G.I. Blues

Zweiundfünfzig Jahre nach der Veröffentlichung der Original-LP bringt Follow That Dream Records eine Classic Album-Ausgabe von G.I. Blues  auf den Markt.

Die erste CD beginnt mit den Songs der US-LP, dann folgt Tonight's All Right For Love. Dieser Song ersetzte aus rechtlichen Gründen in einigen Ländern den Titel Tonight Is So Right For Love. Auch Paramount filmte seinerzeit die Musik-Szene übrigens mit beiden Songs, so dass in den gezeigten Fassungen jeweils das Lied gezeigt wurde, für das man in den entsprechenden Ländern das Copyright hatte.

Da Elvis manche Songs doppelt oder in verschiedenen Tempi einspielte, bekommen wir im Anschluss eine Auswahl von Alternativ-Versionen zu hören. Danach folgen nochmals die Lieder in der Reihenfolge der US-LP (lediglich Blue Suede Shoes, von dem es nur einen Take gibt, wurde durch Tonight's All Right For Love  ersetzt), hier nun jedoch in Form der ersten, durchgehenden Takes.

Auf der zweiten CD sind dann ausschließlich Outtakes zu hören, hier widmet sich das Sammler-Label den Sessions vom 27. und 28. April 1960.

Die Takes der zweiten Sessions, die im Mai stattfanden, veröffentlichte Follow That Dream Records im Jahr 2013 auf dem Classic Album Cafe' Europa - GI Blues Volume 2. Hier würden auch die vollständig ausgespielten und neu gemixten Master-Takes zu hören sein.

Die Tracks auf der hier besprochenen Produktion wurden von Sebastian Jeansson gemastert, den Mix der Outtakes besorgte Vic Anisini.

 

The Original Album

Tonight Is So Right For Love

Passend zum Thema des Spielfilms beginnt die LP mit teutonischer Romantik inklusive Schifferklavier und Chor. Sid Wayne und Abner Silver nahmen sich die Barcarole  aus Hoffmanns Erzählungen  von Jeacques Offenbach vor und machten daraus Tonight Is So Right For Love.

Am 27. April 1960 spielte Elvis zunächst sieben Takes dieses Liedes ein, bevor er entnervt aufgab und sich What's She Really Like  und Frankfort Special  widmete. Erst einige Stunden später kam er nochmal auf die Wayne/Silver-Komposition zurück und nahm weitere vier Takes auf. Den letzten davon erklärte er schließlich zum Master.

Der Sänger versucht hier, seine Liebste zu verführen, indem er ihr musikalisch von der ach so romantischen Nacht vorschwärmt.

 

What's She Really Like

Mit diesem Lied klärt Elvis den Zuhörer über die Eigenschaften seiner Freundin auf und äußert sich, wie kann es anders sein, rundum positiv.

Der Popsong im mittleren Tempo hat eine angenehme Melodie und wird gut vorgetragen. Letzteres spricht für die Professionalität des Kings, denn nach fünf Takes warf er am 27. Mai 1960 zunächst das Handtuch und gab auf.

Am folgenden Tag versuchte er sich weitere 14 Mal an dem Song und spielte zudem drei Insert-Takes ein. Der Master ist ein Zusammenschnitt der Takes 14 und 3 (Workpart). Weil man damals im Studio einfach weiterzählte (d.h. man begann die zweite Session mit Take 6 und nummerierte die Insert-Takes mit den Ziffern 20 bis 22) lautet die offizielle Zusammensetzung des Masters Take 19 und 22. Auch hier heißen die Autoren Sid Wayne und Abner Silver.

 

Frankfort Special

Hier freut sich der Sänger schon auf die deutsche Großstadt mit ähnlicher Schreibweise, wobei ihm insbesondere die weiblichen Einwohner am Herzen liegen.

Der flotte Song stammt aus der Feder von Sid Wayne und Sherman Edwards und war von Elvis am 27. April 1960 eingespielt worden. Weil er mit dem Ergebnis nicht zufrieden war, nahm er das Lied am 6. Mai noch einmal auf und benötigte dafür zehn Takes.

Mit einigen Zwischenrufen der Jordanaires soll auch hier wieder deutsches Flair erzeugt werden. Zu meinen Favoriten gehört Frankfort Special  nicht, für einen Filmschlager ist der Song aber OK.

 

Wooden Heart

Bereits 1827 wurde das deutsche Volkslied Muss I Denn, Muss I Denn Zum Städtele Hinaus  von Friedrich Silcher adaptiert, 133 Jahre später nahmen sich Fred Wise, Ben Weisman, Kay Twomey und Bert Kaempfert das Lied erneut vor und machten daraus Wooden Heart.

Elvis nahm den Titel am 28. April 1960 auf und benötigte dafür trotz der Strophe in deutscher Sprache nur vier Takes.

In Europa, Asien und Südafrika veröffentlichte RCA Victor das Lied auch auf einer Single und verkaufte davon allein in Deutschland mehr als zwei Millionen Kopien. In den USA ließ man sich leider die Butter vom Brot nehmen und überließ den Erfolg Joe Dowell, der mit seiner Version den ersten Platz der Hot 100 erreichte.

Kurioserweise fand sich Elvis' Aufnahme später auf den B-Seiten der Singles Blue Christmas  (1964) und Puppet On A String  (1965). 1970 war Wooden Heart  ebenfalls auf der 4-LP-Box Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  zu hören.

 

G.I. Blues

Die erste Seite der LP endet mit dem Titelsong des Films. Geschrieben wurde das Lied von Sid Tepper und Roy C. Bennett, die Aufnahme fand am 27. April 1960 statt. Der Master stellt einen Zusammenschnitt aus Take 7 und Take 10 (Workpart) dar.

Der Sänger beklagt hier auf humorvolle Weise sein Schicksal als ein in Deutschland stationierter US-Soldat. Dem Thema des Films entsprechend hat der Song einen militärischen Rhythmus und enthält auch einige deutsche Worte.

 

Poketful Of Rainbows

Die Ballade wurde von Fred Wise und Ben Weisman geschrieben.

Elvis tat sich schwer mit dem Song, nachdem er am 28. April 16 Takes davon aufgenommen hatte, ließ er die Angelegenheit zunächst auf sich beruhen und widmete sich anderen Titeln. Dann kehrte er für 12 weitere Takes zu der Nummer zurück. Wirklich zufrieden war er mit den Resultaten aber nicht.

Am 6. Mai folgten weitere drei Takes, von denen der zweite schließlich zum Master wurde.

Zwar ist die Ballade eine seichte Angelegenheit, grundsätzlich gefällt sie mir aber recht gut.

 

Shoppin' Around

Mit diesem Song folgt nun eines der besten Lieder des Albums. Das ist auch kein Wunder, denn hier handelt es sich nicht um ein speziell für den Film komponiertes Lied, sondern um die Cover-Version einer Aufnahme von Joel Grey aus dem Jahr 1958.

Elvis spielte Shoppin' Around  am 27. April 1960 innerhalb von 11 Takes ein, war aber auch hier mit dem Endergebnis unzufrieden und wiederholte die Aufnahme am 6. Mai. Diesmal entstanden sieben Durchläufe, von denen der letzte zum Master erklärt wurde.

In dem flotten Popsong gibt der Sänger zu Protokoll, dass er seine große Liebe nun gefunden habe und sich daher nicht mehr nach anderen Mädchen umsehen werde.

Geschrieben wurde das Lied von Sid Tepper, Roy C. Bennett und Aaron Schroeder.

 

Big Boots

Hatte Elvis zuvor schon mit der Interpretation eines deutschen Volksliedes überrascht, folgt nun das zweite Novum auf einer Presley-LP: Ein Kinderlied. Auf der Leinwand singt Tulsa (Elvis) mit Big Boots  das Baby eines Soldaten-Kumpels in den Schlaf, im richtigen Leben tat sich der King mit der Nummer schwer.

Am 8. April entstanden zunächst vier Takes der langsamen, hier zu hörenden Fassung und danach noch einmal sieben Takes einer schnelleren Version. Am 6. Mai folgten zwei Takes im mittleren Tempo sowie sechs Takes, vier Insert-Takes und fünf Composite-Takes der langsamen Version. Den Master erstellte man schließlich aus Take 4 vom 28. April sowie dem Insert-Take 4 und dem Composite-Take 3 vom 6. Mai.

Prinzipiell gefällt mir die Komposition von Sid Wayne und Sherman Edwards recht gut, ohne den Zusammenhang mit der entsprechenden Film-Szene wirkt Big Boots  allerdings ein wenig merkwürdig.

 

Didja' Ever

Dasselbe Autoren-Team lieferte auch Didja' Ever. Hier besingt der King die Missgeschicke des Lebens (nur kaltes Duschwasser, kein Handtuch, etc.) und nutzt dabei dem Thema des Films entsprechend einen militärischen Rhythmus.

Aufgenommen wurde der Song am 27. April 1960, bereits der zweite Take wurde zum Master.

 

Blue Suede Shoes

Elvis den Rock'n'Roll-Klassiker bereits vier Jahre zuvor eingespielt, für den Film tat er dies am 28. April 1960 noch einmal. Hatte er es in den Golden Fifties bei dieser Nummer so richtig schön krachen lassen, klingt er hier vergleichsweise zahm und das Lied damit wieder mehr nach Country.

 

Doin' The Best I Can

Die Ballade stammt aus der Feder von Doc Pomus und Mort Shuman, die Aufnahme erfolgte am 27. April 1960 innerhalb von 13 Takes.

Ohne Frage handelt es sich nicht nur um das absolute Highlight dieses Albums, sondern auch um einen der schönsten Filmschlager des Kings. Leider wird der Song heute allzu oft übersehen. 

 

Alternate Song

Tonight Is All Right For Love

Da außerhalb der USA noch ein Copyright auf der Barcarole  aus Hoffmanns Erzählungen  von Jeacques Offenbach lag, benötigte man für diese Länder eine Alternative. Also bearbeiteten Sid Wayne und Abner Silver unter Mithilfe von Joseph Lilley auch noch die Geschichten Aus Dem Wienerwald  von Johann Strauß (Sohn).

Das Ergebnis wurde Tonight Is All Right For Love  genannt und am 6. Mai 1960 aufgenommen. Diesmal spielte Elvis 17 Takes und zwei Workparts ein, den Master kombinierte man aus den Takes 10 und 2 (Workpart).

So wie RCA Victor je nach lokalen Copyright-Bestimmungen mal Tonight Is So Right For Love, mal Tonight Is All Right For Love  auf der LP veröffentlichte, ließ auch Paramount beide Songs vor identischer Kulisse filmen und inkludierte die jeweils rechtskonforme Version in die jeweiligen Schnittfassungen.

In den USA wurde Tonight Is All Right For Love  übrigens erst 1974 auf der LP A Legendary Performer - Volume 1  veröffentlicht.

 

Bonus Songs

Shoppin' Around (Version 1)

Elvis nahm den Song zweimal auf, hier hören wir den Master (Take 11) der ersten Version, aufgenommen am 27. April 1960.

Das Lied ist, insbesondere bezüglich des Hintergrundgesangs, etwas anders arrangiert und klingt in dieser Version schwerfälliger als die schlussendlich veröffentlichte Fassung.

 

Frankfort Special (Version 1, Take 13)

Geboten wird nun eine absurd schnelle Variante von Frankfort Special.

In dieser Interpretation klingt die Nummer fast schon wie eine Parodie und so ist es nur logisch, dass man sich gegen dieses Arrangement entschied.

Auf dem Cover ist hier übrigens Take 12 angegeben. Tatsächlich handelt es sich hier jedoch um einen Fehlstart, den uns FTD später auf Cafe Europa - GI Blues Volume 2  nachreichen würde.

 

Big Boots (Fast Version)

Auch von diesem Kinderlied gibt es eine Highspeed-Version. Abermals klingt die Nummer mehr nach einem Scherz, als nach einer ernstgemeinten Variation.

 

Pocketful Of Rainbows (Version 1)

Insgesamt spielte Elvis am 28. April 1960 achtundzwanzig Takes von Pocketful Of Rainbows  ein, der zwölfte Durchlauf wurde zum Master erklärt.

Da der King aber auch hier mit seiner Arbeit nicht zufrieden war, folgten später weitere Aufnahmen. Im direkten Vergleich klingt diese Version schwerfälliger, da der Rhythmus stärker betont wird.

 

Big Boots (Medium Tempo)

Eine weitere Alternative des Kinderlieds wurde im mittleren Tempo eingespielt. Offenbar experimentierte man ein wenig mit dem Song, um für die Schallplattenveröffentlichung die geeignetste Variante herauszufinden.

Schlussendlich entschied man sich für die auch im Film gezeigte, langsame Fassung.

 

Tonight Is So Right For Love (Instrumental)

Zum Abschluss dieser Rubrik präsentiert uns FTD die Barcarolle aus Hoffmanns Erzählungen.

 

First Takes

Tonight Is So Right For Love (Takes 1 & 2)

Der erste Take wird abgebrochen, weil Elvis zum Rhythmus mit den Fingern geschnippt hat. Der King bittet um most humble forgiveness, was ihm von der Tonregie mit Forgiven!  auch großzügig gewährt wird.

Der nächste Anlauf gelingt und wird von A bis Z durchgespielt.

 

What's She Really Like (Takes 1-5)

Beim ersten Take muss Elvis während des Intros lachen. Als Gag fordert jemand im Hintergrund Playback!

Den nächsten Anlauf bricht der King mit Hold it! ab. Irgendwas hat ihm nicht gefallen.

Gesanglich kommt Elvis nun ein Stückchen weiter, doch als der Gitarrist aus dem Takt kommt singt der King Ha, ha, ha you messed up the break  (statt Ha, ha, ha, don't make me laugh).

Jetzt bricht die Tonregie ab, weil Elvis' Stuhl geknarrt hat.

Take 5 läuft schließlich durch. Im Vergleich zur bekannten Version wird das Lied hier langsamer und rhythmusbetonter gespielt. Zudem singt Elvis tiefer und betont auch deutlich anders. Insgesamt rumpelt die Nummer noch heftig.

 

Frankfort Special (Fast Version - Takes 1 & 2)

Beim ersten Take verliert Elvis nach etwa einer Minute den Faden und stellt den Gesang ein. Der Rest der Crew lässt sich dadurch aber nicht beeindrucken und macht ungerührt weiter. Erst, als der King das Signal zum Halten gibt, wird der Frankfort Special gebremst.

Take 2 wird durchgespielt, aber Elvis muss sich zwischendurch immer wieder hörbar ein Lachen verkneifen. Am Ende liefert DJ Fontana ein kleines Schlagzeugsolo.

 

Wooden Heart (Take 1)

Die amerikanisierte Version von Muss I Denn Zum Städtele Hinaus  funktioniert vom ersten Take an sehr gut.

Bis auf die Aussprache des Wortes Städtele hat Elvis auch mit dem deutschen Teil keine Mühe. Am Schluss bemkert er Sehr gut!

 

G.I. Blues (Take 1)

Der Titelsong des Films läuft vom ersten Take an gut durch.

An einer Stelle wirft ein Mitglied der Jordanaires ein Nein! ein, was Elvis kurz zum Lachen bringt.

 

Poketful Of Rainbows (Version 1, Takes 1 & 2)

Nach etwa anderthalb Minuten übertreibt es Elvis ein wenig mit der Lonely night  und bricht mit Hell, no!  die Aufnahme ab.

Beim zweiten Versuch spielt er noch immer mit diesem Teil des Songs herum. Auch an anderen Stellen weiß er offenbar noch nicht, wie er den Text singen soll.

 

Shoppin' Around (Version 1, Take 1)

Hier hat das Lied noch ein Schlagzeug-Intro, insgesamt klingt die Nummer noch recht ungeordnet und grobschlächtig.

 

Big Boots (Fast Version, Takes 1& 2)

Der erste Take kommt über wenige Takte des Intros nicht hinaus.

Anlauf Nummer zwei wird komplett durchgespielt und bereitet niemandem irgendwelche Schwierigkeiten.

 

Big Boots (Slow Version, Take 1)

Das Lied hat nun ein Spieluhren-Intro und wird langsam gespielt.

Im Gegensatz zu der Schallplatten-Version wird hier allerdings der Rhythmus durch das Schlagzeug stärker betont.

 

Didja Ever (Take 1)

Das Arrangement steht, niemand hat hörbare Probleme. Von Beginn an geht es lediglich um Details.

 

Tonight's All Right For Love (Take 1)

Selbiges kann auch von Tonight Is All Right For Love  gesagt werden.

 

Doin' The Best I Can (Takes 1-3)

Die Jordanaires singen ein wenig schief, so dass sofort abgebrochen wird.

Wirklich perfekt ist es noch immer nicht, aber man macht weiter. Etwa zur Mitte des Liedes verliert dann aber Elvis den Faden, so dass er die Aufnahme mit I'm sorry!  abbricht.

Aller guten Dinge sind drei und so läuft dieser Anlauf vollständig durch. Insgesamt klingt die Ballade noch nicht so soft und perfekt, wie die später veröffentlichte Aufnahme. Auch ist der Harmoniegesang noch anders arrangiert.

 

weiter zur zweiten CD

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte am CD-Cover und am Booklet bei Follow That Dream Records.