Wild In The Country

Im Jahr 2009 bringt das Sammler-Label Follow That Dream Records den Soundtrack zum Film Wild In The Country  auf den Markt.

Als Bonus enthält die CD auch die übrigen, während dieser Sessions produzierten Songs sowie zahlreiche Outtakes.

Bei der Erstauflage leistete sich FTD übrigens einen Schnitzer und buchstabierte den Nachnamen des Kings als Presely.

Die Aufnahmen fanden am 7. und 8. November 1960 bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien statt. Produziert wurden die Sessions von Steve Urban Thielmann, die Tontechnik betreute Thorne Nogar. Elvis' Band bestand aus Scotty Moore (Gitarre), Hilmar J. Timbrell (Gitarre), Rubin Meyer (Bass), DJ Fontana (Schlagzeug), Dudley Brooks (Klavier) und Jimmie Haskell (Akkordeon). Für den Hintergrundgesang sorgten The Jordanaires.

Für die Bearbeitung der Aufnahmen zeichnen Vic Anesini und Sebastian Jeansson verantwortlich.

Wild In The Country

Die Ballade wurde von Hugo Peretti, Luigi Creatore und George Weiss geschrieben. Aufgenommen wurde sie am 7. November 1960 innerhalb von  19 Takes. Dieser langsame Titel gefällt mir ausgesprochen gut und zählt für mich zu den schönsten Movie Tunes des Kings.

RCA Victor brachte das Lied im Mai 1961 auf der B-Seite der Single I Feel So Bad  heraus, zehn Jahre später kam es auf der 4-LP-Box The Other Sides - Worldwide Gold Award Hits Volume 2  erneut auf den Markt.

 

Lonely Man

Lonely Man  wurde von Bennie Benjamin und Sol Marcus geschrieben, die Aufnahme erfolgte am 7. November 1960. Elvis benötigte 13 Takes für diese wunderschöne Ballade, die auch ohne den Spielfilm ihre Daseinsberechtigung gehabt hätte.

Anfang 1961 war das Lied auf der B-Seite der Single Surrender  zu hören, 1968 veröffentlichte RCA Victor es auf dem Album Elvis' Gold Records - Volume 4, drei Jahre erneut auf der 4-LP-Box The Other Sides - Worldwide Gold Award Hits Volume 2.

 

I Slipped, I Stumbled, I Fell

Insgesamt versuchte sich Elvis am 8. November 18 Mal an dem Song von Fred Wise und Ben Weisman, schlussendlich erklärte er Take 13 zum Master. Ich würde die Nummer als frölichen Uptempo-Song bezeichnen.

RCA Victor brachte ihn 1961 auf dem Album Something For Everybody  auf den Markt, CAMDEN nutzte den Titel 1972 zusätzlich für die LP Separate Ways.

 

In My Way

Die Ballade stammt ebenfalls aus der Feder von Fred Wise und Ben Weisman. Elvis nahm den Song am 7. November 1960 auf und benötigte dafür acht Takes.

In diesem traurigen, nur von einer Gitarre begleiteten Lied verspricht der Sänger nicht die ewige Liebe und erwartet diese auch nicht von seinem Mädchen. Elvis singt sehr einfühlsam und einmal mehr nimmt man ihm jedes Wort ungefragt ab.

Zunächst war das Lied auf dem Album Elvis For Everyone!  (1965) zu hören, die Zweitverwertung erfolgte sieben Jahre später auf der Budget-LP Separate Ways.

 

Forget Me Never

Und wieder ein trauriges, nur von der Gitarre begleitetes Lied von Fred Wise und Ben Weisman. Elvis spielte es am 7. November 1960 innerhalb von drei Tages ein. Der King singt absolut großartig und und bringt den Text glaubwürdig rüber.

Auch dieses Lied wurde auf den Alben Elvis For Everyone!  und Separate Ways  veröffentlicht.

 

Lonely Man (Solo)

Neben der vollständig instrumentierten Fassung spielte man auch noch eine Solo-Version ein, die Elvis nur zur Begleitung einer Gitarre singt.

Für eine Schallplattenveröffentlichung war diese Variation sicherlich nicht geeignet, mir persönlich gefällt sie jedoch fast noch besser als der reguläre Master.

 

I Slipped, I Stumbled, I Fell (Lower Key Version)

Als Alternative nahm man den Song auch noch eine Tonart tiefer auf.

Irgendwie will die Nummer in dieser Fassung aber nicht recht zünden, was wohl auch Elvis bemerkt hat und sich zur Veröffentlichung der anderen Version entschied.

 

Lonely Man (Take 1)

Elvis räuspert sich ein paar Mal, im Hintergrund sprechen sich die Musiker ab.

Beim ersten Versuch wird das Lied noch ein wenig langsamer gespielt und ist in den Details auch noch anders arrangiert. Insgesamt haben die Jungs den Song aber schon sehr gut im Griff.

 

Wild In The Country (Takes 1 & 2)

Der erste Versuch wird noch deutlich forscher vorgetragen als die späteren Takes. Nachdem Elvis die Bridge förmlich herausgeschmettert hat merkt er allerdings selbst, dass die Nummer so nicht funktioniert und bricht das Unterfangen ab.

Vor dem zweiten Durchlauf wird ein wenig gehustet, dann geht es los. Offenbar wurde das Arrangement in der Zwischenzeit überarbeitet, denn es klingt dem Master schon recht ähnlich. An der Bridge scheitert Elvis jedoch auch hier und bricht erneut ab.

 

Wild In The Country (Takes 10 & 11)

Der zehnte Versuch wird nur wenige Sekunden alt, dann muss sich Elvis räuspern.

Zwar fehlt dem Vortrag bei Take 11 noch ein wenig Gefühl, prinzipiell sind der King und seine Jungs dem Master aber schon recht nah.

 

I Slipped, I Stumbled, I Fell (Takes 1-3)

Das Intro wird geprobt, dann geht es los. Der erste Versuch klingt noch sehr roh, bei One carzy kiss... verliert Elvis den Anschluss und weiß offenbar nicht so recht, wie er wieder in den Song hineinfinden soll. Er singt ein wenig vor sich hin, dann folgt Take 2. Der wird allerdings auch nur ein paar Takte alt.

Beim dritten Durchgang spielt man die Nummer schließlich von A bis Z durch, muss aber noch etliche Ecken und Kanten abhobeln.

 

Lonely Man (Solo, Take 1)

Es wird ein wenig auf der Gitarre herumgeklimpert, dann sagt der Tontechniker den ersten Take an. Der gelingt auch schon ganz gut, lediglich das ganz große Gefühl fehlt noch.

 

In My Way (Take 1)

Hier ist schon der erste Versuch ein Treffer. Allerdings hat Elvis ein Geräusch gehört und vermutet, dass sich draußen jemand unterhalten oder ein Lautsprecher gestört hat.

 

Forget Me Never (Takes 2 & 1)

Leider hat FTD bei diesem Track die Reihenfolge der Takes vertauscht, weil man uns unbedingt zuerst einen Fehlstart und dann die vollständige Performance präsentieren will. Elvis singt If I should go, forget me never  und vergeigt danach das Wort please. Mit einem leicht frustriert klingenden Shit!  bricht er das Unterfangen ab.

Den im Anschluss zu hörenden Take 1 bekommt er hingegen fehlerfrei hin. Die Gitarre spielt hier allerdings noch einen Tick zu rhythmisch und beraubt die Ballade damit ein wenig ihrer Traurigkeit.

 

Lonely Man (Take 4)

Wir hören das Schifferklavier, dann wird der vierte Take angesagt. Die Gitarre wird ein wenig anders gespielt als beim Master und auch Elvis' Betonung weicht in Details noch ab.

Prinzipiell ist man dem Endergebnis aber schon sehr nahe.

 

Lonely Man (Solo, Takes 2 & 3)

Der zweite Versuch wird nach etwa dreißig Sekunden vom Tontechniker abgebrochen, weil Elvis beim Wort searching  ein wenig flach klang.

Der King übt den Part daraufhin, dann geht es in die dritte Runde.

 

In My Way (Take 2)

Prinzipiell funktioniert die Ballade schon sehr gut, einige Zeilen kommen jedoch noch ein wenig zögerlich.

 

In My Way (Takes 4-6 & 8)

Take Nummer 4 wird nach guten vierzig Sekunden abgebrochen, weil sich die Gitarre verspielt hat. Der fünfte Versuch endet bereits nach der ersten Zeile. Elvis klingt in den Ohren des Produzenten ein wenig zu engagiert und soll sich etwas zurücknehmen.

Als Gag singt der King den Anfang des Liedes jetzt besonders laut, dann geht es in die nächste Runde. Diesmal geht das Lied durch und klingt bereits veröffentlichungswürdig.

 

Wild In The Country (Takes 12 & 13)

Der zwölfte Durchlauf endet bereits nach wenigen Sekunden, weil Elvis bei der zweiten Zeile ins Stocken gerät. 

Der Tontechniker sagt daraufhin die Lucky 13  an. Diese ist zwar noch nicht 100%ig perfekt, aber schon nahe dran.

 

Wild In The Country (Take 14)

Selbiges kann auch vom 14. Versuch gesagt werden, wobei Elvis die Bridge hier etwas forscher angeht als beim Master.

 

I Slipped, I Stumbled, If Fell (Takes 7-9)

Zunächst misslingt das Intro, dann kommt Elvis bei der Zeile I feel like a ton of bricks  vom Text ab. Der neunte Take geht schließlich durch, klingt aber noch nicht ganz rund.

 

I Slipped, I Stumbled, I Fell (Take 11)

Hier ist man dem Master schon ein ganzes Stück näher, beim nächsten Durchlauf hat Elvis die Nummer im Kasten.

 

In My Way (Take 2)

Prinzipiell funktioniert die Ballade schon sehr gut, einige Zeilen kommen jedoch noch ein wenig zögerlich.

 

Lonely Man (Takes 6-8)

Man hört Elvis lachen, dann räuspert er sich und es geht los. Über die erste Zeile kommt man jedoch nicht hinaus und der King kommentiert I'll gonna put the guitar in later. 'Cos there's a few little runs in there that I can do that Scotty can't do. See? 

Elvis räuspert sich nochmal, dann bemerkt jemand ein ihm unbekanntes Geräusch. Offenbar kommt es von der Bandmaschine, denn der Tontechniker kommentiert That's what makes these records.

 

Lonely Man (Takes 11 & 12)

Take 11 wird abgebrochen, weil das Tempo zwischendurch zu langsam geworden ist.

Beim zwölften Versuch gibt es diese Probleme nicht, so dass die Performance durchgeht. Größere Unterschiede zum Master sind hier nicht mehr auszumachen.

 

I Slipped, I Stumbled, I Fell (Lower Key Version, Takes 14-16)

Nach der Zeile I guess that love is like a cake of ice  fällt das Lied auseinander, beim nächsten Versuch scheitert man bereits am Intro. T

ake Nummer 16 beginnt ebenfalls leicht stockend, man spielt aber weiter und bringt die Nummer planmäßig zu Ende.

 

Wild In The Country (Take 16)

Elvis & Co. sind dem Master schon extrem nahe.

 

Husky Dusky Day

Zum Abschluss der CD hören wir das Duett zwischen Elvis und Hope Lange, das direkt am Filmset aufgenommen wurde. Das Lied dient ausschließlich einer bestimmten Szene und war niemals zur Veröffentlichung auf einem Tonträger vorgesehen. 

 

Fazit & Bewertung

Aufgrund der wenigen Lieder ist das Repertoire natürlich etwas monoton. Nichtsdestotrotz bekommen wir auch hier einen sehr interessanten Einblick in die Studio-Sessions und können dem Meister bei der Arbeit zuhören.