Girl Happy

Der Soundtrack zum Film Girl Happy  gehörte im Jahr 2003 zu den ersten LPs, die Follow That Dream Records im Rahmen der Classic Album-Reihe neu auflegte.

Die CD steckt in einem 7" Digipak, dem auch ein Booklet mit Hintergrundinformationen und Fotos beiliegt.

Produziert wurde die Scheibe von Ernst Jorgensen und Roger Semon, das Mastering übernahm Lene Reidel.

Anno 2009 brachte FTD eine Neuauflage des Classic Albums auf den Markt, weil man in den Archiven besser klingende Aufnahmen gefunden hatte. Diese wurden von Vic Anesini gemastert und auch für die Box The Complete Elvis Presley Masters  (2010) genutzt.

In diesem Zusammenhang wurde auch der Bonus Song You'll Be Gone  durch den Master-Take 3 ersetzt. Bei der Erstauflage hatte man den vierten Durchlauf (aufgrund des Gitarrenspiels auch Latino Version  genannt) genutzt.

Seinerzeit stellte das Classic Album die klanglich beste Ausgabe des Girl Happy-Soundtracks dar, die Neuauflage brachte nochmals eine Steigerung mit sich. Es sei allerdings angemerkt, dass keine der beiden Versionen mit der Fassung aus der Sammler-Box The RCA Album Collection  aus dem Jahr 2016 mithalten kann. 

Beiden Classic Album-Ausgaben ist gemein, dass die Outtakes lebendiger klingen als die Masters. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass Ernst Jorgensen den Original-Mix beibehalten wollte - und der klingt nun einmal nicht gut.

Bei den Outtakes mussten die Tonspuren vor der Veröffentlichung zwangsweise ins rechte Verhältnis gesetzt werden. Somit fand im Jahr 2003 sowohl ein Mastering (also das Entfernen von Störgeräuschen), als auch ein Mixing (das Ausbalancieren der Tonspuren & Bildung eines Stereo-Panoramas) statt.

 

Girl Happy (Original Album)

Das Album beginnt mit dem Titelsong des Spielfilms. Geschrieben wurde er von Doc Pomus und Norman Meadse, die Aufnahme erfolgte am 10. Juni 1964.

Zunächst spielte Elvis 13 Takes von Girl Happy  ein, danach folgten fünf Insert-Takes mit dem Ende des Liedes. Den Master Take kombinierte man aus dem 13. Durchlauf und Insert-Take 4.

Der Sänger beschreibt hier sein recht enges Verhältnis zur Damenwelt und gibt an, dass ihn seinerzeit schon die Krankenschwester der Säuglingsstation in einen Freudentaumel versetzte.

An sich wäre gegen diesen flotten Popsong nichts einzuwenden, wenn man bei RCA nicht auf die Idee gekommen wäre, der offenbar als zu langsam empfundenen Aufnahme durch ein um etwa 8% höheres Abspieltempo kostengünstig mehr Drive zu verleihen.

Dass der nun wie ein Mitglied der Chipmunks klingende Sänger einen solchen Mumpitz dann aber auch noch zur Veröffentlichung durchwinkte, kann nur als absolutes Desinteresse gewertet werden.

 

Spring Fever (Original Album)

Die Sonne lacht und Rusty (Elvis) erwischt im Film das Spring Fever.

Das Lied stammt vom nimmermüden Team Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye, aufgenommen wurde es am 11. Juni 1964 innerhalb von 24 Takes.

Ein netter Filmschlager, den man allerdings auch schnell wieder vergisst.

 

Fort Laudadale Chamber Of Commerce (Original Album)

Am selben Tag spielten die Musiker auch den Rhythm Track von Fort Lauderdale Chamber Of Commerce  ein, zu dem Elvis dann vier Tage später sang. Die Band erledigte ihren Job binnen 7 Takes, der King benötigte nur zwei Versuche.

In dieser leicht südamerikanisch angehauchten Ballade von Sid Tepper und Roy C. Bennett verkündet der Sänger die angeblichen Vorschriften der Handelskammer von Fort Lauderdale. Demnach ist das Verführen von Mädchen erste Bürgerpflicht, die notfalls unter Haftandrohung durchgesetzt wird.

Mir gefällt dieses witzige Liedchen sehr gut, ohne Frage zählt es zu den wenigen Highlights der LP.

 

Startin' Tonight (Original Album)

Von diesem Song kann ich das leider nicht behaupten. Elvis' Gesang klingt merkwürdig gepresst und auch das Lied selbst ist bestenfalls tolerabel.

Für die Komposition zeichnen Leonore Rosenblatt und Victor Millrose verantwortlich, Rosenblatt bezeichnete den Song später in einem Interview als crap  (Müll).

Die Musiker hatten den Rhythm Track am 12. Juni 1964 nach drei Durchgängen im Kasten, Elvis benötigte zwei Tage später einen Take mehr.

 

Wolf Call (Original Album)

Die Melodie mag noch in Ordnung sein, der Text lässt diese verführerisch gemeinte Nummer allerdings zur Peinlichkeit verkommen. Gute Arbeit haben Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye hier also nicht geleistet.

Am 12. Juni 1964 wurden zunächst acht Takes des Rhythm Tracks aufgenommen, danach folgten zwei Insert-Takes mit dem Intro. Das Playback stellte man schließlich aus Take 8 und Insert-Take 2 zusammen. Am 15. Juni sang Elvis zu dieser Aufnahme, Take 5 wurde zur Veröffentlichung freigegeben.

 

Do Not Disturb (Original Album)

Die erste Seite der LP endet mit einer Ballade, ebenfalls geschrieben von Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye.

Elvis tat sich mit diesem Lied äußerst schwer und benötigte am 11. Juni 1964 sagenhafte 36 Versuche.

Ich würde Do Not Disturb  als typische Filmballade dieser Zeit ansehen - nett gemacht, aber wenig einprägsam.

 

Cross My Heart And Hope To Die (Original Album)

Einmal mehr soll eine junge Dame verführt werden. Die Aufnahme entstand am 11. Juni 1964. Nach elf Versuchen wurde aus den Takes 9 und 11 ein Master-Take erstellt, zu dem am selben Tag noch ein Klavier hinzugefügt wurde.

Insgesamt ist die Nummer aus der Feder von Sid Wayne und Ben Weisman in Ordnung.

 

The Meanest Girl In Town (Original Album)

Vermutlich hätte die Nummer ein Rock'n'Roll werden sollen, schlussendlich handelt es sich aber nur um einen etwas hecktisch geratenen Popsong.

Elvis spielte ihn am 10. Juni 1964 innerhalb von 13 Takes ein, sechs Tage später folgte ihm Bill Haley, der das Lied unter dem Titel Yeah! She's Evil  herausbrachte.

Vermutlich hielt niemand bei Gladys Music diese Joy Byers-Komposition für einen Hit, so dass man sie für ein paar Dollar der Konkurrenz überließ.

 

Do The Clam (Original Album)

Bereits im Februar war Do The Clam  von RCA Victor auf einer Single herausgebracht worden, doch mit einem 21. Platz in den Hot 100 und weltweiten Verkäufen von gerade mal einer Million Kopien konnte man wohl kaum von einem Hit sprechen.

Die Zeit der Modetänze war längst vorbei und auch die schlampige Produktion (während des Instrumentalteils fällt für längere Zeit der rechte Stereo-Kanal aus!) dürfte die Erfolgsaussichten nicht gerade verbessert haben.

Der Rhythm Track entstand am 12. Juni 1964 innerhalb von fünf Takes, Elvis' Gesang wurde am 15. Juni binnen zwei Durchgängen aufgenommen.

Komponiert wurde Do The Clam  von Sid Wayne, Ben Weisman und Dolores Fuller.

 

Puppet On A String (Original Album)

Auch Puppet On A String  sollte später auf einer Single zu finden sein, allerdings eher als Verlegenheitslösung aufgrund der mangelnden Hit-Qualitäten der Harum Scarum-LP. Im Winter 1965 koppelte RCA Victor die Ballade mit Wooden Heart  (aus dem Film G.I. Blues) und verschaffte dem King damit einen weiteren Million-Seller.

Ich würde die Nummer aus der Feder von Sid Tepper und Roy C. Bennett als das Highlight des Soundtracks ansehen und vermutlich ist Puppet On A String  auch der einzige Song, der auf einem regulären Presley-Album eine Chance gehabt hätte.

Aufgenommen wurde er am 10. Juni 1964 innerhalb von 11 Takes.

 

I've Got To Find My Baby (Original Album)

Der Reigen der Filmschlager endet mit dieser flotten Komposition von Joy Byers.

Für den Rhythm Track benötigten die Musiker am 11. Juni 1964 lediglich zwei Versuche, Elvis kam vier Tage später sogar mit einem einzigen Durchgang aus.

Größere Anstrengungen hielte ich bei einem Lied wie diesem allerdings auch für übertrieben.

 

You'll Be Gone (Bonus Song -Original Album)

Die Fans kannten die Nummer bereits von der B-Seite der Single Do The Clam.

Die Aufnahme stammt vom 18. März 1962, Elvis spielte das Lied im RCA Studio B in Nashville, Tennessee binnen 4 Takes ein, der dritte Durchlauf wurde zum Master.

Bei der Erstauflage des Classic Albums war an dieser Stelle Take 4 zu hören, der aufgrund des etwas südländischer klingenden Gitarrenspiels auch als Latino Version  bekannt ist. Die Ausgabe aus dem Jahr 2009 enthält den Master-Take 3.

Geschrieben wurde die Ballade von Red West, der dabei von Charlie Hodge und Elvis selbst unterstützt wurde. Auf dieser LP gehört You'll Be Gone  ohne Frage zu den Highlights.

 

Puppet On A String (Takes 5-7)

Nach der Zeile Every time you look at me  bricht Elvis lachend ab und kommentiert He's looking at me with a sheepish grin.

Beim sechsten Take kommt der Meister nicht viel weiter, weil er sich versungen hat. Man kann ihm den Ärger deutlich anhören.

Take 7 läuft dann aber vollständig durch und ist dem Master schon sehr nahe. Insgesamt fällt auf, dass der Song etwas langsamer und relaxter klingt als die später veröffentlichte Fassung.

 

The Meanest Girl In Town (Takes 7-9)

Elvis klingt noch etwas zurückhaltend, nach etwas 45 Sekunden bricht er ab. Genau bei der Zeile ...take a real deep breath  ist ihm tatsächlich die Luft ausgegangen, was er entsprechend kommentiert.

Auch der nächste Anlauf wird nicht alt, diesmal überspringt man nicht einmal die Marke von 30 Sekunden.

Take Nummer 9 funktioniert schließlich und auch Elvis gibt jetzt etwas mehr Gas.

 

Spring Fever (Take 4)

Ehrlich gesagt ist es mir ein Rätsel, weshalb Elvis 24 Takes dieses Liedes aufgenommen hat.

Der hier zu hörende Take 4 funktioniert nämlich bereits prächtig und hätte problemlos veröffentlicht werden können.

 

Do Not Disturb (Takes 24-27)

Elvis übt ein wenig vor sich hin, dann geht es los. Als er sich nach etwa einer Minute versingt, ist er hörbar verärgert.

Er meint, das sei der merkwürdigste Melodie-Verlauf, mit dem er es jemals zu tun gehabt habe und kündigt an, notfalls nach Beendigung des Films wiederzukommen und das Lied neu aufzunehmen.

Als aus der Ton-Regie ein PickUp-Take vorgeschlagen wird, weil der Anfang OK gewesen sei, antwortet Elvis, dass er OK nicht möge.

Beim nächsten Anlauf scheitert die Aufnahme bereits beim Intro, woraufhin Elvis lachen muss.

Der nächste Take läuft deutlich länger, aber irgendwann kommt der Meister vom Text ab und kommentiert That was a new one.

Take 27 geht schließlich durch und ist dem Master schon sehr nahe.

 

Cross My Heart And Hope To Die (Take 6)

Der sechste Take wird etwas langsamer gespielt und klingt ein wenig lässiger als die bekannte Fassung.

Außerdem wird am Ende nicht ausgeblendet, sondern eine jazzig angehauchte Improvisation gespielt.

 

Girl Happy (Takes 1-4)

Nach einer kurzen Übung des Gitarristen beginnen Elvis und seine Jungs mit dem ersten Take. Der King singt recht unsicher und zurückhaltend, nach etwa anderthalb Minuten kommt er aus dem Takt und bricht ab.

Beim zweiten Versuch geht Elvis den Song schon etwas forscher an, arbeitet aber noch hörbar an der Phrasierung. Beim ersten Refrain wird die Aufnahme abgebrochen.

Take 3 stellt abermals eine Steigerung dar, doch jetzt singt Elvis I've been this way...  anstatt I've been like this...  und muss lachen. Kurioserweise machen Band und Chor einfach weiter und müssen von der Ton-Regie zum Abbruch aufgerufen werden.

Elvis möchte, dass die Nummer etwas schneller gespielt wird. Dann geht es in die nächste Runde, die auch von A bis Z durchgeht.

Die Outtakes sind vor allem deshalb interessant, weil der Master nachträglich beschleunigt wurde und daher ein wenig merkwürdig klingt. Hier ist jetzt alles so zu hören, wie es damals aufgenommen wurde.

 

Puppet On A String (Take 10)

Beim zehnten Anlauf haben Elvis und seine Jungs die Ballade schon 100%ig im Griff. Aus meiner Sicht hätte auch dieser Take als Master durchgehen können.

 

Spring Fever (Takes 18, 19 & 21)

Als Elvis die Zeile The sky is full of butterflies  singt, hören die Musiker einfach auf zu spielen. Der King nimmt es mit Humor und singt ...the sky is full of butterfly-shit.

Der nächste Durchlauf wird abgebrochen, weil Elvis vom Text abkommt. Der Produzent merkt außerdem an, dass der King ein wenig glücklicher klingen dürfte und an andere Dinge denken solle.

Elvis nimmt sich die Anweisung zu Herzen und lässt seine Stimme fröhlicher klingen.

 

The Meanest Girl In Town (Take 11)

Take 11 unterscheidet sich nur noch in wenigen Details vom Master und hätte ebenfalls zur Veröffentlichung ausgewählt werden können.

 

Do Not Disturb (Take 35)

Ganz offensichtlich bereitete diese Ballade Elvis jede Menge Probleme, denn mittlerweile sind wir hier beim 35sten (!) Aufnahmeversuch angekommen.

Das Ergebnis klingt allerdings respektabel und wäre sicherlich auch als Master in Betracht gekommen.

 

Cross My Heart And Hope To Die (Takes 9-11)

An sich funktioniert der Take sehr gut, doch nach etwa einer Minute und zwanzig Sekunden kommt Elvis aus dem Takt und bricht ab.

Take 10 ist nur ein kurzer Fehlstart, der elfte Versuch geht vollständig durch und klingt dem Endprodukt schon sehr ähnlich.

 

Girl Happy (Take 13 & Take 4 Of Ending)

Zum Abschluss der CD hören wir quasi den Master-Take in seinen Einzelteilen.

Der 13. Take funktioniert perfekt - bis Elvis das Finale vergeigt. Deshalb wurde dieser Teil des Songs separat eingespielt und mit Take 13 kombiniert.

 

Fazit & Bewertung

In schöner Aufmachung bekommt der geneigte Musikfreund den Soundtrack zum Film Girl Happy  sowie ein paar interessante Outtakes als Zugabe.