Today

Nach der Greatest-Hits-Zusammenstellung Pure Gold  erscheint im Mai 1975 wieder eine LP mit neuen Aufnahmen des Kings.

Am 7. Juni notiert Billboard das Album erstmals in der Top LPs Chart, wo es sich 13 Wochen lang hält und den 57. Platz erreicht.

Ab dem 28. Juni ist Today  ebenfalls in der Hot Country LPs Chart zu finden. Hier hat die Scheibe eine Laufzeit von 37 Wochen und schafft es bis Rang 4.

In Japan wird sie mit dem Best Seller Award ausgezeichnet, im europäischen Raum ist der Erfolg moderat.

Im ersten Jahr verkauft sich Today  etwa 400.000 Mal, der weltweite Gesamtabsatz liegt bei 2 Millionen Kopien.

Konträr zum Album-Titel nutzte RCA für das Cover kein aktuelles Foto, sondern griff aufgrund des aktuellen Gewichts des Sängers lieber auf ein Bild vom Sommer 1973 zurück. Die Rückseite dient als Werbefläche für die vorangegangenen Veröffentlichungen des Kings.

Die Aufnahmen für das Today-Album fanden zwischen dem 10. und 12. März 1975 im RCA Studio C in Hollywood, Kalifornien statt. Produziert wurden die Sessions von Felton Jarvis, der Tontechniker hieß Rick Ruggieri. Da Elvis anschließend für sein kommendes Gastspiel im Las Vegas Hilton proben wollte, ließ er auch für die Studio-Aufnahmen seine reguläre Live-Band buchen.

Diese bestand aus James Burton (Gitarre), John Wilkinson (Gitarre), Charlie Hodge (Gitarre), Duke Bardwell (Bass), Ronnie Tutt (Schlagzeug) und Glen D. Hardin. Das Clavinet bedienten David Briggs und Greg Gordon, während Bringin' It Back spielte Tony Brown Klavier. Für den Hintergrund-Gesang sorgte die Gruppe Voice (Donnie Sumner, Tim Baty, Sherrill Nielsen und Tommy Hensley), den Harmonie-Gesang bei T-R-O-U-B-L-E  übernahm der King selbst.

Zwischen dem 8. und 14. April fanden im Quadrafonic Sound Studio in Nashville, Tennessee mehrere Overdub-Sessions statt, während der zusätzliche Instrumente und Gesangsstimmen aufgenommen wurden. Insbesondere legte Elvis Wert darauf, die Bassläufe von Duke Bardwell ersetzen zu lassen.

Lediglich T-R-O-U-B-L-E  blieb unbearbeitet, da RCA das Band bereits kurz nach den Sessions für die Single-Veröffentlichung übernahm.

Dreißig Jahre nachdem das Today-Album auf den Markt gekommen war, veröffentlichte das Sammler-Label Follow That Dream Records eine Classic Album-Ausgabe mit Outtakes und Session Mixes.

 

 

T-R-O-U-B-L-E

Der Rocker wurde von Jerry Chesnut für Elvis geschrieben und von diesem am 11. März 1975 innerhalb von vier Takes aufgenommen.

Der King gibt hier einen Kneipen-Pianisten, der von seinem Arbeitsplatz aus eine überdurchschnittlich attraktive Dame erspäht und Ärger befürchtet.

Die Musik ist purer Rock'n'Roll, gesanglich bleibt Elvis jedoch im Bereich Pop und verzichtet auf jede Aggressivität. Mir persönlich gefällt sein relaxter, aber doch kraftvoller Vortrag sehr gut und es verwundert mich nicht, dass RCA gerade diesen Titel auf einer Single veröffentlichte.

Elvis promotete seine aktuelle 45er höchst aktiv und trug T-R-O-U-B-L-E  zwischen April und August 1975 regelmäßig in seinen Konzerten vor.

 

And I Love You So

1973 konnte Perry Como mit And I Love You So  einen Top30 Hit verbuchen, erstmals aufgenommen wurde die Ballade jedoch vier Jahre zuvor durch ihren Autor Don McLean.

Elvis spielte den Song am 10. März 1975 ein, Take 5 bildete die Grundlage des Masters. Am 8. April wurde der Bass neu eingespielt, später wurden noch Hintergrundgesang (9. April), Blechbläser (10. April) und Streicher (14. April) hinzugefügt.

Mir gefällt dieses ruhige Liebeslied ausgesprochen gut, der King singt sehr einfühlsam und seine Stimme kommt einfach großartig zur Geltung.

Auch And I Love You So  fand seinen weg in Elvis' Bühnenprogramm und kam bis zum Juni 1977 immer mal wieder zum Einsatz. Eine Live-Version befindet sich auf der Doppel-LP Elvis In Concert  (1977).

 

Susan When She Tried

Der Sänger erinnert sich seiner verflossenen Liebschaften und kommt zu der Erkenntnis, dass keine so war wie Susan. Im Gegensatz zu den meisten anderen Liedern dieser Art wird uns die Story allerdings nicht als sentimentale Ballade, sondern in Form eines flotten Country-Pop präsentiert.

Elvis hat hörbar seinen Spaß an der Nummer und auch mir gefällt Susan When She Tried  sehr gut.

Der Song wurde von Don Reid geschrieben und erstmals 1973 von den Statler Brothers aufgenommen. Elvis coverte ihn am 11. März 1975 und benötigte dafür sechs Takes. Am 8. April ersetzte Felton Jarvis den ursprünglichen Bass-Part und kürzte die Aufnahme um etwa 40 Sekunden.

 

Woman Without Love

Wie zuvor T-R-O-U-B-L-E, so stammt auch dieser Titel aus der Feder von Jerry Chesnut. Allerdings wurde Woman Without Love  nicht speziell für Elvis geschrieben, sondern bereits 1968 von Bob Luman eingespielt. Der King folgte ihm am 11. März 1975 und nahm die Ballade innerhalb eines einzigen Takes auf.

Weil seine Frau weiß, dass er sie nicht liebt und deshalb nachts oft weinend im Bett neben ihm liegt, fällt dem Interpreten spontan die Weisheit ein, dass ein Mann ohne Liebe nur ein halber Mann sei, eine Frau jedoch ein Nichts.

Elvis verkauft diese vermutlich bereits in den 1970ern überholte Erkenntnis mit viel Gefühl, die nachträglich hinzugefügten Chöre (9. April) und Streicher (14. April) verleihen dem Song eine angenehme Easy-Listening-Atmosphäre.

 

Shake A Hand

Erstmals aufgenommen wurde die Joe Morris-Komposition von Faye Adams, die 1953 damit neun Wochen lang die R&B-Hitparade anführte. Die Version des Kings entstand am 11. März 1975, Take 3 wurde zum Master-Take.

Elvis verlieh dem Song einen Gospel-Touch, was mir sehr gut gefällt.

Die Nachbearbeitungen fanden am 8. (Neueinspielung des Bass), 9. (Hintergrundgesang) und 10. (Blechbläser) April statt.

 

Pieces Of My Life

Man könnte fast meinen, Elvis lege hier seine Lebensbeichte ab. Seine Kariere als Sänger, die vielen Frauen, eine in den Sand gesetzte Ehe - alles ist hier enthalten. Wenn man dann noch das im Text erwähnte Wasserglas voll Whiskey durch eine Armada von Medikamenten ersetzt, dann passt der Text in jedem Detail.

Dazu kommt noch der hochgradig emotionale Vortrag, ganz so, als zöge Elvis den Zuhörer ins Vertrauen.

Tatsächlich hat Pieces Of My Life  aber nichts mit dem Leben des Kings zu tun, sondern wurde bereits 1973 von Troy Seals, dem Autor des Liedes, erstmals auf einer LP veröffentlicht.

Elvis nahm den Titel am 12. März 1975 auf, der vierte Durchgang wurde zum Master-Take. Der Bass wurde am 8. April neu aufgenommen, die Streicher ergänzte man sechs Tage später.

 

Fairytale

Die Country-Nummer wurde von Anita und Bonnie Pointer geschrieben und war 1974 ein Top20-Hit für die Pointer Sisters. Elvis coverte den Song am 10. März 1975, nach nur drei Takes hatte er die Aufnahme im Kasten.

Am 8. April wurde eine Country-Fiddle ergänzt und der Bass neu eingespielt, am folgenden Tag ließ Felton Jarvis den Hintergrundgesang aufnehmen. Als letzten Produktionsschritt fügte er noch Streicher (14. April) hinzu und kürzte die Aufnahme um etwa 50 Sekunden.

In dem Lied wirft der Sänger seiner Lebenspartnerin Lieblosigkeit und Ausnutzerei vor und kommt zu dem Schluss, dass die Beziehung nicht viel mehr war als ein schönes Märchen.

Elvis' Stimme ist so voller Trauer, Wut und Enttäuschung, dass man ihm den Song jederzeit abnimmt und auch musikalisch gefällt mir Fairytale  gut - von der Steel Guitar bis zur Fiddle wird hier alles aufgefahren, was das Country & Western-Genre hergibt.

In seinen Konzerten brachte Elvis den Titel immer mal wieder zum Einsatz, hier sang er ihn jedoch etwas schneller und ein wenig tiefer. Eine Live-Aufnahme wurde 1977 auf der Doppel-LP Elvis In Concert  veröffentlicht.

 

I Can Help

Der Song stammt aus der Feder von Billy Swan und wurde in dessen Version Ende 1974 zu einem Nummer 1 Hit in den Hot 100. Am 10. März 1975 nahm auch Elvis I Can Help  auf und spielte es innerhalb nur eines einzigen Takes ein (der als Take 1 gewertete Durchgang war nur ein kurzer Fehlstart).

Ein weiterer Versuch wäre jedoch ratsam gewesen, denn mehr als einmal gerät der King außer Atem und man kann ihn zwischen den Zeilen deutlich vernehmbar keuchen und nach Luft schnappen hören.

Doch trotz dieses Makels, gehört I Can Help  zu meinen absoluten Favoriten. Alles klingt so wunderbar spontan und allen Beteiligten ist die Spiel- und Sangesfreude förmlich anzuhören.

Die Nachbearbeitungen fanden am 8. April (Neuaufnahme des Bass), 9. April (Hintergrundgesang) und 10. April (Blechbläser) statt. Der Hintergrundgesang wurde später allerdings wieder entfernt.

 

Bringing It Back

Die sentimentale Ballade wurde von Greg Gordon verfasst und im Januar 1975 erstmals von Brenda Lee aufgenommen.

Als diese mit dem Song im Herbst desselben Jahres einen kleinen Hit verbuchen konnte, zog RCA nach und veröffentlichte auch Elvis' Version (zusammen mit Pieces Of My Life) auf einer Single. Die 45er geriet allerdings zum Flop und wurde daher in vielen Ländern erst gar nicht herausgebracht.

Die Aufnahme des Kings entstand am 12. März 1975 innerhalb von vier Takes. Nachdem der Bass am 8. April neu eingespielt worden war, ergänzte Felton Jarvis am folgenden Tag den Hintergrundgesang. Die Streicher kamen am 14. April hinzu.

 

Green Green Grass Of Home

Elvis nahm diesen Klassiker am 10. März 1975 innerhalb von fünf Takes auf. Auch hier erfolgten die Nachbearbeitungen am 8. (Ersatz des Bass-Parts), 9. (Hintergrundgesang) und 14. (Streicher) April.

Der Sänger berichtet von seinem Besuch der alten Heimat, dem freudigen Wiedersehen mit der Familie und seiner geliebten Mary sowie der Rückkehr zu den Schauplätzen seiner Kindheit. Erst in der dritten Strophe wird klar, dass es sich nur um einen Traum handelt. In Wirklichkeit sitzt der Mann in der Todeszelle und ist nur wenige Minuten von seiner Hinrichtung entfernt.

Elvis singt herzergreifend emotional und beendet das Album mit einem echten Highlight.

Geschrieben wurde Green Green Grass Of Home  von Claude Putman Jr., erstmals aufgenommen wurde es von Johnny Darrell. 1966 landete Tom Jones mit dem Song einen Nummer 1 Hit in den UK-Charts und es war auch die Aufnahme von Jones, die Elvis erstmals auf Green Green Grass Of Home  aufmerksam werden ließ. Angeblich befand er sich gerade auf der Rückreise nach Memphis und rief zwischendurch immer wieder den Radiosender an, damit die DJs die Single noch einmal für ihn auflegten.

 

Fazit & Bewertung

Obwohl das Repertoire dieser LP fast ausschließlich aus Cover-Versionen damals mehr oder minder aktueller Country-Songs besteht, passen die Lieder perfekt zu Elvis. Seine Stimme klingt stark und man hört ihm deutlich an, wie sehr er diese Art von Musik mochte. Für mich zählt Today  daher zu den besten Alben des Kings.