Jailhouse Rock (Soundtrack)

Die letzte Presley-EP des Jahres 1957 erscheint am 30. Oktober und stellt den Soundtrack zum Spielfilm Jailhouse Rock  dar.

Am dem 11. November ist die Scheibe 50 Wochen lang in der EPs Chart zu finden, 28 Wochen davon auf Rang 1. Posthum erhält der King für die US-Verkäufe im Jahr 1992 Doppel-Platin. Mit einem weltweiten Absatz von mehr als zwei Millionen Kopien gilt Jailhouse Rock  heute als erfolgreichste EP-Veröffentlichung aller Zeiten.

Die Bildhülle wurde mit einem Werbe-Foto für den entsprechenden Spielfilm gestaltet. Eine Alternativ-Aufnahme findet sich übrigens auf dem Cover der zuvor veröffentlichten EP Elvis Sings Christmas Songs. Auf der Rückseite sind unter anderem ein Szenen-Foto und Liner Notes zu finden.

Die Tonaufnahmen für den dritten Spielfilm des Kings fanden zwischen dem 30. April und 3. Mai 1957 bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien statt und wurden am 8. und 9. Mai auf der sich ebenfalls in Hollywood befindlichen MGM Soundstage fortgesetzt. Produziert wurden die Sessions von Jeffrey Alexander, die Tontechniker hießen Thorne Nogar (Radio Recorders) und Fred Mulculpin (MGM).

Scotty Moore spielte Gitarre, Bill Black stand am Bass und DJ Fontana saß hinter dem Schlagzeug. Das Klavier teilten sich Dudley Brooks, Mike Stoller (bei I Want To Be Free) und Elvis (bei Don't Leave Me Now). Zudem spielte der King auch Gitarre und ist bei (You're So Square) Baby, I Don't Care  am Bass zu hören. Für den Hintergrundgesang sorgten The Jordanaires, bestehend aus Gordon Stoker, Neal Matthews, Hoyt Hawkins und Hugh Jarrett.

Am 30. Juli wurde für Treat Me Nice auf der MGM Soundstage noch eine von Vincent Terri gespielte Gitarre ergänzt, am 5. September spielte Elvis bei Radio Recorders noch eine weitere Fassung dieses Songs ein, die für die Single- und EP-Veröffentlichungen benutzt wurde.

 

Jailhouse Rock

Der legendäre Rocksong entstand am 30. April 1957 bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien. Zunächst spielte Elvis acht Takes ein, von denen aber nur die Versuche 4 und 5 vollständig durchgingen. Danach wurden zwei so genannte Pick-Up-Takes produziert, die mitten im Song ansetzten und mit denen man die zuvor nicht komplett durchgespielten Versionen ergänzen konnte. Die schlussendlich veröffentlichte Fassung besteht aus Take 6 (eigentlich ein langer Fehlstart) und Pick-Up-Take 2.

RCA Victor brachte den Jailhouse Rock  auch auf einer Single sowie den Alben Elvis' Golden Records  (1958), Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  (1970), Pure Gold  (1975) und A Legendary Performer - Volume 2  (1976) heraus. Live-Aufnahmen sind auf den LPs Elvis  (1968) und Elvis In Concert  (1977) zu finden. Im Rahmen des Rock' n Roll Medley  ist der Titel zudem auf Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  (1974) enthalten.

Für mich zählt Jailhouse Rock  zu den absoluten Signature Songs des King. An die Klasse seiner Studioaufnahme kam niemand - einschließlich er selbst - jemals wieder heran. Geschrieben wurde der Titel übrigens von Jerry Leiber und Mike Stoller, was sich unter anderem in dem herrlich subversiven Text wiederspiegelt.

 

Young And Beautiful

Die Ballade stammt aus der Feder von Abner Silver und Aaron Schroeder und wurde von Elvis am 30. April 1957 aufgenommen. Offenbar fiel das Lied dem King nicht leicht, denn er benötigte 22 Anläufe, ehe er die Nummer zu seiner Zufriedenheit im Kasten hatte.

RCA Victor veröffentlichte Young And Beautiful  später auch auf dem Album A Date With Elvis  (1959) und der 4-LP-Box The Other Sides - Worldwide Gold Award Hits Volume 2  (1971).

Prinzipiell gefällt mir die Ballade sehr gut, ich denke aber, dass Elvis sie ein paar Jahre später besser gesungen hätte.

 

I Want To Be Free

Der Song ist ein typischer Filmschlager, der er speziell für eine ganz bestimmt Szene geschrieben wurde. Im Vergleich zu den meisten anderen Liedern dieser Art kann sich die Leiber/Stoller-Komposition aber durchaus hören lassen. Elvis spielte am 3. Mai 1957 zunächst 11 Takes von I Want To Be Free  ein. Danach entstanden zwei Pick-Up Takes mit dem Ende des Songs, dann nochmal fünf Versuche mit einem alternativen Schluss. Jeffrey Alexander setzte den Master schließlich aus Take 11 und Take 5 (Pick-Up Take mit alternativem Ende) zusammen.

1959 fand sich I Want To Be Free  auf der LP A Date With Elvis, 1971 war der Song auch auf dem 4-Album-Set The Other Sides - Worldwide Gold Award Hits Volume 2  erhältlich.

 

Don't Leave Me Now

Den Besitzern der Soundtrack-LP Loving You  war Don't Leave Me Now  bereits bekannt. Seinerzeit hatte es sich um einen Bonus-Song gehandelt, im Film Jailhouse Rock  hingegen war Don't Leave Me Now  tatsächlich zu sehen. Allerdings griff man nicht einfach auf die bekannte Einspielung zurück, sondern nahm die Ballade am 9. Mai 1957 in leicht veränderter Form noch einmal auf.

Obwohl Elvis mit dem Song bereits vertraut war, spielte er 12 Takes davon ein, ehe er sich mit dem Endergebnis zufriedengab.

 

(You're So Square) Baby I Don't Care

Weil Bill Black das Bass-Intro nicht hinbekam, stürmte er wutentbrannt aus dem Studio und ließ die verdutzten Musiker im Aufnahmeraum zurück. Zur allgemeinen Überraschung griff sich Elvis selbst den Bass und spielte den Part so, wie man sich ihn vorgestellt hatte. Sein Gesang diente dabei lediglich als grobe Vorlage, die an diesem 3. Mai 1957 aufgenommenen Vocal Tracks erwiesen sich als unzureichend. Daher sang Elvis fünf Tage später auf der MGM Soundstage über das vorproduzierte Playback. Den Master stellte man schließlich aus den Takes 16 (Musik) und 6 (Gesang) zusammen.

1959 fand sich (You're So Square) Baby I Don't Care  auch auf dem Album A Date With Elvis, 1971 erfolgte eine weitere Veröffentlichung auf der 4-LP-Box The Other Sides - Worldwide Gold Award Hits Volume 2.

Für die Komposition dieses phantastischen Songs zeichneten übrigens einmal mehr Jerry Leiber und Mike Stoller verantwortlich.

 

Fazit & Bewertung

Nicht nur kommerziell, sondern auch inhaltlich lieferte Elvis mit Jailhouse Rock  seine stärkste EP ab. Mit dem Titelsong und (You're So Square) Baby I Don't Care  enthält die Scheibe zwei unzerstörbare Klassiker und auch die übrigen Songs liegen weit über den Niveau der typischen Presley-Filmschlager.