How Great Thou Art

Anno 2010 inkludierte Follow That Dream Records auch Elvis' zweite Gospel-LP in das Classic Albums-Programm.

Neben den Songs der Originalveröffentlichung bietet FTD hier auch die seinerzeit nur im Single-Format auf den Markt gebrachten Pseudo-Gospels We Call On Him  und You'll Never Walk Alone  sowie das Weihnachtslied If Every Day Was Like Christmas.

Das Mastering der Aufnahmen geht auf das Konto von Sebastian Jeansson. Ob dieser auch für den Mix der zuvor noch nicht veröffentlichten Outtakes verantwortlich war, verrät das ansonsten sehr gut gemachte Begleitheft nicht.

Für das Cover des Booklets nutzte man das Originalfoto der Schallplattenhülle, so wie es 1962 für den Film Girls! Girls! Girls!  geschossen worden war. Die meisten anderen Bilder stammen in etwa aus der Produktionszeit dieser LP. Hier griff FTD auf die drei Monate später entstandenen Promo-Fotos für den Spielfilm Double Trouble  zurück.

Inhaltlich bietet die erste CD die Tracks der Original-LP, die Bonus Songs sowie die ersten Takes der Lieder und einen überflüssigen Splice von Where No One Stands Alone.

Die zweite Scheibe enthält nach Sessions geordnete Outtakes. Wir hören also die May 1966 Sessions (Gospel-LP), die June 1966 Sessions (Weihnachtslied) sowie die September 1967 Sessions (Gospel-Single).

 

The Original Album

How Great Thou Art

Der Ursprung dieser Hymne liegt in dem 1886 von Carl Boberg geschriebenen schwedischen Lied O Store Gud.

Im Jahr 1907 übersetzte Manfred von Glen den Song mit Wie Groß Bist Du, 1925 folgte eine erste englischsprachige Fassung mit dem Namen O Mighty God, When I Behold The Wonder. Acht Jahre später verfassten die Missionare Mr. und Mrs. Stuart Hine schließlich How Great Thou Art  und beriefen sich dabei auf die deutsche Übersetzung von Manfred von Glen.

Diese endgültige Version wurde von unzähligen Sängern und Gospelgruppen aufgenommen, 1962 konnte Tennessee Ernie Ford damit sogar einen Pop-Hit landen.

Elvis spielte seine Fassung am 25. Mai 1966 ein und benötigte dafür vier Takes.

Anno 1969 veröffentlichte RCA Victor die Aufnahme zusammen mit His Hand In Mine  auf einer Single, desweiteren ist der Titel auf der LP A Legendary Performer - Volume 2  (1976) zu hören. Konzertmitschnitte befinden sich auf den Alben Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  (1974) und Elvis In Concert  (1977).

Für die Memphis-Aufnahme erhielt der King 1975 von der Academy Of Recording Arts And Sciences einen weiteren Grammy.

 

In The Garden

Im Jahr 1912 bat Adam Geibel den Autor Charles Austin Miles auf eine von ihm komponierte Musik einen "angenehmen" Text zu schreiben. Das Ergebnis hieß In The Garden  und wurde 1914 von Ada Jones und George Ballard aufgenommen.

Elvis sang den Titel am 26. Mai 1966 ein, bereits der dritte Versuch wurde zum Master.

 

Somebody Bigger Than You And I

Der Titel wurde 1951 von den Ink Spots gesungen, die Komponisten heißen Johnny Lange, Walter Heath und Sonny Burke.

Elvis nahm am 27. Mai 1966 zunächst 16 Takes auf, danach folgten sechs Workpart-Takes mit dem Ende des Songs. Den Master stellte man schließlich aus den Durchläufen 16 und 6 (Workpart) zusammen.

Ich mag Somebody Bigger Than You And I  sehr, insbesondere der schon fast feierlich anmutende Gesang des Kings gefällt mir ausnehmend gut.

 

Farther Along

Die Wurzeln dieses Liedes liegen vermutlich im 19. Jahrhundert, ein erstes Copyright wurde 1937 von W. B. Stevens eingetragen.

Neben dem Stamps Quartet spielten es auch die Blackwood Brothers und die Harmonizing Four ein. In letzterer Version soll Farther Along  das Lieblingslied von Elvis' Mutter Gladys gewesen sein.

Bereits im Dezember 1956 stimmte Elvis den Song im SUN Studio während der so genannten Million Dollar Quartet-Session an, professionell nahm er es allerdings erst am 26. Mai 1966 auf. Insgesamt spielte Elvis drei Takes von Farther Along  ein, den Master stellte man aus dem letzten Durchlauf und einer Zeile des zweiten Versuches zusammen.

 

Stand By Me

Hier handelt es sich nicht etwa um den Hit von Ben E. King, sondern um einen Song aus dem Jahr 1905 von Charles Albert Tindley.

Elvis spielte das Lied am 25. Mai 1966 ein, Take 11 wurde zum Master.

Mir gefällt dieser wunderbar getragene Titel sehr gut.

 

Without Him

Die erste Seite des Albums endet mit dieser wunderbaren Hymne von Mylon Lefefre. Elvis mochte die Gospelgruppe The Lefefres und besuchte unter anderem auch im Jahr 1960 einen ihrer Auftritte in Memphis.

Am 27. Mai 1966 nahm er schließlich deren Song Without Him  auf und benötigte dafür 12 Versuche.

Das Ergebnis ist absolut perfekt und zählt zu den Höhepunkten dieses Albums.

 

So High

War die A-Seite eher von Hymnen und getragenen Songs bestimmt, so ändert sich nun das Tempo.

So High  ist ein Traditional, das 1947 erstmals von den Sons Of The Pioneers aufgenommen wurde.

Elvis' Fassung stammt vom 26. Mai 1966, nach vier Takes hatte er die flotte Nummer im Kasten.

 

Where Could I Go But To The Lord

Der Titel wurde 1940 von James B. Coats geschrieben und im selben Jahr vom All American Quartet erstmals aufgenommen.

Elvis' Version vom 27. Mai 1966 orientierte sich allerdings am Arrangement der Harmonizing Four. Take 2 wurde zum Master, wobei der erste Durchgang allerdings nur ein langer Fehlstart von etwa 30 Sekunden ist.

Ein Jahr nach der Veröffentlichung des How Great Thou Art-Albums griff der King noch einmal auf Where Could I Go But To The Lord  zurück und spielte eine neue, kürzere Version für seine TV Show SINGER presents Elvis  ein.

Auch dieser Song gehört zu meinen absoluten Favoriten auf dieser LP.

 

By And By

Es handelt sich hier um ein Traditional aus dem 19. Jahrhundert, das 1905 von Charles Albert Tindley adaptiert wurde.

Auch dieser Song gehört zu meinen persönlichen Highlights, da Elvis hier so richtig gut mitgeht und man ihm einfach anhört, wie sehr er Lieder dieser Art mochte.

Die Aufnahme stammt übrigens vom 26. Mai 1966, Take 10 wurde zum Master.

 

If The Lord Wasn't Walking By My Side

If The Lord Wasn't Walking By My Side  wurde von Henry Slaughter, der als Mitglied der Imperials auch an diesen Sessions teilnahm, geschrieben.

Elvis nahm die Uptempo-Nummer am 27. Mai 1966 auf und spielte sechs Takes davon ein. Am Ende entschied er sich für den fünften Versuch und erklärte ihn zum Master.

 

Run On

Unter den schnellen Liedern auf dieser LP stellt Run On  für mich das Highlight dar.

Erstmals aufgenommen wurde dieses Traditional im Jahr 1946 vom Golden Gate Quartet, allerdings unter dem Titel God's Gonna Cut You Down.

Elvis spielte das Lied am 25. Mai 1966 ein, Take 7 wurde zum Master. Die Strophen werden als Sprechgesang dargeboten, was mir sehr gut gefällt. Ich denke, Run On  hätte sich auch auf einer Single gut gemacht.

 

Where No One Stands Alone

Es folgt eine weitere Hymne, diesmal komponiert von Mosie Lister. Erstmals aufgenommen wurde der Titel in seinem Entstehungsjahr 1955 vom Statesmen Quartet, dessen Mitglied Mosie war.

 Elvis nahm seine Fassung am 25. Mai 1966 auf, der Master wurde aus Take 4 und Take 7 (Workpart) zusammengeschnitten.

Das Lied ist wunderbar getragen und der Gesang des Kings hätte besser kaum sein können. Er nutzt seine Bariton-Stimme voll aus, ohne jedoch zu knödeln, wie er es später oftmals tun sollte.

Am 16. Februar 1977 sang Elvis Where No One Stands Alone  auch einmalig live. An die großartige Studio-Aufnahme kam er allerdings nicht mehr heran.

 

Crying In The Chapel (Bonus Song)

Als zusätzlichen Kaufanreiz enthält das Album Elvis' Top3-Hit aus dem Jahr 1965.

Ursprünglich war der Song am 30. Oktober 1960 für die LP His Hand In Mine  eingespielt worden, da es aber Probleme mit dem Copyright gab, landete die Aufnahme zunächst im Archiv.

Nachdem die rechtlichen Unsicherheiten geklärt worden waren, brachte RCA Victor Crying In The Chapel  schließlich zusammen mit I Believe In The Man In The Sky  auf einer Single heraus und landete damit den größten Verkaufserfolg seit drei Jahren.

Komponiert wurde der Song von Artie Glenn, erstmals aufgenommen wurde er 1953 von dessen Sohn Darrell.

 

Bonus Songs:

You'll Never Walk Alone

Richard Rogers und Oscar Hammerstein II schrieben den Titel 1945 für das Musical Carousel, im selben Jahr nahm auch Frank Sinatra eine Fassung dieser großartigen Nummer auf.

Elvis spielte You'll Never Walk Alone  am 11. September 1967 direkt nach We Call On Him  ein, der Master ist ein Zusammenschnitt aus den Takes 1 und 8.

Der King scheint sich regelrecht in dem Song zu verlieren, seine Stimme ist voller Gefühl und klingt absolut phantastisch.

Im März 1968 brachte RCA Victor das Lied auf der B-Seite der Single We Call On Him  auf den Markt. Mit nur 500.000 verkauften Kopien entwickelte sich die Scheibe jedoch zu einem der größten Verkaufsflops in der Karriere des Kings.

Das Budget-Label CAMDEN nutzte You'll Never Walk Alone  im Jahr 1971 als Titelsong für eine Gospel-LP.

 

We Call On Him

Auf derselben Scheibe war auch We Call On Him  zu finden.

Fred Karger, Ben Weisman und Sid Wayne schrieben die Hymne für den Film Easy Come, Easy Go. Da das Lied hier schlussendlich keine Verwendung fand, nahm Elvis es eben am 11. September 1967 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee als Festtagsveröffentlichung für das kommende Jahr auf.

Zwar gab er sich gesanglich alle Mühe, über das Niveau eines typischen Filmschlagers kommt We Call On Him  aber trotzdem kaum hinaus.

 

If Every Day Was Like Christmas

Das Lied stammt aus der Feder von Red West, der es ja auch im Studio an Elvis' Stelle mit den Musikern zusammen aufnahm.

Obwohl der Song durchaus anspruchsvoll ist, benötigte der King am 12. Juni 1966 nur zwei Takes, ehe er seinen Part im Kasten hatte.

Der Sänger gibt hier seine vorweihnachtlichen Impressionen zu Protokoll und kommt zu der Erkenntnis, dass die Welt wunderschön wäre, wenn jeder Tag so sei wie dieser. If Every Day Was Like Christmas  verbreitet eine wunderbar sentimentale Festtagsstimmung, vor allem den Refrain finde ich stark.

Die Erstveröffentlichung fand im November 1966 auf der Single If Every Day Was Like Christmas / How Would You Like To Be  statt.

Nachdem RCA etwa eine Million Einheiten verkauft hatte, nutzte die Schwesterfirma CAMDEN den Track Ende 1970 für die Neuauflage von Elvis' Christmas Album.

 

First Takes

How Great Thou Art (Takes 1 & 2)

We're rolling, this is "How Great Thou Art", take 1  kommt die Ansage aus der Tonregie.

Nach kurzen Absprachen folgt der erste Aufnahmeversuch, der jedoch nach wenigen Takten bereits wieder abgebrochen wird.

Beim zweiten Anlauf gelingt der Einstieg. Weil das Arrangement vorab im Detail ausgearbeitet wurde, unterscheidet sich der Take nur in Details vom bekannten Master. Ich bin mir sicher, dass man vorab geprobt hat, denn für einen echten ersten Versuch klingt diese Version schlicht und einfach zu perfekt.

 

Somebody Bigger Than You And I (Takes 1, 3 & 11)

Beim ersten Take misslingt das Intro, im Hintergrund räuspert sich jemand.

Den zweiten Versuch enthält man uns leider vor, Take 3 scheitert etwa zur Mitte des Songs, weil dem King die Stimme wegbricht.

Mit Take 11 bekommen wir dann einen späten Aufnahmeversuch. Da alle nun mit dem Lied vertraut sind, unterscheidet sich auch diese Darbietung kaum von der schlussendlich veröffentlichten Version.

 

Stand By Me (Takes 1 & 2)

Der erste Take besteht nur aus wenigen Takten des Intros.

Danach gelingt der Einstieg zwar, aber Elvis hat deutlich hörbare Probleme mit dem Tempo.

 

Without Him (Take 1)

Wir hören Übungen und Gespräche der Musiker. Nachdem man sich koordiniert hat, beginnt die eigentliche Schallplattenaufnahme.

Einige Musiker spielen anders als beim Master und auch Elvis weicht vom Text ab. Statt ...life would be worthless  singt er ...life would be hopeless.

 

So High (Take 1)

Beim ersten Anlauf klingt die Uptempo-Nummer noch nicht so schmissig, wie die späteren Fassungen. Das ist allerdings nicht verwunderlich, denn die Beteiligten müssen erst mit der Nummer war werden, um freier singen und spielen zu können.

 

By And By (Take 4)

Selbiges kann auch von By And By  gesagt werden. Die Nummer wird gut vorgetragen, aber der Schwung und die Ausgelassenheit fehlen noch.

 

If The Lord Wasn't Walking By My Side (Take 1)

Die Aufnahme beginnt mit Übungen der Musiker, dann folgt die Ansage aus der Tonregie. Abermals fehlt noch der letzte Kick.

 

Run On (Takes 1 & 2)

Für einen ersten Take hat Elvis den schnellen Text erstaunlich gut im Griff, etwa nach der Hälfte des Songs verpasst er jedoch seinen Einsatz, was zum Abbruch führt. Der King kommentiert Sorry, I missed it.

Beim nächsten Anlauf geht die Nummer komplett durch. Abermals fehlt natürlich noch der nötige Drive, denn Elvis muss sich zunächst darauf konzentrieren, den Text überhaupt auf die Kette zu bekommen.

 

Where No One Stands Alone (Splice - Takes 1 & 4)

Einige Musiker haben ihre Interpretation noch nicht gefunden und weichen daher vom Spiel der bekannten Aufnahme ab.

Warum Follow That Dream Records hier allerdings die Aufnahmen nicht in ihrer originalen Form präsentiert, kann ich nicht nachvollziehen.

 

You'll Never Walk Alone (Take 1)

Give me a little bit of an intro  bittet Elvis. Der Einstieg läuft etwas schleppend, man hört, dass die Nummer im Vorfeld nicht 100%ig ausgearbeitet wurde.

Was dann folgt, ist pure Emotion. Elvis möchte scheinbar gar nicht mehr aufhören zu singen und ignoriert das eigentliche Ende des Songs. Seine Mitstreiter sind aber auf Zack und reagieren perfekt auf die spontanen Eingebungen des Meisters.

Für mich stellt dieser Track das Highlight dieses Classic Albums dar!

  

We Call On Him (Takes 1 & 2)

Take 1 besteht nur aus einem kurzen Fehlstart.

Beim zweiten Anlauf haben aber alle Beteiligten die Nummer im Griff und liefern eine Performance, die vom Master gar nicht mehr weit entfernt ist.

 

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Soweit bekannt liegen die Bildrechte an dem CD-Cover und dem Booklet bei Follow That Dream Records.