspannung ist höher, er bewegt sich mehr und scheint insgesamt mehr involviert. Gefilmt wurde von einem Platz leicht rechts vor der Bühne. Es gibt viele Nahaufnahmen, die Qualität von Bild und Ton ist sehr gut. Das Set beginnt also mit einem echten Highlight.

 

13. November 1972: San Bernadino/Kalifornien

Ein Jahr später gastierte Elvis in San Bernadino, wo er im Swing Auditorium mit 7.200 Zuschauern eine für seine Verhältnisse recht kleine Kulisse vorfand. Unser Hobbyfilmer hatte einen Platz direkt vor der Bühne, weshalb er dann auch 27 Minuten investierte und während des gesamten Konzertes immer wieder filmte. Das Bild ist sogar noch etwas besser als beim ersten Clip, dafür wird auf echte Close Ups verzichtet. Der Ton ist gut, hin und wieder schwankt die Qualität jedoch und es wird etwas schrill.

Der King betritt die Bühne, mit dem Royal Blue Fireworks Suit trägt er ein Outfit aus derselben Serie wie im Vorjahr. Während See See Rider zuckt Elvis im Takt mit den Schultern, es folgen Ausschnitte aus I Got A Woman und Until It's Time For You To Go. Aus dem Intro macht der King einen Gag, weil er Wasser trinkt und deshalb nicht einsetzen kann. Während Polk Salad Annie gibt es ein wenig Body-Action und Karate-Figuren zum Finale. Im Vorjahr zog Elvis allerdings deutlich ungestühmer zu Werke als jetzt. Es folgen die Oldies Love Me, All Shook Up, Heartbreak Hotel und Blue Suede Shoes. Auch hier herrscht körperlicher Stillstand, bei dem Rock'n'Roll-Klassiker wackelt der King lediglich dezent mit den Beinen. Weiter geht es mit einem Ausschnitt aus Teddy Bear und dem Ende von Don't Be Cruel. Dann möchte Elvis "a little bit of Love Me Tender" singen und bricht den Song nach wenigen Sekunden ab. Der Gag wirkt extrem routiniert, während der Liebesschnulze läuft der King am Bühnenrand hin und her. Der Oldie-Block schließt mit dem Finale von Get Back, zu dem sich Elvis dann wieder etwas mehr bewegt. Während I'll Remember You und How Great Thou Art ist dann eine Veränderung zu beobachten. Der bis dato arg routiniert agierende Sänger ist auf einmal wieder mit vollem Herzen bei der Sache, Körperspannung und Gesichtsausdruck erinnern an den Clip vom Vorjahr. Die Performance von Suspicious Minds ist mit der aus der Aloha-Show vergleichbar, wenn auch mit etwas mehr Bewegung. Es folgt ein Ausschnitt der Intros, mit What Now My Love singt Elvis dann abermals einen Song, bei dem er mit vollem Herzen bei der Sache ist. Während Fever bewegt er sich äußerst dezent, den Text seines aktuellen Hits Burning Love ließt der King über weite Strecken von einem Blatt ab. Das liegt dezent auf einem Notenständer. Erst kurz vor dem Finale kommt Elvis wieder aus seiner Ecke und bringt etwas Body-Action ins Spiel. Während You Gave Me A Mountain erlebt man den Meister noch einmal voll in seinem Element, das anschließende Tiger Man überrascht mit einer Körperlichkeit, die man so nicht mehr erwartet hätte. Hier bewegt sich Elvis tatsächlich so wie 1970/71. Hätte man jetzt noch ein Strobe-Light benutzt, wäre der Effekt noch besser gewesen. Dann beendet der Meister die Show mit Can't Help Falling In Love, das Closing ist in etwa mit den entsprechenden Szenen in Elvis On Tour vergleichbar.

Auch der zweite Clip ist großartig, die Show selbst zweifellos gut. Die Kraft und Spielfreude des 1971er Films sucht man hier allerdings vergeblich. Alles wirkt sehr routiniert, lediglich bei Songs wie I'll Remember You, How Great Thou Art, What Now My Love oder You Gave Me A Mountain scheint Elvis mit vollem Herzen bei der Sache zu sein.

 

22. Juni 1973: Uniondale/New York

Im Sommer 1973 gastierte Elvis mehrfach im 16.500 Menschen fassenden Nassau Coliseum. Rex Martin hatte einen Platz etwas weiter hinten, seitlich links der Bühne ergattert. Wohl auch deshalb filmte er nur sechs Minuten. Es wird viel mit dem Zoom gearbeitet, qualitativ bleibt der Film hinter den ersten beiden Clips zurück. Aber selbst die schlechteren Arbeiten von Mr. Martin übertreffen die meisten Aufnahmen, die in Fankreisen zirkulieren.

Das Design von Elvis' Outfits hat sich inzwischen verändert. Die Grundfarbe der Kostüme ist nun weiß, statt mit Metall-Elementen wird nun mit Strass-Steinen gearbeitet. Wir sehen den King beim Betreten der Bühne, von den einzelnen Songs gibt es jeweils nur kurze Impressionen. Dazu gehören See See Rider, Love Me Tender und der Steamroller Blues. Hier fällt auf, dass sich der King deutlich mehr bewegt als während der zu Beginn des Jahres aufgezeichneten Aloha-Show. Es folgen You Gave Me A Mountain (Intro), Blue Suede Shoes (Finale), Bridge Over Troubled Water (Finale) und Fever. Auch hier ist der King aktiver als im Vorjahr und lässt die Beine zum Takt des Schlagzeuges zucken. Weiter geht es mit What Now My Love und Suspicious Minds. Hier geht Elvis wieder in die Knie und macht den "I hope the suit don't tear up, baby"-Scherz. Während der Intros erhaschen wir einen Blick auf Emory Gordy, der ja nur 1973 Teil der Presley-Band war. Der Clip endet mit Eindrücken von I Can't Stop Loving You, An American Trilogy, A Big Hunk O' Love und Can't Help Falling In Love. Zum Abschluss breitet Elvis natürlich wieder sein Cape aus und bietet sich als Fotomotiv an.

 

23. Juni 1973 (AS): Uniondale/New York

Bei der Nachmittagsvorstellung des folgenden Tages hatte unser Hobbyfilmer noch mehr Pech, denn er saß auf der Rückseite der Bühne. Den Opening-Block filmte er daher nicht, der Clip beginnt mit der Begrüßung der Zuschauer. Es folgt Love Me Tender, jetzt befindet sich der Kamera-Mann vor der Bühne, allerdings weiter hinten in der Arena. Wenn mit dem Zoom gearbeitet wird, ist das Bild vergleichsweise unscharf. Daher gibt es nur kurze Eindrücke vom Steamroller Blues, von Bridge Over Troubled Water und vom Finale der Show. Gelegentlich wechselt die Persepektive. Aufgrund der schlechten Position sparte Rex das teure Film-Material und beschränkte sich auf drei Minuten.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Elvis hier den Snowflake Suit trägt.

 

23. Juni 1973 (ES): Uniondale/New York

Am Abend war Mr. Martin wieder direkt vor der Bühne positioniert, allerdings wieder im mittleren oder hinteren Teil der Halle. Er musste also wieder mit dem Zoom arbeiten, was damals erheblich größere Auswirkungen auf die Bildqualität hatte als heute. Bei diesem Clip verstärkt sich der Eindruck der beiden vorherigen Filme, der King (gekleidet im Fire Suit) zieht deutlich aktiver zu Werke als während des Aloha From Hawaii Via Satellite TV-Konzertes oder dem San Bernadino-Clip von dieser DVD.

Wir sehen Ausschnitte aus You Gave Me A Mountain, Love Me und Blue Suede Shoes. Zum Finale zuckt Elvis wild mit den Beinen, was mit den damals modernen Schlaghosen natürlich einen schönen Effekt ergibt. Weiter geht es mit Impressionen vom Rock'n'Roll Medley und von Fever. Auch hier bewegt sich Elvis deutlich mehr als in San Bernadino oder während der Aloha-Show. Bei I Can't Stop Loving You geht er ebenfalls auch körperlich mit, der Film endet mit einem Ausschnitt aus der American Trilogy.

 

24. Juni 1973: Uniondale/New York

Rex hatte wieder einen direkten Blick auf die Bühne, befand sich aber leider auch wieder weit hinten in der Arena. Er filmte daher nur gute vier Minuten. Wir sehen, wie der mit dem Nail Studded Suit bekleidete Elvis die Bühne betritt, bekommen Impressionen von See See Rider, Love Me Tender, Steamroller Blues, Blue Suede Shoes, Shake Rattle And Roll sowie Fever. Unser Mann aus Memphis ist ähnlich aktiv wie an den Vortagen.

 

28. Juni 1973: St. Louis/Missouri

Im Kiel Auditorium trat der King am 28. Juni vor 12.000 Fans auf. Obwohl Mr. Martin offenbar einen guten Platz hatte, filmte er nur vier Minuten. Die haben es allerdings in sich, denn wir bekommen mal wieder eine Reihe schöner Nahaufnahmen von Elvis zu sehen. Leider zeigen die, dass das Gesicht des Meisters trotz der sommerlichen Bräune ungesund aufgedunsen ausieht. Auch hat er im Vergleich zum Beginn des Jahres offenbar ein paar Kilo mehr auf den Hüften. Wie wir heute wissen, war Elvis schon damals stark medikamentenabhängig, wenige Stunden vor dem hier zu sehenden Auftritt verabreichte er sich sogar eine Überdosis.

Von all diesen Dingen ist hier aber nichts zu bemerken, Elvis performt ebenso gut wie an den Tagen zuvor. Der kurze Film beginnt mit dem Rock'n'Roll Medley, an dem der King offenbar seine Freude hat. Das Highlight ist allerdings I'm Leavin', das hier zumindest fast komplett zu sehen ist. Während des Songs endet der Clip leider schon wieder.

 

23. Juni 1974 (AS): Philadelphia/Pennsylvania

Ein Jahr später begegnen wir Elvis während der Nachmittagsvorstellung in Philadelphia. Zwei Konzerte gab er an diesem Tag im Spectrum, jedes war mit 19.000 Zuschauern ausverkauft. Das Design der Anzüge hat sich abermals verändert, die Strass-Steine sind Stickereien gewichen. Der heute getragene Anzug zeigt einen Pfau und wird demnach Peacock Suit genannt.

Weil Rex Martin wieder mal weiter vom Geschehen entfernt saß (linke Seite des Zuschauerblocks vor der Bühne), filmte er nur fünf Minuten. Die Qualität ist nicht so gut wie die der vorangegangenen Clips.

Es gibt Impressionen von See See Rider, dem Finale von I Got A Woman/ Amen (Dive Bomb, Zuckungen, Gitarrenwurf zu Charlie Hodge), Trying To Get To You (Anfang), Hound Dog (Ende) und Polk Salad Annie zu sehen. Bei letzterem geht Elvis zwar athletisch in die Knie, aber von der Action der Jahre 1970/71 oder auch nur 1972 ist er weit entfernt. Der Film schließt mit Funny How Time Slips Away und dem Finale, bei dem der King Fan-Hände schüttelt und sich in alle Richtungen verbeugt.

 

23. Juni 1974 (ES): Philadelphia/Pennsylvania

Die Aufnahmen der Abendvorstellung gehören fraglos zu den Highlights dieser Veröffentlichung. Rex saß genau vor der Bühne und konnte Elvis so richtig schön aus der Nähe filmen. Zwölf Minuten lang sehen wir fraglos einen der besten 8mm-Filme, die jemals bei einem Presley-Konzert aufgenommen wurden.

Der im American Eagle Suit gekleidete King betritt die Bühne und singt See See Rider. Während des Gitarrensolos von James Buton dreht er seine eigene Gitarre um und gibt damit auch den Leuten in den hinteren Reihen zu verstehen, dass seine Aktionen nichts als Fake sind. Weiter geht es mit I Got A Woman/Amen (inklusive Dive Bomb und Zuckungen), Love Me und Trying To Get To You. Es folgen All Shook Up, Love Me Tender, Hound Dog (inklusive Schütteln zum Finale) und Fever. Hier filmt Mr. Martin teilweise nur vom Gürtel bis zu den Beinen, damit man das Pelvis von Elvis in Action erleben kann. Suspicious Minds wird im Stile der Aloha-Show dargeboten, die Body Action ist stark reduziert. Neuerdings geht der King bei "Oh let our love survive" nicht einmal mehr auf die Knie. Es folgen Impressionen der Bandvorstellung, von I Can't Stop Loving You, Heartbreak Hotel sowie dem Ende von Can't Help Falling In Love inklusive Closing Vamp.

Die Nahaufnahmen zeigen einen fröhlichen Elvis, der offenbar seinen Job sehr mag und auch gesünder ausschaut als in dem Clip aus St. Louis.

 

24. Juni 1974: Niagara Falls/New York

Am folgenden Tag trat Elvis im Convention Center in Niagara Falls vor 11.500 Zuschauern auf. Der Film beginnt mit ziemlich dunklen Bildern von der Ankunft des Kings. Schon im Jumpsuit steigt der Sänger in eine Limousine. Mr. Martin saß etwas weiter hinten in der Halle, Elvis selbst ist überbelichtet und erscheint mehr oder minder als weißer Fleck. See See Rider ist komplett zu sehen, es folgen das Spielchen mit dem "well" und der Ray Charles-Hit I Got A Woman. Dann springt der Film im Konzert ein ganzes Stück vorwärts, als wir wieder mit An American Trilogy einsteigen, ist die Bildqualität allerdings um einiges besser. Während Funny How Time Slips Away lacht der King nach der Zeile "ain't it funny" übertrieben, das Ende lässt er von JD Sumner zweimal wiederholen. Während Let Me Be There ist der King offenbar voll in seinem Element und bewegt sich zum Takt der Musik. Gleiches ist bei Big Boss Man zu beobachten. Der Film endet mit Can't Help Falling In Love.

Die erste DVD des Sets schließt somit mit einem der schlechteren Filme. Nahaufnahmen gibt es keine, zu den Highlights würde ich aber Let Me Be There und Big Boss Man zählen. Hier ist die Bildqualität deutlich besser als zu Beginn, Elvis geht richtig schön mit und bewegte Bilder des Meisters im Turquise Phoenix Suit sind selten.

 

27. Juni 1974: Bloomington/Indiana

In Bloomington gastierte der Meister vor 16.000 Fans in der University Of Indiana und trug den Blue Swirl Suit. Rex Martin saß hinter der Bühne, hatte aber freihe Sicht auf den King. Somit filmte er auch hier mehr als zwanzig Minuten lang.

Nach kurzem Kuddelmuddel und einigen Takten des Hawaiian Wedding Song steigt der Clip ins Bloomington-Konzert ein. Elvis singt See See Rider und hat das Mikrophon in der Hand. Erst nach dem Song bringt Charlie Hodge das übliche Stativ. Während I Got A Woman enthüllt ein Zoom, dass der Filmer offenbar weiter weg saß. Der Winkel ist aber so, dass er eine unversperrte Sicht auf die Dinge hat, eben nur von der anderen Seite. Am Ende von Amen darf JD Sumner zweimal seine Bass-Stimme demonstrieren, was, wie wir hier sehen, schon 1974 eine öde Angelegenheit war. Weiter geht es mit Love Me, All Shook Up, Love Me Tender und Hound Dog. Während der Liebesschnulze verteilt er Halstücher an die Damen, zum Ende des Rock'n'Roll-Klassikers schüttelt er sich ein wenig. Das alles wirkt arg routiniert. Vor Fever tauscht Elvis seinen weißen Schal gegen ein blaues Exemplar, dann unterhält er die Fans mit wilden Beinbewegungen und einem gekreischten "Elviiiiis" nach der Zeile "I light up when you call my name". Während Polk Salad Annie tänzelt er ein wenig zur Musik, am Schluss rudert er mit den Armen und macht seinen Knee Bend. Das alles kommt gut rüber, ist aber eben auch von der Body Action vergangener Jahre weit entfernt. Es folgen Why Me Lord, Suspicious Minds und Help Me. Während Let Me Be There bewegt sich der King wieder ein wenig zur Musik, bei Big Boss Man und dem Steamroller Blues ist unser Mann ebenfalls körperlich involviert. Man sieht genau, welche Songs Elvis interessieren und welche pure Routine darstellen. Der Film schließt mit dem Closing Vamp und den Abschiedsrunden des Meisters vor dem Abgang.

 

30. Juni 1974 (ES): Omaha/Nebraska

Wir verlassen die Tournee mit der Nachmittagsvorstellung in Omaha/Nebraska am 30.06.1974. Auch hier hatte Elvis den Blue Swirl Suit an, wir bekommen etwa zehn Minuten der Show zu sehen.

Rex Martin befand sich vor der Bühne und filmte den letzten Teil der Show. Wir sehen Ausschnitte aus Why Me Lord und Suspicious Minds. Die Band rockt nach wie vor, der abermals im Blue Swirl Suit gekleidete Elvis bleibt jedoch relativ bewegungslos. Help Me wurde fast durchgehend gefilmt und zeigt einen engagierten Mr. Presley, bei der American Trilogy wirkt er allerdings weitaus weniger emotional als noch 1972/73. Let Me Be There ist relativ komplett, abermals sehen wir den King zur Musik tänzeln. Der Anfang des Steamroller Blues sowie das Closing mit Händeschütteln und Verbeugungen beschließen den Film.

 

27.September1974: College Park/Maryland

Vom Eröffnungskonzert der 1974er Herbst-Tournee wurden 17 Minuten gefilmt. Wir schauen von vorn auf die Bühne, haben also die optimale Position. Bild und Ton sind ebenfalls gut. Elvis stand aufgrund seiner Medikamentensucht in diesen Tagen vollkommen neben sich und zahlreiche Aufnahmen enthüllen seinen Zustand schonungslos. Insofern hat der Film die perverse Faszination eines schweren Unfalls, da er uns endlich Bilder zum Geschehen liefert.

Der Mann aus Memphis betritt die Bühne. Wie bei vielen Konzerten des Sommers trägt er den Peacock Suit. Doch er hat sich verändert. Seine Haare sind länger und ungekämmt, fast könnte man meinen, er käme gerade aus der Dusche. Auch hat er etwas zugelegt. Nach See See Rider dreht er sich um und erzeugt dadurch einen Aufschrei der Menschen hinter der Bühne. Wir sehen Ausschnitte aus dem Spielchen mit dem Wort "well" sowie I Got A Woman und gleich zwei Dive Bomb-Routinen. Dem Oldie Love Me folgt das neue If You Love Me (Let Me Know), zu dem der King ein wenig die Beine bewegt. Der Ballade It's Midnight folgt der das rhythmische Big Boss Man, während dem Elvis allerdings mehr oder minder nur auf der Bühne herumsteht. Von Fever sehen wir das Intro, von Love Me Tender das Finale. Von Hound Dog und Bridge Over Troubled Water fehlen jeweils die Mittelteile, dann bekommen wir Ausschnitte von Polk Salad Annie zu sehen. Abermals bewegt er sich sehr dezent, am Ende geht er wieder in die Knie. In seinem Zustand eine respektable Leistung. Es folgen die Intros, unter anderem ist auch Jackie Kahane zu sehen. Die Nahaufnahmen von Elvis' Gesicht zeigen deutlich, dass der Mann angeschlagen ist. Ironischerweise geht es weiter mit Killing Me Softly, einer von Voice vorgetragenen Nummer. Dann folgen Why Me Lord, All Shook Up und Don't Be Cruel. Hier bleibt Elvis mit dem Halstuch an seiner Kette hängen, als er sich das Teil aus dem Nacken ziehen und ins Publikum werfen will. Vom Hawaiian Wedding Song sehen wir die ersten und die letzten Takte. Die Aufnahme endet mit Can't Help Falling In Love und dem Closing Vamp. Hier scheint Elvis gar nicht von der Bühne zu wollen.

Elvis wirkt ein wenig verlottert und die Nahaufnahmen enthüllen, dass er unter dem Einfluss irgendwelcher Substanzen steht. Es sei allerdings auch angemerkt, dass der King längst nicht so angeschlagen wirkt, wie es die Tonaufnahmen vermuten lassen.

 

27.April1975: Lakeland/Florida

Aufgrund seines sich stetig verschlechternden Zustands hatte Elvis Ende 1974 sein Karate-Filmprojekt aufgegeben und eine Recording Session für RCA abgesagt. Zudem war das für Januar 1975 geplante Vegas-Engagement auf den März verschoben worden. Im April ging er dann allerdings wieder auf Tournee, aus Lakeland bekommen wir acht Minuten geboten.

Rex Martin hatten einen Platz vor der Bühne und kam näher an Elvis heran als zum Beispiel in College Park oder Omaha. Wir sehen, wie Elvis die Bühne betritt. Seit dem Herbst des Vorjahres hat er stark zugenommen, ist erkennbar übergewichtig. Wohl auch deshalb trägt er keinen seiner üblichen Jumpsuits, sondern eine Kombination aus Hose, Hemd und Jackett (tatsächich handelte es sich bei der Hose um einen Jumpsuit mit weitem Brustausschnitt). Das heutige Modell ist dunkelblau und hat rote/goldene Ornamente auf den Schultern und an den Hosenbeinen. Daher heißt es Dark Blue 2-Piece Suit & Red/Gold Ornaments. Das Haupthaar des Sängers ist neuerdings konservativ gescheitelt, die Koteletten länger als in den Vorjahren.

See See Rider wurde quasi komplett gefilmt, weiter geht es mit dem "well" und I Got A Woman/Amen. Elvis demonstriert seine alten Bewegungen, selbstverständlich ist auch die Dive Bomb-Routine wieder dabei.  Es folgt If You Love Me (Let Me Know), während Love Me Tender küsst Elvis eine Zuschauerin. Als er Teddy Bear singt, begibt sich der King zum hinteren Teil der Bühne, anschließend sind Teile von Help Me zu sehen. Das Highlight ist fraglos Burning Love. Gerade zum Ende hin ist Elvis körperlich erstaunlich aktiv, lässt den Oberkörper und den Kopf zu den Lichteffekten zucken wie zu seinen besten Zeiten. So viel Bewegung hätte ich dem King ehrlich gesagt gar nicht zugetraut, im direkten Vergleich wirkt seine 1972er Performance in San Bernadino recht zahnlos. Hut ab!

 

18. Juli 1975: Cleveland/Ohio

Der Auftritt in Cleveland ist mit einem achteinhalbminütigen Clip dokumentiert, Rex Martin stand mit seiner Kamera schräg links vor der Bühne. Er saß wohl etwas weiter weg, das Bild ist gut, der Ton etwas blechern. Elvis war wieder zu den altbekannten Jumpsuits zurückgekehrt, das Outfit selbst, es handelt sich um den Eskimo Totempole Suit, war allerdings neu.

Elvis und der Chor singen den Gospel Amen, der King ist vollkommen begeistert und geht gleich mehrfach in die Verlängerung. Natürlich parodiert er auch wieder seine Moves der 1950er und wirft Charlie Hodge seine Gitarre zu. Hier sieht man sehr schön, wie sich Charlie in Position stellt, während sein Chef noch zur Schlagzeuguntermalung allerhand Gags und Gimmicks darbietet. Wir bekommen nun Impressionen von Love Me Tender, All Shook Up (Elvis verteilt Halstücher) und dem Anfang von Teddy Bear. Auch während des Rock'n'Roll-Klassikers Hound Dog bringt der Meister seine Schals unter das Volk, mit The Wonder Of You bekommen wir einen Song zu sehen, den wir bis dato noch nicht hatten. Danach unterhält sich Elvis kurz mit einer Dame, gibt ihr einen Kuss und schenkt ihr ein Halstuch. Dann singt er You Don't Have To Say You Love Me und hat, weil das Lied schon lange aus dem Standardprogramm verschwunden war, teilweise erhebliche Textprobleme. Der Clip endet mit der Frage, ob als nächstes Polk Salad Annie oder Burning Love gespielt werden soll.

 

19. Juli 1975 (AS): Uniondale/New York

Nach zwei Jahren kehrte Elvis nach Uniondale zurück und auch dieses Mal war Mr. Martin mit seiner Kamera zur Stelle. Sein Platz war direkt vor der Bühne, so dass wir hier wirklich grandiose Nahaufnahmen des Kings sehen. Dieser trug übrigens den Chicken Rib Suit, ein weiteres, neues Outfit. Insgesamt wurden abermals etwas weniger als neun Minuten gefilmt.

Schon als Elvis die Bühne betritt und die Hände einiger Fans schüttelt, gelingen Rex Martin ein paar herrliche Close Ups. Der King singt See See Rider und zuckt diesmal zum Finale nicht nur mit den Beinen, sondern baut auch seine Gitarre in das Spielchen ein und deutet Karate-Figuren an. Es folgt I Got A Woman/Amen (natürlich mit Dive Bomb), das Elvis ebenfalls mit sehr ausladenden Bewegungen untermalt. Wir sehen Ausschnitte aus Big Boss Man und Love Me Tender, während dem der King natürlich wieder ein paar Damen küsst. Rex filmte dann die actiongeladenen Finale von Burning Love und T-R-O-U-B-L-E sowie eine kurze Sequenz von You Gave Me A Mountain. Während Tiger Man ist Elvis abermals höchst aktiv, wenn auch nicht mehr so sauber choreografiert wie fünf Jahre zuvor. Abschließend sehen wir das Finale der Show und den Abgang des Kings.

 

19. Juli 1975 (ES): Uniondale/New York

Während der Abendveranstaltung nahm unser Hobbyfilmer fünf Minuten auf, auch hier hatte er einen Platz ganz vorn und kam dem King mit seiner Kamera extrem nahe. Die ersten Close Ups sehen wir bereits, als Elvis (gekleidet im Eskimo Totem Pole Suit) die Bühne betritt. Als Gimmick bekommen wir hier sogar zwei Perspektiven geboten, die Produzenten dieser DVD griffen also nicht ausschließlich auf das Material von Rex zurück. Wir sehen See See Rider und I Got A Woman, die Darbietungen unterscheiden sich logischerweise kaum von denen vom Nachmittag. Dann folgt, ebenfalls in Nahaufnahme, eine Sequenz, in der sich Elvis mit einem Kind aus dem Publikum beschäftigt. Von Polk Salad Annie und T-R-O-U-B-L-E gibt es wieder nur die Finale zu sehen, wir schauen kurz in Funny How Time Slips Away hinen, bevor der Film mit Eindrücken von Can't Help Falling In Love und dem Closing VAMP endet.

 

20. März 1976 (AS): Charlotte/North Carolina

Nach dem Ende der 1975er Juli-Tour dauerte es nahezu ein dreiviertel Jahr, ehe der King wieder auf Konzertreise ging. Von seinem Nachmittagsauftritt in Charlotte/North Carolina bekommen wir gute vier Minuten zu sehen, wir hetzen quasi im Eiltempo durch die Show.

Der King trägt den Dark Blue Phoenix Suit, ein Kostüm aus dem Vorjahr. Man sieht allerdings deutlich, dass Elvis seitdem zugenommen hat. Zudem trägt er eine merkwürdige Pony-Frisur. Dann sehen wir, jeweils nur in kurzen Ausschnitten, See See Rider, die Dive Bomb-Routine samt Gitarrenwurf, die Entgegennahme eines Geschenks, Let Me Be There, You Gave Me A Mountain sowie Polk Salad Annie. Elvis bewegt sich auch hier zur Musik, geht in die Knie und deutet eine Karate-Figur an. Dabei macht er einen besseren Eindruck, als es Fotos dieser Tage vermuten lassen würden, von der Anmut der Jahre 1970/71 ist er allerdings um Lichtjahre entfernt. Es folgt das ebenfalls durchaus actionreiche Finale von Burning Love sowie Sequenzen von Funny How Time Slips Away, Can't Help Falling In Love und dem Closing Vamp. Als er einigen Fans im Publikum die Hände schüttelt, kommt er der Kamera ganz nah. Es sind wirklich fabelhafte Close Ups, die wir hier zu sehen bekommen. Sie zeigen einen gut gelaunten, fröhlichen Elvis, der aber auch blass und kränklich aussieht. Schon der Vergleich mit seinem Aussehen im Sommer des Vorjahres ist erschreckend.

 

30. Juli 1976: New Haven/Connecticut

Das Set endet mit sechs Minuten aus der New Haven-Show vom 30. Juli. Das Bild ist in Ordnung, der Ton ist exzellent, da er von der zugehörigen FTD-Veröffentlichung genommen wurde. Die bestätigt leider, dass Elvis stimmlich in extrem schlechten Zustand war, er klingt nasal, heiser und kraftlos. Auch optisch macht er nicht viel her, die Haare und Koteletten sind ein wenig zu lang, außerdem hat er offenbar weiter zugenommen.

Elvis, gekleidet im Blue Egyptian Bird Suit, betritt die Bühne. Die Kamera liefert uns einige Nahaufnahmen. Wir sehen den Anfang von See See Rider, dann nimmt der King ein Geschenk entgegen und verteilt während Love Me seine Tücher. Das hat er auch schon in den Jahren zuvor gemacht, jetzt benutzt er dieses Gimmick aber inflationär. Es gibt einen Ausschnitt von If You Love Me (Let Me Know) zu sehen, als ihm ein Fan eine Krone überreicht, deutet er an, sich das Ding aufsetzen zu wollen, lässt es dann aber kopfschüttelnd bleiben. Viel Bewegung sehen wir nicht, Elvis tänzelt während des Refrains eher unmotiviert herum. Mr. Martin hat an dieser Stelle offenbar erkannt, dass das Filmmaterial angesichts des Gebotenen zu teuer ist und stellt die Kamera erst zum Ende von Love Letters wieder an. Nach kurzen Impressionen der Bandvorstellung folgt eine mäßige Performance der damals neuesten Single Hurt. Danach fragt Elvis "Do it again?" und legt nochmal los. Von dieser zweiten Fassung bekommen wir jedoch nur den Anfang zu sehen. Zum Abschluss verteilt der King einen weiteren Schal, nimmt einen Teddy Bear als Geschenk entgegen und singt Can't Help Falling In Love.

Im Vergleich zu den Vorjahren fällt auf, dass Elvis nicht mehr als Sänger in Erscheinung tritt, der ab und zu Kontakt zu den Fans aufnimmt, sondern als ein Star zum Anfassen, der permanent Hände schüttelt, Halstücher verteilt oder sonstwie am Bühnenrand unterwegs ist. Die Musik scheint zweitrangig geworden zu sein, es geht nur noch um das Event der leibhaftigen Anwesenheit des Kings.

 

Fazit & Bewertung

Die Doppel-DVD liefert uns gute bis sehr gute Fan-Filme, die mit passenden Tonaufnahmen synchronisiert wurden. Für Fans der Concert Years ist diese Sammlung unverzichtbar.

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte Cover bei Pyramid.