Elvis In Concert (Soundtrack)

Passend zum Sendetermin von Elvis In Concert  bringt RCA im Oktober 1977 das gleichnamige Doppel-Album auf den Markt.

Mit einer Million Vorbestellungen steigt das Set am 29. des Monats in die Top LPs Chart ein, wird 18mal notiert und erreicht den fünften Platz.

In der Hot Country LPs Chart ist Elvis In Concert  ebenfalls ab dem 29. Oktober zu finden. Hier wird es zum Nummer 1-Hit und kommt auf eine Laufzeit von 37 Wochen.

Schon im Monat der Veröffentlichung zeichnet die RIAA das Set mit einem Platin-Award aus, 2002 erfolgt die Anpassung auf Tripple-Platin.

Auch auf dem europäischen Festland ist das Elvis In Concert  beliebt und landet vielerorts in der Top10. Insgesamt verkauft es sich etwa 4,5 Millionen Mal.

Da Elvis in der TV-Show alles andere als gut aussah, bestückte RCA das Cover mit einer Live-Aufnahme vom Juni 1975. Auf den Innenseiten fanden sich Bilder vom Mai 1974, für die Rückseite griff man gar auf ein Foto von 1972 zurück.

Das Set hat eine Spielzeit von 71:41 Minuten.

Die Aufnahmen fanden am 19. Juni 1977 in Omaha, Nebraska und am 21. Juni 1977 in Rapid City, South Dakota statt. Dwight Hemion, Gary Smith und Felton Jarvis fungierten als Produzenten, die Tontechniker hießen Bill Harris und Doug Nelson.

Die Tour-Band des Kings bestand aus James Burton (Gitarre), John Wilkinson (Gitarre), Jerry Scheff (Bass), Ronnie Tutt (Schlagzeug), Tony Brown (Klavier), Bobby Odgin (Keyboard) und Charlie Hodge (Gitarre & Harmony-Gesang). Hinzu kam noch das 10köpfige Orchester unter der Leitung von Joe Guercio. Für den Hintergrundgesang sorgten J.D. Sumner & The Stamps (J.D. Sumner, Larry Strickland, Ed Hill, Ed Enoch und Gary Buckles), The Sweet Inspirations (Myrna Smith, Sylvia Shemwell und Estelle Brown) sowie Kathy Westmoreland und Sherrill Nielsen.

Die Nachbearbeitungen fanden am 29. und 30. August 1977 statt. Zunächst wurde im Studio von Chip Young (Young 'un Sound in Murfreesboro, Tennessee) weiterer Hintergrundgesang aufgenommen, danach ergänzte man im Soundmaster-Studio in Nashville, Tennessee ein paar zusätzliche Instrumente.

Auf der ersten LP ist,  mit Ausnahme des in letzter Minute hinzugefügten Early Morning Rain, der Soundtrack zur TV-Show enthalten. Auf der zweiten Scheibe sind Live-Aufnahmen zu hören, die nicht im Fernsehen gezeigt worden waren. Die meisten der Songs wurden am 21. Juni 1977 im Rapid City aufgenommen, lediglich Teddy Bear / Don't Be Cruel, How Great Thou Art, Can't Help Falling In Love, Fairytale, Little Sister  und And I Love You So  stammen aus dem Omaha-Konzert vom 19. Juni.

 

Elvis' Fans Comments / Opening Riff

Unterbrochen von der Brücke zwischen Also Sprach Zarathustra  und See See Rider  bringen einige Fans ihre Begeisterung für Elvis in kurzen Statements zum Ausdruck.

 

Also Sprach Zarathustra

Die eigentlichen Konzertaufnahmen beginnen mit einem Ausschnitt aus dem klassischen Werk von Richard Strauss, die meisten Amerikaner kennen die Klänge aus dem Science Fiction-Film 2001 - A Space Odyssey.

Der King nutzt die Melodie seit einem halben Jahrzehnt als Intro, nachzuhören ist dieses Opening auf den Alben Elvis As Recorded At Madison Square Garden  (1972) und Aloha From Hawaii Via Satellite  (1973).

 

See See Rider

Das klassische Stück geht in ein rhythmisches Opening Riff  über, zu dem Elvis die Bühne betritt und von Charlie Hodge seine Gitarre gereicht bekommt. Ohne Unterbrechung mündet das Riff in See See Rider, das bereits auf den LPs On Stage - February 1970  (1970), Aloha From Hawaii Via Satellite  (1973) und Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  (1974) veröffentlicht wurde.

Im direkten Vergleich scheint der King um Jahrzehnte gealtert zu sein, seine Stimme klingt glanzlos, müde und nasal.

 

That's All Right

Seinerzeit hatte Elvis das Madison Square Garden-Album mit diesem Song eröffnet. Damals knallte er seinem Publikum eine druckvolle Highspeed-Version seiner ersten Single-Veröffentlichung um die Ohren.

Jetzt hat der King das Tempo gedrosselt und auch die Instrumentierung klingt nun wieder mehr nach Country als nach Las Vegas.

Mir gefällt das Arrangement sehr gut und auch Elvis scheint den Song zu mögen und geht voll mit. Wirklich genießen kann ich die Performance trotzdem nicht, denn der schlechte Allgemeinzustand des Sängers ist nur zu offensichtlich.

 

Are You Lonesome Tonight

Eine Live-Aufnahme dieser Ballade hatte es bereits 1969 auf der Doppel-LP From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  gegeben. Auch hier hat sich Elvis vom Vegas-Stil verabschiedet und ist zu einem einfacheren Arrangement zurückgekehrt.

Während des gesprochenen Teils verhaspelt er sich allerdings und albert danach lieber herum, anstatt sich auf den Song zu konzentrieren.

 

Teddy Bear / Don't Be Cruel

Die Anhänger des Kings kennen dieses Medley bereits von dem Album Elvis As Recorded At Madison Square Garden  (1972).

Beim ersten Anhören der neuerlichen Live-LP müssen sie sich unweigerlich gefragt haben, was in den letzten fünf Jahren mit ihrem Idol passiert sein mag. Sämtliche Energie scheint ihm abhanden gekommen zu sein, er klingt lustlos, müde und nasal.

 

Elvis' Fans Comments

Die Konzertaufnahmen werden durch neuerliche Fan-Kommentare unterbrochen, eine Dame weiß zum Beispiel von der großen Aufrichtigkeit ihres Idols zu berichten.

Wie zahlreiche, posthum bekannt gewordene Begebenheiten beweisen, hat sich die Lady hier allerdings geirrt.

 

You Gave Me A Mountain

Die Power-Ballade tauchte 1972 erstmals im Film Elvis On Tour  auf, ein paar Monate später war sie auf dem Album Aloha From Hawaii Via Satellite  zu finden.

Elvis singt sehr emotional und auch seine Stimme klingt voller und angenehmer als bei den vorangegangenen Liedern.

Der King trägt die Nummer nicht mehr so kraftvoll vor wie früher und teilt sich die einstmals langgezogenen Zeilen in kleine, handhabbare Segmente ein. Das macht er aber so geschickt, dass man die früheren Versionen schon kennen muss, um den gesanglichen Rückschritt zu bemerken.

 

Jailhouse Rock

Mit dem Rock'n'Roll-Klassiker folgt nun der erste Song des Albums, von dem es bis dato noch keine Live-Aufnahme gab.

Das Tempo ist sehr hoch und das Arrangement klingt arg nach Las Vegas.

Als Erinnerung an die gute, alte Zeit funktioniert der Jailhouse Rock  allerdings auch in dieser Form. Schließlich sieht der rundliche Elvis in seinem mit Strass-Steinen geschmückten Jumpsuit kaum noch aus wie seine damalige Film-Figur Vince Everett und auch die Zuschauer erinnern nur noch bedingt an die Bobby Soxers des Jahres 1957.

Während seines Vortrages kommt der Meister übrigens kurzzeitig mit dem Text ins Schleudern, was ihn hörbar amüsiert.

 

Elvis' Fans Comments

Die zweite Seite von LP Nummer 1 beginnt mit weiteren Statements der Presley-Fans. Wusste die Dame im ersten Zwischenspiel noch ganz genau über die Aufrichtigkeit des Kings Bescheid, so ist man sich nun seiner Religiosität gewiss.

 

How Great Thou Art

Thematisch passend folgt der Titelsong von Elvis' zweitem Gospel-Album, das von RCA Victor im Jahr 1967 veröffentlicht worden war und dem King seinen ersten Grammy eingebracht hatte.

Anfang 1975 hatte er für seine Performance der Hymne auf der LP Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  eine weitere Auszeichnung dieser Art erhalten.

Was der King jedoch hier im Rahmen seines Elvis In Concert-Specials abliefert, hat mit der großartigen Darbietung vom 20. März 1974 nur noch wenig zu tun. Heute singt er streckenweise unkontrolliert, verfehlt die Töne und versucht seine deutlich hörbare Erschöpfung mit ein paar besonders laut vorgetragenen Zeilen zu kaschieren.

 

Elvis' Fans Comments

Hier kommt Todd Slaughter, der Vorsitzende des britischen Fanclubs, zu Wort und berichtet von der Reise seines Vereins in die USA und den persönlichen Eindrücken vom King.

 

I Really Don't Want To Know

Vor sechs Jahren hatte RCA eine Studio-Aufnahme dieser Country-Ballade auf dem Album Elvis Country - I'm 10,000 Years Old  herausgebracht.

Klang der Sänger damals noch kraftvoll, ja nahezu wütend, so hinterlässt er nun den Eindruck müder Resignation. Gesanglich läuft er während seines anderthalb minütigen Vortrages zu unerwarteter Hochform auf und bringt den Song emotional und absolut glaubhaft rüber.

 

Elvis Introduces His Father

Der King stellt dem Publikum seinen Vater vor und lässt ihn sogar für einen Moment zu sich auf die Bühne kommen. Auch die aktuelle Freundin Ginger Alden findet in diesem Zusammenhang Erwähnung.

 

Hurt

Im März des Vorjahres war die Power-Ballade von RCA auf einer Single herausgebracht worden und befand sich seit ebendiesem Zeitpunkt auch im Bühnenprogramm.

Die hier zu hörende Fassung wird etwas schneller gespielt als die Studioaufnahme, kann aber ebenfalls überzeugen.

 

Hound Dog

Ganz im Gegensatz dazu war Hound Dog  auf nahezu allen Konzertalben des Kings zu hören gewesen, aber so kraftlos und desinteressiert hatten die Fans Elvis diesen Titel wohl noch nie singen hören.

Die Aufnahme ist schlicht und einfach peinlich und gehört keinesfalls auf eine Schallplatte.

 

My Way

Den Frank Sinatra-Klassiker hatte es von Elvis bereits vier Jahre zuvor auf der Doppel-LP Aloha From Hawaii Via Satellite  gegeben.

Gesanglich kommt der King kaum an seine damalige Leistung heran, das Lied kostet ihn hörbar Kraft und an einigen Stellen klingt er kurzatmig.

Weil der Zuhörer aber vom nahen Ende des Sängers weiß, erhält dessen Vortrag dadurch noch eine zusätzliche Portion Dramatik und wirkt wesentlich emotionaler als die Aloha-Version.

Viele Radio-DJs erinnerten damals mit dieser Aufnahme an den King, so dass sich RCA dazu entschloss, My Way im Nachgang als Single auszukoppeln. Das Resultat: Weitere drei Millionen verkaufte Tonträger.

 

Can't Help Falling In Love

Auch dieses Konzert-Album endet mit dem großen Hit aus dem Spielfilm Blue Hawaii.

Von der Schönheit und Romantik der Studio-Aufnahme ist allerdings nichts mehr geblieben, Elvis singt das Lied nachlässig und gelangweilt herunter.

 

Closing Riff / Special Message From Elvis' Father

Dem typischen Finale eines jeden Elvis-Konzertes folgt eine kurze Botschaft von Vernon Presley an die Fans.

Mit stockender Stimme bedankt er sich für die vielen Blumen und Kondolenzbekundungen, die nach dem Tod seines Sohnes in Graceland eingingen.

 

I Got A Woman / Amen

Die zweite LP stellt eine Art Zugabe dar und enthält weitere Aufnahmen vom 19. und 21. Juni 1977.

Den Anfang macht ein Medley aus I Got A Woman  und Amen, das die Fans schon von dem Album Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  kennen.

Leider kommt der Zuhörer einmal mehr nicht umhin, den erschreckenden Verfall des Kings zu bemerken.

 

Elvis Talks

Der Entertainer begrüßt nun seine Fans und bemerkt, dass ihm irgendjemand (es war der Bürgermeister von Rapid City) erzählt habe, dass er der erste Künstler sei, der in dieser Halle auftritt.

 

Love Me

Mit Ausnahme von From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  und On Stage - February 1970  ist der Song auch auf allen anderen Live-Alben des Kings enthalten und einmal mehr ist die hier zu hörende Fassung die schlechteste.

 

If You Love Me (Let Me Know)

Erst wenige Monate zuvor hatte RCA eine andere Live-Aufnahme dieses Country-Schlagers auf der LP Moody Blue  veröffentlicht. Insofern kann ich die Verwendung dieses Songs auf dem Elvis In Concert-Album nicht ganz nachvollziehen.

Die beiden Versionen unterscheiden sich nicht sonderlich von einander, insgesamt ist Elvis' Vortrag passabel.

 

O Sole Mio / It's Now Or Never

Eine Live-Version von Elvis' größtem kommerziellen Hit hingegen hatte es zuvor noch nicht gegeben.

Leider hat es Felton Jarvis versäumt, Sherrill Nielsens phonetisch nachgewimmerten Vortrag von O Sole Mio  herauszuschneiden. Der King kann sich jedoch hören lassen, auch wenn das kitschige Arrangement und Elvis' geknödelter Vortrag sicherlich nicht jedermanns Sache sind.

 

Trying To Get To You

Der SUN-Klassiker befand sich schon auf der LP Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  und einmal mehr komme ich nicht umhin, die beiden Vorträge miteinander zu vergleichen. Klang die Stimme des Kings 1974 noch kraftvoll, vital und geschmeidig, so wirkt sie hier alt, müde und nasal.

Zwar kommt Elvis im Laufe der Nummer in Fahrt und bringt den Refrain überzeugend rüber, doch hinterlässt er kaum den Eindruck eines nur 42jährigen Sängers.

 

Hawaiian Wedding Song

Elvis' Stimme klingt ein wenig brüchig und sein Atem geht schwer. Auch hier wirkt er deutlich älter, als er es damals tatsächlich war.

Ausschlaggebend für die Veröffentlichung war vermutlich, dass die Ballade auf keinem der vorherigen Live-Alben zu finden ist.

 

Fairytale

Weil der schwungvolle Country-Song erst 1975 auf der LP Today  veröffentlicht worden war, gab es von davon ebenfalls noch keine Konzertaufnahme.

Um das nasale Timbre und den über weite Strecken kraftlosen Vortrag zu überdecken, ließ Felton Jarvis nachträglichen Hintergrundgesang einspielen.

Wirklich retten konnte er die Nummer dadurch zwar nicht, das Ergebnis klingt aber zumindest akzeptabel.

 

Little Sister

Auch dieser Klassiker aus den frühen 1960ern war als Live-Version noch nicht veröffentlicht worden.

Von dem Drive der Studioaufnahme ist Elvis leider auch hier wieder Lichtjahre entfernt.

 

Early Morning Rain

Elvis liefert einen sehr stimmungsvollen und glaubwürdigen Vortrag dieser traurigen Ballade ab. Vermutlich passt der Song aber einfach nur mehr oder minder zufällig zum desolaten Allgemeinzustand des Sängers.

Einmal mehr stellte das Lied für den Sammler von Live-Aufnahmen ein Novum dar.

 

What'd I Say

Gleiches gilt für diesen Klassiker von Ray Charles.

Allerdings singt Elvis den Song nur etwa 45 Sekunden lang und klingt dabei äußerst kraftlos und unmotiviert.

 

Johnny B. Goode

Zwar sprengt der ehemalige Rock'n'Roll-König mit seinem Vortrag die magische Grenze von einer Minute, doch auch hier ist er vom Glanz seiner alten Tage um Welten entfernt.

Ebenso wie bei Hound Dog  und What'd I Say  hätte Felton Jarvis seinem ehemaligen Arbeitgeber diese posthume Peinlichkeit ersparen sollen.

 

And I Love You So

Ursprünglich war die Ballade 1975 auf der LP Today  herausgebracht worden. Leider klingt Elvis auch hier alt, müde und im Detail unkontrolliert. Von der Schönheit der nur zwei Jahre alten Studioaufnahme bleibt nicht viel übrig.

Einmal mehr unternahm Felton Jarvis mit seinen Nachbearbeitungen einen Rettungsversuch, doch auch hier blieb das Endergebnis bestenfalls durchschnittlich.

 

Fazit & Bewertung

Wie keine andere RCA-Veröffentlichung verdeutlicht dieses Doppel-Album den erschreckenden Verfall der Entertainment-Legende. Gerade im Vergleich mit der LP Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  wirkt der Sänger um Jahrzehnte gealtert und auch von seiner Kraft und Spielfreude scheint nur noch wenig geblieben zu sein.

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte am Schallplatten-Cover bei RCA Records.