Back In Memphis

Nachdem Elvis In Person  bereits 2008 als Classic Album auf den Markt gebracht wurde, folgt vier Jahre später mit Back In Memphis  auch der zweite Teil der ursprünglichen Doppel-LP From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis.

Gemastert wurden die Aufnahmen von Sebastian Jeansson, den Mix der Outtakes übernahm Vic Anesini.

Tontechnisch liegen die Tracks damit auf Augenhöhe mit den Boxen The Complete Elvis Presley Masters  (2010) und The RCA Album Collection  (2016), was nichts anderes bedeutet, als dass die Klangqualität als exzellent zu bezeichnen ist.

Beim Mix der Outtakes hielt sich Mr. Anesini an das ursprüngliche Klangbild, das eine harte Rechts-/Linkstrennung aufweist. Damals war das absolut modern, heute klingt es jedoch antiquiert und -insbesondere durch die vergleichsweise spärliche Instrumentierung der Live-Sessions- auch etwas merkwürdig.

Aus meiner Sicht wäre es sinnvoller gewesen, die Instrumente neu im akustischen Raum zu verteilen. Aber das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Ich hätte mir übrigens auch gewünscht, dass Ernst Jorgensen ein wenig auf das (für Elvis ungewöhnliche) Produktionsverfahren eingeht. Chips Moman verfolgte nämlich einen modernen Ansatz und produzierte die Masters in einzelnen Layern. Elvis hingegen behielt das bei SUN Records erlernte Verfahren bei und spielte seine Songs als Live-Takes ein, zu denen später lediglich Instrumente und Chöre ergänzt wurden. Vocal Repairs oder komplett neue Gesangsaufnahmen gab es bei ihm nur selten.

 

Das Album

Inherit The Wind

Die LP beginnt mit einer Komposition von Eddie Rabbit. Der Sänger warnt eine nicht näher bezeichnete Dame, sich in ihn zu verlieben, denn aufgrund seines freiheitliebenden Charakters würde er sie früher oder später verlassen.

Der Rhythm Track entstand am 15. Januar 1969, Elvis' Gesang wurde am 21. Januar hinzugefügt. In weiteren Bearbeitungsschritten kam dann der Hintergrundgesang (24. Januar), Streicher (5. Mai) und Blechbläser (6. Mai) hinzu.

Insgesamt ist der Song in Ordnung, als Hit würde ich ihn allerdings nicht bezeichnen.

 

This Is The Story

Nachdem er verlassen wurde, blickt der Interpret mit voller Selbstmitleid auf die Beziehung zurück und schlägt dabei im Refrain sogar ein paar soulige Töne an.

Aufgenommen wurde der Song am 13. Januar 1969, bereits der zweite Versuch wurde zum Master-Take. Es sei allerdings angemerkt, dass Elvis seinen Gesangspart am 21. Januar ersetzte. Drei Tage später ließ Chips Moman den Hintergrundgesang einspielen, am 5. Mai folgten die Streicher, am 6. kamen weiterer Hintergrundgesang und Blechbläser hinzu.

Die Autoren von This Is The Story  heißen Chris Arnold, Geoff Morrow und David Martin, die zuvor auch schon Let's Be Friends  für den Film Change Of Habit  komponiert hatten.

 

Stranger In My Own Hometown

Eines der Highlights dieser LP heißt Stranger In My Own Hometown  und stammt aus der Feder von Percy Mayfield, der den Titel auch als erster aufnahm.

Nach einer vorherigen Probe spielte Elvis den Song am 17. Februar 1969 in nur einem einzigen Take ein und lieferte damit eine seiner besten Blues-Aufnahmen ab.

Man kann dem King und seinen Musikern die Sanges- und Spielfreude förmlich anhören - ein absolut großartiger Track! Für Elvis' Verhältnisse recht ungewöhnlich kommt hier sogar eine Sitar zum Einsatz.

Die Nachbearbeitungen erfolgten übrigens am 7. Mai 1969 (Hintergrundgesang, Streicher und Blechbläser).

 

A Little Bit Of Green

Einmal mehr wurde der Sänger verlassen und so grübelt er jedes Mal über die Fehler der Beziehung nach, wenn er seine Ex mit ihrem neuen Partner sieht. Dabei steigt auch ein wenig Eifersucht in ihm auf, eben A Little Bit Of Green.

Auch dieser Song stammt vom Team Arnold/Morrow/Martin, von dem Elvis später auch noch Sweet Angeline (veröffentlicht auf der LP Raised On Rock / For Ol' Times Sake) übernehmen sollte.

Der King hatte A Little Bit Of Green  recht schnell im Kasten, am 14. Januar 1969 wurde bereits der dritte Versuch zum Master-Take. Am 26. September ersetzte Elvis allerdings seinen Gesangspart, zudem wurde der Harmonie-Gesang von Charlie Hodge aufgenommen.

 

And The Grass Won't Pay No Mind

Ursprünglich hatte Neil Diamond das American Sound Studio für den Januar 1969 reserviert. Da er Elvis aber den Vortritt ließ, verpflichtete sich dieser, einen Song von Neil aufzunehmen. Das Ergebnis heißt And The Grass Won't Pay No Mind  und ist für Elvis' Verhältnisse erstaunlich offenherzig:

Der Song handelt nämlich schlicht und einfach vom Sex auf der Wiese. Der Umstand wird allerdings dermaßen poetisch formuliert, dass man es bei ungenauem Zuhören gar nicht mitbekommt.

Eingespielt wurde And The Grass Won't Pay No Mind  während der zweiten American-Session am 17. Februar 1969 innerhalb von sechs Takes. Am 22. Februar wurden Vocal Repairs aufgenommen, am 7. Mai folgten Geigen und Blechbläser.

Mit diesem Song endet auch die erste Seite der LP.

 

Do You Know Who I Am

Die B-Seite eröffnet einer Ballade aus der Feder von Bobby Russell. Nach langer Zeit trifft der Sänger hier seine Ex und fragt sie, ob sie sich noch an ihn erinnern könne. Dabei hört man nur den vom Interpreten ausgehenden Teil des Gespräches und muss sich die andere Hälfte der Konversation selbst erschließen.

Elvis singt hier sehr gefühlvoll und man nimmt ihm seine Trauer und die wage Hoffnung auf eine Versöhnung jederzeit ab.

Insgesamt benötigte der King sieben Takes für Do You Know Who I Am, die Aufnahme entstand am 18. Februar 1969. Vier Tage später spielte Elvis den letzten Teil des Songs (beginnend mit der Zeile Do you think there's a chance...) noch einmal neu ein und ergänzte auch den Harmonie-Gesang. In einem letzten Produktionsschritt wurden am 25. März noch der Hintergrundgesang und die Streicher aufgenommen.

Heute wird der Song zumeist übersehen, für mich zählt Do You Know Who I Am  aber zu den absoluten Höhepunkten der 1969er Memphis-Sessions.

 

From A Jack To A King

Angeblich handelt es sich hier um das Lieblingslied von Vernon Presley. Weil dieser bei den Sessions anwesend war, soll Elvis den Song spontan angestimmt haben, bevor man beschloss, die Nummer professionell aufzunehmen.

Dies geschah am 21. Januar 1969 innerhalb von fünf Takes. Der Hintergrundgesang wurde am 24. Januar eingespielt, Blechbläser und Streicher wurden am 7. Mai ergänzt. Außerdem wurde der Ausschnitt zwischen 2:04 und 2:07 mit dem Text You made me king of your heart... durch dieselbe, früher im Lied ebenfalls gesungene Zeile ersetzt.

Sowohl Elvis' Gesang, als auch sein Gitarrenspiel betreffend wirkt die Nummer ziemlich ausgelassen und bekommt dadurch ein wenig den Charakter eines Jams.

Das Original wurde übrigens 1957 von Ned Miller, dem Autor des Songs, herausgebracht. Erfolg hatte er allerdings erst mit der 1962er Neuauflage der Single, die ihm sowohl in der Hot 100, als auch in der Best Seller Country Chart einen Top10-Hit einbrachte.

 

The Fair Is Moving On

Die Ballade kannten die Fans bereits von der B-Seite der Single Clean Up Your Own Backyard. Sie entstand am 21. Februar 1969, schon der erste Versuch wurde zum Master-Take. Allerdings ersetzte Elvis einen Tag später seinen Gesangspart, Geigen und Hintergrundgesang wurden am 25. März ergänzt.

Der Sänger zieht mit dem Jahrmarkt fort und verspricht seiner Liebsten, dass es das letzte Mal sei und er bald wieder zurückkommen werde.

Zwar ist das Lied, geschrieben wurde es übrigens von Guy Fletcher und Doug Flett, etwas süßlich, insgesamt gefällt es mir aber gut.

 

You'll Think Of Me

Der Komponist von heißt Mort Shuman, der vor allem zu Beginn der 1960er zusammen mit Doc Pomus etliche Hits für Elvis geschrieben hatte.

Der Interpret weiß bereits im Voraus, dass er nicht treu sein kann und seine Liebste irgendwann verlassen wird. Kurioserweise schafft es Elvis, den fast schon zynischen Text warmherzig und gefühlvoll klingen zu lassen.

Aufgenommen wurde das Lied am 14. Januar 1969 im American Sound Studio innerhalb von 23 Takes. Unter anderem kommt auch eine Sitar zum Einsatz, was für Elvis' Verhältnisse recht ungewöhnlich ist. Am 21. Januar ersetzte Elvis den ursprünglichen Gesangspart, drei Tage später wurde der Hintergrundgesang aufgenommen. Geigen, Blechbläser und weiterer Hintergrundgesang folgten am 5. und 6. Mai.

Im August 1969 fand sich You'll Think Of Me  auf der B-Seite der Hit-Single Suspicious Minds, auf der 4-LP-Box The Other Sides - Worldwide Gold Award Hits Volume 2  aus dem Jahr 1971 war der Song ebenfalls zu hören.

 

Without Love (There Is Nothing)

Das Album endet mit dieser Ballade aus der Feder von Danny Small. Das Original stammt aus dem Jahr 1957 von Clyde McPhatter, Elvis' Version entstand am 22. Januar 1969 innerhalb von fünf Takes. Geigen, Blechbläser und Hintergrundgesang wurden am 7. Mai ergänzt.

Voller Selbstmitleid muss der Sänger hier erkennen, dass er seine Beziehung in den Sand gesetzt hat und einmal mehr bringt der King den Text sehr emotional und äußerst glaubhaft rüber.

 

Bonus Song

Suspicious Minds

Im August 1969 veröffentlichte RCA Victor die Single Suspicious Minds / You'll Think Of Me.

Weil auf der Back In Memphis  nur die B-Seite zu hören war, reicht FTD den Nummer 1-Hit jetzt als Bonus Song nach.

Der Song wurde am 22. Januar 1969 im American Sound Studio in Memphis, Tennessee aufgenommen. Nachdem der achte Versuch zum Master-Take erklärt worden war, ergänzte Elvis am selben Tag den Harmonie-Gesang. Am 24. Januar wurde der Hintergrundgesang aufgenommen, die Streicher folgten am 7. Mai.

Um die Studio-Aufnahme der Konzertversion anzupassen, blendete Bill Porter am 7. August im United Recording Studio den Song am Ende mehrfach aus und wieder ein und fügte außerdem Blechbläser hinzu. Da alle acht Tonspuren bereits belegt waren, ließ er die Musiker während des Mixings live im Studio spielen - einmal für die Stereo-Version und einmal für die Mono-Ausgabe der Single.

Später fand sich die Aufnahme auch auf der 4-LP-Box Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  (1970). Live-Versionen sind auf den Alben From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  (1969), Elvis As Recorded At Madison Square Garden (1972) und Aloha From Hawaii Via Satellite  (1973) zu hören.

Geschrieben wurde Suspicious Minds  übrigens von Mark James, der den Song auch als erster aufnahm. Elvis vereinnahmte die Nummer aber so sehr, dass ich heute kaum noch jemand an die Originalversion erinnert.

 

First Takes

Inherit The Wind (Take 1, Rehearsal & Take 4/M - Take 1/V)

Weil Elvis aufgrund einer Erkältung den Sessions am 16. Januar 1969 fernblieb, spielte die Band zunächst einen Music Track ein, zu dem der King dann fünf Tage später sang.

Zunächst hören wir die Band ein wenig üben, dann bekommen wir den zum Master gewählten Take 4 mit Elvis' erstem Gesangsversuch (also Take 1 des Vocal Overdubs) zu hören.


A Little Bit Of Green (Take 1)

Elvis und seine Musiker diskutieren über den Song, dann beginnt man mit dem ersten Durchlauf.

Der ist alles andere als brauchbar. Schon beim Intro verspielt sich der Pianist und auch Elvis klingt erkältungsbedingt arg heiser. Er verfehlt eine ganze Serie von Tönen und hat auch mit dem Timing noch stark zu kämpfen. Zwischenzeitlich muss er darüber sogar selbst lachen.

Hier geht es eindeutig nur darum, ein Gefühl für das Lied zu entwickeln.

 

And The Grass Won't Pay No Mind (Takes 1-3 & 5)

Elvis übt ein wenig vor sich hin, im Hintergrund tun die Musiker dasselbe.

Take 1 ist nur ein kurzer Fehlstart, beim zweiten Anlauf kommt Elvis bis zur Bridge. Bei dem laut gesungenen Child, touch my soul...  bricht ihm die Stimme weg und er beendet den Take.

Chips Moman mahnt den Drummer zur Zurückhaltung, dann geht es in die nächste Runde. Die wird diesmal vom Produzenten beendet, weil ihm das Feeling nicht gefällt.

Der fünfte Versuch ist ebenfalls nicht vollständig, weil Elvis bei der Stelle now, now, now, now, now  aus dem Tritt kommt. Doch auch zuvor war seine Performance alles andere als perfekt, denn auch hier bereitete ihm die Bridge noch hörbar Probleme.

Dann folgt ein durchgehender Take 14.

 

Do You Know Who I Am (Take 1)

Beim ersten Durchlauf wird die Ballade noch deutlich flotter gespielt als beim späteren Master-Take. Auch sind die Instrumente anders arrangiert, alles klingt ein wenig nach Country Music.

Elvis kämpft noch hörbar mit den Tönen und dem Timing, im Anschluss möchte Chips Moman sich mit ihm zusammen die Aufnahme anhören. Vermutlich fiel hierbei auch die Entscheidung, das Arrangement zu ändern.

 

From A Jack To A King (Takes 1-3)

Die ersten beiden Takes sind nur kurze Fehlstarts, beim zweiten singt Elvis als Gag From a jack to a genie.

Take 3 geht vollständig durch, allerdings hört sich der King ziemlich heiser an und albert viel herum. Insgesamt klingt das Ganze noch mehr nach einem Jam als nach einer ausgearbeiteten Performance.

 

You'll Think Of Me (Takes 1-6)

Die Musiker üben das Intro, insbesondere die Sitar ist auszumachen. Dann beginnt man mit dem ersten Durchlauf, der allerdings abgebrochen wird, weil Elvis das Wort soul  schief singt.

Take 2 kommt über das Intro nicht hinaus, beim dritten Versuch scheitert der King erneut am Wort soul. Den vierten und fünften Take bricht Chips Moman ab. Einmal gefällt ihm das Intro nicht, dann verrutscht Elvis abermals das Wort soul.

Beim sechsten Versuch finden schließlich alle den richtigen Einstieg und der Take geht durch. Weil es der erste vollständige Durchlauf ist, kämpft Elvis noch mit der Phrasierung. Ansonsten funktioniert die Nummer schon recht gut.

 

Without Love (There Is Nothing) (Take 1)

Hier läuft bereits der erste Take vollständig durch.

An einigen Stellen holpert es verständlicherweise noch ein wenig, an sich haben Elvis und seine Mannen die Ballade aber schon gut im Griff.

 

Suspicious Minds (Takes 1-5)

Elvis setzt zu spät ein und hat noch mit dem Timing zu kämpfen. Als ihm bei der Zeile Would I still see suspicion in your eyes  der Text entgleitet, macht er daraus Would I still see...see fuck you rider.

Beim zweiten Take funktioniert das Anziehen des Tempos nicht, Take 3 scheitert, weil sich der Gitarrist (Reggie Young) verspielt.

Die nächsten beiden Versuche werden wieder bei der Zeile Would I still see suspicion in your eyes  abgebrochen, weil Elvis mit dem Timing nicht klarkommt.

Im Anschluss wird dieser Part mehrfach geprobt und noch ein wenig locker-flockig gejammt.

 

Suspicious Minds (Take 6)

Nach zwei vergeblichen Anläufen findet die Band in den Song und auch Elvis hat diesmal deutlich weniger Probleme.

Zwar kämpft der Meister noch immer ein wenig mit Tempo und Betonung, aber er ist eindeutig auf dem richtigen Weg.

 

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