Pure Gold

Bei Pure Gold  handelt es sich um eine Serie von Budget-Alben, mit der RCA die Kataloge von Künstlern wie Glenn Miller, Harry Belafonte oder Perry Como ausschlachtet. Im März 1975 ist auch Elvis an der Reihe.

Zunächst kann sich die LP in keiner Hitparade platzieren, nach dem Tode des Kings steigt sie jedoch am 10. September 1977 in die Hot Country LPs Chart ein und erreicht dort im Zuge ihrer 23wöchigen Laufzeit den fünften Platz.

Noch im Monat der Erstnotierung können Elvis' Erben von der RIAA eine Goldene Schallplatte entgegennehmen, später folgen Platin (1988) und Doppel-Platin (1992).

Allein innerhalb der USA verkauft sich Pure Gold  zwei Millionen Mal, der weltweite Absatz beträgt das Doppelte.

Für das Cover griffen die Verantwortlichen auf ein Foto vom Januar 1973 zurück, das während des TV-Specials Aloha From Hawaii Via Satellite  aufgenommen worden war. Die Rückseite bewirbt RCA-Veröffentlichungen anderer Künstler.

Ebenfalls im Januar 1973 hatte Elvis die Rechte auf Tantiemen für alle bis zum Vorjahr aufgenommenen Songs (mit der Ausnahme des Titels Fool) gegen die Zahlung von 5,4 Millionen US-Dollar an RCA verkauft. Daher griff das Label bei der Zusammenstellung dieser LP natürlich auf diese Titel zurück.

Völlig leer gingen der King und seine Erben allerdings nicht aus, denn am Verlagsgeschäft verdienten sie weiterhin kräftig mit.

 

 

Kentucky Rain

Der Song stammt aus der Feder von Eddy Rabbit, der allerdings erst 1977 eine eigene Aufnahme davon veröffentlichte. Elvis' Version entstand am 19. Februar 1969 im American Sound Studio in Memphis, Tennessee. Der zehnte Versuch wurde zum Master-Take, weitere Bearbeitungen erfolgten am 18. (Streicher und Blechbläser) sowie am 25. März (Hintergrundgesang) im American Sound Studio und im RCA Studio A in Nashville, Tennessee.

Ohne Vorwarnung oder Angabe von Gründen wurde der Sänger über Nacht verlassen und macht sich nun auf die Suche nach seiner Liebsten. Erstmals herausgebracht wurde Kentucky Rain  Anfang 1970 auf einer Single, später war die Nummer auch auf der 4-LP-Box Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  (1970) zu hören.

Weil man für Pure Gold  auf den Single-Mix zurückgriff, ist der Titel hier in MONO zu hören.

 

Fever

Das Lied basiert auf einer Idee von Eddie Cooley und wurde von Otis Blackwell komponiert. Weil dieser vertraglich anderweitig gebunden war, nutzte er ein Pseudonym und gab als Urheber Eddie Cooley und John Davenport an. Das Original stammt von Little Willie John, der damit 1956 einen Nummer 1-Hit in der R&B Best Seller Chart landen konnte. Zwei Jahre später veröffentlichte Peggy Lee eine deutlich veränderte Fassung von Fever, später sangen auch Ella Fitzgerald, Ray Charles, Madonna und Beyonce' Knowles den Song.

Die Aufnahme des Kings entstand am 3. April 1960 innerhalb von vier Takes. Zwar kopierte er die Interpretation von Ms. Lee nahezu vollständig, doch sein Gesang klingt dermaßen cool, sexy und perfekt, dass man seinen Vortrag wohl als den definitiven ansehen kann.

Die Studio-Aufnahme wurde auf der LP Elvis Is Back!  (1960) veröffentlicht, eine Live-Version  ist auf dem Doppel-Album Aloha From Hawaii Via Satellite  (1973) zu hören.

 

It's Impossible

Anfang 1972 plante RCA ein Live-Album namens Standing Room Only  und ließ Felton Jarvis dafür im Februar in Las Vegas einige Lieder mitschneiden. Schlussendlich entschied man sich dann aber zur Veröffentlichung einer Show aus dem New Yorker Madison Square Garden und beließ das Material aus Las Vegas im Archiv. Weil It's Impossible  jedoch zuvor vom King noch nicht veröffentlicht worden war, brachte man die Aufnahme vom 16. Februar 1972 im folgenden Jahr auf der LP Elvis  heraus.

Das Original stammt aus Belgien und heißt J'ai Le Mal De Toi, Kathy Kirby sang bereits zur Mitte der 1960er eine englische Fassung namens The Way Of Love. Den großen Hit hatte im Jahre 1971 aber Perry Como, bei dem der Titel bereits It's Impossible  hieß.

Elvis führte die Nummer von Armando Manzanero und Sid Wayne mit großem Orchester (bei dem hier sogar eine Harfe zu hören ist) auf und trug sie sehr gefühlvoll vor.

 

Jailhouse Rock

Der legendäre Rock'n'Roll entstand am 30. April 1957 bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien. Zunächst spielte Elvis acht Takes ein, von denen aber nur die Versuche 4 und 5 vollständig durchgingen. Danach wurden zwei so genannte Pick-Up-Takes produziert, die mitten im Song ansetzten und mit denen man die zuvor nicht komplett durchgespielten Versionen ergänzen konnte. Die schlussendlich veröffentlichte Fassung besteht aus Take 6 (eigentlich ein langer Fehlstart) und Pick-Up-Take 2.

RCA Victor brachte den Jailhouse Rock  auf der gleichnamigen Soundtrack-EP sowie den Alben Elvis' Golden Records  (1958), Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  (1970) und A Legendary Performer - Volume 2  (1976) heraus. Live-Aufnahmen sind auf den LPs Elvis  (1968) und Elvis In Concert  (1977) zu finden. Im Rahmen des Rock' n Roll Medley  ist der Titel zudem auf Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  (1974) enthalten.

Für mich zählt Jailhouse Rock  zu den absoluten Signature Songs des Kings. An die Klasse seiner Studioaufnahme kam niemand -einschließlich er selbst- jemals wieder heran. Geschrieben wurde der Titel übrigens von Jerry Leiber und Mike Stoller, was sich auch in dem herrlich subversiven Text wiederspiegelt.

 

Don't Be Cruel

Am 2. Juli 1956 benötigte Elvis im RCA Studio 1 in New York geschlagene 28 Anläufe, bevor er die Aufnahme zu seiner Zufriedenheit im Kasten hatte. RCA Victor veröffentlichte den Song auf einer Single, auf der EP The Real Elvis  (1956) und auf den Alben Elvis' Golden Records  (1958), Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  (1970) und A Legendary Performer  (1974). Daneben findet sich der Titel auch als Teil eines Medleys mit Teddy Bear  auf den Live-LPs Elvis As Recorded At Madison Square Garden  (1972) und Elvis In Concert  (1977).

Neben Otis Blackwell ist auch Elvis selbst als Komponist gelistet, tatsächlich ging es aber nur darum, dem neuen Superstar zusätzlich zu seinen Einnahmen als Sänger auch noch die Hälfte der Komponisten-Tantiemen zu sichern. Weil sich Blackwell bei Don't Be Cruel  wohl ein wenig zu sehr an populären Liedern der Konkurrenz orientiert hatte, wurden schnell Plagiatsvorwürfe gegen den Songschreiber laut.

Doch ob nun abgekupfert oder nicht, Don't Be Cruel  zählt für mich zu den absoluten Highlights im Kanon des Kings.

 

I Got A Woman

Anfang 1955 hatte Ray Charles mit I've Got A Woman  die R&B-Charts gestürmt und auch Elvis hatte den Song seit ebendiesen Tagen im Live-Programm. Das Lied basiert auf dem Gospel It Must Be Jesus  und wurde von Renald Richard und Ray Charles verfasst. Die Studio-Aufnahme des Hillbilly Cat entstand am 10. Januar 1956 im RCA Studio in Nashville, Tennessee innerhalb von acht Takes. Elvis schien des Songs offenbar niemals überdrüssig zu werden, denn auch nach seinem Bühnen-Comeback behielt er I Got A Woman  bis zum Ende im Konzertprogramm. Live-Aufnahmen davon sind auf den Alben Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  (1974) und Elvis In Concert  (1977) zu hören.

Die Studio-Fassung wurde 1956 auf dem Album Elvis Presley, der gleichnamigen EP und Doppel-EP sowie zusammen mit I'm Counting On You  auf einer Single veröffentlicht.

 

All Shook Up

Als Elvis den Song im März 1957 auf einer Single herausbringen ließ, kannten ihn einige Fans schon in der Version von David Hill (einem Pseudonym des Schauspielers David Hess). Er hatte die Otis Blackwell-Komposition bereits im November des Vorjahres eingespielt und im Januar unter dem Titel I'm All Shook Up  auf den Markt gebracht.

Doch nicht nur der Name des Liedes hatte sich bei Elvis leicht verändert, auf einmal wurde der King Of Rock'n'Roll auch als Co-Autor angeführt. Der Grund dafür war simpel: Elvis hätte den Song schlicht und einfach nicht aufgenommen, wenn Mr. Blackwell nicht die Hälfte seiner Tantiemen an ihn abgetreten hätte. Weil sich die Presley-Singles so gut verkauften, bedeutete 50% der Ansprüche noch immer mehr Geld auf dem Bankkonto, als 100% bei irgend einem anderen Sänger. Deshalb spielte Otis Blackwell das Spiel mit - genauso wie schon andere Komponisten vor ihm.

Elvis' Version von All Shook Up  entstand am 12. Januar 1957 bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien innerhalb von 10 Takes. Die Duett-Stimme gehört dem Jordanaires-Mitglied Gordon Stoker, Klavier spielte sein Chor-Kollege Hoyt Hawkins.

Nach der Single All Shook Up / That's When Your Heartaches Begin  war der Song auch auf den Alben Elvis' Gold Records  (1958) und Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  (1970) sowie der EP A Touch Of Gold - Volume 3  (1960) zu enthalten. Live-Aufnahmen finden sich auf dem Doppel-Album From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  (1969) und auf der LP Elvis As Recorded At Madison Square Garden  (1972). Für mich gehört dieser Gute-Laune-Song zu den absoluten Highlights im Katalog des Kings.

 

Loving You

Die Ballade wurde erstmals am 17. Januar 1957 aufgenommen, doch obwohl der dritte Durchlauf zum Master-Take erklärt wurde, entschied man sich am 24. Februar zu einer Neuaufnahme. Diesmal spielte Elvis vier Takes ein, der letzte davon wurde in geschnittener Form zum Master.

Später fand sich der Song auf der EP Loving You - Volume 1  (1957) und den Alben Loving You  (1957), Elvis' Golden Records  (1958) und Worldwikde 50 Gold Award Hits - Volume 1  (1970).

Die Komponisten heißen Jerry Leiber und Mike Stoller. Zwar hatte Elvis schon vorher Lieder dieses Duos aufgenommen, doch war Loving You  der erste Song, den die beiden speziell für ihn geschrieben hatten.

 

In The Ghetto

Mac Davis hatte bereits an Songs wie A Little Less Conversation  und Memories  mitgearbeitet, bevor er Elvis diese sozialkritische Ballade lieferte. Dieser spielte sie am 20. Januar 1969 im American Sound Studio in Memphis, Tennessee innerhalb von 22 Takes ein. Schlussendlich wurde die Aufnahme jedoch nur als Playback genutzt und der King sang zwei Tage später seinen Part vollständig neu ein. Der Hintergrundgesang folgte am 24. Januar, am 18. März wurden schließlich noch Streicher und Blechbläser ergänzt.

Das Lied beschreibt das kurze Leben eines jungen Mannes im Großstadtghetto, das nach einem bewaffneten Überfall gewaltsam endet. Weil zur selben Zeit ein neues Kind geboren wird, dem vermutlich ein ähnliches Schicksal bevorsteht, trug der Song ursprünglich den Zusatz The Vicious Circle.

Bei jedem anderen Sänger wäre aus In The Ghetto  vermutlich ein 08/15-Betroffenheitslied geworden, Elvis trägt die Nummer aber dermaßen emotional und glaubwürdig vor, dass es einem kalt den Rücken herunterläuft.

Die hier zu hörende Studio-Aufnahme fand sich später auf den Alben From Elvis In Memphis  (1969) und Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  (1970). Eine Live-Aufnahme vom August 1969 war noch im selben Jahr auf dem Doppel-Album From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  zu hören.

 

Love Me Tender

Der Titelsong des gleichnamigen Spielfilms wurde von Ken Darby verfasst und basiert auf der Ballade Aura Lee  aus dem Jahr 1861. Weil Darby aber öffentlich nicht in Erscheinung treten wollte und dem King Of Rock'n'Roll außerdem die Hälfte der Komponisten-Tantiemen zugesagt worden waren, ließ er offiziell seine Frau Vera Matson und Elvis Presley als Urheber eintragen.

Aufgenommen wurde Love Me Tender  am 24. August 1956 auf der Tonbühne von 20th Century Fox in Hollywood, Kalifornien innerhalb von nur zwei Takes. Nach der Veröffentlichung der Single Love Me Tender / Any Way You Want Me  avancierte der Song schnell zum Favoriten der weiblichen Fans und fand sich später nicht nur auf der Soundtrack-EP, sondern auch auf den Alben Elvis' Golden Records  (1958), Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  (1970) und A Legendary Performer (1974). Live-Versionen sind auf den LPs Elvis  (1968) und Elvis As Recorded At Madison Square Garden  (1972) zu finden.

Aus meiner Sicht ist der Song ganz nett, zum Klassiker taugt er allerdings nur aufgrund seines Alters.

 

Fazit & Bewertung

Während die Verkaufszahlen der aktuellen Presley-LPs nur mit Mühe die Millionenmarke überschritten, ließen sich Compilations wie diese problemlos drei- bis viermal sooft absetzen. Rein inhaltlich bot Pure Gold  dem Publikum nichts Neues, die Liedauswahl an sich ist aber durchaus gelungen.