Christmas With Elvis & The Royal Philharmonic Orchestra

Am 6. Oktober 2017 erscheint mit Christmas With Elvis And The Royal Philharmonic Orchestra  das dritte Album der Elvis/RPO-Reihe.

Ursprünglich war die Scheibe als direkter Nachfolger von If I Can Dream  geplant worden, doch aufgrund des unvorhergesehen großen Erfolges realisierte man zunächst das Projekt The Wonder Of You  und schickte eine entsprechende Live-Show auf Tournee.

Wie die beiden Vorgänger, so bringt Sony / RCA Legacy auch diese CD zunächst als Standard-Ausgabe auf den Markt, bevor dann ein paar Wochen später eine Special Edition mit Bonus Songs und eine Vinyl-Ausgabe folgt. Selbstverständlich ist auch Christmas With Elvis And The Royal Philharmonic Orchestra  als Download erhältlich.

Zudem erscheint eine Doppel-CD namens The Wonder Of You & Christmas, die das aktuelle Werk mit dem vorangegangenen RPO-Produkt koppelt.

Das Branchenblatt Billboard notiert die Veröffentlichung auf den Plätzen 1 (Classical Sales Chart), 4 (Holiday Sales Chart) und 103 (Album Sales Chart). In Großbritannien landet die Scheibe auf Rang 6 und in Australien auf der Nummer 10.

Damit ist Christmas With Elvis And The Royal Philharmonic Orchestra  zwar alles andere als ein Flop, bleibt in der Erstauswertung allerdings hinter den beiden Vorgängern zurück.

Produziert wurde die CD von Nick Patrick und Don Reedman, letzterer fungierte zusammen mit Priscilla Presley auch als Executive Producer.

Die Rhythm Tracks entstanden unter der Leitung von Peter Schwier in den Bunker Studios und den Shine Studios, das Royal Symphonic Orchestra wurde von Peter Cobbin in den Abbey Road Studios aufgenommen. Grundsätzlich handelt es sich also um eine britische Produktion.

Die Band bestand aus John Parricelli (Gitarre), Laurie Cottle (Bass), Ralph Salmins (Schlagzeug), Richard Cottle (Klavier und Saxophon) sowie Nick Patrick und Don Reedman (Perkussion & Programmierung des synthetischen Schlagzeugs). Für den Hintergrundgesang sorgten Andy Caine, Miriam Grey, Shena Winchester, Andrew Playfoot und Phoebe Street.

Wie bei den vorangegangenen RPO-Produktionen, so wurde auch hier die Tonspur mit der Stimme des Kings isoliert und mit neuen Music Tracks kombiniert. Teilweise wurden auch die Spuren einiger Originalmusiker (z.B. das Gitarrenspiel von James Burton) übernommen.

Hier und dort hat man auch Elvis' Performance geändert, also Gesangsparts an andere Stellen des Songs gesetzt.

Bei den Mono-Aufnahmen aus dem Jahr 1957 konnten die Produzenten natürlich nur die Originalaufnahme übernehmen und um neue Elemente ergänzen.

Grundsätzlich klingen die Arrangements konservativ und gefällig, krachende Bässe und scharfe Rhythmen a' la Viva Elvis  gibt bei den RPO-Produktionen nicht zu hören.

Gemixt wurden die Tracks in den Shine Studios, das Mastering erledigte Vic Anesini in den Battery Studios in New York.

Das Booklet beginnt mit einem Vorwort von Priscilla Presley, in dem sie ihre erste weihnachtliche Begegnung mit dem King beschreibt.

Zudem erklärt sie, dass Elvis die Weihnachtszeit liebte und zu Lebzeiten sicherlich gerne ein Projekt wie dieses realisiert hätte. Das ist natürlich pures Marketing, denn wie wir alle wissen, ist auf dem 1971er Album Elvis Sings The Wonderful World Of Christmas  durchaus ein Orchester zu hören.

Dieser Umstand trifft übrigens auf sämtliche Original-Alben der 1970er Jahre zu und auch auf seinen Tourneen war der King bekanntermaßen stets mit großer Besetzung (Band, Orchester und Chor) unterwegs.

 

Santa Claus Is Back In Town!

Das Album beginnt mit einer klaren Ansage. In dieser krachenden, bluesigen Nummer fährt der Weihnachtsmann stilecht im schwarzen Cadillac bei einer hübschen Dame vor und es ist wohl der Interpretation eines jeden Zuhörers überlassen, was genau gemeint ist, wenn es heißt Hang up your pretty stockings and turn off the light - Santa Claus is comin' down your chimney tonight.

Ganz offensichtlich entsprachen Jerry Leiber und Mike Stoller hier voll und ganz der Bitte, ein Weihnachtslied zu schreiben, das dem Image des King Of Rock'n'Roll angemessen ist. Der Song entstand noch während der laufenden Sessions, die Aufnahme erfolgte schließlich am 7. September 1957 innerhalb von sieben Takes.

RCA Victor veröffentlichte Santa Claus Is Back In Town! auf der LP Elvis' Christmas Album  sowie der EP Elvis Sings Christmas Songs  (beide 1957) und der Single Santa Claus Is Back In Town! / Blue Christmas  (1965). Zudem ist der Titel auch auf der CAMDEN-Ausgabe von Elvis' Christmas Album  (1970) zu hören.

Ein später zusammengeschnittenes Duett mit Wynonna Judd befindet sich auf der CD Christmas Duets  (2008).

Da es sich um eine Mono-Aufnahme handelt, musste der Original-Track vollständig übernommen werden. Gitarre, Bass, Schlagzeug, Klavier und Hintergrundgesang wurde allerdings so hinzugefügt, dass die ursprünglichen Akteure in den Hintergrund treten.

Grundsätzlich ist gegen das neue, angenehm swingende Bigband-Arrangement von Robin Smith nichts einzuwenden. Von der krachenden Anzüglichkeit des Originals ist allerdings nicht viel geblieben.

 

White Christmas

Erstmals öffentlich aufgeführt wurde das Lied von Irving Berlin am ersten Weihnachtstag 1941, an dem Bing Crosby es in seiner Radio-Show The Kraft Music Hall  sang. Am 29. Mai des folgenden Jahres nahm er den Titel zusammen mit dem John Scott Trotter Orchestra und den Ken Darby Singers innerhalb von nur 18 Minuten auf und veröffentlichte es am 30. Juli auf dem Album Songs From The Film Holyday Inn. Er selbst sah nichts Besonderes in dem Lied, doch allein im Jahr 1942 verbrachte White Christmas 11 Wochen an der Spitze der Billboard-Charts. Über Jahrzehnte konnte der Titel seine Popularität halten und entwickelte sich mit mehr als 50 Millionen verkauften Kopien zur erfolgreichsten Single-Veröffentlichung aller Zeiten.

Unzählige Künstler haben seither White Christmas  gecovert, Elvis tat dies am 6. September 1957 und benötigte dafür 9 Takes. Angeblich war Irving Berlin von der Aufnahme des Kings dermaßen entsetzt, dass er die Radiosender zum Boykott aufrief.

Auch wenn die Reaktion des Komponisten arg überzogen war, stimme ich seinem prinzipiellen Urteil durchaus zu. Elvis' Vortrag fehlt einfach die Festlichkeit und emotionale Tiefe, die ich von diesem Klassiker erwarte.

White Christmas  stammt ebenfalls vom 1957er Elvis' Christmas Album und fand sich danach auch auf der EP Christmas With Elvis  (1958), der Neuauflage von Elvis' Christmas Album  aus dem Jahr 1970 und der CD Christmas Duets  von 2008. Auf letzterer singt der King mit Amy Grant im Duett - und wird von ihr gesanglich ausgestochen.

Abgesehen von dem neuen Intro hat Mr. Smith hier das Original-Arrangement beibehalten und im Wesentlichen nur Orchester-Klänge und Chor-Gesänge ergänzt. Mir persönlich gefällt das Resultat gut.

 

 

Here Comes Santa Claus (Right Down Santa Claus Laine)

Die Erstaufnahme erfolgte 1947 durch Gene Autry, der Here Comes Santa Claus (Right Down Santa Claus Lane)  auch zusammen mit Oakley Haldeman geschrieben hatte.

Elvis' Aufnahme entstand am 6. September 1957 innerhalb von zwei Takes und wurde auf Elvis' Christmas Album (1957 und 1970) sowie der EP Christmas With Elvis  (1958) herausgebracht. Auf Christmas Duets  (2008) ist außerdem ein Duett mit Leann Rymes zu hören.

Neben Orchester und Chor wurde die Aufnahme auch mit Saxophon-Klängen unterlegt.

Das Endergebnis klingt nach Big Band und triff ebenfalls meinen Geschmack.

 

Merry Christmas Baby

Hier handelt es sich um einen Blues mit weihnachtlichem Thema. Aufgenommen wurde er am 15. Mai 1971, es gibt nur einen vollständigen Take.

Herausgebracht wurde er im November 1971 auf der LP Elvis Sings The Wonderful World Of Christmas. Zeitgleich mit dem Album veröffentlichte RCA Victor den Song auch mit O Come, All Ye Faithful  auf einer Single. Diese geriet allerdings zu einem veritablen Flop und fand gerade einmal 100.000 Käufer - weltweit!

Mir persönlich ist dieser Misserfolg unerklärlich, denn zweifellos gehört Merry Christmas Baby  zu den großartigsten Blues-Aufnahmen, die der King jemals produziert hat. Er ist voll in seinem Element und auch die Musiker geben hier so richtig schön Gas. Das Gitarrensolo stammt übrigens von Eddie Hinton und wurde am 26. Juli nachträglich eingespielt.

2008 gab es auf der CD Christmas Duets  eine künstlich erzeugte Duett-Version mit Gretchen Wilson. Ich persönlich halte Merry Christmas Baby  für ein solches Unterfangen allerdings für gänzlich ungeeignet, so dass mir die Originalaufnahme um Längen besser gefällt.

Geschrieben wurde der Song übrigens von Johnny Moore und Rou Baxter, erstmals aufgenommen wurde er 1947 von Johnny Moore's Three Blazers.

Für die 2017er RPO-CD schrieb Sally Herbert ein Orchester-Arrangement, das ein wenig an die Untermalung des Steamroller Blues  erinnert. Das Endergebnis klingt natürlich längst nicht so rau wie die Original-Aufnahme, aber eine Live-Performance des Kings hätte in den 1970ern vermutlich ganz ähnlich geklungen.

 

Blue Christmas

Die Aufnahme entstand am 5. September 1957 innerhalb von drei Takes. Auf der EP Elvis Sings Christmas Songs  (1957) war die Nummer ebenso vertreten, wie auf den Singles Blue Christmas / Wooden Heart  (1964) und Santa Claus Is Back In Town! / Blue Christmas  (1965), den LPs Elvis' Christmas Album  (1957 &1970) und A Legendary Performer - Volume 2  (1976) sowie der CD Christmas Duets  (2008) als künstlich erzeugtes Duett mit Martina McBride. Eine Live-Version ist auf dem Album Elvis  (1968) zu hören.

Geschrieben wurde Blue Christmas  von Bill Hayes und Jay Johnson, erstmals aufgenommen wurde es 1948 von Doye O'Dell. Populär wurde die Nummer jedoch erst im folgenden Jahr durch die Aufnahmen von Ernest Tubb, Hugo Winterhalter & His Orchestra und Russ Morgan & His Orchestra.

Elvis schien Blue Christmas  sehr zu mögen, denn in den 1970ern trug er es -übrigens völlig unabhängig von der Jahreszeit- regelmäßig in seinen Konzerten vor.

Robin Smith hat am Arrangement nichts geändert und nur Geigen und zusätzlichen Hintergrundgesang ergänzt. Somit klingt die Aufnahme jetzt etwas voller.

 

I'll Be Home For Christmas

Es folgt ein Weihnachtslied, das von Bing Crosby populär gemacht wurde. Er sang es 1943 und stellte darin einen Soldaten dar, der im zweiten Weltkrieg kämpft und seiner Familie verspricht, zum Christfest wieder zuhause zu sein. Spätestens zum Ende dieses melancholischen Titels wird jedoch deutlich, dass es sich um eine reine Wunschvorstellung handelt, denn es heißt I'll be home for Christmas, if only in my dreams.

Zwar kann sich Elvis' Version, sie entstand am 7. September 1957 innerhalb von 15 Takes, durchaus hören lassen, aber meines Erachtens fehlte dem jungen Sänger einfach noch die nötige emotionale Tiefe, die dieses Lied von seinem Interpreten erfordert.

Für die Komposition von I'll Be Home For Christmas  zeichneten Kim Gannon und Walter Kent verantwortlich. Um einen Rechtsstreit mit Buck Ram, der zuvor ein Lied gleichen Titels verfasst hatte, zu vermeiden, führte man ihn kurzerhand ebenfalls als Komponisten auf und verschaffte ihm somit ein Drittel der Tantiemen.

Auch dieser Titel ist auf der EP Elvis Sings Christmas Songs  (1957), den LPs Elvis' Christmas Album  (1957 & 1970) sowie der CD Christmas Duets  (2008) enthalten. Hier singt der King zusammen mit Carrie Underwood.

Für die RPO-CD hat Robin Smith die Spielzeit der Aufnahme verlängert, indem er einen Teil des Originals einfach wiederholt und die Parts durch ein Saxophon-Solo verbindet. Mir persönlich gefällt dieser Kniff sehr gut, ebenso wie das mit einem Besen gespielte Schlagzeug.

 

Winter Wonderland

Die Autoren heißen Dick Smith und Felix Bernard, das Original stammt aus dem Jahr 1934 von Guy Lombardo & His Royal Canadians. Seither wurde dieses Winterlied unzählige Male gecovert und gehört heute zu den bekanntesten Songs seiner Art.

Elvis spielte das Lied im Jahr 1971 für seine zweite Weihnachts-LP zehnmal durch und klang dabei unverhohlen gelangweilt.

Konnte die rockig spielende Band die Originalaufnahme zumindest noch ansatzweise retten, so wird daraus mit Sally Herberts gefälligem Bigband-Arrangement eine kaum erträgliche Ödnis. Da hilft auch das von Presley intonierte Elvis-Ending (das heißt in Musiker-Kreisen wirklich so) nichts.

 

Santa Bring My Baby Back (To Me)

Der Song wurde von Aaron Schroeder und Claude DeMetrius speziell für den King geschrieben und von diesem auf der LP Elvis' Christmas Album  (1957 & 1970) sowie der EP Elvis Sings Christmas Songs  (1957) auf den Markt gebracht.

Obwohl sich der Titel großer Beliebtheit bei den Radio-DJs erfreute, verzichtete RCA Victor in den USA auf die Veröffentlichung einer Single. In England hingegen brachte man Santa Bring My Baby Back (To Me)  auch auf einer 45er heraus und bescherte dem King damit einen weiteren Top10-Hit.

Die Aufnahme erfolgte am 7. September 1957, Take 9 wurde zum Master.

Robin Smith schrieb für den Song ein passendes Bigband-Arrangement, das den Song angenehm unterstützt ohne ihn merklich zu verändern.

 

Silver Bells

Hier handelt es sich um einen Filmschlager aus dem Hollywood-Streifen The Lemon Drop Kid  (1951). Auf der Leinwand wurde das Lied von Bob Hope und Marilyn Maxwell gesungen, die erste auf einem Tonträger veröffentlichte Fassung stammt von Bing Crosby und Carol Richards.

Zu einer zuckersüßen Melodie beschreiben die Komponisten Ray Evans und Jay Livingston ein vorweihnachtliches Einkaufsszenario und lassen den Stress und die Hektik in einem nahezu romantischen Licht erscheinen. Elvis nimmt den leicht ironisch wirkenden Song sehr ernst und liefert eine eingängige und hörenswerte Fassung davon ab.

Aufgenommen wurde Silver Bells  am 15. Mai 1971 innerhalb von drei Takes, der zweite Durchgang bildete schließlich die Grundlage des Masters. Am 24. Mai wurde der Hintergrundgesang eingespielt, die Streicher folgten am 22. Juni, den Abschluss bildete das Hinzufügen der Glocken am 26. Juli. Veröffentlicht wurde das Endergebnis auf dem Album Elvis Sings The Wonderful World Of Christmas.

Auf der CD Christmas Duets  (2008) befindet sich ein posthum produziertes Duett mit Ann Murray.

Schon auf der Originalaufnahme war ein Orchester zu hören, für die 2017er Produktion Christmas With Elvis And The Royal Philharmonic Orchestra  wurde von Sally Herbert ein neues Arrangement geschrieben und mehr Hintergrundgesang ergänzt.

Mir gefällt diese Fassung sehr gut.

 

O Little Town Of Bethlehem

O Little Town Of Bethlehem  wurde 1868 von Phillips Brooks und Lewis Redner komponiert und vermutlich erstmals 1916 vom Trinity Choir aufgenommen. Elvis tat dies am 7. September 1957 ebenfalls und benötigte dafür vier Takes.

Auch hier singt er ordentlich, die schnelleren Titel liegen ihm aber ganz offensichtlich besser.

RCA Victor brachte O Little Town Of Bethlehem  1957 auf Elvis' Christmas Album  und 1958 auf der EP Christmas With Elvis heraus, CAMDEN folgte 1970 mit einer Budget-Version von Elvis' Christmas Album.

Achtunddreißig Jahre später veröffentlichte Sony/BMG eine Duett-Version mit Karen Fairchild und Kimberly Schlapman (von der Band Little Big Town) auf der CD Christmas Duets.

Die 2017er Fassung ergänzt nur ein wenig Hintergrundgesang und die Streicher des Royal Philharmonic Orchestra. Insgesamt halte ich das dezent-geschmackvolle Arrangement von Robin Smith für höchst gelungen.

 

O Come, All Ye Faithful

Die Hymne basiert auf dem lateinischen Adeste Fideles  und wurde um 1743 von John Francis Wade komponiert. 1823 machte Friedrich Heinrich Ranke daraus Herbei, O Ihr Gläubigen, neunundzwanzig Jahre später übersetzten Frederick Oakeley und Thomas Brooke den Text schließlich als O Come, All Ye Faithful.

Elvis spielte am 16. Mai 1971 zwei Takes dieses Klassikers ein und erklärte den ersten Durchgang zur Grundlage des Masters. Am 21. Juni wurden Blechbläser und Streicher ergänzt, eine Orgel wurde am 26. Juli hinzugefügt.

Das Arrangement auf der LP Elvis Sings The Wonderful World Of Christmas  ist bombastisch und kitschig, wobei das Schlagzeug allerdings ungewöhnlich rockig klingt.

Leider ist davon hier rein gar nichts mehr zu hören. Jeder Dramatik beraubt plätschert das Lied nun ereignislos vor sich hin. Alles ist sehr geschmackvoll, aber eben auch langweilig. Verantwortlich dafür ist übrigens Sally Herbert.

 

The First Noel

Das Wort Noel bedeutet Weihnachten und geht auf das lateinische Natalis (Geburtstag) zurück.

Die Ursprünge dieses Traditionals liegen im 18. Jahrhundert, die heute bekannten Fassungen gehen auf die Bearbeitung von John Stainer zurück, der sein Arrangement 1871 in dem Buch Carols, Old And New  veröffentlichte.

Elvis nahm The First Noel  am 16. Mai 1971 auf, weil die Originalbänder fehlen gibt es allerdings keine Informationen über die Anzahl der eingespielten Takes. Es ist lediglich bekannt, dass der Master-Take am 24. Mai mit zusätzlichem Hintergrundgesang ergänzt wurde.

Erstmals zu hören war die Aufnahme auf dem 1971er Album Elvis Sings The Wonderful World Of Christmas.

Für die Veröffentlichung auf der CD Christmas Duets  (2008) wurde ein neuer Music Track aufgenommen, der mit Elvis' Gesangsaufnahme kombiniert wurde. Auch diese aktualisierte Version gefällt mir gut.

Eher untypisch für den Elvis der 1970er Jahre klang die Originalaufnahme recht simpel. Sally Herbert hat den Track großzügig mit Chören und Streichern ergänzt, ein Intro und eine neue Bridge eingefügt und die Aufnahme dadurch künstlich verlängert.

Im Gegensatz zum vorangegangenen O Come, All Ye Faithful  gefällt mir The First Noel  in der neuen Fassung sehr gut.

 

Silent Night

Hier handelt es sich um eine Adaption des Klassikers Stille Nacht, Heilige Nacht  von Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber aus dem Jahr 1818. Heute gilt diese Komposition als die bekannteste ihrer Art und wurde 2011 sogar zum UNESCO Kulturerbe erklärt.

Obwohl ich nicht religiös bin, würde ich Stille Nacht, Heilige Nacht  als mein absolutes Lieblingslied bezeichnen. Kein anderes ist so feierlich, bewegend und einfach nur so wunderschön wie dieses.

Leider ruft Elvis' Vortrag keine größeren Emotionen in mir hervor, ihm fehlt einfach die erforderliche Tiefe.

Aufgenommen wurde das Lied am 6. September 1957 innerhalb von neun Takes.

Selbstverständlich wurde auch Silent Night  mehrfach verwertet (auf der LP Elvis' Christmas Album (1957), der EP Christmas With Elvis  und der 1970er Neuauflage von Elvis' Christmas Album) und natürlich kreierte man auch von diesem Klassiker im Jahr 2008 eine Duett-Aufnahme für die CD Christmas Duets.

Aus meiner Sicht hätte der King die Nummer später besser gesungen, denn in diesen jungen Jahren war seine Gesangstechnik einfach noch nicht ausgereift.

Das von Robin Smith ergänzte Orchester täuscht allerdings ein wenig über die Unzulänglichkeiten des Hauptakteurs hinweg, so dass ich diese neue Version zumindest als OK bezeichnen würde.

 

Peace In The Valley

Auf dem 1957er Christmas Album waren als Bonus auch jene vier Gospel-Songs enthalten, die das Publikum bereits von der EP Peace In The Valley  kannte.

Sechzig Jahre später wiederholt RCA Legacy den Trick und serviert auch auf der DeLuxe-Edition von Christmas With Elvis And The Royal Symphonic Orchestra  ebendiese Aufnahmen.

Am 6. Januar 1957 hatte Elvis die Zuschauer überrascht, als er bei seinem Auftritt in der Ed Sullivan Show den Gospel Peace In The Valley  vortrug.

Sieben Tage später spielte er den Titel auch im Studio ein, Take 9 wurde zum Master.

Ursprünglich hatte Thomas A. Dorsey Peace In The Valley  1937 für Mahalia Jackson geschrieben, den großen Hit damit landeten allerdings Red Foley & The Sunshine Boys. Deren Version erreichte 1951 den siebten Platz der Country & Western Charts und zählt zu den ersten Gospel-Aufnahmen, die sich mehr als eine Million Mal verkauften.

Wie bereits erwähnt, halte ich das Talent des jungen Rock'n'Roll-Königs im Bereich der langsamen Songs für begrenzt, Peace In The Valley  trägt er aber absolut großartig vor und auch auf der emotionalen Ebene nimmt man ihm das Lied jederzeit ab.

Da CAMDEN die Gospel-Songs auf dem 1970er ReMake von Elvis' Christmas Album  ausgelassen hatte, erfolgte die Drittverwertung wenige Monate später auf der Budget-LP You'll Never Walk Alone.

Robin Smith hat die Mono-Aufnahme für das RPO-Projekt mit Streichern und weiteren Hintergrundsängern untermalt, was mir sehr gut gefällt.

 

I Believe

Ervin Drake, Irvin Graham, Jimmy Shirl und Al Stillman schrieben I Believe  im Jahr 1953 für Jane Froman. Danach wurde der Song jedoch auch von vielen anderen Künstlern gesungen, unter anderem von Perry Como, Dolly Parton und Frank Sinatra.

Elvis' Aufnahme entstand am 12. Januar 1957, Take 9 wurde zum Master.

Das Lied wird gut gesungen, ich bin aber überzeugt, dass Elvis den Song ein paar Jahre später besser vorgetragen hätte.

Die Erstveröffentlichung erfolgte im April 1957 auf der EP Peace In The Valley, ein weiteres Mal wurde die Aufnahme auf der LP You'll Never Walk Alone  (1971) herausgebracht.

Weil auch hier nur eine Mono-Aufnahme vorliegt, konnte Robin Smith keine Komponenten entfernen. Das neue Intro, die Bridge und die Untermalung mit Streichern und Chor werten den Track aber geschmackvoll auf.

 

Take My Hand, Precious Lord

Take My Hand, Precious Lord stammt von Thomas A. Dorsey, der auch Peace In The Valley  geschrieben hatte. Tatsächlich geht die Melodie jedoch auf die Hymne Maitland  von George Nelson Allen zurück.

Erstmals aufgenommen wurde das Lied im Jahr 1937 von den Heavenly Gospel Singers. Am 13. Januar 1957 nahm auch Elvis Take My Hand, Precious Lord  auf und benötigte dafür 14 Versuche.

Andere Tonträger mit diesem Song sind die EP Peace In The Valley  (1957) und das Album You'll Never Walk Alone  (1971).

Auch hier ist ein Streicher-Intro zu hören, zudem klingt die Aufnahme durch die zusätzlichen Instrumente und Stimmen voller. Aus meiner Sicht hat Robin Smith abermals sehr gute Arbeit geleistet. 

 

It Is No Secret (What God Can Do)

Der Autor dieses Liedes heißt Stuard Carl Hamblen, der es 1950 auch als erster aufnahm. Die hier zu hörende Version entstand am 19. Januar 1957 innerhalb von 13 Takes.

Die Komposition selbst trifft meinen Geschmack nicht, Elvis' Vortrag kann sich aber durchaus hören lassen.

Wie die übrigen vier Gospel-Songs der Original-LP, so ist auch It Is No Secret (What God Can Do)  auf den Tonträgern Peace In The Valley  (1957) und You'll Never Walk Alone  (1971) zu finden.

Die RPO-Version wurde von Robin Smith nach demselben Rezept produziert wie die vorangegangenen Gospel-Nummern. Und auch hier mundet das Ergebnis vorzüglich.

 

Fazit & Bewertung

Die Arrangements sind konservativ-gefällig, an der technischen Bearbeitung gibt es ebenfalls nichts auszusetzen.