Paradise, Hawaiian Style

Bereits kurz nach dem Start der Classic Album-Reihe nimmt sich Follow That Dream Records im Jahr 2004 den Soundtrack zum Film Paradise, Hawaiian Style vor.

Das Mastering und den Mix der Outtakes übernahm Lene Reidel.

In den späten 2000ern wurden die Aufnahmen für die Box The Complete Elvis Presley Masters  nochmals von Vic Anesini bearbeitet, etwa zehn Jahre später erfolgte eine neuerlich Verbesserung für das Set The RCA Album Collection.

Beide Varianten sind diesem Classic Album überlegen, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung stellte es jedoch das tontechnische Ultimo dar.

Weil die Outtakes vor der Veröffentlichung gemixt werden mussten, klingen sie frischer als die vergleichsweise dumpfen Masters.

Wie bei allen Classic Albums wurde bei letzteren der Original-Mix beibehalten.

 

The Album

Paradise, Hawaiian Style

Zunächst sollte der Film Hawaii USA  heißen und so schrieben Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye auch ein Lied dieses Namens. Als Paramount den Streifen schließlich in Paradise, Hawaiian Style  umbenannte, passte auch das Autoren-Trio den Titel an - ohne freilich den Text zu ändern. Und so kommen die Worte Paradise, Hawaiian Style  in dem Lied gar nicht vor.

Inhaltlich werden hier die Vorzüge der Hawaii-Inseln beschrieben, musikalisch kann ich dem lahmen Song aber nichts abgewinnen. 1973 tauchte er übrigens auch im Vorspann des Aloha From Hawaii Via Satellite-Specials auf.

Das Playback entstand am 27. Juli 1965, Elvis' Gesang folgte am 4. August. Den Master stellte man aus den Takes 8 (Rhythm Track) sowie 3 und 4 (Vocal Track) zusammen.

 

Queenie Wahine's Papaya

Im Film singt Elvis den Zungenbrecher mit der damals neunjährigen Donna Butterworth, in der LP-Version ist aber nur er allein zu hören.

Auch dieser Titel stammt vom Trio Giant/Baum/Kaye und wurde am 27. Juli (Rhythm Track) und 4. August (Vocal Track) aufgenommen. Die Musiker benötigten für ihren Part drei Versuche, Elvis spielte zunächst sechs Takes ein und nahm dann zwei Insert-Takes mit dem Anfang des Liedes auf. Seine Tonspur schnitt man schlussendlich aus den Takes 2 (Insert) und 6 zusammen.

In der entsprechenden Filmszene wirkt das Liedchen ganz nett, auf einem Tonträger hätte ich mir diese ein wenig müde dargebotene Nummer jedoch erspart.

 

Scratch My Back

Auch dieses Lied wird im Film als Duett aufgeführt, diesmal mit Marianna Hill, die eine von Elvis' vielen Ex-Freundinnen spielt. Auf der Schallplatte wird die Nummer von Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye aber zu einem reinen Presley-Song.

Inhaltlich könnte man diesen typischen Filmschlager mit dem Sprichwort Eine Hand wäscht die andere  zusammenfassen. Insgesamt halte ich Scratch My Back  für Durchschnittsware - nicht wirklich schlecht, aber auch nicht gut.

Den Master stellte man übrigens aus den Takes 4 (Rhythm Track, aufgenommen am 26. Juli 1965) und 2 (Vocal Track, aufgenommen am 3. August 1965) zusammen.

 

Drums Of The Island

Um Paradise, Hawaiian Style  auch musikalisch mit etwas Folklore anzureichern, bearbeiteten Sid Wayne und Roy C. Bennett die alte Volksweise Bula Lai  und machten daraus Drums Of The Island. Weil die Rechte am Original beim Polynesian Cultural Center lagen, wurde die Institution auch als Co-Autor angegeben.

Die Musik entstand am 26. Juli 1965, Elvis' Gesang folgte am 2. August. Die Band hatte ihren Part nach zwei Takes im Kasten, der King tat sich mit Drums Of The Island  etwas schwerer. Zunächst spielte er sechs Takes ein, danach nochmal drei Insert-Takes mit dem Ende des Songs. Seine Gesangsspur wurde schließlich aus dem sechsten Take und Insert-Take 3 zusammengeschnitten.

Im Film ist Drums Of The Island  der musikalische Höhepunkt, vor beeindruckender Naturkulisse mit hunderten von Statisten inszeniert. Und auch auf dem Album stellt dieser Song ein Highlight dar.

 

Datin'

Mit diesem Kinderlied erklärt Elvis im Film der kleinen Donna Butterworth das Balzverhalten der Erwachsenen. Für die Szene ist der Song in Ordnung, auf der LP immerhin noch lustig anzuhören.

Geschrieben wurde Datin'  von Fred Wise und Randy Starr, die Aufnahme erfolgte am 26. Juli 1965 (Rhythm Track) und 1. August 1965 (Vocal Track). Während die Musiker das simple Liedchen nach zwei Takes im Kasten hatten, musste Elvis ständig lachen und benötigte für seinen Part 14 Anläufe.

 

A Dog's Life

Die zweite Seite der LP beginnt mit einem typischen Filmschlager. Rick (Elvis) fliegt in einem Hubschrauber die Hunde einer reichen Lady herum und macht sich singend Gedanken darüber, wie schön doch so ein Hundeleben auch für ihn wäre.

Die Musik wurde am 27. Juli 1965 binnen fünf Takes aufgenommen, Elvis' Gesang folgte am 1. August innerhalb von 9 Takes. Die Autoren heißen Sid Wayne und Ben Weisman.

 

A House Of Sand

Auch diesen Song würde ich in die Kategorie der typischen Movie Tunes einordnen. Mit einer vergleichsweise hart gespielten Gitarre wollte man ein modernes Element in das Lied einbringen, doch vom Sound der angesagten Beat Bands war man trotzdem noch Lichtjahre entfernt.

Diese Giant/Baum/Kaye-Nummer entstand ebenfalls am 27. Juli und 1 August 1965, den Master kombinierte man aus den Takes 7 (Rhythm Track) und 1 (Vocal Track).

 

Stop Where You Are

Ein weiterer Filmschlager aus der Werkstatt von Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye. Auf der Leinwand wird jedes Mal das Bild angehalten, wenn Rick (Elvis) das Wort stop  singt, was auf mich eher irritierend als amüsant wirkt. Das Lied selbst ist solide Durchschnittskost, ebenso wie Elvis' Vortrag.

Letzterer entstand am 3. August 1965, es mussten allerdings die Takes 3, 6 und 9 zusammengeschnitten werden, um ein akzeptables Ergebnis zu erhalten. Das Playback war bereits am 27. Juli innerhalb von neun Takes aufgenommen worden.

 

This Is My Heaven

Mit dieser Ballade hören wir ein letztes Werk des Trios Giant/Baum/Kaye und auch diesen Song wurde ich bestenfalls als durchschnittlich bezeichnen.

Die Melodie plätschert vor sich hin und Elvis' bedächtiger Gesang lässt eher Langeweile als Romantik aufkommen.

Der Rhythm Track entstand am 27. Juli 1965, der King fügte seine Stimme am 2. August hinzu. Für den Master kombinierte man die Takes 5 (Rhythm Track), 6 und 8 (Vocal Track).

 

Sand Castles (Bonus Song)

Als Bonus-Song gibt es noch Sand Castles  zu hören, eine Ballade aus der Feder von Herb Goldberg und David Hess.

Hier hatte Paramount es tatsächlich geschafft, das beste Lied aus dem Film herauszuschneiden.

Elvis nahm es am 2. August 1965 innerhalb von 10 Takes auf, der Hintergrundgesang wurde separat eingespielt und später hinzugefügt. Hier nutzte man Take 2 für den Master.

 

New Bonus Songs

This Is My Heaven (Take 4)

Die Ballade wird komplett durchgespielt und funktioniert schon recht gut.

Im Vergleich zum Master fällt die deutlich bessere Tonqualität auf. Das Klangbild des Outtakes ist offener, alles klingt weniger gepresst.

 

A Dog's Life (Takes 4-6)

Nach der Ansage BO  singt Elvis die Buchstaben-Kombination zur Melodie von IO  (die englische Version heißt Ask Me  und wurde ein Jahr zuvor vom King eingespielt).

Take 4 läuft komplett durch, am Ende bellt Elvis und singt mit piepsiger Stimme eine Zeile der amerikanischen Nationalhymne.

Beim fünften Versuch muss der King lachen und bricht ab.

Der sechste Anlauf ist dann wieder vollständig.

 

Datin' (Takes 6, 7, 8, 11 & 12)

Beim sechsten Take stolpert Elvis über die Betonung von wiggle-walkin'  und bricht lachend ab.

Der nächste Anlauf scheitert, weil sich der King noch nicht beruhigt hat und schon zu Beginn wieder lachen muss.

An den ersten gesungenen Worten kann man hören, dass Elvis krampfhaft das Lachen unterdrücken muss. Lange hält er es aber nicht aus, was abermals zum Abbruch führt.

Dass die Tonregie den elften Durchlauf mit Speaking to you from the grave...  einleitet, macht die Situation nicht besser. Abermals stolpert Elvis über das wiggle-walking  und bricht ab. Im Anschluss übt er nochmal die Betonung der Zeile.

Take 12 läuft dann vollständig durch, aber auch hier hat der King noch Probleme mit der Betonung einiger Zeilen.

 

This Is My Heaven (Take 7)

Elvis probiert hier, sich während des Refrains ein wenig vom Chor zu lösen. Schlussendlich sollte er sich von dieser Idee aber wieder verabschieden und die Ballade straight durchsingen

 

Drums Of The Islands (Takes 4 & 5)

Beim vierten Take verliert Elvis nach wenigen Zeilen den Faden, so dass das Playback nochmal gestartet werden muss.

Der nächste Versuch läuft komplett durch, wobei der Meister hier allerdings das Ende versemmelt.

 

Queenie Wahine's Papaya (Take 5)

Der King hat noch ein paar Probleme, den gesungenen Zungenbrecher auf die Zählzeiten zu verteilen.

Aus der Tonregie kommt der Hinweis Think slow, El and it'll sound faster!, woraufhin der King antwortet Go back to the other studio.

 

Stop Where You Are (Take 1)

Beim ersten Durchlauf klingt die Nummer noch deutlich weniger zackig als der Master. Während des geplanten Fade-Out muss Elvis lachen.

 

House Of Sand (Take 3 & Intro)

Bei diesem Outtake fällt abermals massiv der deutlich bessere Mix auf - kein Vergleich zum über-kompremiert klingenden Master.

Mit dem Finale hat Elvis allerdings noch so seine Probleme. Als Gag singt er eine Zeile mit opernhafter Stimme.

Im Anschluss an den dritten Take hören wir, wie der King das a-capella gesungene Intro für die Film-Version produziert. Scherzhaft beschwert er sich, dass er noch Suppe in der Nase habe und nach Hause gehen müsse.

 

Paradise, Hawaiian Style (Takes 1 & 4)

Wir steigen mitten in der Aufnahme ein. Elvis betont das Wort USA  besonders übertrieben, kurze Zeit später bricht er in Gelächter aus. Nichtsdestotrotz lässt die Tonregie das Playback noch eine ganze Zeit weiterlaufen. Der King hat den Faden aber endgültig verloren und kommentiert That's it, man!

Take 4 läuft dann geordnet und vollständig durch. Interessanterweise wird hier nicht ausgeblendet, sondern wir hören die Aufnahme bis zum Ende des Playbacks.

 

Scratch My Back (Take 1)

Schon der erste Take ist recht gelungen, beim nächsten Durchlauf würde Elvis die Nummer im Kasten haben.

 

A Dog's Life (Take 8)

Wieder muss Elvis über den blödsinnigen Text lachen, singt aber tapfer weiter und bringt den Take zuende.

 

Sand Castles (Take 1)

Eine ganz andere Stimmung verbreitet diese schöne Ballade. Hier ist der King auch wieder konzentriert bei der Sache und liefert schon beim ersten Take eine sehr hörenswerte und gefühlvolle Performance.

 

Datin' (Takes 1-4)

Beim ersten Take stolpert Elvis (wie auch bei einigen späteren Versuchen) über das Wort wiggle-walking, der zweite Anlauf besteht nur aus den ersten Takten des Intros.

Der dritte Take wird abgebrochen, weil der King sich räuspern muss.  I had soup in my throat and burned my nose.  entschuldigt er sich.

Take 4 geht dann wieder durch.

 

This Is My Heaven (Takes 1-3)

Der erste Take besteht nur aus dem Intro, beim zweiten Anlauf muss sich Elvis räuspern und das Playback wird abermals gestoppt.

Der dritte Anlauf geht vollständig durch, am Schluss verpasst Elvis jedoch das Timing und kommentiert singend Where was that last part.

 

Fazit & Bewertung

Die Outtakes geben einen interessanten (und unterhaltsamen) Einblick in die Sessions. Das Set selbst punktet mit ordentlicher Tonqualität und schicker Verpackung.