Speedway

Das Sammler-Label Follow That Dream Records bringt im Juni 2016 eine Classic Album-Ausgabe des Soundtracks zum Film Speedway  auf den Markt.

Wie üblich wurde das  7" Digipak in Anlehnung an das Cover der Original-LP gestaltet.

Zudem wartet die Veröffentlichung mit einem 12seitigen Booklet auf, das alle relevanten Informationen zu dem Projekt sowie zahlreiche Fotos und Abbildungen von Memorabilen enthält.

Produziert wurde das Set von Ernst Jorgensen und Roger Semon, für die Bearbeitung der Tonaufnahmen sorgten Vic Anesini und Sebastian Jeansson.

Der Blick auf das Tracklisting verrät schnell, weshalb sich FTD so lange mit der Classic Album-Version zeitgelassen hat.

Da kaum Outtakes verfügbar sind, musste das Material auf alle erdenklichen Arten gestreckt werden. In diesem Falle bekommen wird die LP zweimal zu hören, die reinen Filmschlager sogar dreimal!

Zunächst hören wir die Masters in der Reihenfolge des Original-Albums. Dann bekommen wir die Soundtrack-Masters in einem neuen Mix sowie ein paar Outtakes serviert.

Auf der zweiten CD finden sich dann abermals die Masters in der Reihenfolge des Original-Albums - diesmal in der Mono-Fassung. Letzteres wird damit gerechtfertigt, dass Speedway  die letzte Presley-LP darstellt, die in Stereo und Mono veröffentlicht wurde.

Allerdings machte man sich damals nicht die Mühe, spezielle Mono-Mixe zu erstellen. Stattdessen beschränke man sich darauf, die Stereo-Abmischungen einfach auf einer Tonspur zusammenzufassen.

Aufgrund des mittelprächtigen Mixes der Original-LP lasse ich mir die Neuabmischungen der Filmsongs durchaus gefallen, zumal die Aufnahmen auch länger laufen als die Masters. Die wenigen Outtakes sind ebenfalls nicht uninteressant.

Die Spielzeit der zweiten CD wird jedoch kaum ausgenutzt, zudem klingen die Aufnahmen in der Mono-Version genauso mittelprächtig wie die Stereo-Originale.

 

Das Album

Speedway

Das Album beginnt mit einem schnellen Popsong, der die Atmosphäre während eines Autorennens beschreibt. Das Lied passt gut zum Vorspann des Films, bleibt aber nicht wirklich im Gedächtnis.

Geschrieben wurde der Song von Melvin Jacob Glazer und Stephen David Schlaks, die Aufnahme entstand am 20. Juni 1967. Take vier wurde zum Master-Take. 

There Ain't Nothing Like A Song

Die Nummer stammt aus der Feder von Joy Byers und Bob Johnston und wurde ebenfalls am 20. Juni 1967 aufgenommen. Nancy Sinatra spielte ihre wenigen Zeilen sechs Tage später ein, Elvis benötigte für seinen Part sechs Takes.

Im Film bildet die Nummer das große Finale, inhaltlich könnte man There Ain't Nothing Like A Song  unter dem Motto Mit Musik Wird Alles Gut  zusammenfassen. Mir persönlich gefällt diese etwas hektische Nummer allerdings nicht. 

 

Your Time Hasn't Come Yet, Baby

Ein kleines Mädchen bewundert Steve (Elvis) und möchte ihn deswegen gerne heiraten. Musikalisch erklärt er daraufhin seiner jungen Verehrerin, dass ihre Zeit für solche Vorhaben noch nicht gekommen sei. Der Text ist nett geschrieben und die Melodie geht sofort ins Ohr.

Auch bei RCA Victor erkannte man das Potenzial dieses Liedes und veröffentlichte es im Juni 1968 auf einer Single.

Die Komponisten heißen Joel Hirschhorn und Al Kasha, Elvis nahm den Song am 20. Juni 1967 innerhalb von sechs Takes auf. 

 

Who Are You (Who Am I)

Die Ballade würde ich als Lounge-Musik beschreiben - angenehm zu hören, aber nicht wirklich interessant. Dies ist übrigens die einzige Ballade des Kings, in der ein Saxophon-Solo zu hören ist.

Auch dieser Titel wurde am 20. Juni 1967 eingespielt und auch hier benötigte Elvis sechs Takes. Geschrieben wurde der Song von Sid Wayne und Ben Weisman. 

 

He's Your Uncle, Not Your Dad

Aufgrund der haarsträubenden Steuererklärungen müssen Steve (Elvis) und sein Manager Kenny (Bill Bixby) beim Finanzamt vorsprechen und vertreiben sich die Wartezeit mit einem Lied. Die Szene ist relativ aufwändig choreographiert und witzig gemacht. Das Lied selbst gefällt mir ebenfalls gut. Der Text ist ein ironischer Lobgesang auf die Steuermoral und passt ganz hervorragend zur amerikanisch-patriotischen Melodie.

Auch diese Nummer stammt von Sid Wayne und Ben Weisman, Elvis nahm sie am 21. Juni 1967 binnen sieben Takes auf.  

 

Let Yourself Go

Ungewöhnlich offenherzig fordert Elvis seine Partnerin auf, sich einfach gehen zu lassen und sich ihm hinzugeben. Auch das musikalische Niveau liegt weit über dem der üblichen Movie Tunes. Ohne Frage gehört Let Yourself Go  zu den wenigen Filmschlagern, die auch auf einem regulären Album nicht negativ aufgefallen wären.

Das Management von RCA Victor sah das wohl ähnlich und veröffentlichte den Song auf der B-Seite von Your Time Hasn't Come Yet, Baby. Obwohl die 45er ganz offensichtlich den Geschmack des Massenpublikums verfehlte und über den 71. Platz der Hot 100 nicht hinauskam, schien der King den Song zu mögen und baute ihn später auch in seine TV-Show SINGER presents Elvis  (1968) ein. 

 

Your Groovy Self

Vermutlich aufgrund der beständig sinkenden Absatzzahlen der Presley-Soundtracks nahm man nicht nur eine Solo-Nummer des Co-Stars Nancy Sinatra mit auf die LP, sondern pries den Song sogar in auffällig roten Lettern auf dem Cover an.

Wirklich hitverdächtig ist die von Sinatras Stammkomponisten und Gesangspartner Lee Hazlewood erdachte Nummer kaum, trotzdem übertrifft sie so manchen Filmschlager, den Elvis in dieser Zeit sang.

 

Five Sleepy Heads (Bonus Song)

Die Ballade basiert auf dem Wiegenlied  von Brahms, Sid Tepper und Roy C. Bennet schrieben einen neuen Text dazu. In der entsprechenden Szene bringt Steve (Elvis) fünf kleine Kinder ins Bett und singt ihnen dabei dieses Schlaflied vor.

MGM entschied sich schlussendlich jedoch dazu, diese Einstellung nicht zu verwenden und so wies RCA Victor Five Sleepy Heads  einfach als Bonus-Song aus. Aufgenommen wurde der Titel übrigens am 20. Juni 1967 innerhalb von 3 Takes.  

 

Western Union (Bonus Song)

Bereits am 27. Mai 1963 hatte Elvis im RCA Studio B in Nashville, Tennessee Western Union eingespielt. Vier Takes benötigte er, um die Nummer von Sid Tepper und Roy C. Bennett zu seiner Zufriedenheit aufzunehmen.

Das Lied klingt ein wenig wie der kleine Bruder von Return To Sender  und auch inhaltlich gibt es einige Parallelen. Erneut hatte der Sänger mit seiner Liebsten Streit und möchte sich schriftlich entschuldigen - nur dass der Versand diesmal über Western Union  erfolgt. Insgesamt halte ich das Lied für gelungen. 

 

Mine (Bonus Song)

Die Ballade entstand am 10. September 1967 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee. Für den Master nutzte man die Musik des 21. Takes und eine später neu eingespielte Gesangsaufnahme des Kings.

Kurioserweise handelt es sich bei diesem Song eigentlich um einen Filmschlager, der bereits 1965 von Sid Tepper und Roy C. Bennett für den Streifen Paradise, Hawaiian Style  geschrieben worden war. Ohne Frage hätte diese sehr hörenswerte Nummer das Highlight des Soundtrack-Albums dargestellt.

 

Goin' Home (Bonus Song)

Auch Goin' Home  war ursprünglich für einen Film vorgesehen gewesen. Elvis nahm den Song am 15. Januar 1968 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee für Stay Away, Joe  auf und benötigte dafür satte 30 Takes.

Wie das vorangegangene Mine  wäre auch Goin' Home  eine gute Wahl für ein reguläres Studio-Album gewesen. Elvis selbst mochte das Lied übrigens nicht.

 

Suppose (Bonus Song)

Die LP endet mit dieser wunderbaren Ballade aus der Feder von Silvia Dee und George Goehring. Zunächst hatte Elvis das Lied zuhause aufgenommen und Felton Jarvis zur nachträglichen Bearbeitung übergeben.

Die hier zu hörende Fassung entstand allerdings am 20. Juni 1967 auf der MGM Soundstage in Hollywood, Kalifornien. Sieben Takes benötigte der King, um das Liebeslied perfekt einzuspielen

 

Die ReMixe

Die Mixe aus dem Jahr 2016 enthalten kein künstliches Echo und klingen insgesamt deutlich frischer als die 1967er Versionen. 

There Is Nothing Like A Song

Wir hören den Schlagzeuger, dann wird der Take angesagt. Dass der Part von Nancy Sinatra später hinzugefügt wurde, ist allerdings deutlich hörbar.

 

Your Time Hasn't Come Yet, Baby

Auch diese Aufnahme beginnt mit der Ansage des Takes, Studiogespräche oder ähnliches bekommen wir nicht zu hören.

 

Five Sleepy Heads

Der Produzent nennt die Matrix-Nummer und den Take, dann legen Elvis und seine Jungs los.

Bei dieser sparsam instrumentierten Ballade fällt  die verbesserte Tonqualität deutlich auf.

 

Who Are You (Who Am I)

Gleiches kann auch von diesem zarten Bossa Nova gesagt werden. Insbesondere das Saxophon-Solo gefällt mir gut.

 

Speedway

Im Hintergrund hört man Elvis singen, dann wird der Take angesagt. Offenbar möchte der King schnell fertigwerden, relativ desinteressiert bemerkt er Let's go!

Im Gegensatz zum Master wird hier nicht einfach ausgeblendet. Irgendwann bricht der Song mehr oder minder zusammen, was bei den Musikern zu spontanem Gelächter führt.

 

Suppose

Nach der Ansage durch den Tontechniker singt Elvis zu dezenter Klavier- und Chorbegleitung diese wunderschöne Ballade. Und aufgrund der verbesserten Tonqualität kann man die hier noch mehr genießen.

 

Let Yourself Go

Ohne Frage handelt es sich bei Let Yourself Go  um einen der besten Filmsongs des Kings - und in diesem ReMix gefällt er mir sogar noch besser.

 

He's Your Uncle, Not Your Dad

Der Song wird angesagt, dann singen Elvis und Ray Walker das Loblied auf die Steuermoral.

 

Die Outtakes

Suppose (Long Version)

Diese Fassung ist noch sparsamer arrangiert als der Master, zudem wird die Steel Guitar ein wenig mehr herausgestellt.

 

Let Yourself Go (Take 5)

Der erste Teil dieses Takes wurde später für den Master verwendet. Dass man nicht die gesamte Aufnahme nutzte, liegt an einem Timing-Fehler des Kings.

 

Let Yourself Go (Take 6)

Mit dem sechsten Durchlauf bekommen wir nun den zweiten Part des Masters zu hören.

Hier funktioniert auch der Schluss perfekt, obwohl Elvis kommentiert No, no, that's no good, I'm sorry.

 

Your Time Hasn't Come Yet, Baby (Movie Version, Take 1)

Die Filmversion wird etwas langsamer gespielt als die Fassung für die Schallplatte, außerdem fehlt der Gesang der Jordanaires.

Im Ganzen wirkt der Take sehr relaxed, was mir persönlich gut gefällt.

 

Goin' Home (Takes 16 & 23)

Während des Intros kommentiert Elvis Play your ass of, DJ!  und macht damit den Take eigentlich schon von Beginn an unbrauchbar. Zudem beginnt er auch zu spät mit seinem Gesang. Schlussendlich wird der Take abgebrochen, als Elvis die Zeile Where the night winds sing and the eagles fly  abwandelt in ...and the eagles shit.

Der 23. versuch funktioniert besser, allerdings singt der King am Ende hier When a woman looks you in the eye  anstatt ...looks a man in the eye. Dadurch passt das Timing nicht mehr, was Elvis mit einem Räuspern kommentiert.

 

Mine (Takes 1-4)

Die Aufnahme beginnt mit Übungen der Musiker. Dann wird Take 1 angesagt, der jedoch schon am Intro scheitert.

Der zweite Versuch kommt nur wenige Takte weiter, Nummer drei funktioniert hingegen gut. Zumindest bis zur Hälfte, denn Elvis versingt sich und bricht mit einem hörbar verärgerten Goddamn!  ab.

Der vierte Take geht zwar durch, aber der King hat noch hörbar Probleme, den Text auf die Zählzeiten zu verteilen.

 

Mine (Takes 8 & 9)

Weil nur die Musiker zu hören sind, fragt der Tontechniker ironisch Are you going to sing, Elvis?  und bemerkt dann kleinlaut I had your mic off. I'm sorry. Der King dreht den Spieß um und antworted I should have told you, this was going to be a whole album of instrumentals.

Ausgestattet mit einem voll funktionsfähigen Mikrophon geht es in die nächste Runde, die dann auch von A bis Z durchläuft.

 

Mine (Take 13)

Beim nunmehr 13. Take haben Elvis und seine Mannen die Ballade schon hervorragend im Griff.

 

Suppose (Nashville Master)

Nachdem Elvis den Song in seinem Privathaus in Bel Air zusammen mit Charlie Hodge am Klavier aufgenommen hatte, gab er das Band zur Nachbearbeitung an seinen Produzenten.

Felton Jarvis versuchte die Aufnahme mit zusätzlichen Instrumenten und Gesängen aufzuwerten, was ihm aber nur bedingt gelang.

Schlussendlich kam wohl auch Elvis zu dieser Erkenntnis und spielte den Song unter professionellen Bedingungen noch einmal neu ein.

 

Das Album (Mono-Version)

Wie bereits erwähnt, findet sich auf der zweiten CD die Mono-Version der LP. Zudem gibt es noch einmal die lange Version von Suppose  zu hören, diesmal eben auch in Mono.

 

Fazit & Bewertung

Zweifellos hat FTD aus dem wenigen Archivmaterial das Ultimo herausgeholt. Andere Classic Albums bieten jedoch mehr Abwechslung.