From Elvis In Memphis

Nachdem FTD im Jahr 2012 bereits eine Classic Album-Ausgabe von Back In Memphis!  auf den Markt gebracht hat, folgt ein Jahr später auch From Elvis In Memphis.

Die erste CD ist in die Kategorien Original Album  und First Takes  aufgeteilt.

Auf der zweiten Scheibe hören wir dann January Outtakes, February Outtakes  und Undubbed Masters.

Die letzte Überschrift ist dabei nicht wirklich ernstzunehmen, denn ein Master stellt im Musikgeschäft das Endprodukt dar. Es würde sich hier also um unbearbeitete Master-Takes handeln.

Allerdings bekommen wir selbst die nicht immer zu hören, denn einige Tracks enthalten nachträglich eingespielte Gesangsparts oder sogar zusätzlich hinzugefügte Instrumente.

Das Mastering der Tonbänder übernahm Sebastian Jeansson, der zusammen mit Vic Anesini auch für den Mix der Outtakes verantwortlich zeichnet.

 

The Album

Wearin' That Loved On Look

Passenderweise lautet die erste Zeile, die man von Elvis auf diesem Album hört I had to leave town for a little while.

Der Song bildet den perfekten Einstieg in die LP. Man nimmt Elvis die Bestürzung und Wut ab, die er empfindet, als er feststellen muss, dass seine Holde es während seiner Abwesenheit hat mächtig krachen lassen und ihn eigentlich nur ausnutzt.

Geschrieben wurde das Lied von Dallas Frazier und Al Owens. Elvis' Aufnahme stammt vom 13. Januar 1969, der 15. Versuch wurde zum Master-Take.

Am 21. Januar ersetzte der King seinen Gesangspart, am folgenden Tag wurde ein Gitarren-Overdub vorgenommen. In einem letzten Produktionsschritt nahm Chips Moman am 24. Januar den Hintergrundgesang auf.

 

Only The Strong Survive

Der Song stammt aus der Feder von Kenny Gamble, Leon Huff und Jerry Butler. Letzterer nahm ihn auch als erster auf und konnte1968 sogar einen Top5-Hit damit landen.

Elvis' Fassung entstand am 19. Februar 1969, erst beim 29. Durchgang hatte der King die Nummer im Kasten. Vocal Repairs erfolgten am 22. Februar, einen Monat später wurden Blechbläser (18. März), Streicher (21. März) und Hintergrundgesang (25. März) hinzugefügt.

In dem Lied erzählt der Sänger von seiner ersten, unglücklichen Liebe und der daraus resultierenden Botschaft seiner Mutter: Junge, Lass Dich Nicht Unterkriegen! 

 

I'll Hold You In My Heart (Till I Can Hold You In My Arms)

Der Klassiker wird bei Elvis zu einem klagenden Blues. Er vermisst seine Liebste und sehnt eindringlich ihre Nähe herbei.

Geschrieben wurde der Song 1947 von Thomas Dilbeck, Vaughan Horton und Eddy Arnold. Letzterer konnte damit auch einen Mega-Hit landen, der satte 21 Wochen lang die Spitze der Hitparade belegte.

Elvis' Version stammt vom 22. Januar 1969. Bereits der erste Versuch wurde zum Master, Overdubs gibt es keine. 

 

Long Black Limousine

Das Lied wurde von Vern Stovall und Bobby George geschrieben und von Wynn Steward erstmals aufgenommen. Zuerst veröffentlicht wurde jedoch das Original von Stovall selbst, gefolgt von einer Version des Country-Stars Glen Campbell.

Elvis' Aufnahme stammt vom 13. Januar 1969, Take 9 wurde zum Master-Take. Am 22. Januar erfolgten ein Vocal Repair (ab der Zeile Through tear-filled eyes... sang Elvis den Song noch einmal neu) und Aufnahmen der Blechbläser und des Klaviers. Der Harmonie-Gesang entstand am 24, Januar. Zum Abschluss wurden am 18. März noch Streicher hinzugefügt.

Auch diesen Country-Song verwandelte Elvis in eine packende Mischung aus Soul und Blues. Seine Freundin zog einstmals in die große Stadt und versprach, irgendwann in einer großen, schwarzen Limousine zurückzukehren. Genau das passiert auch, nur handelt es sich bei dem Fahrzeug nicht um eine Luxuskarosse, sondern um einen Leichenwagen!

Elvis' Gesang ist so voller Trauer, Wut und Schmerz, dass es mich auch nach Jahren immer wieder aufs Neue packt. Dazu kommt noch der wunderbar geschriebene Text und das erstklassige Arrangement. Für mich stellt Long Black Limousine  die beste Aufnahme des Kings dar. 

 

It Keeps Right On A-Hurtin'

Der dramatischen Nummer folgt ein simpler Country-Song, den Elvis am 20. Februar 1969 innerhalb von drei Takes einspielte. Die Geigen-Overdubs kamen am 21. März hinzu, drei Tage später folgte der Hintergrundgesang.

1962 landete der Komponist Johnny Tillotson mit It Keeps Right On A-Hurtin'  einen Nummer 3-Hit in der Hot 100, 1968 schaffte es Margaret Whiting mit ihrer Version in die Top20.

Der Text ist typisch für einen Country-Song. Der Lebenspartner ist weg und der Schmerz darüber groß. Das Lied ist nicht spektakulär, aber nett gemacht und wird von Elvis gut vorgetragen.  

 

I'm Movin' On

Als Hank Snow den Song 1950 veröffentlichte, hielt er sich 21 Wochen lang an der Spitze der Country Chart. Es existieren zahlreiche Cover-Versionen, darunter Aufnahmen von Ray Charles, Emmylou Harris und den Rolling Stones.

Elvis spielte den Song am 14. Januar 1969 innerhalb eines einzigen Takes ein, fünf Tage später wurden zusätzliche Instrumente aufgenommen. Am 22. Januar ersetzte der King schließlich weite Teile seines Gesangsparts, bevor am 24. Januar der Hintergrundgesang hinzugefügt wurde.

Elvis ging I'm Movin' On  deutlich kraftvoller an als seinerzeit Hank Snow und verpasst dem Titel damit ein völlig neues Outfit.  

 

Power Of My Love

Bernie Baum, Bill Giant und Florence Kaye sind heute vor allem als Lieferanten mittelmäßiger Filmschlager bekannt. Dass sie auch anders konnten, bewiesen sie mit Power Of My Love.

Mit kraft- und testosteronstrotzender Stimme wirbt Elvis hier für seine Qualitäten und hat dabei hörbar seinen Spaß.

Aufgenommen wurde der Titel am 18. Februar 1969, Take 7 (tatsächlich war es der achte Durchgang) wurde zum Master-Take. Am 22. Februar nahm der King den Harmonie-Gesang auf, Blechbläser und Hintergrundgesang folgten am 19. und 25. März.

 

Gentle On My Mind

Der Song stammt aus der Feder von John Hartford, der damit 1968 einen Grammy gewann.

Auch die Version von Glen Campbell wurde von der Academy Of Recording Arts And Sciences ausgezeichnet. Der Titel war sehr populär und wurde unter anderem auch von Aretha Franklin, Dean Martin, Johnny Cash und R.E.M. gesungen.

Elvis tat dies am 14. Januar 1969 und lieferte ebenfalls eine überzeugende Fassung dieses wunderbaren Country-Songs ab. Am 20. Januar nahm er Teile seines Gesangsparts neu auf und ergänzte den Harmonie-Gesang. Später folgten noch Blechbläser (18. März), Streicher (19. März), diverse andere Instrumente (20. März) und Hintergrundgesang (25. März).

Anfang 1977 veröffentlichte RCA Victor einen ReMix von Gentle On My Mind  auf dem Album Welcome To My World.  

 

After Loving You

Ursprünglich wollte Elvis After Loving You  bereits zur Mitte der 1960er einspielen, kam aber über eine private Aufnahme zur eigenen Klavierbegleitung nicht hinaus. Und so dauerte es bis zum 18. Februar 1969, ehe er den Song tatsächlich professionell in einem Studio sang.

Geschrieben wurde After Loving You  von Eddie Miller und Janet Lantz, die erste Aufnahme stammt von Joe Henderson aus dem Jahr 1962. Im selben Jahr spielte auch Eddie Arnold den Song ein, Jim Reeves folgte 1963 mit einer eigenen Fassung.

Der Sänger gibt hier zur Protokoll, keine andere Frau je wieder so lieben zu können wie die just verflossene, denn gegen ebendiese Lady seien alle anderen Damen schlicht zweitklassig.

Auch hier steigert sich Elvis wunderbar in den Song hinein und liefert eine exzellente und überzeugende Performance ab. 

 

True Love Travels On A Gravel Road

True Love Travels On A Gravel Road  stammt aus der Feder von Dallas Frazier und Al Owens, Duane Dee landete damit 1968 auf dem 58. Platz der Country Chart.

Elvis nahm den Titel am 17. Februar 1969 auf und sang ihn am 26. Januar 1970 in Las Vegas auch einmalig auf der Bühne.

Der Text handelt von der alle Stürme überstehenden Liebe zwischen dem Ich-Erzähler und seiner Frau. Elvis singt sehr emotional und bringt den Song sehr gut rüber.

True Love Travels On A Gravel Road  hätte sicherlich auch eine gute Single abgegeben, wenn man sich bei RCA Victor zu einer weiteren Auskopplung entschlossen hätte.

Der Aufnahme des Master-Takes am 17. Februar folgte übrigens noch das Einspielen des Harmonie-Gesangs (22. Februar), der Geigen und des Hintergrundgesangs (25. März).

 

Any Day Now

Tatsächlich auf eine 45er geschafft hat es dieser Song von Bob Hilliard und Burt Bacharach.

Chuck Jackson nahm Any Day Now  als erster auf und erreichte damit 1962 den 23. Platz der Hot 100.

Elvis spielte den Titel am 20. Februar 1969 ein und benötigte dafür 6 Takes. Ein Vocal Repair erfolgte am 22. Februar, Geigen und Blechbläser wurden am 18. März hinzugefügt, der Hintergrundgesang wurde am 25. März eingespielt.

Der Sänger befürchtet in dem Lied, seine Frau könne ihn jederzeit verlassen und bittet sie inständig, dies nicht zu tun. Für mich zählt Any Day Now  zu den ganz großen Songs dieser LP. Bei RCA Victor dachte man wohl ähnlich und veröffentlichte ihn auf der Rückseite der Single In The Ghetto.

 

In The Ghetto

Und genau mit dieser Nummer endet auch die LP. Die sozialkritische Ballade stammt aus der Feder von Mac Davis, der zuvor bereits an A Little Less Conversation  und Memories  mitgearbeitet hatte.

Elvis spielte den Song am 20. Januar 1969 innerhalb von 22 Takes ein. Schlussendlich wurde diese Aufnahme jedoch nur als Playback genutzt, denn zwei Tage später sang der King seinen Part noch einmal vollständig neu ein. Der Hintergrundgesang folgte am 24. Januar, am 18. März wurden schließlich noch Streicher und Blechbläser ergänzt.

In The Ghetto beschreibt das kurze Leben eines jungen Mannes im Großstadtghetto, das nach einem bewaffneten Überfall gewaltsam endet. Weil zur selben Zeit ein neues Kind geboren wird, dem vermutlich ein ähnliches Schicksal bevorsteht, trug der Song ursprünglich den Zusatz The Vicious Circle.

Bei jedem anderen Sänger wäre aus In The Ghetto  vermutlich ein 08/15-Betroffenheitslied geworden, Elvis trägt die Nummer aber dermaßen emotional und glaubwürdig vor, dass es einem kalt den Rücken herunterläuft.

Eine Live-Aufnahme fand sich bereits Ende 1969 auf dem Doppel-Album From Memphis To Vegas / From Vegas To Memhis, die Studio-Version war auf der 4-LP-Box Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  (1970) und dem Album Pure Gold  (1975) zu hören.

 

First Takes

Wearin' That Loved On Look (Takes 3 & 10)

Elvis beginnt den Take etwas ruhiger als die bekannte Version. Beim Wort eye  bricht ihm dann allerdings komplett die Stimme weg, woraufhin er leicht peinlich berührt lachen muss.

 Scherzhaft fragt der King, ob man von dieser Stelle aus fortfahren soll und singt auch kurz A Little Less Conversation  an.

Beim zehnten Take klingt Elvis noch immer sehr heiser, so dass er auch hier längst nicht jeden Ton trifft. Auch die Musiker sind sich ihrer Sache noch nicht 100%ig sicher, so dass der Durchlauf eher wie eine Probe klingt.

An Ende bricht der Meister mit einem knappen Hold It!  den Song ab.

 

Only The Strong Survive (Take 1)

Abermals klingt Elvis sehr heiser und scheitert an so manchem Ton.

Mit dem Timing hat er ebenfalls noch arg zu kämpfen und es bereitet ihm hörbar Mühe, den Text auf die Zählzeiten zu verteilen.

Zwischenzeitlich singt der King auch gar nicht mehr mit und verliert auch textmäßig den Faden. Schlussendlich kommentiert er Oh shit!

 

Long Black Limousine (Take 6)

Stimmlich ist der King hier deutlich besser disponiert, als bei den ersten beiden Outtakes.

Wirklich vereinnahmt hat er das Lied hier noch nicht, es fehlt die emotionale Ergriffenheit. Bei diesem frühen Take geht es ihm aber auch wohl eher darum, vollständig durch den Song zu kommen. Die Interpretation steht noch hintenan.

Als er am Ende immer nur den letzten Teil wiederholt, fügt er abermals ein Oh Shit!  ein. Seinem "Kampfschrei" zum Finale kann man allerdings entnehmen, dass er den Song sehr mochte.

 

It Keeps Right On A-Hurtin' (Takes 1 & 2)

Zunächst legt die Band einen Fehlstart hin, was zu allgemeinem Gelächter führt. Der zweite Anlauf wird etwa anderthalb Minuten alt, dann bricht der Song zusammen.

Elvis singt kurz Only The Lonely  an, dann geht er mit seinen Jungs in die zweite Runde. Die läuft schon sauber durch und scheint keinem der Beiteiligten viel Mühe abzuverlangen.

 

I'm Movin' On (Takes 1 & 2)

Beim ersten Anlauf muss Elvis nach wenigen Worten lachen, so dass abgebrochen wird.

Wir hören einige Übungen an der Akkustik-Gitarre, dann setzt die Band zum zweiten Take an. Diesmal misslingt das Intro, was wiederum zum Abbruch führt. Die Tonregie wertet diesen Fehlstart allerdings nicht als separaten Take.

Der nächste Versuch geht dann vollständig durch, klingt aber noch sehr ungeschliffen. Das liegt natürlich auch an den noch fehlenden Overdubs, die der Nummer zusätzliche Substanz verleihen.

 

Power Of My Love (Take 1)

Das Intro wird geübt, dann geht es los. Chips Moman ist allerdings nicht zufrieden und fordert die Band auf, noch einmal zu beginnen.

Take 1 wird noch lange nicht so kraftvoll gespielt und gesungen, wie der spätere Master-Take. Das ist auch vollkommen normal, schließlich müssen sich alle Beteiligten erst noch in den Song hineinfinden.

Besonders gut gefällt mir hier das lange, improvisierte Outtro. Der Produzent kommentiert Let's do one more, real quick.

 

After Loving You (Take 2)

Auch hier klingt der frühe Durchlauf viel zahmer als die später veröffentlichte Aufnahme.

Am Schluss albert Elvis ein wenig mit dem Text herum.

 

True Love Travels On A Gravel Road (Take 2)

Bei diesem frühen Take betont der King noch merklich anders, als beim Master. Es ist offensichtlich, dass er noch keine Idee hat, wie er die Nummer verkaufen soll.

Auch gesanglich erlaubt er sich mehrere Schnitzer, denn hier und dort klingt er heiser und die Stimme bricht ihm aus.

 

Any Day Now (Takes 1 & 2)

Der erste Take besteht nur aus einem verpatzten Intro.

Die Musiker sprechen sich daraufhin noch einmal kurz ab, dann folgt der zweite Versuch.

Der geht dann auch durch. Allerdings muss Elvis auch hier noch deutlich an der Phrasierung und am Timing arbeiten. Zudem klingt er abermals angestrengt und kann nicht verhindern, dass ihm die Stimme ausbricht.

 

In The Ghetto (Take 1)

Der erste Take ist sparsam instrumentiert und wird auch sehr zurückhaltend vorgetragen.

Dadurch wirkt die Nummer sehr intim, fast schon wie eine Unplugged-Aufführung in einem kleinen Theater.

Perfekt ist der Take allerdings nicht, denn Elvis verhaspelt sich zwischendurch im Text und quittiert seinen Fehler mit einem herzhaften Fluch.

 

In The Ghetto (Takes 2 & 3)

Der zweite Durchlauf wird etwa zur Mitte des Songs abgebrochen, weil dem Produzenten das Klavier-Arrangement nicht gefällt. Nachdem Mr. Moman den Pianisten instruiert hat, unternimmt das Team einen weiteren Versuch.

Hier klingt das Arrangement der bekannten Aufnahme schon ähnlich, allerdings wirkt der Song durch die fehlenden Overdubs dezenter.

 

In The Ghetto (Take 4)

Man arbeitet weiter an der Perfektion des Liedes und ist hier schon auf dem richtigen Weg..

 

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