Where No One Stands Alone

Am 10. August 2018 bringt Sony unter dem klassischen RCA-Label die CD Where No One Stands Alone auf den Markt.

Natürlich ist das Album auch als Download und Stream erhältlich, für die Fans der klassischen LP gibt es sogar eine Vinyl-Ausgabe.

Im Shop von Elvis Presley Enterprises werden zusätzlich zu der schwarzen Vinyl-Version auch limitierte Pressungen in blau und pink angeboten. Zudem kann das Album dort als Musik-Cassette bestellt werden.

Billboard notierte Where No One Stands Alone  in der ersten Verkaufswoche auf Rang 22 der Top Album Charts. In der Physical Album Chart, der Christian Album Chart und der Vinyl Album Chart konnte der King sogar den ersten Platz erreichen.

In Großbritannien stieg der Tonträger auf Rang 9 in die Album Charts ein, in den Niederlanden und Australien auf Rang 15. In Belgien und Deutschland reichten die Verkäufe der ersten Woche immerhin für die Top40 (Plätze 34 und 37).

Produziert wurde Where No One Stands Alone  von Joel Weinshanker, Andy Childs und Lisa Marie Presley. Letztere singt bei dem Titelsong auch mit ihrem Vater im Duett.

Ähnlich wie bei den drei Produktionen mit dem Royal Philharmonic Orchestra wurden auch hier die Instrumente und Gesangsstimmen neu eingespielt sowie die Aufnahmen des Kings teilweise neu zusammengesetzt. 

Zu hören sind auf dem Album Dennis Wage (Klavier und Orgel), Jason Webb (Keyboard), Andy Childs (Keyboard), Tom Hemby (Gitarre), Pat Cuchanan (Gitarre), Steve Mandile (Gitarre), James Lowry (Gitarre), Mike Bringnardello (Bass), Jimmie Lee Sloas (Bass), lonnie Wilson (Schlagzeug), Greg Morrow (Schlagzeug), Jim Horn (Saxophone), Scott Ducaj (Trompete) und Roy Agee (Posaune).

Der Hintergrundgesang stammt von Andy Childs, Shawnel Corley, Gus Gaches, Terry Franklin, Gale Mayes, Angela Primm, Robb Tripp und dem Christ Church Choir aus Nashville, Tennessee.

Um dem Album Authentizität zu verleihen, reaktivierten die Produzenten auch eine Reihe von Sängerinnen und Sängern, die vor vier bis fünf Jahrzehnten selbst mit dem King im Studio und auf der Bühne gestanden hatten.

Von den Imperials engagierte man Terry Blackwood, Armond Morales und Jim Murray, von den Stamps Donnie Sumner, Bill Baize, Ed Hill und Larry Strickland sowie Cissy Houston von den Sweet Inspirations und Darlene Love von den Blossoms.

Die Arrangements stammen von Gus Gaches (Gesang), Steve Mauldin (Chor) und Jim Horn (Blechbläser). Die Leitung des Chors oblag Christopher Phillips.

Im Gegensatz zu Elvis, der weite Teile seiner Songs unter Live-Bedingungen im Studio einspielte, wurden die Aufnahmen für dieses Projekt an unterschiedlichen Orten angefertigt und später zusammengesetzt.

Für Where No One Stands Alone  arbeitete man in Nashville in den Ocean Way Recording Studios, bei Cool Tools Audio, im Curb Studio B, The Tracking Room und Next Level Productions. In Los Angeles nahm man bei The Village und EastWest auf, in New York in der Power Station At Berklee.

Das Mastering und der Mix erfolgten in Nashville bei Georgetown Masters bzw. Pro Tools Audio.

Hauptverantwortlich für das Mastering waren Tony Castle, Andrew Mendelson und Ed Seay. Letzterer betreute auch den abschließenden Mix der Aufnahmen.

Koordiniert wurde das Projekt von Shannon Finnegan.

 

I've Got Confidence

Elvis nahm das Lied am 18. Mai 1971 für sein Gospel-Album He Touched Me  auf.

Seinerzeit verkaufte sich die LP etwa zwei Millionen Mal und brachte dem King neben einer Platin-Auszeichnung der RIAA auch einen Grammy ein. 

Das ReMake von I've Got Confidence  wartet mit einem neuen Intro, diversen Breakes und Blechbläsern auf. Auch der Hintergrundgesang wurde vollständig neu arrangiert und bedient nun so ziemlich jedes Gospel-Klischee.

Der "Garagen-Rock" Touch des Originals fehlt hier komplett, das neue Arrangement wirkt cleaner.

Damit möchte ich es aber keinesfalls abqualifizieren, denn auch die 2018er Version kommt gut rüber und bildet einen flotten Einstieg in das Album.

 

Where No One Stands Alone

Jetzt springen wir zurück ins Jahr 1966, genauer gesagt zum 25. Mai. RCA Victor brachte das Lied im folgenden Jahr auf der LP How Great Thou Art  heraus.

In den USA brachte der Tonträger dem King Dreifach-Platin ein, der weltweite Absatz des Albums wird auf fünf Millionen Stück geschätzt.

Das Intro klingt sehr brav, dann aber entwickelt sich die Nummer und gewinnt zusehens an Kraft.

Wie eingangs bereits geschrieben, singt Lisa Marie Presley hier mit ihrem Vater im Duett. Mir gefällt ihre vergleichsweise dunkle und rauchige Stimme gut und sie harmoniert auch sehr schön mit der des Kings.

 

Saved

Der flotte Pseudo-Gospel stammt von Jerry Leiber und Mike Stoller, der King spielte seine Fassung am 22. Juni 1968 für das Gospel-Medley in der TV-Show SINGER presents Elvis  ein.

Der Soundtrack ging damals circa 3 Millionen Mal über die Ladentheken und wurde mit einem Platin Award ausgezeichnet.

Das ReMake kommt druckvoll daher, wurde unter anderem mit einem Orgel-Solo und einem Elvis-Ending ergänzt.

 

Crying In The Chapel

Als Kontrast zum vorangegangenen Track plätschert Crying In The Chapel  mehr oder minder belanglos vor sich hin. Das war beim Original nicht viel anders, nett anzuhören sind beide Fassungen.

Ursprünglich hatte Elvis das Lied am 30. Oktober 1960 für sein Gospel-Album His Hand In Mine  eingespielt, schlussendlich blieb es aber bis 1965 im Archiv.

Als es von RCA dann aber auf einer Single veröffentlicht wurde, erreichte es den dritten Platz der Billboard Charts, verkaufte sich weltweit 3,75 Millionen Mal und brachte dem King eine weitere Platin Auszeichnung ein. Wohl auch deshalb war das Lied als Bonus Song später auch auf dem Album How Great Thou Art  zu hören.

 

So High

Elvis spielte den Song am 26. Mai 1966 für die LP How Great Thou Art  ein.

Das neue Arrangement klingt schmissig, der Song wurde um diverse Breaks und Soli bereichert.

 

Stand By Me

Wir bleiben beim Repertoire des How Great Thou Art-Albums, diesmal entstand die Aufnahme jedoch am 25. Mai 1966.

Die ruhige Gospel-Ballade wurde mit einem neuen Piano-Intro und einem schönen, getragenen Arrangement ausgestattet.

 

Bosom Of Abraham

Nun springen wir zum 9. Juni 1971 und damit zur LP He Touched Me.

Der Song hat nun ein rhyhtmisches Intro und eine nett gemachte, vom Schlagzeug getragene Bridge, in die man den Gesang des Kings kopiert hat.

 

How Great Thou Art

Elvis spielte den Titelsong seines zweiten Gospel-Albums am 25. Mai 1966 ein.

Anno 1974 erschien auf dem Album Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  eine Konzertaufnahme, die dem Sänger im folgenden Jahr einen weiteren Grammy Award einbrachte. Kommerziell war die LP ebenfalls erfolgreich, verkaufte sich 1,5 Millionen Mal und wurde von der RIAA mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet.

Im Vergleich mit der Studioaufnahme, die als Grundlage des ReMakes dient, betreffen die größten Veränderungen das Arrangement des Chores.

Alles klingt wuchtig und verbreitet wunderbares Gospel-Feeling.

 

I, John

Abermals geht es zurück zum 9. Juni 1971.

Das neue Arrangement klingt deutlich voller als das Original und hat einen teibenden Beat. Auch der Chor verwendet jetzt mehr Gospel-Elemente, was ebenfalls meinen Geschmack trifft.

 

You'll Never Walk Alone

Als RCA Victor zur Osterzeit des Jahres 1968 die Single We Call On Him / You'll Never Walk Alone  veröffentlichte, hoffte man auf einen Nachfolger des Hits Crying In The Chapel. Mit einem 90. Platz in den Billboard Charts und einer weltweiten (!) Verkaufszahl von gerade einmal 500.000 Kopien landete der King allerdings einen veritablen Flop.

Ganz im Gegensatz dazu ließ sich die 1971 veröffentlichte Budget-LP You'll Never Walk Alone allerdings 5 Millionen Mal absetzen und brachte dem King für die US-Verkäufe einen doppelten Platin-Award ein.

Die Aufnahme selbst stammt vom 11. September 1967.

Obwohl das neue Arrangement gut gemacht ist, kann es mit dem vor Gefühlen strotzenden Original nicht mithalten.

Letzteres hätte mich allerdings auch gewundert, denn Elvis' Aufnahme stellt wohl die definitive Version dieses Klassikers dar.

 

He Touched Me

Der Titelsong von Elvis' drittem Gospel-Album entstand am 18. Mai 1971.

Das neue Arrangement unterscheidet sich deutlich von der bekannten Version. Der Anfang ist wesentlich dezenter gehalten als das Original, am Ende geben alle Beteiligten dann nochmal so richtig schön Gas.

Mir persönlich gefällt diese Fassung ausnehmend gut.

 

In The Garden

Mit dieser Aufnahme vom 26. Mai 1966 kehren wir ein letztes Mal zur LP How Great Thou Art  zurück.

Wie das Original, so ist auch das ReMake dezent instrumentiert. Dennoch weicht die neue Version in Details von der bekannten Fassung ab und ist insgesamt sehr geschmackvoll arrangiert.

 

He Is My Everything

Elvis spielte das religiöse ReMake von There Goes My Everything  am 9. Juni 1971 ein und konnte dabei keinesfalls mit seiner im Vorjahr aufgenommenen Fassung auf dem Album Elvis Country - I'm 10,000 Years Old  mithalten.

Das neue Arrangement ist, insbesondere den Chor betreffend, anders gestaltet als die Originalversion.

Positiv fällt auf, dass dadurch der streckenweise schlampige Gesang des Meisters geschmackvoll kaschiert wird. Insofern gefällt mir die neue Version schon fast besser als das Original.

 

Amazing Grace

Leider kann ich letzteres von diesem Song nicht behaupten. Hier treten vor allem in der ersten Strophe Elvis' vokale Patzer überdeutlich in Erscheinung.

Der dann verstärkt einsetzende Chor überdeckt dann wieder die schlechte stimmliche Verfassung, in der sich der King im Frühjahr/Sommer 1971 befand.

Bei dieser Hymne haben die Produzenten versucht, das Arrangement durch eine Änderung der Tonlage innovativ zu gestalten. Dadurch klingt es jetzt allerdings teilweise so, als würde Elvis die Töne verfehlen. Anno 1971 klang seine Stimme nicht optimal, aber so schlimm war es dann doch nicht.

Auf der CD The Wonder Of You - Elvis & The Royal Philharmonic Orchestra Volume II  aus dem Jahr 2015 gab es übrigens schon einmal eine neu arrangierte Fassung von Amazing Grace. Die gefällt mir um Längen besser als die 2018er Version.

 

Fazit & Bewertung

Der Tonträger wurde schick verpackt, die ReMakes wurden technisch perfekt produziert und klingen großartig. Die neuen Arrangements würde ich grundsätzlich als gefällig-konservativ bezeichnen. Vielfach weichen sie von den Originalaufnahmen ab und sorgen damit für Abwechslung.