From Elvis At American Sound Studio

Nachdem Follow That Dream Records die LPs From Elvis In Memphis  und Back In Memphis  als Classic Album herausgebracht hatte, standen Ernst Jorgensen und Roger Semon vor der Frage, wie mit den übrigen Aufnahmen aus dem American Sound Studio zu verfahren sei.

Seinerzeit waren die Songs exklusiv im Single-Format veröffentlicht bzw. auf den LPs Let's Be Friends  (1970), Almost In Love  (1970), Elvis' Christmas Album  (1970), You'll Never Walk Alone  (1971)  und Elvis Now  (1972) verstreut worden.

Ähnliche Probleme hatte es schon mehrfach gegeben. Auch die Ergebnisse der Sessions vom Mai 1963, September 1967 und März 1972 waren von RCA Victor nicht in zusammenhängender Form veröffentlicht, sondern über mehrere Jahre auf verschiedenen Tonträgern verteilt worden.

Follow That Dream Records löste das Problem, indem das Label fiktive Alben kreierte, die seinerzeit wünschenswert gewesen wären, aber in der Realität eben bestenfalls angedacht worden waren.

Im hier besprochenen Fall heißt das Ergebnis From Elvis At American Sound Studio  und wurde 2013 auf den Markt gebracht.

Wie üblich sind neben den Masters auch Outtakes enthalten. Hier beschränkte sich FTD allerdings nicht auf die Songs dieses fiktiven Albums, sondern nahm auch Outtakes von titeln hinzu, die auf den LPs From Elvis In Memphis  und Back In Memphis  zu finden sind.

Aus Platzgründen hatten diese Takes auf den Classic Album-Ausgaben keine Verwendung gefunden, mit From Elvis At American Sound Studio  reicht uns das Sammler-Label diese Aufnahmen nun nach. Wie ich finde, eine schöne Idee.

Die Doppel-CD teilt sich nach den Masters in die Kapitel Bonus Track, First Takes, January Outtakes, February Outtakes  und Unfinished Masters.

Bei letzteren handelt es sich um die Master-Takes in unterschiedlichen Stadien der Nachbearbeitung.

Für den Mix und das Mastering der Aufnahmen zeichnet das bewährte Team Vic Anesini / Sebastian Jeansson verantwortlich.

 

Kentucky Rain

Der Song stammt aus der Feder von Eddy Rabbit, der allerdings erst 1977 eine eigene Aufnahme davon veröffentlichte. Elvis' Version entstand am 19. Februar 1969, der zehnte Versuch wurde zum Master-Take. Weitere Bearbeitungen erfolgten am 18. (Streicher und Blechbläser), sowie am 25. März (Hintergrundgesang) im American Sound Studio und im RCA Studio A in Nashville, Tennessee.

Ohne Vorwarnung oder Angabe von Gründen wurde der Sänger über Nacht verlassen und macht sich nun auf die Suche nach seiner Liebsten.

Anfang 1970 veröffentlichte RCA Victor den Song zusammen mit My Little Friend  auf einer Single, die dem King einen Top20-Hit in den Billboard Charts und (wenn auch posthum) eine weitere Goldene Schallplatte einbrachte. 

Später fand sich die Aufnahme auch auf der 4-LP-Box Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  (1970) und dem Album Pure Gold  (1975).

 

I'll Be There

I'll Be There  wurde von Bobby Darin geschrieben, der den Song im Jahre 1959 auch als erster aufnahm. Elvis folgte ihm am 22. Januar 1969 und spielte sechs Takes dieser Country-Ballade ein. Nachdem der dritte Versuch zur Grundlage des Masters erklärt worden war, wurden in weiteren Produktionsschritten Hintergrundgesang (24. Januar), Geigen (5. Mai) sowie Blechbläser und weiterer Hintergrundgesang (6. Mai) hinzugefügt.

Erstmals veröffentlicht wurde I'll Be There  im April 1970 auf dem über die RCA-Tochterfirma CAMDEN herausgegebenen Budget-Album Let's Be Friends. Weltweit ging die Scheibe etwa zwei Millionen Mal über die Ladentheken und wurde von der RIAA mit einem Platin Award ausgezeichnet.

 

Mama Liked The Roses

Der Rhythm Track entstand am 15. Januar 1969 , am 21. Januar folgte der Gesangspart des Kings. Am selben Tag nahm Elvis auch den Harmonie-Gesang auf, den man schlussendlich jedoch nicht für den Master nutzte. In weiteren Produktionsschritten wurden Glocken (18. März), Streicher (19. März) und Hintergrundgesang (31. März) hinzugefügt.

Der Autor ist übrigens jener John L. Christopher, der später auch an dem Klassiker Always On My Mind  beteiligt sein würde.

Prinzipiell handelt es sich bei Mama Liked The Roses  um einen recht kitschigen Song, in dem sich der Interpret hochgradig sentimental an seine verstorbene Mutter erinnert. Vermutlich hätte das Lied bei jedem anderen Sänger das Niveau eines handelsüblichen Schlagers nie verlassen, aber irgendwie schafft es Elvis, dem Lied Glaubwürdigkeit und Tiefe, ja sogar eine gewisse Feierlichkeit zu verleihen.

Ursprünglich war die Nummer für die LP From Elvis In Memphis  (1969) vorgesehen gewesen, schlussendlich hielt man sie aber zurück und brachte sie im Frühjahr 1970 zusammen mit The Wonder Of You  auf einer Single heraus.

Die Öffentlichkeit interessierte sich kaum für das Lied, dafür fand die eigentliche B-Seite viel Beachtung und wurde zum Top10-Hit. Insgesamt verkaufte sich die 45er etwa 3,75 Millionen Mal und sorgte für einen weiteren Platin Award.

Ende 1970 war Mama Liked The Roses  als Bonus Song auf der über das CAMDEN-Label veröffentlichten Budget-Ausgabe von Elvis' Christmas Album  zu finden. Letztere fand weltweit mehr als 15 Millionen Käufer und gilt heute nicht nur als das meistverkaufte Album des Kings, sondern auch grundsätzlich als die meistverkaufte Weihnachts-LP.

 

If I'm A Fool (For Loving You)

Die Ballade stammt aus der Feder von Stan Kesler und wurde am 20. Februar 1969 aufgenommen.

Elvis benötigte neun Takes für diesen sentimentalen Country-Song, in dem der Sänger beteuert, es sei ihm egal, wenn er für seine Liebste nichts weiter als ein Zeitvertreib sei - man solle ihn doch einfach träumen lassen.

Eine Nachbearbeitung der Aufnahme erfolgte am 25. März 1969, hier wurden Streicher und Hintergrundgesang hinzugefügt.

Auch dieser Titel fand sich auf dem Budget-Album Let's Be Friends.

 

Don't Cry Daddy

Im November 1969 veröffentlichte RCA Victor die Single Don't Cry Daddy / Rubberneckin'  und bescherte dem King damit einen weiteren Top10-Hit. Die US-Absätze wurden von der RIAA mit einem Platin Award honoriert, der weltweite Absatz beläuft sich auf über drei Millionen Exemplare.

Der Rhythm-Track von entstand am 15. Januar 1969, seinen Gesang fügte Elvis am 21. Januar hinzu. Am 19. März wurden die Blechbläser aufgenommen, Streicher folgten am 21. März. Das Lied stammt aus der Feder von Mac Davis, von dem der King während derselben Session auch In The Ghetto  aufnahm.

In dem Song bittet ein namentlich nicht genanntes Kind den Ich-Erzähler, nicht weiter den Verlust der Mutter zu betrauern und verspricht ihm sogar - zusammen mit seinem kleinen Bruder Tommy - eine neue Mama zu suchen. Trotz des sentimentalen Textes wirkt Don't Cry Daddy  nicht kitschig und auch Elvis findet mit seiner Interpretation genau den richtigen Tonfall.

Zunächst war der Song nur im Single-Format erhältlich, im Herbst 1970 veröffentlichte RCA Victor ihn auch als Teil der 4 LP Box Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1.

 

Rubberneckin'

Am 20. Januar 1969 spielte Elvis den Song in nur zwei Takes ein. Zwischen dem 22. und 24. Januar wurde der Hintergrundgesang aufgenommen, die Blechbläser folgten am 19. März.

Obwohl der Titel ursprünglich nicht dafür vorgesehen war, nutzte Universal ihn im Spielfilm Change Of Habit. Im Spätsommer 1970 fand sich Rubberneckin'  auch auf der CAMDEN-LP Almost In Love. Ähnlich wie der Vorgänger Let's Be Friends, so ließ sich auch diese Budget-LP etwa zwei Millionen Mal absetzen und bekam Platin-Status.

2003 brachte Sony/BMG einen von Paul Oakenfold erstellten ReMix von Rubberneckin' in die Läden, der in Australien und einigen europäischen Ländern zum Top10-Hit avancierte.

 

Hey Jude

Aus einer spontanen Laune heraus hatte Elvis den Song am 21. Januar 1969 aufgenommen, doch lag ihm weder der vollständige Text vor, noch war seine erkältungsgebeutelte Stimme in der Lage, die Töne korrekt zu treffen oder sie länger zu halten.

Sieben Mal versuchte er sich an der McCartney-Komposition, wobei allerdings nur der letzte Take vollständig durchging. Trotz der mehr als dürftigen Gesangsleistung wurden der Aufnahme Hintergrundgesang (24. Januar), Blechbläser (18. März) und Streicher (19. März) hinzugefügt. Vermutlich gingen Chips Moman und Felton Jarvis (die Produzenten dieser Session) davon aus, Elvis würde seinen Part später neu einsingen.

Weil dies aber nicht geschah, verblieb die Aufnahme im Archiv. Schlussendlich wollte RCA Victor aber wohl doch keine teure Aufnahme im Archiv verstauben lassen und nahm sie Anfang 1972 auf die LP Elvis Now. Dass der King hier kein Veto einlegte, kann ich mir nur mit absolutem Desinteresse am Endprodukt erklären.

Das Album selbst erreichte in den Billboard Charts lediglich den 45. Platz, verkaufte sich allerdings innerhalb der USA mehr als 500.000 Mal und qualifizierte sich somit für eine Goldene Schallplatte. Der weltweite Absatz fällt mit einer Million Kopien für die Verhältnisse des Kings eher dürftig aus.

 

My Little Friend

Hier erinnert sich der Sänger an seine erste große Liebe und die Veränderungen in seinem Leben, die dieses Ereignis mit sich brachte.

Der Rhythm Track entstand am 16. Januar, der Vocal Track folgte fünf Tage später. In weiteren Produktionsschritten wurden Blechbläser (18. März), Streicher (19. März) und Hintergrundgesang (25. März) ergänzt.

Zunächst fand sich der Song auf der B-Seite der Single Kentucky Rain. Im LP-Format war My Little Friend  erstmals auf dem CAMDEN Album Almost In Love  (1970) zu bekommen.

Geschrieben wurde der Song übrigens von Shirl Milete.

 

Who Am I

Die Ballade stammt aus der Feder von Charles Rusty Goodman und entstand am 22. Februar 1969 innerhalb eines einzigen Takes. Am 25. März wurden noch Geigen und Hintergrundgesang ergänzt.

Erstmals eingespielt worden war das Lied bereits 1964 von einer Gospelgruppe namens The Inspirations.

Die Presley-Aufnahme blieb zunächst im Archiv. Sie fand sich schließlich Anfang 1971 auf dem über das CAMDEN-Label herausgegebene Budget-Album You'll Never Walk Alone, auf dem Gospels und Popsongs mit religiösem Inhalt zusammengefasst wurden.

Die LP erfreute sich über Jahre großer Beliebtheit, so dass weltweit Verkäufe von mehr als fünf Millionen Einheiten zusammenkamen. Allein in den USA wurden über zwei Millionen Stück abgesetzt, was dem King posthum Doppel-Platin einbrachte.

 

Bonus Track

Memory Revival (Instrumental)

Am 21. Februar 1969 wurde ein Music Track von Memory Revival  eingespielt. Elvis sollte später dazu singen, was jedoch nie geschah.

Geschrieben wurde der Song übrigens von A.L. Owens und Dallas Frazier.

 

First Takes

Kentucky Rain (Takes 1-3)

Offenbar war der Song zunächst geprobt worden, denn Chips Moman sagt, dass ihm das Tempo gut gefallen habe.

Dann beginnt der erste offizielle Take, der noch etwas anders arrangiert ist als der Master. Elvis kämpft noch merklich mit der Betonung und auch das gerade gelobte Tempo ist noch etwas langsamer als gewohnt. Alles klingt ein wenig seicht, das Drama des Masters fehlt. Nach etwa drei Minuten bricht Chips Moman die Aufnahme ab.

Take 2 besteht aus vier Fehlstarts. Die Musiker haben Probleme, den Einstieg zu finden.

Mit dem dritten Take gelingt schließlich ein vollständiger Durchlauf, der allerdings ebenfalls noch sehr seicht klingt.

 

I'll Be There (Takes 1-3)

Nach der Ansage aus der Tonregie bespricht Elvis mit Reggie Young das Intro. Grundsätzlich scheint niemand mit der Country-Nummer irgendwelche Probleme zu haben. Nach der Bridge bricht Mr. Moman die Aufnahme allerdings ab.

Es folgen kurze Absprachen, dann geht es an den zweiten Anlauf. Der wird jedoch nur ein paar Takte alt.

Take 3 wird nicht nur vollständig durchgespielt, sondern sollte später auch zum Master erklärt werden. Insgesamt spielte Elvis sechs Takes von I'll Be There  ein, von denen allerdings neben diesem nur der sechste komplett ist.

 

If I'm A Fool (For Loving You) (Takes 1-3)

Elvis fängt an, bricht dann aber sofort ab und fragt Does it start off like that? Beim nächsten Anlauf singt er They say that I am just your fool, merkt aber, dass er hätte ...just your clown  singen müssen und bricht abermals ab.

Die Tonregie hat die ersten beiden Versuche als Take 1 gezählt, so dass der dritte Anlauf nun also Take 2 darstellt. Dieser kommt etwa bis zur Mitte des Songs, bevor abermals abgebrochen wird.

Aller guten Dinge sind drei und der Take funktioniert so, wie er soll. Vor größere Herausforderungen scheint die Country-Ballade keinen der Beteiligten zu stellen und auch am Arrangement sollte sich nichts mehr ändern.

 

Rubberneckin' (Takes 1 & 2)

Der erste Take besteht nur aus einem misslungenen Intro.

Als Gag singt Elvis kurz Our Love & Aloha  an, dann folgt der zweite Take, der dann schon die Grundlage des Masters darstellen sollte.

 

January Outtakes

Come Out, Come Out (Wherever You Are) (Instrumental - Take 2)

Am 13. Januar 1969 spielte die Hausband des American Sound Studios diesen Music Track ein, zu dem Elvis später singen sollte. Schlussendlich ließ man den Plan dann aber fallen, so dass nur diese Instrumentalversion existiert.

 

You'll Think Of Me (Take 7)

Beim siebten Take ist das Tempo noch etwas langsamer, als bei der später veröffentlichten Fassung. Dadurch wirkt der Song ein wenig träge.

Elvis' Gesang fehlt ebenfalls noch das richtige Feeling, zudem kämpft der Meister hier und dort noch mit der Betonung und dem Timing.

 

Poor Man's Gold (Instrumental - Take 12 & Abandoned Vocal Overdub)

Abermals hatte die Band vorab einen Instrumental-Track aufgenommen, zu dem Elvis später singen sollte.

Im Gegensatz zu Come Out, Come Out (Wherever You Are)  versuchte er sich hier etwas halbherzig daran, brach das Unterfangen dann aber ab und legte den Song ad acta.

Prinzipiell hören wir hier in gesungener Form nur die erste Zeile. Nachdem der King lachend abbricht läuft das Playback weiter durch.

 

Mama Liked The Roses (Alternate Vocal Overdub)

Auch hier sang Elvis zu einem Playback. FTD präsentiert uns hier einen alternativen Gesangspart, der allerdings nicht näher bezeichnet wird.

Elvis singt hier das Intro mit, was beim Master nicht zu hören ist. Eine vom King später eingesungene Harmonie-Stimme ist ebenfalls zu hören.

 

In The Ghetto (Take 19)

Zunächst gibt es einen Fehlstart, der von der Tonregie aber nicht als separater Take gewertet wird.

Der folgende Take 19 klingt der Master-Version schon recht ähnlich, an diesem Punkt der Produktion ging es nur noch um winzige Details.

 

Hey Jude (Take 1)

Zunächst klimpert der Pianist ein wenig herum, dann beginnt die eigentliche Aufnahme.

Die Musiker haben den Beatles-Hit drauf, Elvis jedoch kämpft mit massiven Text-Problemen. Zudem bricht ihm die Stimme mehrfach aus, hier und dort droht die Nummer auch vollständig zusammenzuklappen.

Alles klingt stark nach einem Jam, zumal der King die Aufnahme auch keineswegs ernst nimmt und streckenweise herumalbert.

 

I'll Be There (Takes 4-6)

Der vierte Take wird nach etwa zwanzig Sekunden von der Tonregie mit den Worten One more!  abgebrochen.

Anlauf Nummer 5 besteht nur aus einem vergeigten Intro, beim sechsten Take gelingt jedoch der Einstieg und der Song wird komplett durchgespielt.

Das Ergebnis klingt für eine offizielle Veröffentlichung vielleicht ein wenig zu lässig, hat aber viel Charme.

 

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Soweit bekannt liegen die Bildrechte am CD-Cover und am Booklet bei Follow That Dream Records.