Live A Little, Love A Little

Siebenundvierzig Jahre nach der Veröffentlichung der Single Almost In Love / A Little Less Conversation  bringt Follow That Dream Records endlich einen vollständigen Soundtrack zum Film Live A Little, Love A Little  auf den Markt.

Die Sessions fanden am 7. März 1968 bei Western Recorders in Hollywood, Kalifornien statt und wurden von Billy Strange (Produzent) und Chuck Britz (Toningenieur) betreut.

Elvis nahm live mit einem Ochester im Studio auf. Daher waren alle Songs vorab im Detail arrangiert worden, so dass sich die Veränderungen während der Sessions in Grenzen hielten.

Neben den Orchestermusikern spielte der King mit Joseph Gibbons (Gitarre), Neil Levang (Gitarre), Al Casey (Rhythmus-Gitarre), Chuck Berghofer (Bass), Larry Knechtal (Bass), Don Radndi (Klavier), Hal Blaine (Schlagzeug) und Gary Coleman (Perkussion).

Um die Bearbeitung der Aufnahmen kümmerten sich Vic Anesini und Sebastian Jeansson.

 

Wonderful World

Im Film ist das Lied während des Vorspanns zu hören, Anfang 1969 wurde es auf dem CAMDEN-Album Elvis Sings FLAMING STAR & Others  auf den Markt gebracht.

Während für das Leinwandabenteuer Take 7 genutzt wurde, ist auf der LP der 17. Durchlauf zu hören. Für die Komposition von Wonderful World  zeichnen Guy Fletcher und Doug Flett verantwortlich, das Original stammt von Cliff Richard. Zwar gehört der Song nicht zu meinen Favoriten, insgesamt ist der Walzer aber nett anzuhören und so manch anderem Filmschlager des Kings überlegen.

 

Edge Of Reality

Nachdem das Lied zunächst auf der B-Seite der RCA-Single If I Can Dream  veröffentlicht worden war, nutzte CAMDEN es im Spätsommer 1970 für das Album Almost In Love.

Die Komponisten heißen Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye. Elvis benötigte acht Takes für diese leicht psychedelisch angehauchte Nummer, die deutlich von den typischen Movie Tunes abweicht und mir recht gut gefällt.

 

A Little Less Conversation

Auch dieser Song landete auf dem Budget-Album Almost In Love, nachdem ihn RCA zunächst auf der B-Seite einer Single veröffentlicht hatte. Die Kopplung Almost In Love / A Little Less Conversation  geriet zu einem veritablen Flop und verkaufte sich weltweit nur eine halbe Million Mal.

Der ReMix aus dem Jahr 2002 wurde allerdings zum Welthit und erreichte in 19 Ländern die Spitze der Charts.

Seinerzeit hatte Elvis den 16. Take zum Master erklärt, auf derLP ist durch einen Fehler von CAMDEN der 10. Versuch zu hören. Im Film Live A Little, Love A Little  singt Greg (Elvis) den Song auf einer Party und fordert damit die Dame seiner Wahl relativ unverblümt dazu auf, den Small Talk einzustellen und sich ihm hinzugeben.

Vielleicht mit Ausnahme von Let Yourself Go  hatte man solche Töne in Presley-Musicals noch nicht gehört.

 

Almost In Love

Die Musik entstand am 7. März 1968 bei Western Recorders in Hollywood, Kalifornien. Vier Tage später sang Elvis zu dem vorproduzierten Playback. Den Master setzte man schließlich aus den Takes 4 (Rhythm Track) und 3 (Vocal Track) zusammen.

Die Ballade basiert auf dem Instrumentalstück Moonlight In Rio  von Luiz Bonfa, der englische Text stammt von Randy Starr. Ich würde Almost In Love  als dezente Lounge-Music im Bossa Nova Stil bezeichnen - bestens geeignet als Hintergrundmusik für Partys und Fahrstühle. Es sei allerdings angemerkt, dass diese Art der Beschallung in den ausgehenden 1960ern durchaus angesagt war.

Zunächst bildete der Song die A-Seite der Single Almost In Love / A Little Less Conversation, zwei Jahre später machte CAMDEN ihn zum Titel einer Budget-LP.

 

Wonderful World (Take 1)

Es wird abgeklärt, welches Lied nun aufgenommen werden soll. Dann folgen die offizielle Ansage des Toningenieurs sowie Absprachen und Übungen der Musiker.

Da es sich um den ersten Versuch handelt, singt Elvis hier und dort noch etwas unsicher und auch das Orchester spielt noch nicht 100%ig perfekt.

 

A Little Less Conversation (Takes 1 & 2)

Der erste Versuch wird nach etwa 20 Sekunden abgebrochen, nachdem Elvis versehentlich A little more conversation  gesungen hat. Spaßeshalber fragt der King, ob man ausgehend von dieser Stelle einen Pick Up Take produzieren solle.

Der zweite Durchlauf scheitert am Finale, was Elvis mit Lost it at the ending. kommentiert.

Gemäß den Aussagen im Booklet ist es dieser Take, den JXL damals für den ReMix nutzte.

 

Edge Of Reality (Takes 1 & 2)

Nach der Ansage der Takes erklärt Billy Strange dem Orchester, dass die Celli beim Intro so wuchtig wie möglich klingen sollen. Dann folgt der erste Take, der allerdings noch nicht mal die vollständige Einleitung umfasst.

Der zweite Versuch geht vollständig durch, wobei Elvis hier allerdings noch nicht so kraftvoll singt und auch an einigen Stellen noch Probleme mit seiner Atemtechnik hat.

 

Almost In Love (Takes 1 & 4-6)

Beim ersten Versuch setzt Elvis zu spät ein und bricht das Unterfangen anschließend nach wenigen Sekunden ab. Der vierte Durchgang kommt über das Intro nicht hinaus, weil sich im Hintergrund jemand unterhält. Take 5 wird aufgrund von Elvis' Problemen mit dem Timing abgebrochen.

Der sechste Versuch geht schließlich durch, wenn der King auch nach wie vor mit dem Song zu kämpfen hat und stellenweise sehr leise singt bzw. einige Worte vernuschelt. Das Ende misslingt ihm ebenfalls, was er mit einem hörbar angesäuerten Goddamn!  kommentiert.

 

Wonderful World (Takes 2 & 3)

Im Hintergrund hört man, wie sich die Harmonie-Sängerinnen abstimmen. Dann wird der zweite Take angesagt und die Musiker legen los.

Allerdings kommen sie in diesem Falle nicht über das Intro hinaus, so dass ein dritter Versuch gestartet wird. Der funktioniert auch schon recht gut, hier und dort muss Elvis jedoch noch an gesanglichen Details arbeiten.

 

Edge Of Reality (Take 3)

Auch beim dritten Durchlauf singt Elvis noch nicht so sicher und kraftvoll wie beim späteren Master. Zudem kämpft er im Refrain noch mit der Phrasierung des Wortes name.

 

A Little Less Conversation (Takes 4-9)

Der vierte Take fängt stark an, doch nach nicht einmal dreißig Sekunden verheddert sich Elvis im Text und bricht mit einem Gag das Unterfangen ab. Take 5 besteht nur aus wenigen Takten des Schlagzeug-Intros, beim sechsten Durchlauf kommt man immerhin auf 82 Sekunden, bevor der King sich abermals in den schnellen Lyrics verfängt.

Unter großem Gelächter verpatzt Hal Blaine am Schlagzeug das Intro, Versuch Nummer acht unterbricht Elvis nach einem Takt mit dem Zwischenruf Hey, Billy! Beim neunten Durchlauf scheitert Elvis an derselben Stelle wie bei Take 6, so dass auch dieser Versuch nach etwa achtzig Sekunden zu Ende ist.

 

A Little Less Conversation (Album Master, Take 10)

Nach einer Armada von Fehlstarts gelingt Elvis und seiner Crew jetzt ein vollständiger Take.

Obwohl der King für die Single-Veröffentlichung seinerzeit Take 16 zum Master bestimmt hatte, nutzte CAMDEN den zehnten Versuch für das Album Almost In Love.

 

Almost In Love (Instrumental Track, Rehearsal)

Elvis sang das Lied zu einem vorproduzierten Playback, das hier vom Orchester geprobt wird. Man probierte den Song in zwei verschiedenen Tonlagen, die hier zu hörende Fassung wird in der höheren gespielt.

 

Wonderful World (Movie Master, Take 7)

Hier bekommen wir nun die Fassung von Wonderful World, die im Film während des Vorspanns zu hören war.

Auf dem Album Elvis Sings "Flaming Star" & Others  wurde der 17. Durchlauf veröffentlicht.

 

Edge Of Reality (Takes 5 & 6)

Zunächst wird im Studio über die Möglichkeit von Instert-Vocals an einer bestimmten Stelle des Songs diskutiert. Beim folgenden fünften Take patzt Elvis bereits bei den ersten gesungenen Worten und bricht mit Goddamn, sorry! die Aktion ab.

Der sechste Versuch geht durch und ist gar nicht mehr weit vom Master entfernt.

 

Almost In Love (Instrumental-Take 2, Vocal-Take 4)

Wir hören Elvis' vierten Versuch, zum Playback von Almost In Love  zu singen. Die Tonlage scheint etwas hoch zu sein und der King hat merklich mit dem Song zu kämpfen.

Nach einer Weile gibt er auf und die Musik läuft ohne sein Zutun weiter. Aufgrund der Probleme entschied man sich später für die Fassung in der tieferen Tonart.

 

Wonderful World (Takes 14 & 15)

Der vierzehnte Take wird nach etwa zwanzig Sekunden ohne erkennbaren Grund abgebrochen.

Versuch Nummer 15 geht durch und wird von Elvis bereits so gut gesungen, dass er durchaus als Master hätte genutzt werden können.

 

A Little Less Conversation (Takes 11, 12 & 16)

Take 11 beginnt stark, doch dann verhaspelt sich Elvis nach ...it's a groovy night  und bricht das Unterfangen ab. Is Billy strange?  fragt er in Anspielung auf seinen Produzenten, dann geht es in die nächste Runde.

Wie schon sooft zuvor, so scheitert der King auch hier wieder am ersten Refrain. Beim sechzehnten Versuch sind schließlich alle Beteiligten von A bis Z erfolgreich und liefern den Master Take.

 

Edge Of Reality (Take 8)

Den achten Take haben wir in bearbeiteter Form bereits zu Beginn der Disc gehört, denn es handelt sich um den Mastertake.

 

Almost In Love (Instrumental Take 4, Vocal-Takes 2 & 3)

Zwar hat Elvis beim zweiten Durchlauf hier und dort leichte Probleme mit dem Timing, aber immerhin geht der Song durch. Allerdings nur, bis er kurz vor Schluss den Faden verliert und mit einem Shit!  das Unterfangen abbricht. Der dritte Versuch funktioniert perfekt und wird zum Master erklärt.

 

Wonderful World (Takes 16 & 17)

Beim sechzehnten Take verhaut sich der King bei der big yellow sun  und muss nochmal von vorn beginnen.

Durchlauf Nummer 17 gelingt dafür 100%ig und wird zum Master-Take.

 

Fazit & Bewertung

Die Aufnahmen werden schick verpackt und in sehr guter Tonqualität präsentiert. Dass sich die Takes aufgrund der Arbeit mit einem Live-Orchester musikalisch nicht fundamental unterscheiden, ist zu verschmerzen.