Bruce Jackson - On The Road With Elvis

 

Follow That Dream Records beginnt das Jahr 2021 mit einem Set namens Bruce Jackson - On The Road With Elvis. Dabei handelt es sich um ein Hardcover-Buch von 210 Seiten, dem ein Digi-pak mit drei CDs beiliegt. Zu hören sind eine Audio-Dokumentation über das Jahr 1976 sowie zwei bis dato unveröffentlichte Presley-Konzerte vom Oktober bzw. Dezember dieses Jahres.

Im Gegensatz zu den vorangegangenen Buchveröffentlichungen von FTD handelt es sich hier nicht um eine Originalproduktion. Gary Jackson hatte das Buch über seinen Bruder bereits 2018 auf den Markt gebracht, war damals aber auf großen Teilen der Auflage sitzengeblieben. Die Vermarktung in Eigenregie funktionierte nicht, der aufgrund der Kombination aus hochwertiger Produktion und geringer Stückzahl entstandene Verkaufspreis schreckte viele Interessenten ab. Zudem ist die Jackson-Familie in Australien beheimatet, was zusätzlich für hohe Versandkosten sorgte. Anno 2020 kaufte Follow That Dream Records den Restbestand auf und produzierte das CD-Set - fertig war der neue Verkaufsartikel.

Das FTD-Paket war übrigens günstiger als seinerzeit das Buch allein, denn Gary war dem Sammler-Label preislich offenbar extrem entgegengekommen.

 

 

Das Hardcover-Buch steckt in einem soliden Pappschuber. Gedruckt wurde es auf festem Glanzpapier, das Design wirkt modern und ansprechend. Insgesamt hinterlässt die Produktion aus dem Hause Band Book Publishers einen sehr hochwertigen Eindruck.

Aber um wen geht es denn nun überhaupt? Bruce Jackson ist den Concert Freaks unter den Fans vor allem als derjenige bekannt, der den Stage Monitor (also das die Bühne beschallende Tonsystem) bediente und eine Vielzahl der Shows auf Tonbändern und Musikkassetten mitschnitt. Doch diese Beschreibung wird Mr. Jackson ganz und gar nicht gerecht. Tatsächlich ist sein Job in der Presley-Crew so ziemlich der unwichtigste Teil seines Wirkens.

Der am 03.06.1949 geborene Bruce Robert Jackson gründete mit nur 18 Jahren zusammen mit Phillip Storey die Firma J&S Research Electronics Pty. Ltd., die Gitarrenverstärker und anderes Sound-Equipment entwickelte und vertrieb. Nachdem ein Geschäftspartner die Firma grundsätzlich "J and S" schrieb, änderten die beiden Inhaber den Namen in JANDS Pty. Ltd. Die Firma machte sich in Australien schnell einen Namen, wurde aber nur zwei Jahre nach ihrer Gründung aufgrund eines Streits zwischen Jackson und Storey verkauft. Die Basis war aber mehr als solide, denn zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung (also 50 Jahre später) existierte JANDS noch immer und stellte die führende Firma für Licht- und Tontechnik in Australien dar.

1970 heuerte Bruce bei Clair Brothers an, für die er Tourneen damaliger Größen wie Blood, Sweat & Tears und Johnny Cash betreute. Von 1971 bis 1977 war Mr. Jackson für den Stage Monitor der Elvis Presley-Show verantwortlich, nach dem Tod des Kings arbeitete er für hauptsächlich für Bruce Springsteen und Barbara Streisand. Für seine Arbeit an dem TV-Special Barbara: The Concert gewann er einen Emmy Award. Andere Stars, für die er tätig war, hießen Ozzy Osbourne, Rod Steward, Fleedwood Mac, Diana Ross und Steve Wonder. Auch für Großevents wurde Bruce gebucht. So zeichnete er für den Sound der Eröffnungsgalas der Summer Olympic Games 2000 in Sidney, der Asian Games 2006 in Doha und den Winter Olympics 2010 in Vancouver verantwortlich.

All diese Tätigkeiten sorgten jedoch nicht dafür, dass er die Entwicklung von Equipment aus den Augen verlor. Ganz im Gegenteil, gerade auf diesem Gebiet erbrachte der Mann wegweisende Leistungen. Während seiner Zeit bei Clair Brothers entwarf er Tonsysteme und Mischpulte. Auch war er es, der als erster Lautsprecher auf einer an die Hallendecke gehängte Plattform unterbrachte, um die Sicht der Zuschauer nicht zu behindern. In den 1980ern gründete Bruce Jackson mit weiteren Geschäftspartnern die Firma Apogee Electronics, die zum Beispiel den 944 (low dispersion, linear phase, active low-pass filter) entwickelte und damit 1986 einen der ersten Tec Awards gewann. Nachdem er Apogee verlassen hatte, war Bruce federführend in der Entwicklung eines digitalen Management-Systems für Lautsprecher, das sich mit einem Tablet steuern ließ und es dem Tontechniker erstmals ermöglichte, sich frei durch die Arenen zu bewegen und den Sound von jedem beliebigen Ort aus nachzujustieren. Das Verfahren galt als Revolution und wurde nach kürzester Zeit von mehr als 70% der Veranstalter genutzt. Dolby kaufte die Rechte, beauftragte Bruce mit der Entwicklung einer kommerziellen Variante und machte ihn zum Vice President der Live Sound Devision.

Bruce Jackson-On The Road With Elvis beschreibt das berufliche, wie private Leben des Tec-Genies. Die Eltern waren wohlhabend und betrieben zeitweise ein Hotel, das in einem schlossartigen Anwesen untergebracht war. Jackson war viermal verheiratet und hatte drei leibliche Kinder. Schon früh erwarb er einen Pilotenschein, wurde zum begeisterten Flieger und besaß auch selbst etliche Maschinen. Während seiner Zeit in der Presley-Crew erlaubte ihm der King sogar, die Lisa-Marie, seinen Privat-Jet, zu fliegen. Auch der Tod von Bruce hängt mit seinem großen Hobby zusammen, denn er starb bei einem Flugzeugabsturz nahe des Death Valley National Park am 29. Januar 2011. Nach seinem Tod wurde im Sidney Opera House eine Gedenkveranstaltung abgehalten, zu der mehr als 500 Freunde und Kollegen erschienen. Auch wurden Video-Botschaften von Bruce Springsteen, Barbara Streisand und U2 eingespielt.

Zu Bruce Springsteen hatte Jackson offenbar eine besonders enge Bindung, denn er steuerte zu diesem Buch ein Vorwort bei.

Gary Jackson geht bei der Beschreibung des Lebens seines Bruders chronologisch vor, wobei er die Jugendzeit immer wieder mit der Karriere des Kings verknüpft. Das wirkt ein wenig bemüht, denn Bruce hatte insbesondere in den 1960er Jahren die Musik der damals angesagten Stars im Ohr - und nicht die Filmschlager eines Elvis Presley. In den eingestreuten Originalkommentaren wird auch immer wieder deutlich, dass der Job beim ehemaligen Rock'n'Roll-König für den jungen Sound-Wizzard keine große Sache war.

Mit den Jahren entwickelten Bruce und Elvis ein freundschaftliches Arbeitsverhältnis. Man unterhielt sich auch mal privat, wie bereits beschrieben überließ der King seinem Tontechniker sogar den Jet. Letzteren stattete Bruce übrigens auf Elvis' Wunsch hin mit dem damals neusten Sound-Equipment aus.

Viel interessanter als die Anekdoten über den King sind allerdings die Beschreibungen der Tourneen. Wir erfahren etwas über die Organisation der Konzertreisen und die damals genutzte Tontechnik. Aus diesen Jahren gibt es auch reichlich Bildmaterial. Man sieht Sound Systeme und Bühnenaufbauten, zum Beispiel auch die ungewöhnliche Konstruktion für die Silvester-Show 1975/76. Aber natürlich gibt es auch Privataufnahmen von Bruce, Abbildungen von Presley-Devotionalien, etc.

Wer sich nicht nur für Elvis, sondern auch für die damalige Zeit und das "Drumherum" interessiert, kommt hier sicherlich voll und ganz auf seine Kosten.

 

 

Dem Buch liegt ein Digi-pak mit drei CDs bei, die eine Audio-Dokumentation sowie zwei Konzertaufnahmen enthalten. Ein 10seitiges Booklet erklärt den Inhalt der Tonträger und zeigt Fotos bzw. Abbildungen von Memorabilien. Produziert wurde das Set von Ernst M. Jorgensen, für das Mastering der Live-Mitschnitte zeichnet Jan Eliasson verantwortlich.

Die Audio-Dokumentation beschäftigt sich mit dem Jahr 1976, Produktion und Moderation gehen auf das Konto von Jack Mullins. Die Konzertaufnahmen entstanden am 18.10.1976 in Sioux Falls/South Dakota und am 30.12.1976 in Atlanta/Georgia.

Zu den Beschreibungen der Inhalte kommt ihr über die Labels:

 

Fazit & Bewertung

Auch ohne eine Verbindung zu Elvis Presley wäre das Leben von Bruce Jackson eine Erzählung wert gewesen. Umso erfreulicher, dass dies nun im Rahmen eines qualitativ hochwertigen Buches mit zwei bis dato unveröffentlichten Konzertaufnahmen sowie einer Audio-Dokumentation als Zugabe geschieht.

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte bei Band Book Publishers sowie Follow That Dream Records/Sony Music Entertainment.