Frankie And Johnny

Der Soundtrack zu Elvis' zwanzigstem Spielfilm gehörte im Jahr 2003 zu den ersten LPs, die Follow That Dream Records im Rahmen der Classic Album-Reihe auf den Markt brachte.

Das Mastering und den Mix der Outtakes übernahm Lene Reidel.

Wie bei FTD üblich, so präsentiert auch Frankie And Johnny  die Masters im Original-Mix. Der klingt leider etwas dumpf, zudem fehlt den Stimmen und Instrumenten der Raum. Durch das neuerlichte Mastering wurden die Tracks zwar von Störgeräuschen befreit, am Klangbild ändert sich dadurch aber natürlich nichts.

Die Outtakes mussten vor ihrer erstmaligen Veröffentlichung im Jahr 2003 grundsätzlich abgemischt werden. Hier passte sich Frau Reidel natürlich nicht dem zweifelhaften Sound der Original-LP an, sondern mixte die Tracks nach ihrem eigenen Empfinden.

In der Konsequenz klingen die Outtakes deutlich frischer als die Masters.

Neuerliche Aufbereitungen der Master-Aufnahmen fanden in den Jahren 2007 und 2015/16 für die Boxen The Complete Elvis Presley Masters  und The RCA Album Collection  statt. Signifikante Verbesserungen konnten in diesem Fall allerdings nicht erziehlt werden.

Das Cover des Booklets zeigt übrigens jenes Foto, das damals als Grundlage des Album-Covers benutzt wurde.

Um die Gewichtszunahme des Kings zu kaschieren, montierte man bei RCA Victor kurzerhand den schlankeren Elvis-Kopf von einem Promo-Foto für den im Vorjahr produzierten Film Girl Happy  ins Bild. Wie der Vergleich der Bilder zeigt, geriet der "Austauschkopf" dabei leider einen Tick zu klein.

 

The Original Album

Frankie And Johnny

Den Anfang des Soundtracks macht der Titelsong Frankie And Johnny. Das Traditional stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist auch unter dem Titel Frankie And Albert  bekannt.

Es existieren viele verschiedene Versionen, denen aber gemein ist, dass Frankie ihren Liebhaber Johnny (oder eben wahlweise Albert) aus Eifersucht erschießt. In einigen Fassungen landet sie dafür im Gefängnis, in anderen wird sie exekutiert.

Die hier zu hörende Version wurde von Alex Gottlieb, Fred Karger und Ben Weisman bearbeitet und von Elvis am 14. Mai 1965 innerhalb von sechs Takes aufgenommen.

 Im Vorfeld der LP-Veröffentlichung brachte RCA das Lied auch auf einer Single heraus, die in der Hot 100 den 25. Platz erreichte.

Unter den Movie Tunes zählt Frankie And Johnny  zu meinen Favoriten, da sich der Titel deutlich von den übrigen Filmschlagern dieser Zeit unterscheidet und von Elvis auch durchaus mit Elan vorgetragen wird.

1972 fand sich die Nummer auch auf dem CAMDEN-Album Elvis Sings Hits From His Movies - Volume 1.

 

Come Along

Das Lied stammt aus der Feder von David Hess und basiert auf dem Traditional Gonna Raise A Ruckus Tonight. Erstmals aufgenommen wurde es im Jahr 1923 vom Norfolk Jazz & Jubilee Quartet.

Am 12. Mai 1965 entstand der Rhythm Track zu Elvis' Version, der Gesang wurde einen Tag später aufgenommen. Den Master komponierte man schließlich aus dem sechsten Take der Musikaufnahme und Take 1 des Vocal Tracks.

Insgesamt bringt der Song das Südstaaten-Feeling des Films sehr gut rüber und geht direkt ins Ohr.

 

Petunia, The Gardener's Daughter

Im Film wird das Lied von Johnny und Frankie im Rahmen einer Revue vorgetragen und ist von Sid Tepper und Roy C. Bennett bewusst schlecht gemacht. Es soll halt eine echte Vaudeville-Nummer sein, mit einer schmissigen Melodie und schlechten Wortspielen a' la tulips /two lips  (Johnny preist also einmal die Tulpen der Lady, ein anderes Mal ihre Lippen).

Im Gegensatz zu den meisten Fans und Kritikern macht mir der Song Spaß und ich höre ihn mir immer mal wieder gerne an.

Aufgenommen wurde er übrigens am 14. Mai 1965 innerhalb von 6 Takes. Den Part der Schauspielerin Donna Douglas (Frankie) übernahm die Sängerin Eileen Wilson.

 

Chesay

Die Nummer klingt wie ein Trinklied mit Zigeuner-Touch und passt daher perfekt zur entsprechenden Filmszene. Da es sich um eine Soundtrack-LP handelt, ist das Lied prinzipiell auch auf dem Album in Ordnung.

Geschrieben wurde es von Fred Karger, Ben Weisman und Sid Wayne, die Aufnahme stammt vom 14. Mai 1965. Elvis benötigte 7 Takes, ehe er das Lied zu seiner Zufriedenheit aufs Band gebracht hatte.

 

What Every Woman Lives For

Die erste Ballade des Albums stammt aus der Feder von Doc Pomus und Mort Shuman.

Gesellschaftlich nicht mehr ganz korrekt behauptet der Sänger hier, der Daseinszweck eine Frau läge primär darin, einem Mann ihre Liebe zu schenken. Davon abgesehen handelt es sich aber um einen guten Song, der anderen Filmballaden aus dieser Zeit sicherlich überlegen ist.

Der Music Track entstand am 13. Mai 1965, Elvis' Stimme wurde einen Tag später hinzugefügt. Den Master stellte man schließlich aus den Takes 6 (Instrumental) und 8 (Gesang) zusammen.

 

Look Out, Broadway

Hier handelt es sich eine typische Musical-Nummer, die im Film von Johnny (Elvis), Frankie (Donna Douglas) und Cully (Harry Morgan) gesungen wird. Tatsächlich singen neben dem King hier jedoch Eileen Wilson und Ray Walker, der Bass-Sänger der Jordanaires.

Auf einem regulären Album hätte so ein Titel natürlich nichts verloren, im Zusammenhang mit dem Film ist das Lied jedoch akzeptabel.

Geschrieben wurde es übrigens von Fred Wise und Randy Star. Die Aufnahme erfolgte am 14. Mai 1965 innerhalb von 12 Takes. Mit diesem Song endet auch die erste Seite der LP.

 

Beginner's Luck

Es folgt eine weitere Ballade, diesmal aus der Feder von Sid Tepper und Roy C. Bennett.

Prinzipiell finde ich das Lied in Ordnung, wenn es auch nicht an What Every Woman Lives For  heranreicht.

Der Rhythm Track entstand am 12. Mai 1965 innerhalb von fünf Takes. Elvis benötigte für den Gesangspart am folgenden Tag zwei Versuche.

 

Down By The Riverside / When The Saints Go Marchin' In

Als Autoren werden hier Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye genannt. Tatsächlich handelt es sich natürlich um zwei Traditionals, die von dem Komponisten-Team bearbeitet und zusammengefasst wurden.

Down By The Riverside  geht auf die Zeit des Bürgerkrieges zurück und wurde auch von den schwarzen Sklaven während der Arbeit gesungen. Es ist ebenfalls bekannt unter den Titeln Ain't Gonna Study War No More  und Gonna Lay Down My Burden. Die erste bekannte Aufnahme stammt von den Fisk Jubilee Singers aus dem Jahr 1920.

When The Saints Go Marchin' In  wurde als Beerdigungsmarsch in den Südstaaten der USA bekannt, tatsächlich gehen die Ursprünge jedoch auf ein belgisches Kirchenlied zurück.

Der Rhythm Track entstand am 12. Mai 1965, der Vocal Track folgte einen Tag später. Den Master setzte man schließlich aus den Takes 7 (Musik) und 4 (Gesang) zusammen.

CAMDEN veröffentlichte Down By The Riverside / When The Saints Go Marchin' In  1972 auf dem Album Elvis Sings Hits From His Movies - Volume 1.

 

Shout It Out

Erneut zeichnet das Trio Giant/Baum/Kaye verantwortlich, die Aufnahme entstand am 13. Mai 1965 innerhalb von 7 Takes.

Auch wenn hier gemäß dem Thema des Films wieder Blechbläser im Dixiland-Stil zum Einsatz kommen, klingt der Titel wie ein typischer Filmschlager.

Für einen solchen ist die Uptempo-Nummer durchaus in Ordnung, auf dem Album zählt sie jedoch zu den schwächeren Songs.

 

Hard Luck

Natürlich darf in einem Film wie Frankie And Johnny  ein Blues nicht fehlen, Ben Weisman und Sid Wayne füllten diese Lücke und schrieben Hard Luck.

Die Musik wurde am 13. Mai 1965 bei Radio Recorders aufgenommen, sechs Tage später sang Elvis in den Samuel Goldwyn Studios zu dem vorproduzierten Playback. Den Master kombinierte man aus den Takes 5 (Musik) und 3 (Gesang).

Mit Songs wie Reconsider Baby  ist dieser Filmschlager natürlich nicht zu vergleichen und er hätte auf einem regulären Album wohl auch keine Chance gehabt. Im Film - und damit auch auf dieser Soundtrack-LP - ist Hard Luck aber akzeptabel.

 

Please Don't Stop Loving Me

Dass RCA Victor die Ballade zur B-Seite der Single Frankie And Johnny  machte, verwundert nicht. Ohne Frage handelt es sich bei der Komposition von Joy Byers um einen der besten Titel aus dem Film und somit stellte die Nummer auch eine gute Werbung für die LP dar.

Elvis erkannte offenbar die Qualität von Please Don't Stop Loving Me  und investierte am 13. Mai 1965 neunzehn Takes in die Aufnahme.

 

Everybody Come Aboard

Wie der Film, so endet auch das Album mit einem schwungvollen Ohrwurm im Dixiland-Stil. Für mich zählt dieser Song zu den Highlights des Albums, er macht einfach Spaß.

Geschrieben wurde Everybody Come Aboard  von Bill Giant, Bernie Baum und Florence Kaye, Elvis nahm das Lied am 14. Mai 1965 innerhalb von 15 Takes auf.

 

New Bonus Tracks

Frankie And Johnny (Take 1)

Wir hören die Ansage aus der Tonregie und ein paar Übungen des Pianisten.

Beim ersten Durchlauf hat Elvis noch hörbare Probleme, die Wörter auf die Zählzeiten zu verteilen und vernünftig zu betonen.

Die Harmonien der Hintergrundsänger klingen hier ebenfalls noch ziemlich grobschlächtig.

Am Ende singt Elvis außerhalb der Reichweite seines Mikrophones.

 

Please Don't Stop Loving Me (Take 10)

Insgesamt spielte der King neunzehn Takes dieser Ballade ein, wir befinden uns also etwa in Hälfte der Session.

Grundsätzlich haben alle Beteiligten die Nummer schon gut im Griff, es geht jetzt nur noch um die Details.

 

Everybody Come Aboard (Takes 1 & 2)

Der Produzent sagt das Lied als On With The Show  an.

Nach wenigen Zeilen des ersten Takes verhaspelt sich Elvis im Text. Die Hintergrundsänger machen sich einen Spaß daraus und singen ein trauriges Oooooohhhhh.

Der zweite Versuch läuft durch, aber der King hat noch hörbare Probleme mit der Betonung.

Am Ende spielt die Band noch ein wenig weiter und improvisiert etwas Dixiland-Musik.

 

Chesay (Take 1)

Ein wenig außerhalb der Reichweite des Mikrophones wird der Part des "Zigeuners" gesungen, dann setzt Elvis mit seinem Part ein.

Die einfache Mitklatsch-Nummer bereitet ihm keine Schwierigkeiten.

 

Petunia, The Gardener's Daughter (Take 2)

Der Ansage aus der Tonregie folgt der zweite Durchlauf des Showboat-Songs.

Abermals hat Elvis keine Probleme mit dem Lied und auch Eileen Wilson singt ihren Part locker durch.

Nichtsdestotrotz bricht das Lied am Ende zusammen.

 

Look Out, Broadway (Takes 3-5)

Elvis muss nach wenigen Worten lachen, woraufhin man abbricht.

Auch beim nächsten Anlauf kommt der Meister nicht weiter, denn jetzt redet jemand in die Aufnahme hinein.

Take 5 wird dann schließlich von A bis Z durchgespielt, wirkt aber noch längst nicht so schmissig wie der Master.

 

Petunia, The Gardener's Daughter (Take 5)

Zunächst wird Take 3 angesagt, Elvis reagiert auf take three  mit der scherzhaften Frage OK, what are we takin'?

Jetzt korrigiert sich der Produzent, announciert Take 5 und merkt an, dass der komplette Song nochmal aufgenommen werden soll.

Auch diesmal funktioniert die Nummer gut, nur an einer Stelle singt der King etwas zögerlich.

 

Please Don't Stop Loving Me (Take 7)

Nach dem Einzählen beginnen Elvis und seine Jungs mit der Aufnahme.

Beim siebten Anlauf sind alle Beteiligten schon bestens mit der Ballade vertraut. Ganz 100%ig läuft es noch nicht, aber bei den Fehlern handelt es sich nur noch um Details.

Als Abweichung zum Master geht Elvis hier übrigens am Schluss mit der Stimme nach oben.

 

Frankie And Johnny (Takes 3 & 4)

Beim dritten Take kommt Elvis zu Beginn der zweiten Strophe aus dem Tritt und bricht mit einem knappen I'm sorry  die Aufnahme ab.

Der nächste Versuch läuft vollständig durch, der King hat aber noch Probleme mit der Betonung und kämpft auch hier und dort noch damit, den Text auf die Zählzeiten zu verteilen.

 

Frankie And Johnny (Movie Version)

Zum Abschluss der CD präsentiert uns FTD noch die siebenminütige Film-Version.

Eine Stereo-Aufnahme scheint nicht mehr zu existieren, denn Ernst Jorgensen und sein Team mussten auf eine Azetat-Schallplatte im Mono-Sound zurückgreifen.

Nichtsdestotrotz ist es natürlich schön, auch diese Fassung in akzeptablen Sound in der Sammlung zu haben.

 

Fazit & Bewertung

Die Aufnahmen wurden ordentlich aufbereitet und schick verpackt.