Stay Away, Joe

Im Jahr 2013 bringt das Sammler-Label Follow That Dream Records den Soundtrack zum Film Stay Away, Joe  auf den Markt. Als Bonus enthält die CD auch die übrigen, während dieser Sessions produzierten Songs sowie zahlreiche Outtakes.

In der ursprünglichen Version des Covers hält Elvis auf dem Foto übrigens eine Bierdose in der Hand. Um das konservative US-Publikum nicht zu vergraulen wurde das Utensil nachträglich entfernt, was insbesondere bei den europäischen Fans für Erheiterung sorgte.

Die erste Session fand am 17. Oktober 1967 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee statt. Weitere Aufnahmen folgten an gleicher Stelle am 15. und 16. Januar des folgenden Jahres. Hier wurden auch Lieder aufgenommen, die nichts mit dem Film zu tun hatten und für separate Single-Veröffentlichungen vorgesehen waren.

Elvis' Band bestand aus Scotty Moore (Gitarre), Jerry Reed (Gitarre, nur 1968), Chip Young (Gitarre), Bob Moore (Bass), DJ Fontana (Schlagzeug), Buddy Harman (Schlagzeug), Floyd Cramer (Klavier), Pete Drake (Steel Guitar, nur 1968), Charlie McCoy (Harmonika) und Gordon Terry (Country-Fiddle, nur 1967). Für den Hintergrundgesang sorgten die Jordanaires.

Aufgrund des Misserfolgs der EP Easy Come, Easy Go  hatte sich RCA Victor seinerzeit auf die Veröffentlichung der Single Stay Away / U.S. Male  beschränkt und die restlichen Titel auf die Budget-Alben Elvis Sings "Flaming Star" & Others  (1969), Let's Be Friends  (1970) und Almost In Love  (1970) verteilt.

Weil der King das Lied Dominic  nicht außerhalb des Films veröffentlicht sehen wollte, blieb das Band zunächst im Archiv. Erst 1995 wurde es der Öffentlichkeit im Rahmen der CD-Serie Elvis Double Features  zugänglich gemacht.

Die Bearbeitung der Tonaufnahmen geht auf das Konto von Sebastian Jeansson.

 

Stay Away

Die Ballade wurde von Sid Tepper und Roy C. Bennett geschrieben und basiert auf dem englischen Traditional Greensleeves. Elvis nahm den Song am 16. Januar 1968 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee auf, der 15. Versuch wurde zum Master-Take.

Der Sänger sehnt sich nach den heimatlichen Canyons und möchte so schnell wie möglich wieder nach Hause zurückkehren. Im Film Stay Away, Joe  nutzte man den Song für den Vorspann, in dem passend zum Inhalt wunderbare Landschaftsaufnahmen von Arizona gezeigt werden.

Anfang 1968 veröffentlichte RCA Victor das Lied auf einer Single. In den Billboard Charts kam es jedoch über den 67. Platz nicht hinaus. Auf einer LP war Stay Away  erstmals 1973 zu hören, als CAMDEN eine weitere Auflage des Albums Almost In Love  herausbrachte.

Das Original kam bereits 1970 auf den Markt, enthielt jedoch durch einen Fehler den Song Stay Away, Joe, der zuvor schon auf der LP Let's Be Friends  veröffentlicht worden war.

 

Stay Away, Joe

Die Komponisten heißen Sid Wayne und Ben Weisman, die Aufnahme erfolgte am 1. Oktober 1967 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee. Zunächst nahm Elvis 19 Takes von Stay Away, Joe  auf, den 17. erklärte er zum Master.

Für eine mögliche Schallplattenveröffentlichung spielten die Musiker ein separates Playback ein. Dafür benötigten sie zwei Takes und produzierten zudem eine mir unbekannte Anzahl von Insert-Takes. Nachdem der Rhythm Track zusammengeschnitten worden war, sang Elvis noch am selben Tag zu der Aufnahme.

Insgesamt passt Stay Away, Joe  zum Thema des Films und ist nett gemacht. Als Highlight würde ich den Song jedoch nicht bezeichnen.

Wie bereits geschrieben, veröffentlichte CAMDEN den Song im Frühjahr 1970 auf der LP Let's Be Friends  und durch einen Fehler wenige Monate später noch einmal auf dem Album Almost In Love.

 

Dominic

Auch dieses Lied wurde von Sid Wayne und Ben Weisman geschrieben. Elvis war die Nummer, mit der einem paarungsunwilligen Zuchtbullen seine angedachte Tätigkeit schmackhaft gemacht werden soll, dermaßen peinlich, dass er sich eine Veröffentlichung außerhalb des Films verbat.

Nichtsdestotrotz fand sich der Song im Jahr 1995 auf der CD Elvis Double Features  und jetzt eben auch hier.

 

All I Needed Was The Rain

Wirklich gut gefällt mir All I Needed Was The Rain, ein weiterer Titel aus dem Hause Wayne/Weisman. Die Aufnahme stammt vom 1. Oktober 1967 aus dem RCA Studio B in Nashville, Tennessee.

Zunächst spielten die Musiker den Rhythm Track ein, danach sang Elvis zu dem vorproduzierten Playback. Die Band erledigte ihren Job innerhalb von drei Takes, wie viele Versuche Elvis benötigte, ist mir nicht bekannt.

Veröffentlicht wurde der Song auf dem Album Elvis Sings "Flaming Star" & Others.

 

Goin' Home

Elvis nahm das Lied am 15. Januar 1968 auf und benötigte dafür stattliche 30 Takes. Mir gefällt die Komposition von Joy Byers sehr gut, der King selbst konnte dem Song angeblich nur wenig abgewinnen.

RCA Victor nutzte die Aufnahme als Bonus Track auf dem Soundtrack-Album zum Film Speedway.

 

Too Much Monkey Business

Elvis spielte die Chuck-Berry-Nummer am 15. Januar 1968  innerhalb von 14 Takes ein, danach fügte Jerry Reed sein prägnantes Spiel auf der Akustikgitarre hinzu. Dafür wurden fünf Durchläufe benötigt.

Der Sänger beschreibt hier im Telegrammstil verschiedene Situationen in seinem Leben, in denen er sich ausgenutzt vorkam.

Das Original wurde von Chuck Berry bereits 1956 veröffentlicht, Elvis aktualisierte den Text ein wenig von verlegte seinen Militäreinsatz von Yokohama nach Vietnam. Der King ist mit Eifer bei der Sache, man kann ihm den Spaß an diesem Song förmlich anhören.

Dass eine so großartige Aufnahme auf der Billig-LP Elvis Sings "Flaming Star" & Others  verramscht wurde, ist für mich absolut unverständlich.

 

U.S. Male

U.S. Male  stammt aus der Feder von Jerry Reed, der den Titel auch 1966 als erster herausbrachte. In dem Song wendet sich der Sänger an einen Nebenbuhler und droht ihm allerlei Ungemach an, sollte er nicht die Finger von seiner Frau lassen.

Elvis mimt den selbstgewissen und leicht hinterwäldlerischen Südstaatler perfekt, trägt den Talking Blues mit breitem Akzent vor und verlegt sogar den im Text genannten Geburtsort seiner eigenen Biographie folgend von Georgia nach Mississippi.

Aufgenommen wurde der Song am 16. Januar 1968, die Erstveröffentlichung erfolgte wenige Wochen später auf der B-Seite der Single Stay Away. Im Sommer 1970 war der Song dann auf der Almost In Love  auch im LP-Format zu haben.

 

Stay Away (Jam & Take 2)

Zunächst hören wir einen Jam des Mule Skinner Blues, dann folgen Übungen der Musiker und ein paar Gags des Kings.

Beim zweiten Durchlauf wird Stay Away  noch deutlich langsamer gespielt als beim Master. Die Band hat den Song noch nicht ganz verinnerlicht und auch Elvis leistet sich gesangliche Schnitzer.

Allen Beteiligten ist klar, dass es sich hier nur um eine Probe handeln kann, an einer Stelle hört man im Hintergrund sogar Unterhaltungen der Musiker.

 

Too Much Monkey Business (Takes 1, 3 & 9)

Der erste Take ist noch anders arrangiert als die spätere Master-Version und klingt weniger gefällig. Nachdem sich Elvis in der Strophe mit der Blondine verhaspelt hat, bricht man das Unterfangen ab.

Obwohl als nächstes Take 3 gelistet ist, sagt Felton Jarvis den Durchlauf B 4 an, was der King zum Anlass für einen Gag mit dem Wort before  nutzt und sodann ein wenig mit Jerry Reed jammt, indem er den Text als Bass-Linie singt. Dasselbe tut er auch beim nächsten Aufnahmeversuch, der daraufhin abgebrochen wird. Abermals leistet sich der King einen Spaß und singt ...settle down, write a home and eat a book.

Der neunte Take geht vollständig durch, wobei Elvis auch hier wieder die Bass-Linie singt und die Band am Schluss vollständig ins Schleudern kommt.

 

U.S. Male (Takes 2, 3, 5 & 7)

Die Aufnahme beginnt mit einem Jam, bei dem man Elvis gerade noch singen hört ...hole the man in the moon. Tatsächlich sang der King If I had the wings of an angel and the balls of a big hairy coon, I'd fly to the top of a mountain and cornhole the man in the moon. Bei dem deftigen Text handelt es sich um eine Parodie des Liedes The Prisoner's Song, in dem es eigentlich heißt If I had the wings of an angel, over these prison walls I would fly. And I'd fly to the arms of my darling, and there I'd be willing to die.

Weil die Produzenten dieser CD aber schon eine Bierdose in der Hand des Kings als unzumutbar empfanden, verschonten sie die Fans natürlich auch vor den Anzüglichkeiten des großen Idols und ließen den Part einfach weg.

Der zweite Take von U.S. Male  endet nach wenigen Sekunden, denn der Chor singt schief und einer der Sänger muss sich räuspern. Beim dritten Take kämpft Elvis mit dem Timing und bricht nach etwa neunzig Sekunden ab, weil er mit dem Text nicht klarkommt. Der fünfte Durchlauf kommt zum Erliegen, nachdem Elvis ein wenig improvisiert und singt Now I watch you running round, you sonofabitch, I'm gonna pick your head and dump you in a ditch. Jerry Reed muss laut lachen und Felton Jarvis wirft ein, dass ihm diese Version auch gut gefällt.

Aufgrund der allgemeinen Erheiterung misslingen die nächsten beiden Einstiegsversuche, Take 7 geht dann aber wieder -trotz einem kleinen Texthänger des Kings- vollständig durch.

 

Stay Away, Joe (Takes 10, 12 & 13)

Das Intro schien Elvis wohl an Adam And Evil  aus dem Film Spinout  zu erinnern. Als Gag singt er das Intro, was zum Abbruch der Aufnahme führt. Beim zwölften Take wiederholt er den Witz, verhaspelt sich aber schon bei der zweiten Zeile und bricht lachend ab.

Der dreizehnte Anlauf geht schließlich durch, am Timing muss allerdings noch gearbeitet werden.

 

Stay Away, Joe (Takes 15-17)

Der fünfzehnte Take scheitert am Übergang zum Mundharmonika-Solo, beim nächsten Versuch singt Elvis nach fast zwei Minuten den falschen Text und sorgt damit für einen Abbruch. Als Gag deutet der King das so genannte Elvis-Ending an, was von den Musikern sofort aufgegriffen wird.

Take 17 geht zwar durch, während der zweiten Strophe kann sich Elvis allerdings ein Lachen nicht verkneifen. Offenbar gab man an diesem Punkt den Gedanken an eine Live-Aufnahme auf und spielte ein Playback ein, zu dem der King später sang.

Weil das Lachen zur Party-Sequenz passte, benutzte MGM aber den 17. Take für den Film.

 

Dominic (Takes 1, 3 & 2)

Beim ersten Durchlauf versemmelt Elvis den Einstieg in die zweite, schneller gespielte Strophe. Take 3 kommt über das Intro nicht hinaus, weil Charlie McCoy an der Mundharmonika patzt.

Weil Ernst Jorgensen wohl unbedingt erst die Fehlstarts und dann einen vollständigen Durchgang präsentieren wollte, folgt nun der zweite Versuch. Allerdings ist auch dieser Take nicht fehlerfrei, denn Elvis trifft nicht alle Töne und auch die Band hat noch diverse Probleme.

 

All I Needed Was The Rain (Master, Alternate Mastering)

Die Musiker spielten drei Takes für das Playback ein, wie viele Versuche Elvis benötigte, ist nicht bekannt, weil er immer wieder über dieselbe Aufnahme sang.

Immerhin präsentiert uns FTD hier aber einen Fehlstart des Musik Tracks, denn Charlie McCoy erlaubt sich einen Gag und singt zur Melodie eines wohlbekannten Beatles-Songs All You Need Is Rain.

 

Too Much Monkey Business (Takes 12 & 10)

Wieder hält FTD am Prozedere fest, den Fans erst einen Abbruch und dann einen vollständigen Take zu präsentieren. Daher beginnt die CD mit Take 12, bei dem sich Elvis während der ersten Strophe versingt und sich anschließend darüber lustig macht. Dann schmettert er eine Zeile von When Irish Eyes Are Smiling.

Der zehnte Versuch geht durch, wenn der King zwischendurch auch kurz lachen muss. Das Arrangement wurde übrigens inzwischen geändert und klingt nun so, wie wir es vom Master kennen. Die Stelle mit dem Gitarren-Solo bleibt frei, denn Jerry Reed spielte seinen Part erst im Zuge der Nachbearbeitung ein.

 

Going Home (Takes 12, 18 & 21)

Im Gegensatz zu mir scheint Elvis den Song gar nicht zu schätzen und nennt ihn das schlechteste Lied, das er jemals gehört habe. Während des Intros hört man die Musiker lachen, was dem King selbst später während seines Vortrags auch passiert. Er kommentiert, dass er nichts mehr tun könne, außer nach Hause zu gehen.

Der 18. Versuch kommt über das Intro nicht heraus, weil Elvis den Musikern dazwischen quatscht. Take 21 geht durch, weist aber noch so manchen Fehler in der Phrasierung auf.

 

Going Home (Takes 22, 24, 26 & 29)

Felton Jarvis bespricht sich zunächst mit D.J. Fontana, dann improvisiert Elvis den Anfang von I Got A Woman. Zu Beginn des nächsten Takes erlaubt sich der King einen Gag und singt statt des Originaltextes einfach Heartbreak Hotel.

Nach dem Abklingen der allgemeinen Erheiterung koordiniert sich Elvis mit den Musikern und sagt 28. Felton Jarvis, der eigentlich Take 26 ansagen wollte, übernimmt scherzhaft die Zählweise seines Chefs. Es folgt ein kurzer Fehlstart, dann ist Take 29 (also eigentlich Take 27) zu hören.

Dieser ist dem Master auch schon sehr ähnlich, beim nächsten Durchlauf hat man die Nummer im Kasten.

 

Stay Away (Takes 5 & 6)

Everybody's entitled to one stupid-ass mistake. sagt Elvis, nachdem man ihm mitgeteilt hat, der von ihm hinterfragte falsche Ton sei ein Spielfehler der Musiker gewesen. So ein Problem gibt es ebenfalls bei Take 5.

Perfekt spielen die Musiker auch beim sechsten Versuch nicht, als Elvis dann zusätzlich noch das Wort say  auslässt und singt Where the hills don't stay away, ist der Take endgültig gelaufen und der King trommelt als Gag den Rhythmus mit.

 

Stay Away (Takes 11, 12 & 14)

Das Arrangement ist inzwischen ein wenig geändert worden. Alles läuft gut, doch nach fast zwei Minuten kommt Elvis mit dem Text ins Schleudern und der Pianist verspielt sich. Mit einem deutlich vernehmbaren Shit!  wird abgebrochen. Felton Jarvis ist trotzdem begeistert, der King fragt nur Are you kidding me?

Take 12 ist nur ein kurzer Fehlstart, Versuch Nummer 14 geht dafür nahezu fehlerfrei durch. Lediglich an einer Stelle kommt Elvis mit der Phrasierung ins Schleudern. Auffällig ist auch, dass jetzt ein Chor mitsingt.

 

U.S. Male (Takes 9 & 10)

Zunächst legt Jerry Reed einen Fehlstart hin, dann findet er den Einstieg und es geht los. Nach etwa zwei Minuten verhaspelt sich Elvis jedoch im Text und muss die Aufnahme abbrechen. Im Anschluss übt Mr. Reed noch einmal kurz auf der Gitarre, dann folgt ein kompletter Durchlauf.

Prinzipiell hat man das Lied im Griff, hier und dort muss der King aber noch an seiner Phrasierung feilen.

 

U.S. Male (Take 11)

Zunächst finden die Musiker den Einstieg nicht, als die erste Hürde jedoch genommen ist, geht der Take durch.

Vielleicht wäre es auch schon der Master gewesen, wenn sich der Bassist am Ende nicht verspielt hätte. Felton Jarvis merkt an, dass er hier sowieso ausblendet, weil das Lied mit mehr als 2:45 zu lang werde.

 

Fazit & Bewertung

FTD veränderte nicht nur das Cover-Foto, sondern schnitt auch Dialoge bzw. setzte sie an andere Positionen. Dadurch verliert die CD natürlich an Dokumentationswert.