The Real Elvis

Am 17. August 1956 bringt RCA Victor die EP The Real Elvis  auf den Markt.

In der Top 100 kann sich die EP nicht platzieren, als später jedoch eine eigene Hitparade für dieses Tonträgerformat eingeführt wird, steigt die Scheibe am 16. Juni 1958 in die Extended Plays Chart ein und erreicht dort im Zuge ihres fünfwöchigen Aufenthalts den fünften Platz.

Aufgrund der konstanten Verkäufe behält RCA The Real Elvis  bis weit in die 1960er im Programm und kann insgesamt etwa eine Million Kopien absetzen. Die RIAA verleiht dem King posthum einen Platin-Award.

Wie bei der vorangegangenen EP griff RCA Victor für das Cover-Design auf ein Bild zurück, das Elvis während eines Auftritts in der Stage Show der Dorsey-Brüder zeigt.

 

 

Don't Be Cruel

Don't Be Cruel  entstand am 2. Juli 1956 innerhalb von 28 Takes im RCA Studio 1 in New York. Noch im selben Monat brachte RCA Victor den Song zusammen mit Hound Dog  auf einer Single heraus, später war er auch auf den Alben Elvis' Golden Records  (1958), Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  (1970), Elvis - A Legendary Performer  (1974) und Pure Gold  (1975) zu hören. Daneben findet sich der Titel auch als Teil eines Medleys mit Teddy Bear  auf den Live-LPs Elvis As Recorded At Madison Square Garden  (1972) und Elvis In Concert  (1977).

Neben Otis Blackwell ist auch Elvis selbst als Komponist gelistet, tatsächlich ging es aber nur darum, dem neuen Superstar zusätzlich zu seinen Einnahmen als Sänger auch noch die Hälfte der Komponisten-Tantiemen zu sichern. Weil sich Blackwell bei Don't Be Cruel  wohl ein wenig zu sehr an populären Liedern der Konkurrenz orientiert hatte, wurden schnell Plagiatsvorwürfe gegen den Songschreiber laut.

Doch ob nun abgekupfert oder nicht, Don't Be Cruel  zählt für mich zu den absoluten Highlights im Kanon des Kings. Kommerziell gilt die Kopplung Don't Be Cruel / Hound Dog  übrigens als erfolgreichste Single-Veröffentlichung der 1950er Jahre.

 

I Want You, I Need You, I Love You

Diese Liebesschnulze nahm Elvis am 14. April 1956 in den RCA Studios in Nashville, Tennessee auf. Einen finalen, alle Beteiligten zufriedenstellenden Take gab es nicht, stattdessen setzte man den Master aus den Durchläufen 14 und 17 zusammen.

Geschrieben wurde der Song von Maurice Mysels und Ira Kosloff, Elvis promotete den Titel auch im Fernsehen und sang ihn während einiger Konzerte. Einen Monat vor dem Erscheinen dieser EP war I Want You, I Need You, I Love You  zusammen mit My Baby Left Me  auf einer Single herausgebracht worden, im Album-Format erschien der Song auf Elvis' Golden Records  (1958) und Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  (1970). Zudem war Take 15 auf der LP A Legendary Performer - Volume 2  (1976) zu hören.

Mir persönlich gefällt der Titel recht gut, auch wenn ich überzeugt bin, dass ihn der King einige Jahre später besser gesungen hätte.

 

Hound Dog

Am selben Tag wie das zuvor erwähnte Don't Be Cruel  spielte Elvis auch Hound Dog  ein. An diesem Song arbeitete er ebenfalls hart, denn er benötigte 31 Durchläufe, ehe er sich mit dem Resultat zufrieden gab.

Das Lied wurde von Jerry Leiber und Mike Stoller geschrieben, wobei ursprünglich auch Johnny Otis als Komponist angegeben wurde. Erst seit einer gerichtlichen Auseinandersetzung werden Leiber und Stoller als alleinige Urheber aufgeführt. Die Originalaufnahme von Hound Dog  stammt aus dem Jahr 1952 von Willie Mea "Big Mama" Thornton, später sangen allerdings auch Jack Turner oder Eddie Hazlewood das Lied.

Auch dieser Song gehört zu den ganz großen Klassikern und fand sich später auf den Alben Elvis' Golden Records  (1958) und Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  (1970). Im Konzertprogramm des Kings hatte die Nummer ebenfalls einen festen Platz und findet sich auf den Live-LPs From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  (1969), Elvis As Recorded At Madison Square Garden  (1972), Aloha From Hawaii Via Satellite  (1973), Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  (1974) und Elvis In Concert  (1977). Auf dem Soundtrack zum TV-Special SINGER presents Elvis  ist das Lied ebenfalls zu hören. An die Großartigkeit der Studioaufnahme kam der King allerdings nie wieder heran.

 

My Baby Left Me

My Baby Left Me  stammt aus der Feder von Arthur Crudup, dessen That's All Right  zwei Jahre zuvor die A-Seite von Elvis' erster Single dargestellt hatte. Obwohl es sich hier prinzipiell um eine Kopie des vorgenannten Songs handelt, gewinnt My Baby Left Me  für mich das Rennen. Der King singt energischer und D.J. Fontanas Schlagzeug verleiht der Interpretation zusätzlichen Drive.

Aufgenommen wurde der Song am 30. Januar 1956 im RCA Studio 1 in New York innerhalb von neun Takes. Wie zuvor erwähnt, wurde My Baby Left Me  zusammen mit I Want You, I Need You, I Love You  auf einer Single veröffentlicht, später war das Lied abermals auf den Alben For LP Fans Only  (1959) und The Other Sides - Worldwide Gold Award Hits Volume 2  (1971) zu finden. Eine Konzertaufnahme wurde 1974 auf der LP Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  herausgebracht.

 

Fazit & Bewertung

Die Fans konnten mit The Real Elvis  die beiden aktuellen Hit-Singles des neuen Teenager-Idols kompakt auf einem Tonträger kaufen, für RCA Victor bedeutete diese Zweitverwertung ein riesiges Geschäft. Aber auch musikalisch wurde einiges geboten, denn die vier Songs stammten aus völlig unterschiedlichen Genres und deckten die Kategorien Popmusik, Ballade, Rock'n'Roll und R&B ab.