Off-On Stage

Im Juni 2018 bringt Follow That Dream Records ein weiteres Classic Album auf den Markt, das es zu Lebzeiten des Kings in dieser Form nicht gab.

Off-On Stage  präsentiert 16 Tracks, die im Februar 1970 für die geplante Live-LP On Stage  mitgeschnitten wurden, es aber schlussendlich nicht auf das Album geschafft haben.

Das Design des 7" Digipaks stammt von Paul Bevoir und lehnt sich an die klassische RCA-Veröffentlichung an.

Die Aufbereitung des Tonmaterials übernahm Vic Anesini. Selbiger war in den 2000ern auch für das ReMastering des kompletten Presley-Kataloges verantwortlich, wie er seinerzeit auf der Sammler-Box The Complete Elvis Presley Masters  zu hören war.

Kurz und gut: Der Mann bürgt für guten Sound und enttäuscht auch in diesem Fall nicht. Off-On Stage  klingt schlicht und einfach hervorragend.

 

I Got A Woman

Die CD startet mitten in I Got A Woman, das von Elvis sehr dynamisch vorgetragen wird.

Aufgenommen wurde der Track während der Midnight Show am 16. Februar 1970.

 

Long Tall Sally

Aus derselben Quelle stammt auch der nächste Song.

Zu Beginn albert Elvis ein wenig herum, singt zum Beispiel ein paar Takte von Loving You.

Der Little Richard-Song selbst rockt wie die Hölle, kein Vergleich zu der lahmen Darbietung drei Jahre später während der TV-Show Aloha From Hawaii Via Satellite.

Im Anschluss begrüßt Elvis die Zuschauer und heißt sie spaßeshalber im Flamingo-Hotel willkommen.

 

Let It Be Me

Mit der Power-Ballade verabschieden wir uns schließlich von der Midnight Show des 16. Febuar.

Man hört deutlich, dass der King das Lied damals sehr mochte. Er ist mit Leib und Seele bei der Sache und liefert einen absolut phantastischen Vortrag ab.

 

Don't Cry Daddy

Jetzt springen wir zum nächsten Konzert und befinden uns somit in der Dinner Show am 17. Februar. Auch die nächsten drei Songs stammen aus dieser Quelle.

Hustend kündigt Elvis seine aktuelle Single an, die er nachfolgend nicht ganz seriös vorträgt.

Hin und wieder muss der King lachen und auch seinen Husten hat er nicht unter Kontrolle. Als Gag wandelt er deshalb den Text ab und singt Don't cough daddy.

 

I Can't Stop Loving You

Hier handelt es sich um einen absoluten Standard der Elvis Presley-Show, der -mal mehr, mal weniger häufig gespielt- von 1969 bis 1977 durchgehend im Programm zu finden sein sollte.

Anfang 1970 trug ihn der King kraftvoll und mit hörbarer Freude vor, die sich auch auf den Zuhörer überträgt.

 

Walk A Mile In My Shoes

Während der Show kombinierte Elvis das Lied mit In The Ghetto  zu einem sozialkritischen Medley - für Las Vegas sicherlich ungewöhnlich.

Auf Off-On Stage  bekommen wir allerdings nur Walk A Mile In My Shoes  zu hören, während des Übergangs zum zweiten Song wird ausgeblendet.

Damals wollte man In The Ghetto nicht auf der On Stage-LP haben, weil das Lied bereits auf dem vorangegangenen Live-Album Elvis In Person  zu hören gewesen war und schaltete das Aufnahmegerät einfach ab.

Der Vortrag selbst ist sehr hörenswert.

 

Sweet Caroline

Nun kündigt der King einen Song von Neil Diamond an. Dann singt er Sweet Caroline  und erlaubt sich auch dabei wieder einen kleinen Scherz.

Statt spring became the summer  singt er spring became the mattress. Damit spielt er mit der Doppelbedeutung des Wortes spring  und macht aus dem Frühling eine Metall-Feder. So wird nicht aus dem Frühling der Sommer, sondern aus der Feder eine Matratze.

 

Kentucky Rain

Nach mehreren Cover-Versionen folgt jetzt wieder ein Presley-Original.

Auch diesen Titel bringt Elvis phantastisch rüber, so dass ich es recht schade finde, dass er nach diesem Gastspiel auf den Song verzichtete.

Die Aufnahme stammt übrigens von der Dinner Show am 19. Februar.

 

Polk Salad Annie

Der Show-Stopper der Saison hieß Polk Salad Annie  und auch dieser Titel sollte bis zum Schluss im Live-Programm des Kings bleiben.

Von der Rafinesse dieser frühen Versionen würde er sich allerdings schon bald entfernen und auch die Body Action sollte er deutlich reduzieren.

1977 wirkte er schließlich wie ein alter, dicker Mann, der hilflos und unkoordiniert zum Takt der Musik mit den Armen rudert.

Von dieser tragischen Gestalt ist der Meister hier, wir sprechen von der Dinner Show am 17. Februar 1970, freilich noch weit entfernt und liefert eine musikalische wie körperliche Tour de Force

 

Proud Mary

Für die nächsten beiden Songs springen wir zur Dinner Show des 19. Februar, die wir bereits von der FTD-Veröffentlichung Polk Salad Annie  kennen.

Für Off-On Stage  wurden die Aufnahmen allerdings neu bearbeitet und klingen nun deutlich besser als auf der Original-Veröffentlichung.

Elvis gibt hier so richtig schön Gas und zeigt CCR, wo der musikalische Hammer hängt.

 

Release Me

Bevor der King im Programm fortfährt, erklärt er den Zuschauern, dass man heute ein neues Album aufnehme. Im gleichen Atemzug gibt er allerdings zu, nicht zu wissen, was er hier gerade tue.

Dann singt er Release Me  und verleiht der Ballade einen ordentlichen Schuss Rock'n'Roll.

 

See See Rider

Nun springen wir zur Dinner Show des 19. Februar.

Zunächst spielt Elvis ein wenig mit Funny How Time Slips Away  herum. Im Studio würde er das Lied allerdings erst im Juni aufnehmen und es Anfang des folgenden Jahres auf dem Album Elvis Country - I'm 10,000 Years Old  veröffentlichen.

Den späteren Show-Opener See See Rider  singt der King äußerst kraftvoll und auch die Band spielt mit mächtig viel Druck.

Mir persönlich gefällt diese frühe Version um Längen besser als die späteren Fassungen.

Die Erstveröffentlichung fand übrigens im Rahmen der 4-CD-Box Today, Tomorrow And Forever  statt. Für Off-On Stage  wurde der Track allerdings neu gemixt.

 

The Wonder Of You

Für den letzten regulären Song der Disc springen wir zurück zur Midnight Show vom 18. Februar.

Erstmals veröffentlicht wurde die Aufnahme auf der CD 30 Number One Hits, aber auch hier fand für die FTD-Neuauflage ein ReMix statt.

Zunächst erklärt Elvis, dass er nur sechzehn Songs singen würde und daher nicht alle Wünsche erfüllen könne. Unter anderem macht er sich über seinen ersten Nummer 1-Hit lustig und nennt ihn Heartburn Motel (also etwa Hotel des Sodbrennens).

Bei dieser frühen Performance von The Wonder Of You  schmeißt Elvis hier und dort den Text durcheinander, weshalb man die Aufnahme damals aussortiert hat.

 

Bonus Songs (16. Februar 1970, Midnight Show)

Don't Cry Daddy

Hier bekommen wir eine zweite Version von Don't Cry Daddy  zu hören.

Eine ernsthafte Darbietung ist es allerdings nicht, weil sich der King etwas zu köstlich amüsiert und sein Lachen kaum unter Kontrolle halten kann.

 

Kentucky Rain

Hier kämpft Elvis mit einem ähnlichen Problem. Nachdem er aus den old grey-bearded men  zwei old grey-bearded fools  gemacht hat, muss er lachen.

Diesmal fängt er sich aber wieder und bringt die Nummer ernsthaft zuende.

 

Love Me Tender

Für das On Stage-Projekt konzentrierte man sich natürlich auf die neuen Songs.

Somit stellt Love Me Tender  auch auf dieser CD den einzigen Oldie dar. Elvis ist mal wieder am Bühnenrand unterwegs und verteilt Küsschen an die willige Damenwelt.

Musikalisch endet die Scheibe daher schwach, aber auch diese Form der Interaktion war ein Teil der Presley-Show.

 

Fazit & Bewertung

Anno 1970 strotzte Elvis nur so vor Energie und Spielfreude, die CD-Veröffentlichung punktet mit großartigem Sound und einer schicken Verpackung.