Roustabout

Im Juli 2017 bringt Follow That Dream Records die Classic Album-Ausgabe des Soundtracks zum Film Roustabout  auf den Markt.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Veröffentlichungen dieser Art handelt es sich diesmal nur um eine einzelne CD.

Verpackt ist sie jedoch im gewohnten 7" Digipack, dem auch in diesem Fall wieder ein Booklet mit Hintergrundinformationen, Abdrucken von Schallplatten-Covers, Werbeartikeln und internen Dokumenten sowie vielen Fotos beiliegt.

Dass FTD das Nummer 1-Album erst so spät anfasste und auch nur als Einzel-CD präsentiert, liegt schlicht und einfach am Fehlen von interessantem Material.

In den Archiven befinden sich kaum Outtakes, so dass sich Ernst Jorgensen und Roger Semon (die Produzenten dieses Sets) in weiten Teilen mit Filmversionen und ReMixen der Masters begnügen mussten. Lediglich der Song Roustabout  liegt in mehreren Versionen vor.

Die Aufnahmen wurden von Sebastian Jeansson neu gemastert. Beim Mix der bislang unveröffentlichten Outtakes bzw. dem ReMix der Masters unterstützte ihn der in der Elvis-Welt hochangesehene Vic Anesini.

Letzterer ist vor allem für die Restauration des Presley-Kataloges bekannt. Zu hören sind seine Arbeiten unter anderem auf den Sammler-Boxen The Complete Elvis Presley Masters  (2010) und The RCA Album Collection  (2016).



The Album

 

Roustabout

Die LP beginnt mit einer Komposition von Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye.

Das Lied war kurzfristig in Auftrag gegeben worden, weil der Filmproduzent Hal B. Wallis im Nachhinein Bedenken bezüglich des Textes von I'm A Roustabout, dem ursprünglichen Titellied des Films, geäußert hatte.

Lange Zeit galt die Nummer von Otis Blackwell und Winfiled Scott als verloren und vielfach wurde sogar die Vermutung geäußert, Elvis habe das Lied gar nicht aufgenommen.

Tatsächlich hatte er es jedoch am 3. März 1964 innerhalb von sechs Takes eingespielt. Den endgültigen Beweis für die Existenz von I'm A Roustabout  lieferte Winfield Scott, der fast 30 Jahre nach der Aufnahme Sony/BMG seine Azetat-Schallplatte zur Nutzung anbot. So fand der Song schließlich doch noch seinen Weg in die Öffentlichkeit und wurde im Jahr 2003 auf der CD 2nd To None  herausgebracht.

Weil das Ersatzlied Roustabout  erst später entstand, mussten zusätzliche Sessions anberaumt werden. Der Rhythm Track entstand am 29. Mai 1964. Die Musiker waren mehr oder minder identisch, lediglich Bob Moore (Bass), DJ Fontana und Hal Blaine (Schlagzeug) sowie Floyd Kramer (Klavier) wurden durch Ray Siegel, Bernie Mattinson und Dudley Brooks ersetzt.

Da auch The Jordanaires nicht verfügbar waren, buchte man The Mello Men (Thurl Ravenscroft, Bill Lee, Bill Cole und Max Smith).

Elvis sang am 14. Mai 1964 zu dem Playback. Den Master stellte man aus den Takes 11 (Rhythm Track) und 17 (Vocal Track) zusammen.

Der Sänger beschreibt sich hier als Herumtreiber, der von Stadt zu Stadt zieht und den nichts und niemand halten kann. Allerdings lässt er auch die Hoffnung anklingen, irgendwann seinen Platz gefunden zu haben und dieses rastlose Leben aufzugeben.

Der Song plätschert angenehm vor sich hin und ist nett anzuhören.

 

Little Egypt

Das Lied stammt aus der Feder von Jerry Leiber und Mike Stoller und wurde 1961 erstmals von den Coasters aufgenommen. Am 2. März 1964 spielte Elvis 15 Takes des Songs ein und erklärte den letzten Durchlauf zum Master. Trotzdem entstanden am folgenden Tag sechs weitere Takes, die mit 16 bis 21 nummeriert wurden.

Während man bei der Schallplattenversion am ursprünglichen Master festhielt, wurde für den Film ein um zusätzliche Overdubs erweiterter Zusammenschnitt der Takes 15 und 21 benutzt.

In dem humorvollen Lied besucht der Interpret die erotische Tanzveranstaltung von besagter Little Egypt, erobert schließlich ihr Herz - und macht sie zur 7fachen (!) Mutter. Im Vergleich zum Original wirkt die Aufnahme des Kings gefälliger und trifft auch eher meinen persönlichen Geschmack.

Vier Jahre später erinnerte sich Elvis übrigens noch einmal dieses Liedes und nutzte Little Egypt  auch in der TV-Show SINGER presents Elvis.

 

Poison Ivy League

Einmal mehr bekommen wir einen typischen Filmschlager zu hören, erneut geschrieben von Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye. Elvis macht sich hier über reiche Studenten lustig, die ihre Abschlüsse kaufen und später in Papas Firma groß rauskommen.

In der entsprechenden Szene besteht das Publikum natürlich teilweise aus ebendieser Klientel, was im Folgenden zu einer Schlägerei führt.

Die flotte Melodie und der witzige Text machen Poison Ivy League  zu einem mehr als gelungenen Movie Tune. Aufgenommen wurde der Song am 2. März 1964, Elvis benötigte sieben Takes.

 

Hard Knocks

Mit diesem Lied beklagt der Sänger sein entbehrungsreiches Leben.

Ein paar Jahre zuvor wäre aus dem Song wohl eine Rock'n'Roll Nummer geworden, anno 1964 reichte es nur noch für einen schnellen Popsong. Im Ganzen ist das Lied jedoch nett anzuhören und wird von Elvis gut vorgetragen.

Geschrieben wurde es von Joy Byers, die Aufnahme entstand am 2. März 1964 innerhalb von 11 Takes.

 

It's A Wonderful World

Während er mit Kathy (Joan Freeman) im Riesenrad sitzt, singt Charlie (Elvis) It's A Wonderful World  aus der Feder von Sid Tepper und Roy C. Bennett.

Das Lied ist ziemlich einfallslos geschrieben und bleibt kaum im Gedächtnis.

Elvis nahm den Titel am 2. März 1964 auf. Es ist etwas verwunderlich, dass der King für einen solchen Song 13 Versuche benötigte.

 

Big Love, Big Heartache

Die erste Seite der LP endet mit Big Love, Big Heartache, einer sehr eingängigen Ballade von Dolores Fuller, Les Morris und Sonny Hendrix.

Aufgenommen wurde das Lied am 3. März 1964 innerhalb von 17 Takes. Auf dieser LP gehört die Nummer zweifellos zu den Highlights.

 

One Track Heart

Im Film wird der Künstler nun als König Der Heissen Rhythmen (deutscher Filmtitel) angesagt, man könnte also eine Rock'n'Roll Nummer erwarten. Stattdessen gibt es jedoch nur einen flotten, aber eben auch recht kantenlosen Popsong zu hören.

Erneut zeichneten Bernie Baum, Bill Giant und Florence Kaye für den Titel verantwortlich und einmal mehr lieferte das Trio ein gefälliges, aber nicht gerade einprägsames Lied ab. Aufgenommen wurde es am 3. März 1964 binnen fünf Takes.

 

It's Carnival Time

Mit einer Gesangseinlage möchte Charlie (Elvis) das Publikum in die Vorstellung locken. Ob das mit einem solchen Song tatsächlich funktionieren würde, ist allerdings fraglich. Für mich stellt dieser Titel von Ben Weisman und Sid Wayne das schwächste Lied des Albums dar.

Auch Elvis' Interesse dürfte nicht sonderlich groß gewesen sein, denn er ließ die Musiker zunächst ein Playback aufnehmen, zu dem er dann später sang. Den Master kombinierte man aus den Takes 2 (Rhythm Track) und 9 (Vocal Track). Beide entstanden am 3. März 1964.

 

Carny Town

Erneut sollen die Passanten zum Kauf einer Eintrittskarte animiert werden und rein vom musikalischen Standpunkt aus betrachtet, dürfte die Aktion mit diesem Lied deutlich erfolgreicher verlaufen. Die Melodie geht ins Ohr und der Text beschreibt auf humorvolle Art und Weise die Attraktionen der Show.

Geschrieben wurde Carny Town  von Fred Wise und Randy Starr, Elvis spielte den Song am 3. März 1964 binnen neun Takes ein.

 

There's A Brand New Day On The Horizon

Dies ist das große Finale des Films. Der Song wurde von Joy Byers komponiert und basiert auf einem Traditional namens Snake Pit.

Auch dieses Lied wurde am 3. März 1964 aufgenommen, Elvis benötigte diesmal allerdings nur fünf Takes.

Für mich zählt There's A Brand New Day On The Horizon  zu den besten Songs dieser LP. Das Lied ist ein echter Ohrwurm und sorgt sofort für gute Laune.

 

Wheels On My Heels

Das Album endet mit einem flotten Popsong aus der Feder von Sid Tepper und Roy C. Bennett. Die Aufnahme entstand am 3. März 1964 innerhalb von sieben Takes.

Als Elvis von den Jordanaires begleitet werden wollte, argumentierte Joseph Lilley, das Lied würde im Film während einer Motorradfahrt gesungen - wo sollten also die Stimmen der anderen Sänger herkommen? Das Gegenargument von Elvis war ebenso simpel wie einleuchtend: Vom selben Ort, von dem auch die Musik kommt!

 

 

Bonus Track

I'm A Roustabout

Hier bekommen wir nun das eingangs beschriebene, ursprünglich geplante Titel-Lied zu hören.

Geschrieben wurde es von Otis Blackwell und Winfield Scott, die Aufnahme erfolgte am 3. März 1964 innerhalb von 10 Takes.

 

Outtakes & Remixed Masters

Little Egypt (Take 15 - Master, Record Version)

Wir hören die Ansage des Toningenieurs, dann beginnt die Schallplattenaufnahme.

Geboten wird der bekannte Master Take in einem neuen Mix und bis zum Ende ausgespielt.

 

Little Egypt (Take 21)

Hier endete die Session nicht mit dem Erreichen des Master Takes. Offenbar spielte Elvis eine ganze Reihe von weiteren Fassungen ein und entschied sich erst am Schluss für eine veröffentlichungswürdige Version.

Am Ende des 21sten Takes albert der King ein wenig herum.

Einen Teil dieser Version nutzte RCA zur Erstellung der Filmversion. FTD veröffentlichte diesen Take bereits auf der CD Out In Hollywood.

 

Poison Ivy League (Take 7 - Master)

Der ReMix stellt das Banjo etwas prominenter heraus. Ansonsten hören wir auch hier wieder die Ansage aus der Tonregie.

 

Hard Knocks (Take 11 - Master, Record Version)

Damit beginnt auch diese Aufnahme. Um die Nummer rockiger klingen zu lassen, betont Vic Anesini hier das Schlagzeug stärker als im Original-Mix.

 

Hard Knocks (Take 4 - Master, Movie Version)

Für den Film ließ Paramount den King nochmals antreten und eine neue Gesangsspur einspielen. Hier und dort klingt Elvis allerdings nicht ganz so rund wie beim 11ten Take des zuvor eingespielten Record Masters.

 

It's A Wonderful World (Take 13 - Master)

Jemand sagt My fault, woraufhin Elvis antwortet You are entitled to one. Die lakonische Antwort lautet My first one in 18 years.

Dem Dialog folgt der Master Take von It's A Wonderful World.

 

It's A Wonderful World (Take 17 - Instrumental)

Ohne das Zutun des Kings wurde im Anschluss an die Session noch eine Instrumental-Version zur Verwendung im Film eingespielt.

 

Big Love Big Heartache (Take 17 - Master)

Nach der Take-Ansage folgt die bekannte Schallplatten-Fassung. Der ReMix klingt detaillierter als die seinerzeit veröffentlichte Version und stellt das Klavier ein wenig heraus.

 

One Track Heart (Take 5 - Master)

Auch hier gibt es als Bonus die Ankündigung aus der Tonregie zu hören.

 

It's Carnival Time (Takes 2 & 9 - Record Master)

Hier sang Elvis zu einem vorbereiteten Playback. Die Musiker waren beim zweiten Anlauf durch, Elvis benötigte neun Versuche.

 

It's Carnival Time (Takes 2 & 12 - Movie Master)

Nach dem Master nahm Elvis noch weitere Fassungen auf.

Die Musik-Spur ist unverändert der zweite Take, bei dem Versuch des Kings handelt es sich um dessen 12ten Anlauf.

Paramount verwendete diese Fassung im Film.

 

Carny Town (Take 9 - Master)

Der Ansage des Tontechnikers folgt der bekannte Master. Beim ReMix wurden das Schlagzeug und der Chorgesang der Jordanaires etwas mehr in Vordergrund gerückt.

Außerdem ist die Aufnahme hier bis zum Schluss zu hören. Elvis  fällt dabei ein eine Art Blues und klingt dabei fast schon engagierter, als bei den aufzunehmenden Filmschlagern.

 

There's A Brand New Day On The Horizon (Take 5 - Master)

Bei dem ReMix wurde der Chor etwas mehr nach vorn gezogen, wodurch die Aufnahme voller klingt als auf der Original-LP.

 

Wheels On My Heels (Take 7 - Master)

Durch das Herausstellen von Drums und Saxophon soll die Nummer rockiger klingen, was in Teilen auch gelingt.

 

Roustabout (Takes 1-6)

Der erste Versuch funktioniert schon erstaunlich gut. Nach etwa dreißig Sekunden verliert Elvis jedoch den Faden und bricht ab.

Beim zweiten Anlauf kommt der King bis zur zweiten Strophe.

Abermals stolpert der Meister über den Text. Diesmal muss er über sich selbst lachen, was während dieser Sessions eine Seltenheit darstellt. Grundsätzlich wirkt Elvis bei den Aufnahmen sehr ernst und geschäftsmäßig.

Die Takes 4 und 5 werden auch nicht alt, jedesmal bricht der King nach wenigen Sekunden ab.

Beim sechsten Anlauf kämpft Elvis zwar noch hier und dort mit der Phrasierung, immerhin geht die Nummer diesmal aber vollständig durch. Am Schluss singt er statt I'l be a rovin' roustabout  als Gag I'll be a ravin' maniac.

Diesen vollständigen Take kennen wir übrigens (in schlechterer Tonqualität) von dem 3-CD-Set Collector's Gold, das in den 1990ern von BMG auf den Markt gebracht wurde.

 

Roustabout (Takes 7 & 8)

Take 7 wird nur wenige Sekunden alt.

Den achten Durchlauf, der wieder vollständig durchgeht, veröffentlichte BMG auf der Sammler-Box Today, Tomorrow And Forever.

Elvis weiß noch nicht 100%ig, wie er den Text auf die Zählzeiten verteilen soll. Am Schluss wiederholt er den Maniac-Witz von Take 6.

 

Roustabout (Take 9 - Movie Version)

Jetzt hat der King das Lied im Griff. Take 9 läuft nicht nur von A bis Z durch, er wurde von Paramount auch für den Vorspann des Films genutzt.

 

Roustabout (Takes 10-12)

Beim 10ten Take kommt Elvis bei der Zeile ...and a fast goodbye  ins Stocken und bricht ab.

Abermals verliert der King den Faden und hört auf zu singen. Elvis muss über sich selbst lachen.

Der zwölfte Versuch geht wieder vollständig durch.

 

Roustabout (Take 13)

Die 13 erweist sich nicht als Zahl des Pechs, auch dieser Take wird von A bis Z durchgespielt.

 

Roustabout (Takes 14-16)

Elvis verpasst seinen Einsatz und muss lachen. Beim nächsten Anlauf kann er noch immer nicht ernst bleiben, was abermals nach wenigen Sekunden  zum Abbruch führt.

Take 16 läuft dann wieder komplett durch. Erneut singt Elvis am Schluss I'll be a ravin' maniac.

 

Roustabout (Take 17 - Record Master)

Die CD endet schließlich mit dem von der Original-LP bekannten Master Take.

 

Fazit & Bewertung

Trotz des wenigen Materials hat FTD das Beste aus dem Projekt gemacht und präsentiert eine hervorragend klingende, schick verpackte DeLuxe-Ausgabe des Roustabout-Soundtracks.