Elvis Presley

Neben dem Album und der EP Elvis Presley  veröffentlicht RCA Victor im März 1956 auch eine Doppel-EP gleichen Namens. In der Hitparade kann sich das Set nicht platzieren, weltweit gehen aber auch hiervon mehrere 100.000 Kopien über die Ladentheken.

Zur Steigerung des Wiedererkennungswertes wurde das Artwork der LP übernommen. Für die Rückseite nutzte man ein Foto von einem Auftritt in der Stage Show.

 

 

Blue Suede Shoes

Der Song geht auf eine Begebenheit zurück, die Johnny Cash während seines Militärdienstes in Landsberg am Lech erlebte. Dort hatte er einen Vorgesetzten, der stets auf sein Aussehen achtete und zu sagen pflegte Just don't step on my blue suede shoes. Cash erzählte dem Singer/Songwriter Carl Perkins davon und als dieser eines Abends auf einer Tanzveranstaltung einen Mann sah, der seine Partnerin aus Angst um seine Schuhe auf Abstand hielt, fügte er die beiden Begebenheiten zusammen und machte den Song Blue Suede Shoes  daraus.

Am ersten Januar 1956 wurde der Titel zusammen mit Honey Don't  auf einer Single veröffentlicht und sorgte für großes Aufsehen. Weil auch Elvis das Lied bereits im Fernsehen gesungen hatte, drängte Steve Sholes seinen jungen Schützling ebenfalls zu einer Schallplattenaufnahme. Sie entstand am 30. Januar im RCA-Studio in New York innerhalb von 10 Takes. Mit der geballten Marktmacht von RCA Victor wollte er die Presley-Version ebenfalls auf einer 45er herausbringen und Perkins den Hit abspenstig machen.

Angeblich war es Elvis selbst, der sich gegen ein solches Vorgehen aussprach. Er stimmte allerdings zu, die Aufnahme sowohl auf der LP Elvis Presley, als auch auf der gleichnamigen EP und dieser Doppel-EP herauszubringen. Im August 1956 fand sich die Nummer schließlich doch noch auf einer Single - zusammen mit Tutti Frutti, einer weiteren Cover-Version eines aktuellen Hits der Konkurrenz.

Für seinen Spielfilm G.I. Blues  spielte Elvis 1960 eine weitere, deutlich zahmere Fassung von Blue Suede Shoes  ein und auch auf den Live-Alben From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  (1969) und Aloha From Hawaii Via Satellite  (1973) war der Song vertreten. Eine weitere, vor Publikum eingespielte Version fand sich 1976 auf der LP A Legendary Performer - Volume 2. An die großartige Studioaufnahme von 1956 kam Elvis jedoch nie wieder heran.

 

I'm Counting On You

Die Ballade stammt aus der Feder von Don Robertson und wurde von Elvis am 11. Januar 1956 im RCA Studio in Nashville, Tennessee eingespielt. Der vergleichsweise langsame Song verlangte dem jungen Sänger deutlich mehr ab und so benötigte er ganze 17 Versuche, ehe er ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen konnte.

Im August 1956 kombinierte RCA Victor die Ballade mit I Got A Woman  auf einer Single. Insgesamt mag ich die Aufnahme des Kings, wenn er in späteren Jahren vermutlich auch mehr aus der Nummer herausgeholt hätte.

 

I Got A Woman

Anfang 1955 hatte Ray Charles mit I've Got A Woman  die R&B-Charts gestürmt und auch Elvis hatte den Song seit ebendiesen Tagen im Live-Programm. Das Lied basiert auf dem Gospel It Must Be Jesus  und wurde von Renald Richard und Ray Charles verfasst. Die Studio-Aufnahme des Hillbilly Cat entstand am 10. Januar 1956 im RCA Studio in Nashville, Tennessee innerhalb von acht Takes.

Elvis schien des Songs offenbar niemals überdrüssig zu werden, denn auch nach seinem Bühnen-Comeback behielt er I Got A Woman  bis zum Ende im Konzertprogramm. Live-Aufnahmen davon sind auf den Alben Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  (1974) und Elvis In Concert  (1977) zu hören.

Wie zuvor erwähnt, veröffentlichte RCA Victor die Studio-Aufnahme von I Got A Woman  im August 1956 zusammen mit I'm Counting On You  auf einer Single und auch auf der zeitgleich mit dem Album veröffentlichten EP Elvis Presley  war der Song enthalten. Neunzehn Jahre später war I Got A Woman  abermals auf der LP Pure Gold  zu hören.

 

One-Sided Love Affair

Bei One-Sided Love-Affair  handelt es sich wieder um eine Originalnummer, diesmal geschrieben von Bill Campbell. Elvis nahm den flotten Popsong am 30. Januar 1956 im RCA Studio in New York innerhalb von acht Takes auf. Im Single-Format koppelte RCA Victor One-Sided Love-Affair  im August 1956 mit Money Honey.

Der Interpret möchte hier ein wenig von den investierten Gefühlen zurückbekommen und teilt seiner Lady mit, dass ihm an einer einseitigen Liebesbeziehung nicht gelegen ist. Von Fans und Kritikern wird der Song zumeist übersehen, für mich zählt er zu den Klassikern des Kings.

 

Tutti Frutti

Anfang Januar hatte Little Richard mit Tutti Frutti den zweiten Platz der Hitparade für Rhythm & Blues Musik belegt, bereits am 31. des Monats spielte Elvis im RCA Studio in New York eine eigene Version ein. Allerdings benötigte der angehende King Of Rock'n'Roll zehn Versuche für den Song, während Little Richard mit drei Takes ausgekommen war.

Der Sänger hatte den lustigen Song über die Qualitäten seiner weiblichen Bekanntschaften selbst geschrieben, der Text war seinem Produzenten Robert Blackwell allerdings zu anzüglich, so dass er die Komponistin Dorothy LaBostrie die Nummer noch einmal überarbeiten ließ.

Im August 1956 brachte RCA Victor schließlich auch Elvis' Version auf einer Single heraus und koppelte den Song mit dem Carl Perkins Hit Blue Suede Shoes.

 

Trying To Get To You

Trying To Get To You  wurde von Rose Marie McCoy und Charles Singleton geschrieben und 1954 erstmals von The Eagles veröffentlicht. Bereits im Januar oder Februar 1955 nahm auch Elvis bei SUN Records in Memphis, Tennessee eine Version davon auf, schlussendlich war Sam Phillips mit dem Resultat aber nicht zufrieden, so dass man am 21. Juli desselben Jahres erneut zu Werke ging. Das Resultat hätte eigentlich die A-Seite der nächsten Single werden sollen, doch dann wechselte Elvis zu RCA Victor und der Plan verlief im Sande.

Im August 1956 koppelte man Trying To Get To You  schließlich doch noch auf einer 45er aus und veröffentlichte es zusammen mit I Love You Because. Zwanzig Jahre später erschien der Song ebenfalls auf dem Album The Sun Sessions.

Der King selbst schien Trying To Get To You  sehr zu mögen, denn im Zuge seiner Fernsehshow SINGER presents Elvis  (1968) kam er wieder darauf zurück. Live-Aufnahmen befinden sich auf den Alben A Legendary Performer - Volume 1  (1974), Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  (1974) und Elvis In Concert  (1977). Obwohl ich auch das Original sehr mag, gefallen mir die späteren Konzertaufnahmen besser.

 

I'm Gonna Sit Right Down And Cry (Over You)

Anno 1953 veröffentlichte Roy Hamilton den Song, Elvis' Aufnahme folgte am 31. Januar 1956 im RCA Studio in New York. Der junge Sänger arbeitete lange an der Nummer, erst der 18. Versuch wurde zum Master Take.

In dem Lied von Joe Thomas und Howard Biggs gibt der Interpret bekannt, in große Trauer zu verfallen, sollte ihn seine Liebste jemals verlassen. Dies tut er allerdings gänzlich undramatisch in Form eines flotten Popsongs.

Im August 1956 veröffentlichte RCA Victor den Song erneut auf der B-Seite von I'll Never Let You Go (Little Darlin'). In späteren Jahren wurde I'm Gonna Sit Right Down And Cry (Over You)  auch von anderen Interpreten, wie etwa Del Shannon, Shakin' Stevens und den Beatles gecovert.

 

I'll Never Let You Go (Little Darlin')

Geschrieben wurde I'll Never Let You Go (Little Darlin')  von Jimmy Wakely, die Aufnahme erfolgte im September 1954 bei SUN Records in Memphis, Tennessee. Elvis singt sehr gefühlvoll und auch der Hall-Effekt trägt zur Atmosphäre dieser hörenswerten Ballade bei.

Im August 1956 veröffentlichte RCA Victor I'll Never Let You Go (Little Darlin')  auf der zuvor erwähnten Single, zwei Jahrzehnte später fand sich der Song zudem auf der LP The Sun Sessions.

 

Fazit & Bewertung

Insbesondere bei den Uptempo-Songs überzeugt Elvis hier auf ganzer Linie, aber auch die Balladen sind nett anzuhören und zeigen die weiche, verletzliche Seite des Hillbilly Cat.