Clambake

Mit Clambake  bringt Follow That Dream Records im Jahr 2006 eine weitere Classic Album-Ausgabe eines Soundtracks aus den 1960ern auf den Markt.

Der Tonträger steckt in einem 7" Digipak, dem auch ein Booklet mit weiterführenden Informationen und Bildern beiliegt.

Produziert wurde das Album von Ernst Jorgensen und Roger Semon, das Mastering (und den Mix der Outtakes) übernahm Lene Reidel.

Kurioserweise liegt über einigen Outtakes ein starkes Echo. Hier kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich um einen beim Mix hinzugefügten Effekt handelt. Mir persönlich gefällt das nicht.

 

The Album

Guitar Man (Bonus Song)

Kurioserweise beginnt der Soundtrack mit einem Lied, das mit dem Film überhaupt nichts zu tun hat.

Die Aufnahme stammt vom 10. September 1967. Elvis spielte zwölf Durchgänge dieser Komposition von Jerry Reed ein. Letzter fügte dem Master-Take am selben Tag sein prägnantes Gitarrenspiel hinzu.

Der Interpret schildert hier seinen Werdegang als Musiker und man kann dem King die Begeisterung für den Song förmlich anhören.

Im Januar 1968 veröffentlichte RCA Victor Guitar Man auch auf einer Single, vier Jahre später fand sich die Aufnahme ebenfalls auf dem CAMDEN-Album Elvis Sings Hits From His Movies - Volume 1. Für sein TV-Special SINGER presents Elvis spielte der King eine weitere Fassung ein, die auf der LP Elvis (1968) zu hören ist.

 

Clambake

Nun folgt das Titellied des Spielfilms. Obwohl die Aufnahme im gleichen Tonstudio mit mehr oder weniger demselben Personal entstand, ist die Tonqualität merklich schlechter. Alles klingt ein wenig dumpf und auch Elvis selbst wirkt lange nicht so motiviert wie beim ersten Song des Albums.

Clambake basiert auf dem Titel Shortnin' Bread aus den 1920ern und wurde von Ben Weisman und Sid Wayne entsprechend angepasst.

Die Musikspur entstand am 22. Februar 1967, Elvis versuchte sich am folgenden Tag 12 Mal an dem Song. Schlussendlich erklärte er den 10. Durchgang zum Master-Take.  

 

Who Needs Money

Im Film tauschen der reichte Scott (Elvis) und der arme Tom (Will Hutchins) die Identität und geben singend ihre Einstellung zum Thema Geld zum Besten.

Der Schauspieler Will Hutchins wird hier von Ray Walker, dem Bass-Sänger der Jordanaires, vertreten. Um glaubwürdiger zu klingen sang Walker absichtlich ein wenig schief.

Der Music Track entstand am 22. Februar 1967, die Vocal Tracks (Elvis und Ray nahmen ihre Parts separat auf) folgten einen Tag später. Am 6. März 1967 entstanden im Annex Studio (ehemals Radio Recorders) in Hollywood, Kalifornien noch Vocal Repairs und Insert-Takes. Die genaue Zusammensetzung des Masters ist mir nicht bekannt.

Geschrieben wurde Who Needs Money von Randy Starr.  

 

A House That Has Everything

Nach zwei eher mäßigen Filmschlagern steigert sich das Niveau nun erheblich. Der softe Bossa Nova aus der Feder von Sid Tepper und Roy C. Bennett ist durchaus ansprechend und wird von Elvis ordentlich gesungen.

Inhaltlich könnte man die Nummer unter dem Motto "Geld allein macht nicht glücklich" zusammenfassen, denn die im Text beschriebene Dame sitzt einsam in ihrem palastartigen Anwesen und verbringt den Tag damit, ihre Reichtümer zu zählen.

Elvis nahm A House That Has Everything am 21. Februar 1967 auf und benötigte dafür acht Versuche. 

 

Confidence

Auf einem Spielplatz entdeckt Scott (Elvis) ein Mädchen, das mutlos auf einer Rutsche sitzt. Ganz klar, sie braucht ein wenig Vertrauen - Confidence. Ob sie später wirklich aufgrund ihres gestärkten Selbstbewusstseins die Rutsche benutzt oder einfach nur die Flucht ergreift, sei in Anbetracht des Gebotenen einmal dahingestellt.

Elvis singt extrem lustlos, der von Erwachsenen imitierte Kinderchor wirkt peinlich und die Melodie des angeblich von Sid Tepper und Roy C. Bennet verfassten Liedes klingt verdächtig nach dem Sinatra-Klassiker High Hopes.

Vermutlich ist das auch der Grund, weshalb CAMDEN es fünf Jahre später auf dem Album Elvis Sings Hits From His Movies - Volume 1 noch einmal herausbrachte.

Der Rhythm Track entstand am 22. Februar 1967, den Gesangspart nahm Elvis einen Tag später auf. Am 6. März folgte im Annex Studio ein Vocal Repair, am 19. September imitierten June Page, Priscilla Hubbard, Dolores Edgin und Millie Kirkham die Kinderstimmen des Chors.   

 

Hey Hey Hey

Deutlich rhythmischer, deshalb aber keineswegs besser geht es weiter mit Hey, Hey, Hey. Hier besingt Elvis doch tatsächlich den zur Härtung des Speed-Bootes genutzten Lack!

Geschrieben wurde der Song von Joy Byers, die Aufnahme erfolgte am 22. und 23. Februar 1967. Elvis benötigte für seinen Part 13 Takes, weil er immer wieder über das Wort Blako-oxy-tonic-phosphate (der Name des Lackes) stolperte.  

 

You Don't Know Me

Die Ballade stammt aus der Feder von Cindy Walker und Eddy Arnold, der den Song 1955 auch als erster herausbrachte.

Am 21. Februar 1967 nahm Elvis zwanzig Takes von You Don't Know Me  auf, schlussendlich fand diese Fassung jedoch nur im Film Verwendung.

Für die Schallplatten-Veröffentlichung spielte er am 11. September zwei weitere Takes ein, den Master schnitt man aus dem ersten Versuch und den letzten Takten des zweiten Durchgangs zusammen.

Der Song wird von Elvis tadellos vorgetragen, wie oben bereits erwähnt, veröffentlichte RCA Victor ihn auf der B-Seite der Single Big Boss Man. 1972 war das Lied außerdem auf dem CAMDEN-Album Elvis Sings Hits From His Movies - Volume 1 zu finden.

 

The Girl I Never Loved

Der eigentliche Soundtrack endet mit The Girl I Never Loved, einer Ballade von Randy Starr.

Elvis nahm am 21. Februar 1967 elf Takes davon auf, schlussendlich erklärte er den neunten Versuch zum Master.

Ich persönlich halte The Girl I Never Loved für einen der besten Filmschlager des Kings. Leider ging der Song durch die Veröffentlichung auf dem relativ erfolglosen Clambake-Album unter und wird auch heute noch von Fans und Kritikern zumeist übersehen.   

 

How Can You Loose What You Never Had (Bonus Song)

Die Nummer stammt aus der Feder von Sid Wayne und Ben Weisman und wurde ebenfalls für den Film geschrieben und aufgenommen. Weil United Artists den Titel schließlich doch nicht nutzte, wies RCA Victor ihn auf der LP einfach als Bonus-Song aus.

Auf dem Album zählt How Can You Loose What You Never Had zu den besten Liedern, so dass ich die Entscheidung des Filmstudios nicht nachvollziehen kann.

Auch Elvis wirkt hier deutlich engagierter als bei den meisten anderen Movie Tunes. 

 

Big Boss Man (Bonus Song)

Das Lied wurde von Al Smith und Luther Dixon geschrieben und im März 1960 von Jimmy Reed erstmals aufgenommen.

Elvis' Version entstand am 10. September 1967 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee innerhalb von 11 Takes.

In dem Blues-Song stellt der Sänger seinen Chef zur Rede, der ihn ausbeutet und rund um die Uhr arbeiten lässt. Mir gefällt die Interpretation des Kings sehr gut, er singt mit deutlich aggressivem Unterton und bringt seine Wut absolut glaubwürdig rüber.

Für seine TV Show SINGER presents Elvis (1968) spielte der Entertainer eine neue Fassung von Big Boss Man ein, zwischen 1974 und 1977 kam die Nummer auch während seiner Bühnenshows zum Einsatz.

Die Studio-Aufnahme fand sich 1972 ebenfalls auf der CAMDEN-LP Elvis Sings Hits From His Movies - Volume 1.

 

Singing Tree (Bonus Song)

In der Country-Ballade trauert der Interpret seiner verflossenen Liebe hinterher.

Elvis nahm den Song von A.L. Owens und A.C. Solberg am 10. September 1967 innerhalb von 13 Takes auf, war mit dem Endergebnis jedoch unzufrieden und spielte am folgenden Tag fünf weitere Takes ein. Den letzten Versuch erklärte er schließlich zum Master-Take, zu dem er kurze Zeit später auch den Harmonie-Gesang aufnahm.

Das Endergebnis klingt ein wenig kitschig, gefällt mir insgesamt aber gut.

 

Just Call Me Lonesome (Bonus Song)

Die LP endet mit einer weiteren Ballade im Country-Stil. Der Komponist dieser Nummer heißt Rex Martin, erstmals aufgenommen wurde das Lied 1953 von Eddie Arnold.

Elvis spielte am 10. September 1967 sechs Takes von Just Call Me Lonesome ein, am Ende hielt er jedoch den ersten Durchlauf für den besten und benannte ihn als Master.

Für mich gehört auch dieses Lied zu den Highlights des Albums.

 

 

Additional Movie Masters

You Don't Know Me (Take 20)

Hier bekommen wir nun die Aufnahme vom 21. Februar zu hören, die Elvis (für die Schallplattenveröffentlichung) wieder verwarf.

Diese erste Fassung ist etwas sparsamer arrangiert. Sie ist nicht schlecht, aber die zweite Version ist fraglos gelungener.

 

Clambake - Reprise (Take 4)

Nur zur Begleitung einer Gitarre und mit bluesigem Einschlag singt Elvis Look for the brightest lights in town, that's where you find me hangin' round.

 

 

The Outtakes

Clambake (Take 3B)

Da Elvis zu einem vorab eingespielten Playback sang, klingt die Musik bei den Outtakes natürlich immer gleich.

Prinzipiell funktioniert der Take gut, lediglich am Ende gerät Elvis aus der Spur und muss über seinen Fehler lachen.

 

How Can You Loose What You Never Had (Takes 1 & 2)

Wir hören Gespräche und einen lachenden Elvis, im Hintergrund übt der Orgelspieler das Intro.

Es fällt auf, dass der Song hier langsamer gespielt wird, als bei der schlussendlich veröffentlichten Fassung. Nach etwa einer halben Minute muss der King abermals lachen und bricht ab.

Der zweite Take geht vollständig durch, hier und dort hat Elvis allerdings noch mit dem Timing zu kämpfen.

 

You Don't Know Me (Film Version, Take 3)

Die Ballade wird hier ebenfalls einen Hauch langsamer gespielt.

Wie bei How Can You Loose What You Never Had, so hat der King auch hier noch Probleme mit dem Timing und muss noch in den Song hineinfinden.

 

Hey Hey Hey (Takes 3, 5 & 6)

Grundsätzlich funktioniert der dritte Take schon recht gut, doch dann kommt Elvis zu dem Wort Blako-oxy-tonic-phosphate  und verhaspelt sich maßlos. Er macht einen Gag daraus und sorgt für allgemeine Erheiterung.

Beim fünften Versuch kommt der King erst gar nicht zu dem Killer-Wort, sondern bringt hammer  und sandpaper  durcheinander und singt hampaper.

Take 6 geht schließlich durch.

 

The Girl I Never Loved (Takes 4 & 5)

Elvis übt mit dem Chor das Ende des Songs und singt auch kurz die R&B-Nummer Down In The Alley  an.

Take 4 kommt über wenige Takte nicht hinaus, der fünfte Durchlauf kann sich allerdings schon hören lassen. Lediglich das Finale klingt noch etwas stockend.

 

Clambake (Takes 1 & 5)

Bei Take 1 muss Elvis während der ersten Strophe lachen, was zum Abbruch führt.

Der fünfte Versuch läuft durch, hier und dort betont Elvis noch etwas anders und ist auch nicht immer 100%ig im Timing. Dafür klingt er etwas lebhafter als beim Master-Take.

 

A House That Has Everything (Takes 4, 5 & 6)

Elvis übt den Refrain, auch die Musiker proben im Hintergrund.

Take 4 scheitert bereits am Intro, der fünfte Durchlauf wird aus der Tonregie abgebrochen, weil Elvis und die Band in die falsche Tonart gerutscht sind.

Der sechste Take gelingt und klingt dem Master schon recht ähnlich.

 

You Don't Know Me (Movie Version, Takes 7 & 10)

Hier erlaubt sich Elvis zunächst einen kleinen Scherz und setzt die Zeile And anyone could tell...  mit ..you can go to hell  fort.

Beim zehnten Take bleibt der King ernst, aber hier und dort hat er noch Probleme, den Text korrekt auf die Zählzeiten zu verteilen.

 

How Can You Loose What You Never Had (Take 3)

Prinzipiell klingt diese Aufnahme dem Master recht ähnlich. Elvis selbst wirkt auf mich allerdings einen Hauch engagierter, weshalb ich diesen Take vorziehen würde.

 

Hey Hey Hey (Takes 7 & 8)

Beim siebten Durchlauf gibt Elvis bei der Zeile We got a magic potion that will help us win  ein bisschen zu viel Gas, wenige Sekunden später scheitert er abermals an dem Wort Blako-oxy-tonic-phosphate  und macht Blako-what-the fuck... daraus, bevor er mit einem verärgerten Goddamn!  abbricht.

Jetzt singt der King die magic potion-Zeile wieder normal, das Wort Blako-oxy-tonic-phosphate  gelingt ihm eher rudimentär.

 

Clambake (Reprise, Takes 1-3)

Die CD endet mit der bluesigen Reprise-Version von Clambake.

Zunächst singt Elvis Well, I went down to New Orleans, thought I'd find myself a girl there. Insgesamt wirkt der King bestens gelaunt und albert ein wenig herum.

 

Fazit & Bewertung

Der Inhalt ist interessant, Aufmachung und Tonqualität sind in Ordnung. Das künstlich wirkende Echo bei einigen Outtakes trübt jedoch das Hörvergnügen.