Girls! Girls! Girls!

Fünfundvierzig Jahre nach der Veröffentlichung der RCA-LP Girls! Girls! Girls!  bringt Follow That Dream Records eine Classic Album-Ausgabe des Soundtracks auf den Markt.

Weil sich die Zahl der verfügbaren Outtakes in Grenzen hält, belässt es das Label bei einer Einzel-CD. Ansonsten entspricht die Veröffentlichung aber dem üblichen Format.

Der Tonträger ist in einem 7"-Digipak untergebracht, dem auch ein Booklet beiliegt. Hier kann man Hintergrundinformationen nachlesen und Fotos bzw. Abbildungen von Werbematerialien, Schallplatten oder auch internen Dokumenten anschauen.

Produziert wurde das Album von Ernst Jorgensen und Roger Semon, für das Mastering der Aufnahmen zeichnen Vic Anesini und Sebastian Jeansson verantwortlich.

Die gesammelten Arbeiten dieses Teams wurden 2010 auf der Box The Complete Elvis Presley Masters  zusammengefasst.

Es darf also schon einmal vorweggenommen werden, dass die Aufnahmen hier exzellent klingen und den vorherigen Veröffentlichungen deutlich überlegen sind.

 

Original-Album

Girls! Girls! Girls!

Die LP beginnt mit dem Titelsong des Films. Geschrieben wurde er von Jerry Leiber und Mike Stoller, die Aufnahme erfolgte am 27. März 1962 binnen drei Takes.

Der Sänger ist hier von derartig vielen Mädchen umgeben, dass er kaum noch an sich halten kann und nicht einmal mehr zum Essen kommt. Prinzipiell ist der Text recht witzig, wenn auch Zeilen wie ...and when I pick up a sandwich to munch, a chrunchy chrunchety a chrunchety chrunch  nicht gerade preisverdächtig wirken.

Das Original spielten übrigens The Coasters im Jahre 1961 ein, kamen damit in der Hot 100 allerdings nicht über den 96. Platz hinaus. Nach meinem Empfinden klingt Elvis' Version eindeutig gefälliger als die ursprüngliche Fassung und gehört unter den Movie Tunes sicherlich zu den hörenswerten Exemplaren.

 

I Don't Wanna Be Tied

Angeblich soll I Don't Wanna Be Tied  von Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye schon für den Film Kid Galahad  geschrieben, von Elvis seinerzeit aber abgelehnt worden sein.

In dem flotten Popsong gibt der Sänger zu Protokoll, seine Freiheit zu lieben und sich nicht langfristig binden zu wollen. Wie der vorangegangene Titelsong des Films, so ist auch I Don't Wanna Be Tied  kein wirklicher Hit, aber dennoch nett anzuhören.

Aufgenommen wurde das Lied am 28. März 1962 innerhalb von zehn Takes. Der achte Versuch wurde zum Master.

 

Where Do You Come From

Die Ballade stammt von Ruth Batchelor und Bob Roberts und wurde von Elvis am 27. März 1962 aufgenommen. Vierzehn Takes benötigte der King, ehe er das romantische Lied zu seiner Zufriedenheit auf dem Band hatte.

Die Liebste erscheint dem Interpreten als so überwältigend und großartig, dass er sich ein solches Wesen nur als überirdische Existenz erklären kann. Trotz des kitschigen Textes gefällt mir diese ruhige, von Klavier und Gesang getragene Ballade sehr gut.

Bei RCA Victor dachte man wohl ähnlich und veröffentlichte das Lied bereits vorab auf der Single Return To Sender. Obwohl der Titel im Film selbst nicht vorkommt, verzichtete man auf dem LP-Cover auf eine Kennzeichnung als Bonus-Song.

 

I Don't Want To

Auch I Don't Want To  war im fertigen Film nicht zu sehen, tauchte aber für etwa 18 Sekunden im Kino-Trailer auf. In der Ballade möchte sich der Sänger eigentlich nicht binden und lieber seine Freiheit genießen, schlussendlich kommt er aber nicht umhin, sich seine Gefühle einzugestehen.

Die Komposition stammt von Janice Torre und Fred Spielman (eigentlich: Fritz Spielmann), die Aufnahme entstand am 26. März 1962 innerhalb von drei Takes.

 

We'll Be Together

Das Lied basiert auf einem mexikanischen Traditional und wurde als Tulips And Heather  bereits 1952 für Perry Como zum Hit. Die hier zu hörende Fassung stammt von Charles O' Curran und Dudley Brooks und wurde von Elvis am 23. Mai 1962 aufgenommen.

Dieser nachträgliche Termin wurde angesetzt, da We'll Be Together  ursprünglich nicht für den Film vorgesehen war und erst in letzter Minute hinzugenommen wurde.

Ich mag den Song sehr, er zählt für mich zu den schönsten Movie Tunes des Kings. Insgesamt benötigte Elvis für die Aufnahme elf Takes. Als kleine Besonderheit singt der Meister hier übrigens auch ein paar Zeilen in spanischer Sprache.

1972 war We'll Be Together  auch auf der CAMDEN-LP Burning Love And Hits From His Movies  zu hören.

 

A Boy Like Me, A Girl Like You

Die Ballade ist ein typischer Filmschlager aus der Werkstatt von Sid Tepper und Roy C. Bennett. Elvis spielte den Titel am 27. März 1962 innerhalb von fünf Takes ein.

Auf den inzwischen veröffentlichten Studiobändern kann man ihn sagen hören We can't spend too much time on this. Da muss ich ihm recht geben.

 

Earth Boy

Auch Earth Boy  ist eine Ballade, der Song stammt ebenfalls von Tepper/Bennett und einmal mehr handelt es sich um einen typischen Filmschlager.

Da Ross (Elvis) das Lied zusammen mit den chinesischen Zwillingen Ginny und Elisabeth Tiu singt, bauten die Komponisten szenenkonform auch ein paar asiatische Klänge ein - in der Filmversion singt Elvis sogar ein paar Zeilen auf Chinesisch.

Die hier zu hörende Fassung entstand am 28. März 1962 innerhalb von 9 Takes. Danach spielte Elvis vier weitere Durchgänge für die Film-Version ein, die aus den Takes 2 und 4 sowie nachträglichen Overdubs zusammengesetzt wurde.

 

Return To Sender

Nachdem die erste Seite der LP mit zwei vergleichsweise schwachen Liedern endete, beginnt die B-Seite gleich mit einem Hit. Return To Sender  verkaufte sich schon als Single millionenfach und gehört zweifellos zu den besten Movie Tunes des Kings.

Der Sänger entschuldigt sich hier nach einem Streit zweimal schriftlich bei seiner Freundin, erhält den Brief aber jedesmal ungeöffnet wieder zurück. Danach will er die Sache selbst in die Hand nehmen und der Lady das Schriftstück persönlich überreichen - sollte er es jetzt wieder zurückbekommen, weiß er, woran er ist.

Geschrieben wurde der Song von Otis Blackwell und Winfield Scott, die Aufnahme erfolgte am 27. März 1962 in nur zwei Takes.

 

Because Of Love

Because Of Love  ist heute fast vergessen, gehört aber ebenfalls zu Elvis' besten Film-Liedern. Es stammt aus der Feder von Ruth Batchelor und Bob Roberts und wurde am 27. März 1962 aufgenommen. Elvis benötigte sechs Takes, um diesen großartigen Popsong einzuspielen.

Von Liebe beflügelt kann der Sänger über Berge springen und Meere überqueren, nichts scheint ihm mehr unmöglich. Die Melodie ist eingängig und Elvis' Gesang einfach großartig.

 

Thanks To The Rolling Sea

Auch Thanks To The Rolling Sea  wurde vom Team Batchelor/Robers geschrieben, unterscheidet sich aber deutlich von den übrigen Liedern dieses Soundtracks. Es klingt fast wie ein Arbeiterlied und passt damit auch hervorragend zur entsprechenden Film-Szene, in der Ross (Elvis) und seine Crew vom Fischfang heimkehren.

Die Aufnahme stammt vom 26. März 1962, insgesamt spielte Elvis 10 Takes ein. Der fünfte Versuch wurde zum Master für diese LP erklärt, für den Film nutzte man den a-capella gesungenen Take 10.

 

Song Of The Shrimp

Eine kleine Garnele ließt in einer Zeitung die Anzeige für eine Gratis-Reise nach New Orleans inklusive Aufenthalt im Grand Hotel und springt erwartungsfroh ins Netz der Fischer. Obwohl sich der Text arg nach einem Kinderlied anhört, kann ich diesem Calypso aus der Feder von Sid Tepper und Roy C. Bennett durchaus etwas abgewinnen.

Sechs Takes benötigte der King am 27. März 1962, um den Song Of The Shrimp  einzuspielen.

 

The Walls Have Ears

Diese Nummer stammt ebenfalls von Tepper/Bennett und wurde von Elvis am 27. März 1962 aufgenommen. Allerdings schien dieser Tango dem King etwas schwerer zu fallen, denn er nahm zwölf Anläufe, ehe er den Song zu seiner Zufriedenheit eingesungen hatte.

Im Film möchte Ross (Elvis) seine Liebste beruhigen und schlägt vor, sich ihm doch lieber hinzugeben, anstatt herumzustreiten.

 

We're Coming In Loaded

Hier handelt es sich nicht etwa um den Eröffnungssong eines Elvis-Konzertes aus den 1970ern, sondern um ein weiteres Fischer-Lied. Geschrieben wurde es von Otis Blackwell und Winfield Scott, die Aufnahme erfolgte am 26. März 1962 innerhalb von sechs Takes.

 

Bonus Songs

Mama

Die einminütige Ballade wurde von Charles O' Curran und Dudly Brooks geschrieben und von Elvis am 28. März 1962 innerhalb von 10 Takes eingespielt.

Im Jahr 1970 erschien ein aus der Presley-Version und einer zweiten, von den Amigos gesungene, Fassung zusammengeschnittener Take auf der Budget-LP Let's Be Friends.

Das Original bekamen die Fans erst in den 1990ern auf der CD Double Features: Kid Galahad & Girls! Girls! Girls!  zu hören.

 

Plantation Rock

Der Plantation Rock  kam in den 1980ern auf der LP A Legendary Performer - Volume 4  auf den Markt.

Aufgenommen wurde er am 28. März 1962, die Autoren sind Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye.

 

Dainty Little Moonbeams / Girls! Girls! Girls! (End Title)

Auch die Musik für den Abspann wurde am 28. März 1962 produziert.

Elvis singt kurz Dainty Little Moonbeams  an, dann folgt eine "hawaiianische" Fassung des Titelsongs.

Diese Tracks fanden sich ebenfalls auf der CD Double Features: Kid Galahad & Girls! Girls! Girls!

 

 

Outtakes

A Boy Like Me, A Girl Like You (Takes 1 & 2)

Elvis befürchtet, dass er mit der Zeile ...and this ordinary world becomes a wonderland  Probleme bekommen könnte und übt den Part im Vorfeld mit der Band.

Beim ersten Take gelingt ihm dieser Teil perfekt, allerdings machen die Musiker nach guten anderthalb Minuten einen Fehler und man muss noch einmal von vorn ansetzen.

Der King scheint insgesamt nicht viel von der Ballade zu halten, denn er kommentiert We can't spent too much time on this.

Take 2 geht dann sauber durch.

 

Mama (Takes 1-4)

Der erste Take besteht nur aus dem Anschlag des Klaviers und den Worten An angel, wobei Elvis das zweite davon nicht einmal zu Ende bringt.

Take 2 läuft durch, aber irgendwas hat die Aufnahme gestört.

Der dritte Anlauf ist ebenfalls komplett und klingt schon ganz ordentlich.

Beim vierten Take produziert Elvis' Jacke kurz vor dem Ende ein Knistern. Damit ist auch diese Fassung für eine Veröffentlichung unbrauchbar.

 

Thanks To The Rolling Sea (Take 3)

Take 3 klingt von Elvis' Seite noch etwas zurückhaltender als der Master.

 

Where Do You Come From (Take 13)

Diese Version ist der veröffentlichten Fassung extrem ähnlich, Elvis muss hier lediglich an ein, zwei eher ungünstigen Stellen Luft holen.

Zehn Jahre später würde ihm eine solche Kleinigkeit kaum als Begründung für einen weiteren Take ausreichen, da störte ihn noch nicht mal mehr ein herzhaftes Schnäuzen während der Aufnahme.

 

Earth Boy (Movie Version - Takes 2 & 4)

Nach zwei Minuten verpatzt Elvis seinen Part und die Aufnahme wird abgebrochen.

Beim vierten Take nimmt man nur noch das Ende auf, der Master sollte schließlich aus zwei Versuchen zusammengeschnitten werden.

 

We'll Be Together (Takes 8 & 10)

Obwohl es bereits der achte Durchlauf ist, hat Elvis noch merkliche Probleme mit dem Timing. Als sich dann auch noch der Perkussion-Spieler einen Fehler mit den Klanghölzern erlaubt, wird das Unterfangen beendet.

Take 10 ist vom Master gar nicht mehr weit entfernt. Elvis kommentiert danach passend Almost!

 

Mama (Takes 5-8)

Elvis singt An angel sent from above is..., dann redet jemand aus der Tonregie dazwischen. Der King kommentiert dies mit einem Rülpser.

Take 6 läuft von A bis Z durch, ebenso wie die folgenden beiden Durchgänge.

 

I Don't Wanna Be Tied (Movie Version - Takes 10 & 8)

Hier hat Ernst Jorgensen die Reihenfolge der Takes vertauscht, um dem Zuhörer zuerst einen Fehlstart und dann eine vollständige Performance präsentieren zu können.

Take 10 bricht Elvis nach wenigen gesungenen Worten mit einem entschiedenen Hold it!  ab.

Zwei Anläufe zuvor wurde die Nummer komplett durchgespielt, allerdings unterlief dem Pianisten hier ein Fehler, denn er spielte in das Elvis Ending (das heißt in der Fachsprache wirklich so!) hinein.

 

A Boy Like Me, A Girl Like You (Takes 3 & 4)

Nach der Ansage aus der Tonregie produziert die Technik einen spacigen Sound. Danach misslingt der Einstieg, was Elvis mit They where just trying the intro  kommentiert.

Auch beim vierten Take bereitet die Einleitung Probleme. Als das Intro schließlich geschafft wurde, läuft die Nummer komplett durch.

 

Thanks To The Rolling Sea (Take 10)

Hier hört man nur Elvis, den Chor und eine Akustik-Gitarre. Mir gefällt diese Fassung sehr gut.

 

Plantation Rock (Take 17 & Insert Take)

Während der Aufnahme ist ein Geräusch zu hören, woraufhin Elvis ein Lachen unterdrücken muss. Daraufhin wird der Take abgebrochen.

Jetzt nimmt der King nicht mehr den kompletten Song auf, sondern nur noch das Ende. Am Schluss kaspert er noch ein wenig herum.

 

Mama (Take 9)

Der neunte Take geht durch.

 

Mama (The Amigos)

Jetzt spielen und singen The Amigos die Ballade. Ich kann allerdings weder dem schlechten Englisch, noch den gesanglichen Qualitäten der Jungs etwas abgewinnen.

 

Mama (Insturmental)

Nun hören wir auch noch eine Instrumental-Version von Mama.

 

Mama (LP Master)

Für das im Jahr 1970 veröffentlichte Budget-Album Let's Be Friends  schnitt man einen Master aus dem zehnten Take der Presley-Aufnahme und der Solo-Fassung der Amigos zusammen.

 

Fazit & Bewertung

Trotz des eingeschränkten Repertoires präsentiert FTD auch den Soundtrack zum Film Girls! Girls! Girls!  in einer gelungenen Classic Album-Auflage.