The Viva Las Vegas Sessions

Nachdem man bei Follow That Dream Records auf die Classic Albums umgestellt hatte, wurden die Outtakes für diese Projekte resaviert und die Veröffentlichung reiner Outtake-Compilations eingestellt.

Erst im August 2018 schwenkten Ernst Jorgensen und Roger Semon, die Köpfe hinter dem Sammler-Label, wieder um und veröffentlichten eine Box mit drei CDs zum Thema Viva Las Vegas.

Zwar hatte man bereits im Jahr 2003 eine Classic Album-Ausgabe des Soundtracks auf den Markt gebracht, doch handelte es sich damals nur um eine einzelne CD mit einer recht eingeschränkten Auswahl von Outtakes.

Auf dem neuen Set ist nun ein Großteil der verfügbaren Aufnahmen enthalten, zudem wurde das Material von Sebastian Jeansson und Vic Anesini noch einmal vollständig neu gemastert und gemixt.

Ohne Frage hat sich der Aufwand gelohnt, denn so gut wie hier haben die Songs nie zuvor geklungen.

Verpackt ist das Set in einem Papp-Schuber, der einer Tape-Box nachempfunden ist.

Darin befindet sich ein doppelt aufklappbares Digipack, dessen Design ebenfalls an die Verpackungen der Analogbänder angelehnt ist. Die CDs stecken in Papp-Einschüben, was mir persönlich nicht so gut gefällt. Das sieht zwar schick aus, ist auch praktisch, bekommt den Datenträgern selbst aber schlecht.

Neben dem Digipack enthält die Umverpackung auch noch ein Booklet von 28 Seiten. Hier finden sich ein Artikel von Alan Hansson (Elvis History Blog, Elvis '57, etc.), zahlreiche Hintergrundinformationen zu den Sessions, Fotos, Abbildungen von Memorabilien, etc.

Auch optisch macht das Set also viel her, was das Sammler-Herz natürlich höher schlagen lässt.

Um den Zuhörer nicht allzu sehr zu langweilen, haben Ernst Jorgensen und Roger Semon die Aufnahmen gemischt. Wir hören also nicht sämtliche Takes eines Songs hintereinander. Bei einigen Fans stieß dieses Vorgehen auf Kritik, mir persönlich gefällt das Prozedere gut. Schlussendlich ist es doch eher mühsam, zwanzig Aufnahmeversuche desselben Liedes nacheinander zu hören.

Die erste CD enthält den Soundtrack, die drei schlussendlich nicht benutzten Titel Night Life, Do The Vega  und You're The Boss  sowie die jeweils ersten Takes dieser Songs.

Auf den beiden anderen Tonträgern befinden sich weitere Outtakes, CD Nummer drei wartet zusätzlich mit den Film-Versionen einiger Titel auf.

Weil letztere in mehreren Fällen aus vorab aufgenommenen Tracks und direkt während der Dreharbeiten mitgeschnittenen Elementen bestehen, wurden die Stücke für dieses CD-Projekt wieder neu zusammengefügt.

Die Hürde bestand darin, dass Ton- und Film-Material in unterschiedlichen Geschwindigkeiten laufen entsprechend synchronisiert werden mussten.

 

The Soundtrack

Viva Las Vegas

Bereits am 10. Juli 1963 versuchten sich Elvis und seine Studio-Band an Viva Las Vegas, gaben aber nach einem Take auf und setzten ihre Bemühungen am folgenden Tag fort.

Mit einem leicht veränderten Arrangement folgten weitere sechs Versuche, von denen der letzte zum Master erklärt wurde. Weil der Produzent die Nummerierung vom Vortag fortsetzte, handelt es sich offiziell um Take 7.

Die Autoren von Viva Las Vegas heißen Doc Pomus und Mort Shuman und es verwundert nur wenig, dass dieser großartige Popsong über die Jahre zur inoffiziellen Hymne der Spielerstadt in der Wüste Nevadas avancierte.

Die Erstveröffentlichung erfolgte im April 1964 auf der Single Viva Las Vegas / What'd I Say. In den Billboard-Charts erreichte die Nummer den 29. Platz, insgesamt ging die Single zwei Millionen Mal über die Ladentheken und wurde von der RIAA mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. 1970 brachte RCA Victor den Song zusätzlich auf der 4-LP-Box Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  heraus.

 

The Yellow Rose Of Texas / The Eyes Of Texas

Randy Star und Fred Wise fassten die beiden Traditionals zu einem Medley zusammen, das von Rusty (Elvis) vor einer Horde Südstaatlern in einem Casino gesungen wird.

Aufgenommen wurde die Nummer am 10. Juli 1963 bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien innerhalb von 9 Takes.

Weil sich hauptberufliche Sänger zu professionell angehört hätten, wurden der Part des lautstark mitgrölenden Casino-Publikums von den Studio-Musikern übernommen. 

 

The Lady Loves Me

Hier kommen wir nun zum ersten Duett von Elvis und Ann-Margret.

Das Lied wurde von Sid Tepper und Roy C. Bennett geschrieben und am 11. Juli 1963 innerhalb von zehn Takes aufgenommen.

Veröffentlicht wurde es allerdings erst nach dem Tod des Kings auf der LP A Legendary Performer - Volume 4.

In diesem witzigen Liedchen ist der Sänger davon überzeugt, er sei unwiederstehlich und die Dame sei ihm hoffnungslos verfallen. Diese sieht die Situation jedoch vollständig anders und rät dem Barden zu ärztlicher Hilfe.

 

C'mon Everybody

Hier handelt es sich nicht etwa um den Rock'n'Roll-Klassiker von Eddie Cochran, sondern um einen Filmschlager aus der Feder von Joy Byers. Trotzdem gefällt mir der Song recht gut und auch Elvis' Vortrag kann sich hören lassen. Aufgenommen wurde die Nummer am 9. Juli 1963, insgesamt benötigte Elvis fünf Takes.

Das CAMDEN-Label kürte C'mon Everybody  1971 sogar zum Titellied einer LP mit Movie Tunes.

 

Today Tomorrow And Forever

Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye bearbeiteten den Liebestraum  von Franz Liszt und machten daraus Today, Tomorrow And Forever.

Zunächst entstanden am 11. Juli 1963 zwei Duett-Takes zusammen mit Ann-Margret, danach nahmen die Musiker vier Instrumental-Takes auf. Weil der Produzent einfach weiterzählte, wurden diese Durchläufe als Takes 3 bis 6 archiviert.

Schlussendlich nutzte Elvis diese Playbacks aber doch nicht, sondern spielte sechs weitere Takes zusammen mit den Musikern ein. Der letzte Versuch wurde zum Master.

1971 veröffentlichte CAMDEN Today, Tomorrow And Forever  auf dem Album C'mon Everybody.

 

The Climb

Dieses Lied wird von dem Bass-Sänger George McFadden vorgetragen, der Hintergrundgesang stammt von den Jordanaires und Elvis himselvis.

Geschrieben wurde es von Jerry Leiber und Mike Stoller.

 

What'd I Say

Komponiert wurde der Song von Ray Charles, der damit im Sommer 1959 seinen ersten großen Hit verbuchen konnte.

Seinerzeit hätte wohl auch Elvis aus dem Lied noch eine dampfende R&B-Nummer gemacht, im Sommer 1963 wurde daraus aber nur ein netter Popsong.

Die Aufnahme erfolgte am 30. August 1963 innerhalb von vier Takes.

Die B-Seite war hier sogar erfolgreicher als der Haupt-Song und schaffte es in den Billboard Charts bis Rang 21. Im LP-Format war What'd I Say erstmals 1968 auf dem Album Elvis' Gold Records - Volume 4  erhältlich.

 

Santa Lucia

Dieses traditionelle Lied war erstmals im Jahr 1965 auf dem Album Elvis For Everyone!  zu hören.

Der Text wurde 1850 von Teodoro Cottrau geschrieben, aufgenommen wurde das Lied erstmals 1916 durch Enrico Caruso.

Nun handelte es sich bei Elvis um keinen Tenor, sein Gesangsstil war eindeutig Pop und von der italienischen Sprache hatte er nicht einmal rudimentäre Kenntnisse. Trotzdem gefällt mir seine Interpretation sehr gut und auch sein Italienisch klingt für mich - als ein dieser Sprache ebenfalls nicht mächtigen Zuhörer - zumindest akzeptabel.

Damit man Santa Lucia  im eigenen Verlag unterbringen konnte, trug man als Komponist einfach "Traditional - Arranged By Elvis Presley" ein.

Die Aufnahme entstand am 10. Juli 1963 bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien. Trotz des Textes in der fremden Sprache benötigte Elvis nur drei Takes, bevor er das Lied im Kasten hatte.

1972 erfolgte eine Zweitverwertung auf der CAMDEN-LP Burning Love And Hits From His Movies.

 

If You Think I Don't Need You

Die nächsten vier Songs stammen von der Soundtrack-EP, die im Mai 1964 auf den Markt kam und sich etwa 500.000 Mal verkaufte.

Die EP beginnt mit einer Nummer aus der Feder von Red West und Joey Cooper. Die Uptempo-Nummer klingt wie ein typischer Filmschlager der Mitt-Sechziger, sticht aber durch die Blechbläser ein wenig hervor und hat durchaus ihren Charme.

Die Aufnahme erfolgte am 9. Juli 1963 innerhalb von 13 Takes. 1971 war If You Think I Don't Need You  auch auf dem CAMDEN-Album I Got Lucky zu hören. 

 

I Need Somebody To Lean On

Die Ballade erinnert mich ein wenig an die Saloon-Songs von Frank Sinatra und wäre wohl auch auf einem regulären Studio-Album nicht fehl am Platze gewesen. Auch Elvis erkannte offenbar die Qualität des Songs und investierte am 10. Juli 1963 zwanzig Takes in die Aufnahme.

Heute wird der Song zumeist übersehen, er gehört aber zweifellos zu den schönsten Movie Tunes des Kings. Als Autoren zeichnen übrigens Doc Pomus und Mort Shuman verantwortlich.

I Need Somebody To Lean On  fand sich ebenfalls 1971 auf der LP I Got Lucky

 

Bonus Songs

Night Life

Elvis spielte die Nummer von Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye am 9. Juli 1963 bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien ein und benötigte dafür 14 Takes.

Wie es der Titel bereits vermuten lässt, wird hier das Nachtleben (Neonlichter, Spieler und schöne Frauen) besungen. Unter den Movie Tunes würde ich Night Life  zu den besseren Liedern zählen.

Erstmals veröffentlicht wurde der Song, ebenso wie auch die nächsten beiden Titel, im Jahr 1968 auf dem Album SINGER Presents Elvis Singing "Flaming Star" & Others.

 

Do The Vega

Auf derselben LP fand sich auch dieser Song.

Der King benötigte für die Komposition von Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye sieben Takes.

Ein durchschlagender Erfolg wäre der Vega wohl nicht geworden, prinzipiell ist die Nummer aber nett gemacht und als Filmschlager daher akzeptabel.

 

You're The Boss

Hier handelt es sich um ein weiteres Duett von Elvis und Ann Margret und die beiden lassen die Funken ordentlich fliegen.

Aufgenommen wurde die Nummer direkt nach The Lady Loves Me, insgesamt benötigten die beiden 16 Anläufe.

BMG veröffentlichte einen Splice aus dem als Master-Take vorgesehenen Take 10 und dem Ende von Take 3 im Jahr 1991 auf dem 3-CD-Set Collector's Gold,  den tatsächlichen Master-Take präsentierte man zwei Jahre später auf der Einzel-CD Elvis Double Features - Viva Las Vegas & Roustabout.

Geschrieben wurde der Song übrigens von Jerry Leiber und Mike Stoller. 

 

First Takes

Viva Las Vegas  (Take 1)

OK El, here we go!  lautet die Ansage aus der Tonregie, dann beginnt man mit der Produktion des Titelsongs.

Das Arrangement wird vom Klavier dominiert, zudem wird die Nummer langsamer gespielt. Nach etwa anderthalb Minuten bricht Elvis leider mit einem entschiedenen Hold it!  den Aufnahmeversuch ab und möchte sich das Lied noch einmal anhören.

Bekannt ist die Aufnahme von der FTD Silver Screen Stereo  und natürlich der Classic Album-Ausgabe des Soundtracks. Auch auf der Box The Complete Elvis Presley Masters  ist dieser Track zu hören.

 

The Yellow Rose Of Texas / The Eyes Of Texas (Take 7)

Der siebte Take war der erste, der vollständig durchgespielt wurde.

Grundsätzlich sind die Unterschiede zur veröffentlichten Fassung nicht allzu groß. Das Publikum (dargestellt von den Musikern) gröhlt hier natürlich anders, als beim Master.

 

The Lady Loves Me (Takes 1 & 2)

Beim ersten Take steigt Elvis zu spät ein und verhaspelt sich gleich zu Beginn im Text.

Auch beim nächsten Durchgang hat der Meister noch hörbare Probleme mit der Betonung und auch das Timing der Band funktioniert nicht perfekt.

Anne Margret hat ähnliche Schwierigkeiten, es ist halt der erste Durchlauf. Sie singt hier übrigens in der Frankenstein-Strophe von einem Tombstone Tete-A-Tete, statt einem Moonlight Tete-A-Tete.

 Den zweiten Take kennen wir bereits von der Classic Album-Version des Soundtracks.

 

C'mon Everybody (Take 3)

Dieser Track ist ebenfalls vom Classic Album bekannt, zudem wurde er auf der Silver Screen Stereo  veröffentlicht.

Grundsätzlich klingt der Song hier schon wie der Master, wenn der King auch streckenweise anders betont. Am Schluss gibt es dann noch ein "Elvis-Ending", was beim Master nicht der Fall ist.

 

Today, Tomorrow And Forever (Takes 1-3, 5 & 4)

Hier wurden die Takes wieder in eine Reihenfolge gebracht, die zunächst eine Reihe von Fehlstarts und am Ende einen vollständigen Take darstellt.

Der kurze Fehlstart (Take 3) und die durchgehende Version (Take 4) sind bereits von der Silver Screen Stereo  und dem Viva Las Vegas-Classic Album bekannt.

Take 1 wird etwas schneller gespielt, als die bekannte Fassung. Nach etwa anderthalb Minuten kommt man aus dem Tritt und bricht ab.

Die nächsten beiden Takes sind nur kurze Fehlstarts und auch beim angefügten Take 5 wird bereits beim Intro abgebrochen.

Zum Abschluss hören wir dann den durchgehenden Take 4, der auch als "Alternate Master" markiert wurde. Am Ende bemerkt der Tontechniker aber korrekt, dass es ein guter Take sei...abgesehen von ein paar vergeigten Tönen.

 

What'd I Say (Takes 1 & 2)

Der erste Take besteht nur aus dem Intro, Versuch Nummer zwei läuft dann komplett durch.

Insgesamt klingt der Song hier weniger hecktisch als der Master.

Beide Takes sind bereits vom Classic Album bekannt.

 

Santa Lucia (Take 1)

Elvis singt hier zu einer vorbereiteten Musikaufnahme.

Grundsätzlich hätte auch dieser Versuch schon als Master durchgehen können.

 

I You Think I Don't Need You (Takes 1 & 2)

Beim ersten Take singt der King noch sehr zurückhaltend, da er mit der Uptempo-Nummer noch nicht vertraut ist. Nach etwa einer Minute bricht er ab und sagt Just play that much back.

Take 2 wird dann vollständig durchgespielt und klingt naturgegebenermaßen ebenfalls noch gemäßigter als der Master.

FTD veröffentlichte diese Fassung auf der Classic Album-Ausgabe der Soundtrack-EP. 

 

I Need Somebody To Lean On (Takes 1 & 2)

Take 1 ist nur ein kurzer Fehlstart, der zweite Anlauf gelingt und wird komplett durchgespielt.

Die Ballade wird hier noch langsamer und zurückhaltender gespielt, als der spätere Master-Take. Hier und dort hat Elvis noch Probleme mit dem Timing, was aber beim ersten Durchlauf vollkommen normal ist.

Am Ende möchte sich der King seine Aufnahme nochmal anhören.

 

Night Life (Take 2)

Der zweite Take klingt ein wenig gemäßigter als die bekannte Aufnahme, größere Probleme scheint sie aber keinem der Beteiligten zu bereiten.

 

Do The Vega (Takes 1)

Selbiges kann auch von Do The Vega  gesagt werden.

Wir kennen die Aufnahme von der Classic Album-Ausgabe der Soundtrack-EP aus dem Jahr 2003.

 

You're The Boss (Takes 1-3)

Hier hören wir das zweite Duett zwischen Elvis und Ann-Margret.

Beim ersten Take kommt das Paar nach etwa 25 Sekunden aus dem Tritt, der zweite Versuch kommt über das Intro nicht hinaus.

Aller guten Dinge sind hier drei, denn jetzt gelingt die Aufnahme und das Lied geht durch. Elvis singt hier oftmals im Bass-Bereich, was er bei der Master-Version nicht tut.

FTD veröffentlichte den Track sowohl auf der Compilation Silver Screen Stereo, als auch auf dem Viva Las Vegas-Classic Album.

 

Today, Tomorrow And Forever (Takes 1 & 2)

Die erste CD endet mit der Duett-Version von Today, Tomorrow And Forever.

Beim ersten Anlauf verliert Elvis nach etwa anderthalb Minuten den Faden und kommentiert I'm sorry...and I should be.

Take 2 wurde dann bereits zum Master.

Sony veröffentlichte die Aufnahme auf den Boxen Today, Tomorrow And Forever  und The Complete Elvis Presley Masters. Die Tochterfirma Follow That Dream Records brachte sie auf der Classic Album-Ausgabe der Soundtrack-EP heraus.

 

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