Spinout

Anno 2004 veröffentlicht Follow That Dream Records eine Classic Album-Ausgabe des Soundtracks zum Film Spinout.

Die Nachbearbeitung der Masters bzw. den Mix der Outtakes übernahm Lene Reidel.

Weil Ernst Jorgensen das Album im Original-Mix präsentieren wollte, durfte Lene Reidel die Aufnahmen nur mastern (also Störgeräusche entfernen, etc.).

Die bislang unveröffentlichten Outtakes mussten jedoch zwangsläufig gemixt werden, so dass diese Tracks hier deutlich frischer klingen als die Masters.

Seinerzeit stellte dieses Classic Album die am besten klingende Variante des Spinout-Albums dar. Mit den Neubearbeitungen für die Boxen The Complete Elvis Presley Masters  (2010) und The RCA Album Collection  (2016) können die Tacks aber nicht mithalten.

 

The Album

Stop, Look And Listen

Die LP beginnt mit einer Uptempo-Nummer aus der Feder von Joy Byers. Nachdem Elvis das Lied für den Girl Happy-Soundtrack abgelehnt hatte, reichte man es zunächst an Rick Nelson (1964) und Bill Haley (1965) weiter.

Für Spinout  wurde dem King Stop, Look And Listen  erneut vorgeschlagen und diesmal spielte er den Song auch tatsächlich ein.

Am 16. Februar nahm er sieben Takes davon auf, den Master kombinierte man schließlich aus dem Schlagzeug-Intro des sechsten Versuchs und Take 7.Musikalisch erinnert Stop, Look And Listen  ein wenig an den guten, alten Rock'n'Roll, integriert aber gleichzeitig auch damals angesagte Instrumente, wie etwa eine Orgel oder eine vergleichsweise hart gespielte E-Gitarre.

Der Sänger gibt hier den Ratschlag seines Vaters weiter: Wenn Du eine schöne Frau siehst, dann halte inne, schau' genau hin und höre zu - sonst sitzt Du in der Tinte. Für einen Filmschlager ist der Song in Ordnung, auf eine reguläre Studio-LP des Kings hätte er es aber wohl kaum geschafft.

 

Adam And Evil

Erneut handelt es sich um einen flotten Popsong, der sicherlich nicht zu den schlechtesten Movie Tunes gehört, aber eben auch nicht zu den Highlights. Originell ist immerhin der Einsatz des orientalischen Blasinstruments, das zum Schlangenbeschwören genutzt wird.

Der Interpret stellt fest, dass die Frau die Wurzel allen Übels ist, doch er kann nicht anders und verliebt sich trotzdem.

Komponiert wurde Adam And Evil  von Fred Wise und Randy Starr, Elvis' Aufnahme erfolgte am 17. Februar 1966 innerhalb von 20 Takes.

 

All That I Am

Nach zwei schnelleren Titeln folgt nun eine Ballade. Als B-Seite der Single Spinout  erreichte der Titel den 41. Platz der Hot 100, in Großbritannien kam er sogar auf Rang 18.

Elvis nahm All That I Am am 17. Februar 1966 auf und benötigte dafür fünf Takes. Am 14. Juni wurden unter der Regie von George Stoll (Produzent) sowie Aaron Rochin und Lyle Burbridge (Tontechniker) auf der MGM Soundstage in Hollywood, Kalifornien noch weitere Instrumente ergänzt.

Die Autoren des Songs heißen übrigens Sid Tepper und Roy C. Bennett. Insgesamt schrieben sie mehr als 40 Lieder für Elvis. Ich würde All That I Am  als solides Easy Listening bezeichnen.

 

Never Say Yes

Auch Never Say Yes  stammt von einem Team, das dem King in den 1960ern zahlreiche Songs lieferte. Unter anderem zeichneten Doc Pomus und Mort Shuman für Klassiker wie A Mess Of Blues, Little Sister  und Viva Las Vegas  verantwortlich.

An die Qualität der vorgenannten Lieder reicht Never Say Yes  zwar nicht heran, der Eindruck wäre aber deutlich positiver, wenn man auf das "moderne" Arrangement verzichtet und den Track ebenso sorgfältig abgemischt hätte wie seinerzeit die Aufnahmen aus dem RCA Studio B.

Gemäß dem Interpreten liegt sein Erfolgsgeheimnis bei der Damenwelt darin, den Ladies stets die Bereitschaft zur Ehe zu suggerieren, aber niemals tatsächlich das Ja-Wort zu geben.

Eine Zeit lang galt Never Say Yes als Titelsong des Films, doch dann entschied man sich bei MGM anderweitig und nannte den Streifen Spinout.

Elvis nahm den Song am 17. Februar 1966 auf und benötigte dafür sechs Takes. Den Master schnitt man aus Take 6 und dem Ende von Take 5 zusammen.

 

Am I Ready

Anno 1910 führten Victor Herbert & His Orchestra erstmals die Operette When Sweet Sixteen  auf. In dem Bühnenstück gab es auch ein Lied namens To A Wild Rose, das von Herbert im selben Jahr auch auf einem Tonträger herausgebracht wurde.

Ein halbes Jahrhundert später bearbeiteten Sid Tepper und Roy C. Bennett den Song und machten Am I Ready  daraus.

Elvis spielte die Ballade am 16. Februar 1966 ein, der siebte Versuch wurde zum Master. Mir gefällt dieser zarte und auch sehr romantische Song ausnehmend gut, ohne Frage zählt er zu den Highlights der Spinout-LP.

1972 war Am I Ready  übrigens auch auf der CAMDEN-LP Burning Love And Hits From His Movies  zu hören.

 

Beach Shack

Im Film singt Mike (Elvis) diesen Song während einer Party. Geschrieben wurde er von Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye, die Aufnahme erfolgte am 16. Februar 1966 innerhalb von vier Takes.

In dem etwas dümmlich wirkenden Lied möchte der Sänger eine Dame davon überzeugen, ihm in seine Strandhütte zu folgen und dort mit ihm - die besten Absichten vorausgesetzt - eine schöne Zeit zu verbringen.

Beach Shack  ist ein typischer Filmschlager, den Elvis wohl niemals für eine reguläre Studio-LP in Betracht gezogen hätte.

 

Spinout

Die zweite Seite des Spinout-Soundtracks beginnt mit dem Titelsong, den RCA Victor bereits im September 1966 zusammen mit All That I Am  auf einer Single veröffentlicht hatte.

Die Autoren Sid Wayne, Ben Weisman und Dolores Fuller vergleichen hier die Beziehung zu einer Frau mit einem Autorennen und raten dem Zuhörer zur Flucht.

Auch hier ist die Orgel, das absolute Mode-Instrument der damaligen Zeit, wieder prominent zu hören.

Beim Massenpublikum konnte der King mit Spinout  allerdings nicht punkten, in den Hot 100 stagnierte der Song auf Rang 40.

Aufgenommen wurde das Lied am 17. Februar 1966, Take 5 wurde zum Master.

 

Smorgasboard

Der Sänger vergleicht nun die Damenwelt mit einem riesigen Buffet, in Schweden Smorgasbord  genannt.

Insgesamt kann ich dem flotten Popsong von Sid Tepper und Roy C. Bennett durchaus etwas abgewinnen, das Lied verbreitet gute Laune und erfüllt damit seinen Zweck.

Aufgenommen wurde es am 16. Februar 1966 binnen sieben Takes.

 

I'll Be Back

Am Ende des Films greift Mike (Elvis) dem Klassiker The Terminator  um fast zwei Jahrzehnte vor und verspricht lässig I'll Be Back!

Geschrieben wurde der Song von Sid Wayne und Ben Weisman, Elvis nahm ihn am 17. Februar 1966 in einem einzigen Take auf.

Auch dieses Lied gefällt mir gut, unter den Movie Tunes gehört es sicherlich in die obere Kategorie.

 

Tomorrow Is A Long Time

Da neun Titel für eine LP definitiv nicht ausreichten, versah RCA Victor die Scheibe mit drei Bonus-Songs. Dabei bediente man sich bei den aktuellen Einspielungen aus dem RCA Studio B in Nashville, Tennessee vom Frühjahr und Sommer des Jahres.

Den Anfang macht dieser am 25. Mai 1966 aufgenommene Bob Dylan-Song. Erstmals veröffentlicht worden war der Titel drei Jahre zuvor von Ian & Silvia, inspiriert wurde Elvis aber zweifellos durch die Fassung von Odetta Holmes auf dem Album Odetta Sings Dylan.

Auf dieser LP stellt Tomorrow Is A Long Time  das absolute Highlight dar. Schade, dass RCA Victor nicht die Chance ergriff und den Titel auf einer Single veröffentlichte. Damit hätte man Elvis sicherlich ein wenig von seinem angestaubten Image befreien können.

Als man Bob Dylan Jahre später nach der besten Cover-Version seiner Songs fragte, nannte er übrigens diese hier.

 

Down In The Alley

Hier coverte Elvis einen Titel aus seiner Jugend, erstmals veröffentlicht von den Clovers im Jahr 1953. Geschrieben wurde das Lied von Jesse Stone, Elvis nahm es am 25. Mai 1966 innerhalb von neun Takes auf.

Recht eindeutig äußert der Sänger hier einer Dame gegenüber seine Absichten und man hört dem King förmlich an, wie viel Spaß er daran hat, von seinen inzwischen üblichen, freundlich-harmlosen Schlagertexten abweichen zu dürfen.

Überraschenderweise präsentierte er Down In The Alley  am Eröffnungsabend des Elvis Summer Festival 1974  im Las Vegas Hilton auch live auf der Bühne. Leider sollte es das einzige Mal sein, dass der Song während eines Konzertes zum Einsatz kam.

 

I'll Remember You

Die LP endet mit dieser Ballade aus der Feder des hawaiianischen Komponisten und Sängers Kuiokalani Lee. Erstmals veröffentlicht wurde der Song 1965 von Don Ho, später folgten dann auch Andy Williams und Lee selbst.

Der Rhythm Track für Elvis' Aufnahme entstand am 10. Juni 1966, der Vocal Track wurde zwei Tage später aufgenommen. Den Master schnitt man schließlich aus den Takes 1 und 3 zusammen.

Zwischen 1972 und 1976 tauchte I'll Remember You  auch immer mal wieder in den Konzerten des Kings auf. 1973 veröffentlichte RCA eine Live-Aufnahme auf dem Doppel-Album Aloha From Hawaii Via Satellite

 

New Bonus Songs

Stop, Look And Listen (Takes 1-3)

Der Take wird angesagt, dann geht es los. Bei ..but she got a kind of dreamy look  kommt Elvis jedoch aus dem Rhythmus und bricht ab.

Beim zweiten Anlauf gelingt dieser Teil des Songs, dafür vergeigt es der King ein paar Takte später.

Take 3 geht von A bis Z durch, wenn der King auch noch immer damit kämpft, den Text passend auf die Zählzeiten zu verteilen.

 

Am I Ready (Take 1)

Die Ballade scheint Elvis deutlich leichter zu fallen. Für einen ersten Take schlägt er sich beachtenswert gut.

 

Never Say Yes (Takes 1 & 2)

Als aus der Regie das Lied angesagt wird, lacht Elvis als Gag hysterisch auf.

Dann geht es los und der King singt Look out now, I'm running wild. Dann verliert er den Faden und kommentiert I'm running out the door.

Der zweite Anlauf gelingt. Das Arrangement unterscheidet sich noch in Details von der später veröffentlichten Version, insbesondere der Part der Jordanaires klingt hier deutlich anders.

 

Spinout (Takes 1 & 2)

Wir hören Gespräche und Übungen der Musiker. Dann wird die Nummer offiziell angesagt.

Take 1 besteht nur aus dem Intro. Beim zweiten Versuch gelingt der Einstieg in den Song.

Viel wird sich bis zum Master nicht mehr ändern, später wird man den Song lediglich einen kleinen Tick schneller spielen und Elvis wird eine Stelle im Lied anders betonen.

 

All That I Am (Takes 1 & 2)

Nach der Take-Ansage übt der Gitarrist ein wenig vor sich hin, dann geht es los.

Prinzipiell funktioniert die Ballade schon beim ersten Durchlauf recht gut, jedoch muss Elvis nach etwa einer Minute lachen und bricht das Unterfangen ab.

Beim zweiten Versuch bleibt er ernst und trägt das Lied mit der gebotenen Romantik und Seriosität vor.

 

Adam And Evil (Takes 1, 14 & 16)

Beim ersten Anlauf klingt das Lied noch etwas hektisch, nach etwa einer Minute verhaspelt sich Elvis und bricht ab.

Zwischen den Takes singt der Meister kurz When The Swallows Come Back To Capistrano  an und übt noch einem einen Teil des zur Aufnahme anstehenden Adam And Evil.

Beim vierzehnten Take klingen Elvis und seine Musiker schon deutlich sicherer, das Timing ist aber noch immer ein Problem. Insbesondere die Zeile But you're the devil I don't wanna live without  bereitet ihm Schwierigkeiten.

Take 16 wird vollständig durchgespielt, aber diese eine Zeile klingt auch hier noch nicht perfekt.

 

Smorgasboard (Take 1)

Zunächst singt Elvis eine Zeile von Cotton Flowers On The Wall, dann steigt er in Smorgasboard  ein.

Die Nummer funktioniert von Anfang an und scheint niemandem irgendwelche Mühen abzuverlangen.

 

Beach Shack (Takes 1-3)

Der erste Take funktioniert sehr gut, vor dem Refrain ruft Elvis jedoch What do you think I am?  woraufhin die Jordanaires ordnungsgemäß singend Dum de dum de dum yeah yeah yeah  antworten und der King sich wegschmeißt.

Beim zweiten Anlauf ist er noch nicht über die Pointe hinweg und muss nach wenigen Sekunden abermals laut loslachen.

Take 3 funktioniert schon recht ordentlich, das Arrangement des Chors unterscheidet sich allerdings noch deutlich vom Master.

 

Am I Ready (Takes 3 & 4)

Elvis singt den Anfang von Cotton Fields  als aus der Regie der Take angesagt wird. Nach wenigen Takten muss er jedoch lachen, was zum Abbruch führt.

Take vier geht vollständig durch und klingt schon sehr gut.

 

Never Say Yes (Takes 4 & 5)

One more start - and can I hear the group on these damn earphones?  fordert Elvis, dann geht es los.

Take 4 besteht lediglich aus dem Intro, Versuch Nummer 5 läuft durch und funktioniert gut.

 

All That I Am (Take 4)

Beim vierten Durchgang hat Elvis die Ballade 100%ig im Griff.

Der wesentliche Unterschied zum Master besteht im Fehlen der später hinzugefügten Geigen und dem abweichenden Arrangement des Klaviers.

 

Stop, Look And Listen (Take 6)

Auch hier läuft schon fast alles so, wie beim späteren Master.

 

Smorgasboard (Take 5)

Schon der erste Take lief gut durch, der fünfte Anlauf ist so gut wie perfekt. Insbesondere das Saxophon-Solo gefällt mir gut.

Am Ende singt Elvis als Gag kurz I Got A Woman  an.

 

Fazit & Bewertung

In schöner Aufmachung bekommt der geneigte Musikfreund den Soundtrack zum Film Spinout  sowie ein paar interessante Outtakes als Zugabe.