Harum Scarum

Als das Sammler-Label Follow That Dream Records die Classic Album-Serie beginnt, gehört Harum Scarum  zu den ersten LPs, die in diesem Rahmen neu aufgelegt werden.

Der Grund ist allerdings nicht der Inhalt der Schallplatte, sondern vielmehr die Tatsache, dass RCA und deren Rechtsnachfolger den Tonträger in den Wiederveröffentlichungsprogrammen vernachlässigt hatten und die Aufnahmen für die Fans nur schwer zu bekommen waren.

Wie in der neuen Serie üblich, so befindet sich die CD auch hier in einem Digipak im 7"-Format. Als Beilage gibt es ein Booklet mit Hintergrundinformationen und Bildern.

Produziert wurde die Scheibe von Ernst Jorgensen und Roger Semon, für das Mastering zeichnet Lene Reidel verantwortlich.

Zum damaligen Zeitpunkt stellte das Classic Album die am besten klingende Fassung der Original-Mixe dar. Später konnte mit den Veröffentlichungen der Boxen The Complete Elvis Presley Masters  (2010) und The RCA Album Collection  (2016) der Klang nochmals verbessert werden.

Weil die Original-Mixe nicht sonderlich gut klingen, hinterlassen die im Jahr 2003 neu abgemischten Outtakes auf diesem Classic Album einen deutlich besseren Eindruck als die Masters.

Das kann man sicherlich kritisieren, jedoch möchte Ernst Jorgensen die Masters so wiedergeben, wie sie seinerzeit veröffentlicht wurden. Daher wurden diese Tracks nur gemastert, also von Störgeräuschen befreit, und nicht neu gemixt.

 

Original Album

Harem Holiday

Das Album beginnt mit einer Komposition von Jimmie Crane, Vini Poncia Jr. und Peter Andreoli.

Die Musik dazu wurde am 26. Februar 1965 eingespielt, Elvis' Gesang folgte am 9. März. Den Master stellte man schließlich aus den Takes 2 (Rhythm Track) und 6 und 7 (Vocal Track) zusammen.

Der Sänger preist hier die Schönheiten des Orients und ist davon überzeugt, dass sogar Romeo wohl kaum mit Julia zusammengeblieben wäre, wenn er sich auch so eine Reise gegönnt hätte.

Das Lied ist kein Hit, bildet aber einen soliden Einstieg in die LP.

 

My Desert Serenade

Das Liebeslied stammt aus der Feder von Stanley Jay Gelber, aufgenommen wurde es am 25. Februar 1965 innerhalb von 12 Takes.

Insgesamt ist Elvis' Gesang in Ordnung, wenn auch ein wenig mehr Gefühl in der Stimme nicht geschadet hätte.

 

Go East Young Man

Einmal mehr werden die Vorzüge des Nahen Ostens gepriesen. Der Song ist nett gemacht und angenehm zu hören, geschrieben wurde er von Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye.

Elvis' Gesang wurde am 9. März 1965 aufgenommen (für den Master verwendete man Teile der Takes 7 und 8), die Musik entstand bereits am 26. Februar (hier kam Take 3 zum Einsatz).

 

Mirage

Auch diese romantische Ballade stammt vom Team Giant/Baum/Kaye und auch sie wurde am 26. Februar und 9. März 1965 aufgenommen. Erneut schaffte es Elvis nicht, einen durchgehend zufriedenstellenden Take einzuspielen, so dass man die Versuche 3 und 4 zusammenschneiden musste. Beim Rhythm Track entschied man sich für Take 5.

Auch dieses Lied ist kein Hit, für einen Filmschlager aber durchaus in Ordnung.

 

Kismet

Der Sänger ist verliebt und hält die Begegnung mit seiner Holden für gottgewolltes Schicksal.

Elvis nahm den Song von Sid Tepper und Roy C. Bennett am 25. Februar 1965 innerhalb von 5 Takes auf. Die Melodie ist gefällig und auch Elvis' Gesang kann sich hören lassen.

 

Shake That Tambourine

Die erste Seite der LP endet mit einer weiteren Nummer aus dem Hause Giant/Baum/Kaye. Offensichtlich tat sich Elvis schwer mit dem Song, denn obwohl er 38 Takes davon einspielte, musste der Master aus den Durchgängen 24 und 38 zusammengestellt werden.

Vermutlich aufgrund des großen Zeitaufwandes blieb Shake That Tambourine  dann auch der einzige Song, den der King am 24. Februar 1965 aufnahm.

Im Zusammenhang mit dem Film ist das Lied in Ordnung.

 

Hey Little Girl

Es folgt eine weiterer schneller Song, der allerdings sehr monoton rüberkommt. Geschrieben wurde er von Joy Byers, die Aufnahme entstand am 25. Februar 1965 innerhalb von fünf Takes.

 

Golden Coins

Mit dieser Ballade bekommen wir nun bereits den vierten Titel dieses Albums zu hören, der von Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye verfasst wurde.

Elvis nahm ihn am 26. Februar 1965 auf, der Master stellt eine Kombination aus den Versuchen 11 und 16 dar.

Das Lied passt zum orientalischen Thema und ist nett anzuhören.

 

So Close, Yet So Far (From Paradise)

Hier endet der eigentliche Soundtrack. Der Sänger verzehrt sich nach seiner Liebsten, im Film tut Johnny (Elvis) dies in einer Gefängniszelle.

Ohne Frage handelt es sich hier um das beste Lied der LP und vermutlich wäre es sogar noch ein bisschen besser geworden, wenn Elvis ein wenig mehr Gefühl in seine Stimme gelegt hätte.

Geschrieben wurde So Close, Yet So Far (From Paradise)  von Joy Byers und Bob Johnston, die Aufnahme erfolgte am 25. Februar 1965. Für den Master nutzte man die Takes 3 und 4.

 

Animal Instinct (Bonus Song)

Zwar handelt es sich hier um einen Bonus Song, Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye schrieben ihn allerdings ebenso für den Film, wie auch das folgende Wisdom Of The Ages.

Schlussendlich war es eine Entscheidung von MGM, die beiden Lieder nicht in dem Streifen zu zeigen.

Elvis nahm Animal Instinct  am 26. Februar 1965 auf und benötigte dafür sechs Takes.

Der Sänger möchte eine Dame erobern und vergleicht sich und sein Verhalten mit der Tierwelt. Tja, Elvis war schon ein toller Hecht....

 

Wisdom Of The Ages (Bonus Song)

Das Lied stammt vom selben Autoren-Team und wurde ebenfalls erst nachträglich von MGM ausgesondert.

Fünf Takes benötigte Elvis am 25. Februar 1965, um diese gar nicht mal so ungefällige Nummer einzuspielen.

 

 

Outtakes

My Desert Serenade (Take 7)

Beim siebten Take ist man dem Master schon recht nahe.

Am Ende singt Elvis als Gag My desert horse, the one I rode in on.

 

Hey Little Girl (Takes 1 & 2)

Der erste Take ist lediglich ein kurzer Fehlstart.

Beim zweiten Anlauf kommt Elvis durch, allerdings interpretiert er das Lied noch anders als beim bekannten Master. Am Ende muss er (über das Lied?) lachen.

 

Shake That Tambourine (Takes 7 & 8)

Abermals besteht der erste, hier präsentierte Take nur aus einem kurzen Fehlstart.

Beim achten Take verliert Elvis zwischenzeitlich den Faden, fragt singend What tamourine?  und verheddert sich anschließend vollständig im Text.

 

Golden Coins (Takes 3 & 4)

Nach einem kurzen Fehlstart (Take 3) finden Elvis und seine Jungs in den Song hinein.

Der Take Nummer 4 ist sparsamer arrangiert als der Master und klingt, zumindest nach meinem Empfinden, in dieser Form deutlich besser.

 

Kismet (Takes 1 & 2)

Der erste Anlauf scheitert nach wenigen Sekunden, Take 2 läuft dann allerdings durch und klingt schon mehr als passabel. Hier und dort betont Elvis noch etwas anders als bei der bekannten Fassung.

 

Animal Instinct (Takes 1, 3 & 4)

Elvis singt etwas höher als beim Master und hat auch die Betonung noch nicht drauf. Nach anderthalb Minuten bricht er die Aufnahme ab.

Take 3 funktioniert schon besser, wird aber ebenfalls nach etwa einer Minute abgebrochen.

Der vierte Versuch wird vollständig durchgespielt, zudem weiß der King nun auch, wie er den Text betonen soll.

 

So Close, Yet So Far (From Paradise) (Take 1)

There's a couple of places I can't find it...but I'm looking.  sagt Elvis, außerdem kann man ihn gähnen hören.

Beim ersten Versuch hat es der Meister ein bisschen zu eilig. Er nimmt sich für die einzelnen Zeilen zu wenig Zeit und zieht am Tempo.

 

Shake That Tambourine (Takes 10 & 16)

Take 10 bricht Elvis laut lachend ab, weil er statt tiny feet  versehentlich teeny feet  gesungen hat.

Der sechzehnte Durchlauf funktioniert dann wieder einwandfrei.

 

Hey Little Girl (Take 3)

Pick it up, just a little bit.  weist Elvis seine Musiker an.

Dann stürzt er sich in einen durchaus engagiert klingenden, dritten Take. Hier und dort betont er noch etwas anders als beim Master.

 

My Desert Serenade (Takes 2 & 3)

Bevor es losgeht, singt Elvis kurz die Bobby Darin-Nummer More  an.

Take 2 ist nur ein kurzer Fehlstart, Versuch Nummer 3 läuft dann wieder durch. An einigen Stellen klingt der King etwas unsicher und auch an seiner Betonung muss er noch arbeiten.

 

Golden Coins (Takes 7 & 8)

Der siebte Take besteht nur aus dem Intro.

Beim nächsten Versuch gelingt der Einstieg und der Take geht durch. Allerdings kämpft Elvis noch ein wenig mit dem Timing und der Phrasierung.

 

Harem Holiday (Takes 1 & 2)

Beim ersten Anlauf verpasst Elvis seinen Einsatz, es wird aber trotzdem weitergemacht. Erst als er dann auch noch vom Text abkommt, bricht man das Unterfangen ab.

Take 2 scheitert ebenfalls am Einstieg des Kings, aber auch jetzt spielt man weiter. Elvis klingt etwas zurückhaltend, was beim ersten Durchlauf allerdings auch kein Wunder ist.

 

Wisdom Of The Ages (Take 3)

Maybe a little faster.  schlägt Elvis vor und tatsächlich wird das Lied hier schneller gespielt als der später veröffentlichte Master.

Vermutlich wollte der King die Ballade schlussendlich doch etwas langsamer vortragen. Grundsätzlich hat er den Song hier schon voll im Griff.

 

Shake That Tambourine (Takes 18-21)

Zweimal misslingt den Musikern das Intro, dann verpasst Elvis seinen Einsatz.

Take 21 wird vollständig durchgespielt. Er ist noch nicht perfekt, aber der King und seine Mannen sind auf dem richtigen Weg. Am Schluss sagt Elvis One more time!

 

Fazit & Bewertung

Auch dieses Classic Album gibt einen schönen Einblick in den Produktionsprozess der bekannten Aufnahmen.