Viva Las Vegas

Als Follow That Dream Records im Jahr 2003 die Classic Album-Serie ins Leben rief, gehörte Viva Las Vegas  zu den ersten Soundtracks, die den Fans im neuen Gewand präsentiert wurden.

Die CD steckt in einem 7"-Digipak, dem auch ein Booklet mit Hintergrundinformationen und Fotos beiliegt.

Das Mastering der Aufnahmen übernahm Lene Reidel, für den Mix zeichnet Andreas Meyer verantwortlich.

Tontechnisch übertraf diese CD alle vorangegangenen Veröffentlichungen, erst durch die nochmalige Überarbeitung für die Boxen The Complete Elvis Presley Masters  (2010) bzw. The RCA Album Collection  (2016) konnte der Sound abermals leicht verbessert werden.

Produziert wurde das Classic Album von Ernst Jorgensen und Roger Semon, den Köpfen hinter dem Sammler-Label.

Im Gegensatz zu den späteren Veröffentlichungen dieser Art, gingen die Produzenten hier noch nicht chronologisch vor und präsentieren zunächst die Lieder der EP und dann die Bonus-Songs und Outtakes.

Vielmehr beginnt die Disc mit der Single Viva Las Vegas / What'd I Say, fährt mit den Tracks der EP fort und endet mit den später auf diversen LPs und CDs verteilten Liedern. Zum Abschluss sind dann Outtakes zu hören.

In gewisser Weise bekommen die Fans somit jenes Album (plus Outtakes) zu hören, auf das man seinerzeit verzichtete.

 

Viva Las Vegas

Bereits am 10. Juli 1963 versuchten sich Elvis und seine Studio-Band an Viva Las Vegas, gaben aber nach einem Take auf und setzten ihre Bemühungen am folgenden Tag fort.

Mit einem leicht veränderten Arrangement folgten weitere sechs Versuche, von denen der letzte zum Master erklärt wurde. Weil der Produzent die Nummerierung vom Vortag fortsetzte, handelt es sich offiziell um Take 7.

Die Autoren von Viva Las Vegas heißen Doc Pomus und Mort Shuman und es verwundert nur wenig, dass dieser großartige Popsong über die Jahre zur inoffiziellen Hymne der Spielerstadt in der Wüste Nevadas avancierte.

Die Erstveröffentlichung erfolgte im April 1964 auf der Single Viva Las Vegas / What'd I Say. In den Billboard-Charts erreichte die Nummer den 29. Platz, insgesamt ging die Single zwei Millionen Mal über die Ladentheken und wurde von der RIAA mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. 1970 brachte RCA Victor den Song zusätzlich auf der 4-LP-Box Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  heraus.

 

What'd I Say

Komponiert wurde der Song von Ray Charles, der damit im Sommer 1959 seinen ersten großen Hit verbuchen konnte.

Seinerzeit hätte wohl auch Elvis aus dem Lied noch eine dampfende R&B-Nummer gemacht, im Sommer 1963 wurde daraus aber nur ein netter Popsong.

Die Aufnahme erfolgte am 30. August 1963 innerhalb von vier Takes.

Die B-Seite war hier sogar erfolgreicher als der Haupt-Song und schaffte es in den Billboard Charts bis Rang 21. Im LP-Format war What'd I Say erstmals 1968 auf dem Album Elvis' Gold Records - Volume 4  erhältlich.

 

If You Think I Don't Need You

Die nächsten vier Songs stammen von der Soundtrack-EP, die im Mai 1964 auf den Markt kam und sich etwa 500.000 Mal verkaufte.

Die EP beginnt mit einer Nummer aus der Feder von Red West und Joey Cooper. Die Uptempo-Nummer klingt wie ein typischer Filmschlager der Mitt-Sechziger, sticht aber durch die Blechbläser ein wenig hervor und hat durchaus ihren Charme.

Die Aufnahme erfolgte am 9. Juli 1963 innerhalb von 13 Takes. 1971 war If You Think I Don't Need You  auch auf dem CAMDEN-Album I Got Lucky zu hören. 

 

I Need Somebody To Lean On

Die Ballade erinnert mich ein wenig an die Saloon-Songs von Frank Sinatra und wäre wohl auch auf einem regulären Studio-Album nicht fehl am Platze gewesen. Auch Elvis erkannte offenbar die Qualität des Songs und investierte am 10. Juli 1963 zwanzig Takes in die Aufnahme.

Heute wird der Song zumeist übersehen, er gehört aber zweifellos zu den schönsten Movie Tunes des Kings. Als Autoren zeichnen übrigens Doc Pomus und Mort Shuman verantwortlich.

I Need Somebody To Lean On  fand sich ebenfalls 1971 auf der LP I Got Lucky.  

 

C'mon Everybody

Hier handelt es sich nicht etwa um den Rock'n'Roll-Klassiker von Eddie Cochran, sondern um einen Filmschlager aus der Feder von Joy Byers. Trotzdem gefällt mir der Song recht gut und auch Elvis' Vortrag kann sich hören lassen. Aufgenommen wurde die Nummer am 9. Juli 1963, insgesamt benötigte Elvis fünf Takes.

Das CAMDEN-Label kürte C'mon Everybody  1971 sogar zum Titellied einer LP mit Movie Tunes.

 

Today Tomorrow And Forever

Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye bearbeiteten den Liebestraum  von Franz Liszt und machten daraus Today, Tomorrow And Forever.

Zunächst entstanden am 11. Juli 1963 zwei Duett-Takes zusammen mit Ann-Margret, danach nahmen die Musiker vier Instrumental-Takes auf. Weil der Produzent einfach weiterzählte, wurden diese Durchläufe als Takes 3 bis 6 archiviert.

Schlussendlich nutzte Elvis diese Playbacks aber doch nicht, sondern spielte sechs weitere Takes zusammen mit den Musikern ein. Der letzte Versuch wurde zum Master.

1971 veröffentlichte CAMDEN Today, Tomorrow And Forever  auf dem Album C'mon Everybody.

 

Santa Lucia

Dieses traditionelle Lied war erstmals im Jahr 1965 auf dem Album Elvis For Everyone!  zu hören.

Der Text wurde 1850 von Teodoro Cottrau geschrieben, aufgenommen wurde das Lied erstmals 1916 durch Enrico Caruso.

Nun handelte es sich bei Elvis um keinen Tenor, sein Gesangsstil war eindeutig Pop und von der italienischen Sprache hatte er nicht einmal rudimentäre Kenntnisse. Trotzdem gefällt mir seine Interpretation sehr gut und auch sein Italienisch klingt für mich - als ein dieser Sprache ebenfalls nicht mächtigen Zuhörer - zumindest akzeptabel.

Damit man Santa Lucia  im eigenen Verlag unterbringen konnte, trug man als Komponist einfach "Traditional - Arranged By Elvis Presley" ein.

Die Aufnahme entstand am 10. Juli 1963 bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien. Trotz des Textes in der fremden Sprache benötigte Elvis nur drei Takes, bevor er das Lied im Kasten hatte.

1972 erfolgte eine Zweitverwertung auf der CAMDEN-LP Burning Love And Hits From His Movies.

 

Do The Vega

 Der King benötigte für die Komposition von Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye sieben Takes.

Ein durchschlagender Erfolg wäre der Vega wohl nicht geworden, prinzipiell ist die Nummer aber nett gemacht und als Filmschlager daher akzeptabel.

Erstmals veröffentlicht wurde der Song, ebenso wie auch die nächsten beiden Titel, im Jahr 1968 auf dem Album SINGER Presents Elvis Singing "Flaming Star" & Others.

 

Night Life

Elvis spielte die Nummer von Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye am 9. Juli 1963 bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien ein und benötigte dafür 14 Takes.

Wie es der Titel bereits vermuten lässt, wird hier das Nachtleben (Neonlichter, Spieler und schöne Frauen) besungen. Unter den Movie Tunes würde ich Night Life  zu den besseren Liedern zählen.

 

The Yellow Rose Of Texas / The Eyes Of Texas

Randy Star und Fred Wise fassten die beiden Traditionals zu einem Medley zusammen, das von Rusty (Elvis) vor einer Horde Südstaatlern in einem Casino gesungen wird.

Aufgenommen wurde die Nummer am 10. Juli 1963 bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien innerhalb von 9 Takes.

Weil sich hauptberufliche Sänger zu professionell angehört hätten, wurden der Part des lautstark mitgrölenden Casino-Publikums von den Studio-Musikern übernommen. 

 

The Lady Loves Me

Hier kommen wir nun zum ersten Duett von Elvis und Ann-Margret.

Das Lied wurde von Sid Tepper und Roy C. Bennett geschrieben und am 11. Juli 1963 innerhalb von zehn Takes aufgenommen.

Veröffentlicht wurde es allerdings erst nach dem Tod des Kings auf der LP A Legendary Performer - Volume 4.

In diesem witzigen Liedchen ist der Sänger davon überzeugt, er sei unwiederstehlich und die Dame sei ihm hoffnungslos verfallen. Diese sieht die Situation jedoch vollständig anders und rät dem Barden zu ärztlicher Hilfe.

 

You're The Boss

Eine ganz andere Stimmung kommt bei You're The Boss  auf, denn hier sprühen zwischen Elvis und Ann-Margret die Funken.

Aufgenommen wurde die Nummer direkt nach The Lady Loves Me, insgesamt benötigten die beiden 16 Anläufe.

BMG veröffentlichte einen Splice aus dem als Master-Take vorgesehenen Take 10 und dem Ende von Take 3 im Jahr 1991 auf dem 3-CD-Set Collector's Gold,  den tatsächlichen Master-Take präsentierte man zwei Jahre später auf der Einzel-CD Elvis Double Features - Viva Las Vegas & Roustabout.

Geschrieben wurde der Song übrigens von Jerry Leiber und Mike Stoller. 

 

Today, Tomorrow And Forever (Takes 1 & 2)

Diese Ballade wurde zu Elvis' Lebzeiten als Solo-Version veröffentlicht, aber auch hiervon spielte der King zusammen mit Ann-Margret eine Duett-Version ein.

BMG ließ sich allerdings bis ins Jahr 2002 Zeit, ehe das Label dies Aufnahme den Fans zugänglich machte. Dies geschah im Rahmen eines gleichnamigen 4-CD-Sets, das mit 100 Outtakes und Live-Mitschnitten aufwartete.

Beim ersten Take bricht Elvis nach etwa einer Minute ab und kommentiert I'm sorry....and I should be.

Der zweite Anlauf klingt sicherer und geht auch vollständig durch.

 

Viva Las Vegas (Takes 1 & 2)

Grundsätzlich sind die Aufnahmen bereits von der CD Silver Screen Stereo  bekannt, die Tonqualität wurde für das Classic Album jedoch nocheinmal überarbeitet.

Der erste Take orientiert sich noch sehr am Demo und klingt signifikant anders als die bekannte Fassung. Mir persönlich gefällt dieses ursprüngliche, klavierdominierte Arrangement sehr gut. Leider bringt Elvis den Take nicht zuende, sondern bricht nach etwa anderthalb Minuten ab.

Take 2 weist dann schon das bekannte Arrangement auf. Der King hat offenbar keine große Mühe mit dem Song, nur hier und dort muss er noch ein wenig an der Betonung arbeiten.

 

Night Life (Take 3)

Der Durchlauf funktioniert sehr gut, nach dem Break singt Elvis allerdings den falschen Text, was ihn merklich aus dem Tritt bringt. Er macht aber weiter und bringt den Song zuende. Dabei kaspert er ein wenig herum und singt ...hot damn night life.

Am Ende fragt er We don't happen to have the words?

Wir kennen diesen Take übrigens von der CD Out In Hollywood.

 

C'mon Everybody (Takes 1-3)

Auch der nächste Track ist bereits bekannt, diesmal von der Silver Screen Stereo.

Take 1 wird deutlich langsamer dargeboten, als die bekannte Fassung. Nach der Zeile C'mon everybody and whistle this tune right now  bricht Elvis allerdings ab.

Der zweite Take wird nur wenige Sekunden alt, danach fragt man sich in der Tonregie, welcher Take jetzt eigentlich dran sei.

Es ist die Nummer drei, die dann auch komplett durchläuft. Allerdings hat der Meister noch Probleme, den Text auf die Zählzeiten zu verteilen.

 

I Need Somebody To Lean On (Take 8)

Verglichen mit dem Master wird die Ballade hier langsamer gespielt und ist auch sparsamer arrangiert. Dadurch kommt das "Nachtclub-Feeling" noch besser durch, was mir sehr gut gefällt.

Erstmals zu hören war dieser Take auf der CD Out In Hollywood, die Tonqualität wurde für Viva Las Vegas  allerdings noch einmal überarbeitet.

 

The Lady Loves Me (Take 9)

Die nächste Aufnahme kennen wir von der Silver Screen Stereo. Dort war allerdings vor der Aufnahme noch ein kurzes Gespräch zwischen Elvis und Ann Margret zu hören, was hier fehlt. Dafür klingt die Nummer durch den ReMix und das erneute Mastering nun besser als bei der Erstveröffentlichung.

Im Vergleich zum Master-Take betonen die beiden Interpreten hier und dort ein wenig anders, zudem ist das Timing nicht immer 100%ig.

 

You're The Boss (Take 3)

Auch beim dritten Anlauf schmachten sich Elvis und Ann ganz gewaltig an, wenn auch noch nicht so professionell wie beim Master-Take 16.

Dieser Track befand sich zuvor ebenfalls auf der Silver Screen Stereo, hier allerdings in einem anderen Mix und mit künstlichem Echo. Mir gefällt diese neue Abmischung besser.

 

Today, Tomorrow And Forever (Takes 3 & 4)

Nachdem Elvis mit Ann-Margret im Rahmen der ersten beiden Takes eine Duett-Aufnahme produziert hatte, folgte danach eine Solo-Version.

Der dritte Take ist nur ein kurzer Fehlstart, beim vierten Anlauf geht die Nummer dann durch.

Wieder kennen wir die Aufnahme von der Silver Screen Stereo, aber auch hier wurde das Hörerlebnis durch ein neuerliches Mastering und den ReMix deutlich verbessert.

 

What'd I Say (Takes 1 & 2)

Beim ersten Take handelt es sich lediglich um einen Fehlstart, der über das Intro nicht hinauskommt.

Take 2 wird etwas langsamer gespielt und klingt daher nicht ganz so "hysterisch" wie der Master.

Am Schluss singt Elvis als Gag kurz When Irish Eyes Are Smiling  an.

 

If You Think I Don't Need You (Takes 5 & 7)

Beim fünften Take muss der King nach etwa einer Minute lachen und bricht den Aufnaheversuch ab.

Anlauf Nummer sieben geht komplett durch und klingt der veröffentlichten Fassung bereits sehr ähnlich.

 

C'mon Everybody (Takes 6 & 7)

Der sechste Take besteht nur aus der Zeile C'mon everybody and snap your fingers now - dann wird abgebrochen.

Beim nächsten Versuch finden alle den Einstieg und liefern eine Performance, die ebenfalls durchaus veröffentlichungswürdig gewesen wäre.

 

Do The Vega (Take 1)

Beim ersten Take wird der Song etwas langsamer gespielt, als beim Master. Dadurch wirkt die Nummer zwar noch nicht so flott, dafür kommt der Latin-Rhythmus besser heraus.

 

The Climb (Take 9)

Dieses Lied wird von dem Bass-Sänger George McFadden vorgetragen, der Hintergrundgesang stammt von den Jordanaires und Elvis himselvis.

Den ersten Take bricht der King zur Mitte des Songs mit der Bemerkung Hold it! We picked up the tempo a litte too much, fellows. ab. Anlauf Nummer zwei wird nur ein paar Takte alt.

Dann werden die Jordanaires aus der Tonregie korrigiert und Take 5 wird angesagt. Aber auch jetzt kommt man nicht weit, denn abermals das Tempo ist nicht korrekt.

Schlussendlich folgt der auf dem Cover angekündigte Take 9, den MGM auch für den Film nutzte.

 

Fazit & Bewertung

Das Classic Album fasst bekannte und unbekannte Aufnahmen zusammen. Durch das ReMastering und den neuen Mix klingen die bekannten Tracks allerdings deutlich besser als auf den vorherigen Veröffentlichungen.