Hits Of The 70's

Follow That Dream Records überraschte die Fans des Kings im Jahr 2012 mit einer Classic Album-Version von Hits Of The 70's.

Ich spreche deshalb von einer Überraschung, weil es sich lediglich um eine Zusammenstellung für den britischen Markt handelte und die LP musikalisch mit keinerlei Besonderheiten aufwartete. Auch kommerziell konnte das Album kaum punkten.

Als Hits Of The 70's  im Herbst 1974 auf den Markt kam, reichten die Verkäufe noch nicht einmal für eine Chart-Notierung. Erst im Zuge des Hypes um den Tod des Kings konnte sich die LP im Spätsommer 1977 immerhin auf Rang 30 platzieren.

Die Veröffentlichung war seinerzeit als Nachfolger von Elvis' 40 Greatest Hits  gedacht. Nachdem RCA dem King Anfang 1973 die Verwertungsrechte für seine bis dato eingespielten Aufnahmen (mit der Ausnahme des für die kommende Single vorgesehenen Songs Fool) abgekauft hatte, lizensierte man vierzig Hits der 1950er und 1960er Jahre an die Firma Arcade.

Das Label war auf die Vermarktung von Compilations spezialisiert und leistete auch im Falle des Kings ganze Arbeit. Mit Hilfe von massiver TV-Werbung erreichte Elvis' 40 Greatest Hits  die Spitze der UK-Charts und wurde zu einem der erfolgreichsten Presley-Alben überhaupt.

Mit Hits Of The 70's wollte RCA nun eine Fortsetzung auf den Markt bringen und vom Erfolg der Arcade-Veröffentlichung profitieren. Ein Vorhaben, das offenbar nicht von Erfolg gekrönt war.

Dass FTD sich dieser LP annahm, ist ausschließlich Roger Semon geschuldet. Er hat einen Faible für das Album und wollte es unbedingt in der Classic Album-Reihe veröffentlicht sehen. Ernst Jorgensen hielt sich diesmal komplett raus.

Zusammenstellung und Überwachung des Cover-Designs gehen ausschließlich auf Semons Konto, bei den Aufnahmen zog man die von Vic Anesini nachbearbeiteten Versionen heran.

Im Gegensatz zur Original-LP stellt die Neuauflage kein Konglomerat aus Mono- und Stereo-Aufnahmen dar. Hier sind ausschließlich die Stereo-Fassungen zu hören.

Zudem wurde das Tracklisting der ersten CD um die übrigen 1970er UK-Singles des King erweitert. Auf der zweiten Scheibe sind dann die jeweiligen B-Seiten sowie der Bonus Track My Way  zu hören.

 

Das Album:

The Wonder Of You

Baker Knight schrieb The Wonder Of You  im Jahr 1959, erstmals aufgenommen wurde der Song von Ray Peterson. Elvis' Version entstand während der Midnight Show am 18. Februar 1970 im International Hotel in Las Vegas. Es war erst das zweite Mal, dass der King The Wonder Of You  live vortrug, denn ursprünglich war der Song in der Show gar nicht vorgesehen gewesen.

Erst als der Produzent Felton Jarvis bemerkte, dass das aktuelle Bühnenprogramm nicht genügend neue Lieder für das geplante Live-Album hergab, wurden nachträgliche Proben angesetzt und zusätzliche Songs einstudiert. Am 31. März und 3. April wurde The Wonder Of You  im RCA Studio A in Nashville, Tennessee noch einmal nachbearbeitet und neuer Hintergrundgesang aufgenommen.

Mir persönlich gefällt diese groß orchestrierte Liebeserklärung sehr gut, zumal sich Elvis in vokaler Hochform befindet und einen exzellenten Vortrag abliefert.

Die US-Single kam im April 1970 auf den Markt, im folgenden Jahr fand sich die Aufnahme ebenfalls auf der 4-LP-Box The Other Sides - Worldwide Gold Award Hits Volume 2.

Während Elvis in seinem Heimatland mit The Wonder Of You  den neunten Platz der Single-Hitparade erreichte, konnte er in Großbritannien einen Nummer 1-Hit verbuchen. Nach seinem Tod platzierte sich der Titel im Spätsommer 1977 auf Rang 48, die Neuauflage im CD-Format erreichte im Jahr 2005 den vierten Platz.

 

I'm Leavin'

Die Ballade stammt aus der Feder von Michael Jarrett und Sonny Charles und wurde von Elvis am 20. Mai 1971 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee aufgenommen. Fünf Tage später ließ Felton Jarvis die Streicher ergänzen.

Der Sänger beklagt, dass seine Frau ihn emotional auf Distanz hält, fürchtet aber, die Einsamkeit noch schwerer ertragen zu können als die aktuelle Situation.

Im Gegensatz zu manch anderem Presley-Song dieser Art ist der Text recht subtil und auch musikalisch kommt das Lied leise und ohne jeden Kitsch daher. Dass ein so ruhiges und streckenweise auch sperriges Lied zur A-Seite einer Single wurde, war vermutlich ausschließlich dem Wunsch des Kings geschuldet.

1971 kam I'm Leavin'  auch auf der Bühne regelmäßig zum Einsatz, ebenso wie in den Jahren 1973 und 1974.

In den USA wurde die Scheibe im Juni 1971 veröffentlicht und von Billboard auf Rang 36 notiert. Die Briten konnten der Ballade offenbar mehr abgewinnen, denn auf der Insel erreichte die 45er Rang 23.

 

Burning Love

Der Rocker entstand am 28. März 1972 im RCA Studio C in Hollywood, Kalifornien innerhalb von sechs Takes. Am 27. April wurden weitere Instrumente hinzugefügt und die Aufnahme um etwa eine halbe Minute gekürzt. Das Original dieser Komposition von Dennis Linde stammt von Arthur Alexander.

Obwohl die Band das Lied als Rock'n'Roll arrangiert, lässt Elvis' Stimme jede für diese Stilrichtung nötige Aggressivität vermissen. Vielleicht wollte er lieber wie ein Popsänger klingen, vielleicht lag es aber auch an seiner kolportierten Abneigung gegen den Song.

Im LP-Format war das Lied erstmals auf dem CAMDEN-Album Burning Love And Hits From His Movies  zu hören, eine Live-Aufnahme folgte Anfang 1973 auf dem Soundtrack zur TV-Show Aloha From Hawaii Via Satellite.

Bei dieser Single war ausnahmsweise die US-Version erfolgreicher. Während Elvis mit seiner im August 1972 herausgebrachten Scheibe in der Heimat den zweiten Platz erreichte, wurde er in England "nur" auf Rang 7 notiert. Anno 2007 erlebte Burning Love  ein kleines Comeback, denn die CD-Version der Single schaffte es in den UK Charts bis zur Nummer 13.

 

Always On My Mind

Einen Tag nach der Aufnahme von Separate Ways  entstand an gleicher Stelle Always On My Mind. Elvis spielte sieben Takes dieser Komposition von Wayne Carson, Mark James und Johnny Christopher ein, entschied sich dann aber schließlich für den ersten Versuch.

Am 27. April wurden weitere Instrumente ergänzt, am 8. Mai folgten Streicher und Blechbläser. Wie schon bei Separate Ways  empfand Elvis wohl auch hier die Geigen als ein Zuviel des Guten und ließ die Tonspur wieder entfernen.

Das Lied erschien im November 1972 auf der Single Separate Ways / Always On My Mind  und war kurze Zeit später auch auf der CAMDEN-LP Separate Ways  zu hören.

In den USA notierte Billboard die 45er auf Rang 20, in Großbritannien schaffte es der King bis auf den neunten Platz. Weitere Chart-Notierungen erfolgten in den Jahren 1985 (59), 1997 (13) und 2007 (17).

 

I Just Can't Help Believin'

Diesen Song veröffentlichte RCA nur in Europa auf einer Single, die B-Seite hieß How The Web Was Woven. Beide Lieder stammen von der Ende 1970 herausgebrachten LP That's The Way It Is.

Bei dem Track handelt es sich um eine Live-Aufnahme vom 11. August 1970 (Dinner Show) aus dem International Hotel in Las Vegas, Nevada. Geschrieben wurde der Titel von Cynthia Weil und Barry Mann, der ihn 1968 auch als erster aufnahm.

Insgesamt gefällt mir Elvis' Version ausgezeichnet, auch wenn er an einer Stelle kurzzeitig mit dem Text ins Schleudern gerät und etwas anderes singen möchte als der Harmonie-Sänger Charlie Hodge.

In den UK Charts erreichte I Just Can't Help Believin' den sechsten Platz und verkaufte sich mehr als eine halbe Million Mal.

 

You Don't Have To Say You Love Me

Der Song war 1966 ein Top5-Hit für Dusty Springfield gewesen und wurde später unzählige Male gecovert. Das Original heißt Io Che Non Vivo (Senza Te)  und wurde von Vito Pallavicini, Jody Miller und Pino Donaggio geschrieben. Letzter nahm den Titel auch als erster auf und konnte damit einen Nummer-1-Hit in Italien verbuchen.

Elvis' Version entstand am 6. Juni 1970 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee. Schon der dritte Durchlauf wurde zum Master-Take, am 30. Juni wurden noch Streicher und Blechbläser hinzugefügt.

Im Oktober 1970 erscheint der Song auf einer Single und erreicht in den USA den 11. Platz. Später fand sich You Don't Have To Say You Love Me  auch auf dem Album That's The Way It Is  (1970) und der 4-LP-Box The Other Sides - Worldwide Gold Award Hits Volume 2  (1971).

Bei den Briten ist die Nummer erfolgreicher und platziert sich auf Rang 9. Anno 2007 wird You Don't Have To Say You Love Me  nach einer Veröffentlichung als CD-Single noch einmal notiert und schafft es auf den 16. Platz.

 

There Goes My Everything

There Goes My Everything  stammt aus der Feder von Dallas Frazier und wurde erstmals 1965 von Ferlin Husky aufgenommen. Im folgenden Jahr landete Jack Greene mit dem Titel einen Nummer 1 Hit, wiederum ein Jahr später verbuchte Engelbert Humperdinck damit eine Nummer 2 Hit in den UK-Charts.

Die Version des Kings erreichte den sechsten Platz, in den USA musste sie sich mit Rang 21 zufrieden geben.

Elvis' Aufnahme stammt vom 8. Juni 1970, insgesamt benötigte er drei Takes. Am 23. Juni ergänzte der King noch den Harmonie-Gesang, später folgten Streicher und Blechbläser (30. Juni) sowie Hintergrundgesang (21. September und 1. Oktober).

In dem Song muss der Sänger dabei zusehen, wie seine große Liebe ihn verlässt. Die Melodie ist süßlich, der Text ein wenig kitschig, aber trotzdem schafft es Elvis, das Lied nicht nur schön zu singen, sondern den Text auch glaubwürdig zu verkaufen.

There Goes My Everything  war später auch auf dem Album Elvis Country - I'm 10,000 Years Old  und der 4er Box The Other Sides - Worldwide Gold Award Hits Volume 2  (beide 1971) zu hören.

 

Rags To Riches

Auch mit Rags To Riches  war Elvis in Großbritannien wesentlich erfolgreicher als in seiner Heimat. Während die 45er in den USA auf Rang 33 stagnierte, erreichte sie in den UK-Charts den neunten Platz.

Die Originalversion von Tony Bennett kam bereits 1953 auf den Markt, die Autoren heißen Richard Adler und Jerry Ross. Auch diesen Song spielte Elvis am 22. September 1970 ein, den Master-Take schnitt man aus den Versuchen 4 und 3 (nur eine Zeile) zusammen. Das Piano-Intro und den Hintergrundgesang ließ Felton Jarvis einen Tag später aufnehmen.

Auf der Konzertbühne kam Rags To Riches  nur ein einziges Mal zum Einsatz. Während der Silvester-Show 1976/77 in Pittsburgh setzte sich Elvis spontan ans Klavier und trug eine improvisierte, aber dennoch beeindruckende Version dieser dramatischen Ballade vor.

Auch dieser Titel erschien erst nach dem Tode des Kings auf einem Album. RCA veröffentlichte ihn i1980 auf der 8-LP-Box Elvis Aron Presley.

 

Until It's Time For You To Go

Die Ballade wurde am 17. Mai 1971 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee aufgenommen. Elvis benötigte acht Takes, den letzten davon ergänzte Felton Jarvis am 22. Mai nachträglich mit Geigen. Mit dem Resultat schien der King jedoch nicht vollständig zufrieden zu sein, denn am 8. Juni spielte er weitere zehn Takes der Buffy-Sainte-Marie-Nummer ein - diesmal ein wenig rhythmischer. Schlussendlich entschied er sich jedoch für die erste Version.

Nahezu lyrisch beschreibt der Sänger hier eine nicht auf Dauerhaftigkeit angelegte Beziehung, Elvis' Stimme klingt sehr gefühlvoll, an manchen Stellen nahezu zerbrechlich.

Der King schien Until It's Time For You To Go  sehr gemocht zu haben, denn 1972 kam das Lied auf der Bühne regelmäßig zum Einsatz und sollte auch in den nächsten vier Jahren immer mal wieder in den Live-Shows auftauchen.

Die US-Version der im Januar 1972 veröffentlichten Single kam über den 40sten Platz in hinaus, in Großbritannien landete der King hingegen einen Top 5-Hit.

 

Kentucky Rain

Der Song stammt aus der Feder von Eddy Rabbit, der allerdings erst 1977 eine eigene Aufnahme davon veröffentlichte. Elvis' Version entstand am 19. Februar 1969 im American Sound Studio in Memphis, Tennessee. Der zehnte Versuch wurde zum Master-Take, weitere Bearbeitungen erfolgten am 18. (Streicher und Blechbläser), sowie am 25. März (Hintergrundgesang) im American Sound Studio und im RCA Studio A in Nashville, Tennessee.

Ohne Vorwarnung oder Angabe von Gründen wurde der Sänger über Nacht verlassen und macht sich nun auf die Suche nach seiner Liebsten.

Anfang 1970 wurde Kentucky Rain  auf einer Single veröffentlicht und erreichte den 16. Platz. Ausnahmsweise wurde die Nummer in England schlechter aufgenommen und musste sich mit dem 21. Platz zufrieden geben.

Später fand sich die Aufnahme auch auf der 4-LP-Box Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  (1970) und dem Album Pure Gold  (1975).

 

I've Lost You

Die Ballade wurde von Ken Howard und Alan Blaikly komponiert und erstmals 1969 von Ian Matthews & Southern Comfort veröffentlicht.

Elvis' Version entstand am 4. Juni 1970 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee. Der siebte Versuch wurde zum Master-Take, weitere Nachbearbeitungen erfolgten am 9. Juni (zusätzliche Instrumente), 22. Juni (Hintergrundgesang) und 30. Juni (Blechbläser und Streicher). Anschließend wurde die Aufnahme um etwa eine halbe Minute gekürzt.

In den USA kam I've Lost You  über den 32sten Platz nicht hinaus, bei den Briten schaffte es der Song hingegen  auf Rang 9.

Eine Live-Aufnahme  wurde im November 1970 auf dem Album That's The Way It Is  veröffentlicht, die Studio-Version fand sich im folgenden Jahr auf der 4-LP-Box The Other Sides - Worldwide Gold Award Hits Volume 2.

Der Sänger beschreibt in dieser Ballade seine langsam erkaltende Beziehung, in Elvis' Fall spiegelte der Song damit sogar in gewisser Weise sein Privatleben wieder.

 

An American Trilogy

Es handelt sich hier um ein Medley der Lieder Dixie, The Battle Hymn Of The Republic  und All My Trials, das 1971 von Mickey Newbury zusammengestellt und auf einer Single veröffentlicht worden war.

Im Gegensatz zum sparsam instrumentierten Original blies Elvis den Song zu einer Mini-Oper auf und präsentierte ihn in dramatischem Stil mit großem Orchester und Chor. Die hier zu hörende Aufnahme entstand übrigens am 16. Februar 1972 während der Midnight Show im Las Vegas Hilton.

Mir persönlich gefällt der Presley-Bombast ebenso gut wie Newburys vergleichsweise spartanische Version, denn großartige Sänger sind beide.

Weil das auf dem Cover angekündigte Album Standing Room Only  nie erschien, war die hier zu hörende Aufnahme erst 1980 im LP-Format zu haben (auf der Box Elvis Aron Presley). Allerdings finden sich andere Mitschnitte dieses Titels auf den Alben Elvis As Recorded At Madison Square Garden  (1972), Aloha From Hawaii Via Satellite  (1973) und Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  (1974).

Die im Frühjahr 1972 veröffentlichte Single stagnierte in den USA auf Rang 66 und geriet damit zu einem veritablen Flop. Ganz anders in Großbritannien. Hier ist die Scheibe gefragt und wird mit einer Notierung auf dem 8. Platz sogar zum Top10-Hit.

 

Bonus A-Seiten:

Don't Cry Daddy

Der erste Bonus Track ist eigentlich gar kein Hit der 1970er Jahre, denn RCA brachte die Kopplung Don't Cry Daddy / Rubberneckin' b ereits im November 1969 auf den Markt.

In den USA platzierte sich die Ballade auf Rang 6, in Großbritannien wurde sie auf der 8 notiert.

Zunächst war der Song nur auf dieser Single erhältlich, im Herbst 1970 veröffentlichte RCA Victor ihn auch als Teil der 4 LP Box Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1.

Der Rhythm-Track von entstand am 15. Januar 1969 im American Sound Studio in Memphis, Tennessee, seinen Gesang fügte Elvis am 21. Januar hinzu. Am 19. März wurden die Blechbläser aufgenommen, Streicher folgten am 21. März. Das Lied stammt aus der Feder von Mac Davis, von dem der King während derselben Session auch In The Ghetto  aufnahm.

In dem Song bittet ein namentlich nicht genanntes Kind den Ich-Erzähler, nicht weiter den Verlust der Mutter zu betrauern und verspricht ihm sogar - zusammen mit seinem kleinen Bruder Tommy - eine neue Mama zu suchen. Trotz des sentimentalen Textes wirkt Don't Cry Daddy  nicht kitschig und auch Elvis findet mit seiner Interpretation genau den richtigen Tonfall.

 

Polk Salad Annie

Im Sommer 1969 hatte Tony Joe White mit Polk Salad Annie  einen Top10-Hit gelandet und auch Elvis hatte an der Swamp-Rock-Nummer sofort Gefallen gefunden. Er sang das Lied nicht nur, er zelebrierte es förmlich und hatte an der Geschichte über die dysfunktionale Südstaatenfamilie hörbar seinen Spaß.

Die Aufnahme entstand während der Midnight Show des 18. Februar 1970, eine Nachbearbeitung erfolgte am 1. April. Auf dem Album Elvis As Recorded At Madison Square Garden  (1972) ist Polk Salad Annie  ebenfalls zu hören, allerdings in deutlich höherem Tempo und ohne die gesprochene Einleitung.

Über die Jahre geriet die Nummer immer bombastischer und hatte am Ende kaum noch etwas mit der On Stage-Version zu tun. Nichtsdestotrotz schien Elvis nach wie vor Freude an Polk Salad Annie  zu haben, denn er behielt den Titel bis zum Juni 1977 im Programm.

In den USA war diese Aufnahme nur auf dem Album On Stage - February 1970  zu haben. In Großbritannien koppelte RCA die Nummer im Sommer 1973 auf einer Single aus, die sich immerhin auf Rang 23 platzieren konnte - nicht schlecht für eine seit drei Jahren erhältliche Aufnahme.

 

Fool

1969 veröffentlichte das James Last Orchester das von Last geschriebene Instrumentalstück No Words. Wenig später schrieb Carl Sigman dazu einen Text mit dem Titel Fool, der von Wayne Newton gesungen wurde.

Elvis nahm den Song am 28. März 1972 im RCA Studio C in Hollywood, Kalifornien auf. Take 2 wurde zum Master-Take. Am 8. Mai ergänzte man Blechbläser und Streicher, letztere wurden auf Geheiß des Kings allerdings wieder entfernt. Voller Inbrunst knödelt sich Elvis durch den selbstmitleidigen Text, was mir persönlich jedoch sehr gut gefällt.

Im März war der Song auf der B-Seite der Single Steamroller Blues  veröffentlicht worden. Vermutlich aufgrund des europäischen Ursprungs von Fool  drehte RCA auf dem Kontinent die Wertigkeit um und erklärte die James Last-Komposition zum Hauptsong der 45er.

Der Effekt war nicht sonderlich groß. In den USA erreichte der Steamroller Blues  den 17. Platz der Billboard Charts, die Briten notierten Fool  auf Rang 15.

 

Take Good Care Of Her

Auch bei dieser Single wurde die Rangfolge der Songs in Großbritannien umgekehrt, in Elvis' Heimatland hieß die Anfang 1974 veröffentlichte Single I've Got A Thing About You Baby / Take Good Care Of Her.

Allerdings waren die Auswirkungen auch hier überschaubar. In den USA erreichte die Scheibe den 39. Platz, in England war es die Nummer 33.

Der Sänger wendet sich hier an den neuen Partner seiner Liebsten und bittet ihn, gut auf sie aufzupassen. Der Text ist arg pathetisch und auch musikalisch wird hier vom Orchester bis zum Chor alles aufgefahren, was der Bereich Schmalz & Kitsch hergibt.

Trotzdem gefällt mir Take Good Care Of Her  sehr gut, denn Elvis befindet sich hier nicht nur bei großartiger Stimme, sondern interpretiert den Song auch absolut glaubhaft. Nicht umsonst geht so mancher Fan auch heute noch davon aus, der King schütte dem Zuhörer hier sein Herz aus und wende sich direkt an Mike Stone, den damaligen Lebensgefährten von Priscilla.

Aufgenommen wurde der Song am 21. Juli 1973, Take 6 bildete die Grundlage des Masters. Am 28. September wurden Geigen und eine Gitarre hinzugefügt. Erstmals eingespielt wurde diese Komposition von Ed Warren und Arthur Kent übrigens von Adam Wade, der 1961 damit sogar einen Top10-Hit landen konnte.

 

If You Talk In Your Sleep

Eigentlich hatte es Elvis ja nicht so mit dem funkigen Sound der damaligen Zeit, hier aber klingt er sehr modern und scheint sich mit dieser Art von Musik auch absolut wohl zu fühlen. Elvis nahm den Song von Red West und Johnny Christopher am 11. Dezember 1973 auf und benötigte dafür neun Takes.

Die Nachbearbeitungen fanden am 2. Januar 1974 (Hintergrundgesang), 10. Januar 1974 (Streicher) und 15. Januar 1974 (Blechbläser) statt. Zudem wurde die Aufnahme um etwa eine halbe Minute gekürzt.

Auf der Konzertbühne kam der Song ebenfalls zum Einsatz, wenn auch nur während des Elvis Summer Festival 1974  in Las Vegas. Der Text handelt übrigens von der Angst, des Fremdgehens überführt zu werden, weil die besagte Dame im Schlaf spricht. Und so warnt der Sänger seine Liebste: Falls Du im Schlaf redest, erwähne nicht meinen Namen / Falls Du schlafwandelst, vergiss woher Du gekommen bist.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Singles der 1970er Jahre war Elvis mit diesem Exemplar in Großbritannien weniger erfolgreich als in seiner Heimat. Denn während er dort Mitte 1974 einen Top20-Hit (Platz 17) landen konnte, schaffte er es auf der britischen Insel nur bis zur Nummer 40.

 

My Boy

Im Sommer 1974 koppelte RCA in Europa und Asien aus dem Album Good Times  die Ballade My Boy  aus und verschaffte dem King damit einen Top5-Hit in den UK-Charts.

Auch im übrigen Veröffentlichungsgebiet waren die Absatzzahlen gut, so dass diese eigentlich nicht für den US-Markt vorgesehene Single Anfang 1975 schlussendlich doch noch in den USA auf den Markt gebracht wurde.

Hier war der King nicht ganz so erfolgreich, konnte mit My Boy  aber ebenfalls einen Top20-Hit verbuchen.

Das Original heißt Parce que je t'aime, mon enfant  und wurde von Claude Francois und Jean Pierre Bourtayre geschrieben. Der englische Text stammt von Bill Martin und Phil Coulter. Der Schauspieler Richard Harris konnte 1971 mit seiner Version einen Top50-Hit verbuchen,

Elvis entdeckte das Lied zwei Jahre später für sich und sang es im August und September in Las Vegas regelmäßig auf der Bühne. Am 13. Dezember 1973 nahm er es schließlich im Stax Studio in Memphis auf, der dritte Versuch wurde zum Master-Take.

Dieser wurde anschließend umgeschnitten und mit Streichern (10. Januar 1974) und Blechbläsern (15. Januar 1974) ergänzt. Die Erstveröffentlichung erfolgte schließlich im März auf dem Album Good Times.

Der Ich-Erzähler schüttet hier seinem schlafenden Sohn sein Herz aus. Er gibt zu, dass die Liebe zu seiner Frau längst erloschen ist und er nur bei ihr bleibt um ihn aufwachsen zu sehen. Elvis trägt den Text äußerst anrührend und absolut glaubwürdig vor.

Für mich stellt My Boy  neben Long Black Limousine  (von der 1969er LP From Elvis In Memphis) die beste Interpretation des Kings überhaupt dar.

 

Promised Land

Der Rocker stammt aus der Feder von Chuck Berry, der es damit 1964 auf den 41. Platz der Hot 100 brachte. Elvis' Version entstand am 15. Dezember 1973 innerhalb von sechs Takes. Der von Elvis am selben Tag eingesungene Harmonie-Gesang und die am 2. Januar 1974 hinzugefügte Orgel wurden später wieder entfernt, lediglich der Tamburin-Overdub vom 15. Januar blieb erhalten.

Im Vergleich zum Original wird das Lied hier schneller gespielt, zudem fehlt eine Strophe. Insgesamt halte ich die Fassung des Kings für deutlich besser. James Burton glänzt an der E-Gitarre, Per-Erik Hallin spielt ein funky klingendes Clavinet und auch Elvis selbst hat hörbar seinen Spaß an der Nummer.

Das mag auch an dem leicht ironischen Text gelegen haben, in dem der Ich-Erzähler seine abenteuerliche Reise von Virginia über Louisiana nach Kalifornien, dem gelobten Land, schildert.

In den USA erschien die 45er im September 1974 und wurde von Billboard auf Rang 14 notiert. In Großbritannien lag Elvis fünf Plätze besser und schaffte es bis zur Nummer 9.

 

T-R-O-U-B-L-E

Von dem Rocker T-R-O-U-B-L-E  hatte sich der King eigentlich einen Nachfolge-Hit zu Promised Land  erhofft. Der Plan ging allerdings nicht auf, denn die im April 1975 herausgebrachte Single schaffte es lediglich auf die Ränge 35 (USA) und 31 (UK).

Elvis mimt einen Bar-Pianisten, der von seinem Arbeitsplatz aus eine überdurchschnittlich aussehende Dame beobachtet und vermutet, dass es Ärger geben wird.

Musikalisch würde ich den Song als einen vom Klavier getriebenen, klassischen Rock'n'Roll beschreiben. Der King trägt den Song kraftvoll, aber ohne die für diesen Stil typische Aggressivität vor, die Band spielt knackig und auf den Punkt.

Geschrieben wurde T-R-O-U-B-L-E  von Jerry Chesnut, die Aufnahme erfolgte am 11. März 1975 im RCA Studio C in Hollywood, Kalifornien innerhalb von vier Takes.

 

Green Green Grass Of Home

Elvis nahm diesen Klassiker am 10. März 1975 innerhalb von fünf Takes auf. Auch hier erfolgten die Nachbearbeitungen am 8. (Ersatz des Bass-Parts), 9. (Hintergrundgesang) und 14. (Streicher) April.

Der Sänger berichtet von seinem Besuch der alten Heimat, dem freudigen Wiedersehen mit der Familie und seiner geliebten Mary sowie der Rückkehr zu den Schauplätzen seiner Kindheit. Erst in der dritten Strophe wird klar, dass es sich nur um einen Traum handelt. In Wirklichkeit sitzt der Mann in der Todeszelle und ist nur wenige Minuten von seiner Hinrichtung entfernt. Elvis singt herzergreifend emotional und beendet das Album mit einem echten Highlight.

Geschrieben wurde Green Green Grass Of Home  von Claude Putman Jr., erstmals aufgenommen wurde es von Johnny Darrell. 1966 landete Tom Jones mit dem Song einen Nummer 1 Hit in den UK-Charts und es war auch die Aufnahme von Jones, die Elvis erstmals auf Green Green Grass Of Home  aufmerksam werden ließ. Angeblich befand er sich gerade auf der Rückreise nach Memphis und rief zwischendurch immer wieder den Radiosender an, damit die DJs die Single noch einmal für ihn auflegten.

In den USA wurde im Spätsommer 1975 die Ballade Bringing It Back  aus dem Album Elvis Today  ausgekoppelt. Weil die Scheibe jedoch in den Billboard Charts auf Rang 65 stagnierte, verzichtete RCA in Großbritannien auf die Veröffentlichung und brachte stattdessen lieber den erprobten Hit Green Green Grass Of Home  auf den Markt.

Den Erfolg von Tom Jones konnte Elvis nicht wiederholen, aber immerhin schaffte er es mit seiner Fassung haarscharf in die Top30 (Nummer 29).

 

Hurt

Hier handelt es sich abermals um eine der wenigen Singles aus den 1970ern, mit denen Elvis in den USA erfolgreicher war als in England. Denn während Hurt  in seiner Heimat Anfang 1976 auf Rang 28 gelistet wurde, schaffte er es auf der britischen Insel nur bis zur Nummer 37.

Die Power-Ballade stammt aus der Feder von Jamie Crane und Al Jacobs und wurde von Elvis am 5. Februar 1976 im Jungle Room seiner Villa Graceland binnen 7 Takes aufgenommen. Später wurde noch Hintergrundgesang (16. Februar) und ein Schlagzeug (17. Februar) hinzugefügt. Schon 1954 landete Roy Hamilton mit diesem Song in den Top10 der amerikanischen R&B Chart, 1961 schaffte es Timi Yuro sogar bis in die Top5 der Hot 100. Insofern schnitt die Version des Kings vergleichsweise schlecht ab. 

Mir persönlich gefällt diese Herzschmerz-Nummer sehr. Die Liebste hat sich partnerschaftlich neu orientiert und der Sänger bringt sein Leid mit opernhaftem Geknödel wehklagend zum Ausdruck. Elvis legt sehr viel Gefühl in den Song und man nimmt ihm den Text jederzeit ab.

Eine Live-Aufnahme vom 21. Juni 1977 findet sich auf dem Doppel-Album Elvis In Concert.

 

Moody Blue

Im November 1976 veröffentlicht RCA die Single Moody Blue, die Anfang 1977 den 31. Platz der Billboard Charts erreicht. In Großbritannien ist der Erfolg ungleich größer, hier schafft es der King bis in die Top10 und kann sich mit seinem Song auf Rang 6 platzieren.

Der Sänger hadert mit einer äußerst wechselhaft agierenden Dame und tut dies in Form eines flotten Popsongs mit Disco-Elementen. Dieser damals moderne Stil ist völlig untypisch für Elvis, passt aber sehr gut zu ihm und ist für den Einsatz im Radio wie geschaffen.

Moody Blue stammt aus der Feder von Mark James und wurde von Elvis am 4. Februar 1976 in seiner Villa Graceland in Memphis, Tennessee innerhalb von 10 Takes aufgenommen.

Später fügte Felton Jarvis im Young 'Un Sound Studio noch Bass (15. Februar), Schlagzeug (17. Februar), Gitarren (24. Februar) sowie Geigen (24. März) hinzu und kürzte die Aufnahme um etwa anderthalb Minuten.

Die Originalversion stammt übrigens von Mark James selbst, der den Titel schon zwei Jahre vor Elvis auf einer Single herausbrachte.

 

Way Down

Die letzte zu Lebzeiten des Kings veröffentlichte Single kommt im Sommer 1977 auf den Markt und bringt Elvis in den USA einen weiteren Top20-Hit (Platz 18) ein.

Auf der britischen Insel erreicht die Nummer im Zuge von Elvis' Tod den ersten Platz, die CD-Auflage aus dem Jahr 2007 schafft es bis Rang 2.

Die Aufnahme entstand am 29. Oktober 1976 im Jungle Room von Elvis' Villa Graceland in Memphis, Tennessee. Der Master-Take trägt die Nummer 2C, was daraus resultiert, dass Produzent Felton Jarvis mehrere Takes als Take 2 ansagte, bzw. gar keine Angaben machte.

Am 22. Januar 1977 wurde die Aufnahme im Creative Workshop in Nashville, Tennessee nachbearbeitet.

Geschrieben wurde Way Down  von Layng Martine jr., der unter anderem auch für den Nummer-1-Hit Rub It In  (Billy Craddock, 1974) und den Grammy-nominierten Song The Greatest Man I Never Knew  (Reba McEntire, 1993) verantwortlich zeichnete.

Ich würde Way Down  als rockigen Popsong beschreiben, der außerordentlich gut zu Elvis passt. Leider können auch die exzellent spielenden Musiker nicht über den trägen Gesang des Meisters hinwegtäuschen, so dass die Aufnahme deutlich hinter dem Potenzial des Liedes zurückbleibt.

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