A Legendary Performer - Volume 2

Zwei Jahre nach dem ersten Teil erscheint im Januar 1976 A Legendary Performer - Volume 2.

Am 7. Februar wird die Scheibe erstmals in der Top LPs Chart gelistet und erreicht dort im Zuge ihrer 17wöchigen Laufzeit den 46. Platz. Die Verkäufe liegen bei etwa 600.000 Kopien. Nach Elvis' Tod steigt das Album am 10. September 1977 auch in die Country LPs Chart ein und landet auf Rang 9. Insgesamt wird der Tonträger 22 Wochen lang notiert.

Im Oktober desselben Jahres verleiht die RIAA den Erben des Sängers eine Goldene Schallplatte, im Juli 1999 wird ein Update auf Doppel-Platin vorgenommen.

Zudem wird die Scheibe mit dem Golden Boot Award ausgezeichnet.

Der weltweite Absatz dürfte bei etwa 3,5 Millionen Einheiten liegen.

Wie beim ersten Teil ist die Verpackung aufwendig gestaltet. Das Set enthält ein 12seitiges Booklet, dessen Cover man durch ein Loch in der Schallplattenhülle sehen konnte. Bei späteren Auflagen wurde auch hier gespart, auf das Booklet verzichtet und die LP in einem normalen Cover ausgeliefert.

Die Produzentin Joan Deary kombinierte bekannte Aufnahmen mit bis dato unveröffentlichten Live-Mitschnitten und Outtakes. Als Highlights waren sogar zwei Songs zu hören, die das Publikum noch nicht von Elvis kannte.

 

 

Habor Lights

Am 5. Juli 1954 hatte der angehende Rock'n'Roll-König bei SUN Records acht Takes dieser Ballade eingespielt, den dritten Versuch erklärte Sam Phillips zum Master. Allerdings entsprach der Stil überhaupt nicht dem, was der Produzent suchte und so beließ er die Aufnahme im Archiv.

Die Autoren von Harbor Lights  heißen J. Kennedy und H. Williams, erstmals aufgenommen wurde das Lied am 29. Januar 1937 durch das Roy Fox Orchestra mit dem Sänger Barrie Gray.

 

Interview

Es folgt ein Gespräch mit Elvis, das im April 1956 in Wichita Falls aufgezeichnet wurde.

 

I Want You, I Need You, I Love You

Die Liebesschnulze entstand am 14. April 1956 in den RCA Studios in Nashville, Tennessee. Einen finalen, alle Beteiligten zufriedenstellenden Take gab es nicht, stattdessen setzte man den Master aus den Durchläufen 14 und 17 zusammen.

Geschrieben wurde der Song von Maurice Mysels und Ira Kosloff, Elvis promotete den Titel auch im Fernsehen und sang ihn während einiger Konzerte. Im Mai 1956 veröffentlichte RCA Victor I Want You, I Need You, I Love You  auf einer Single, einen Monat später fand sich die Ballade zudem auf der EP The Real Elvis.

Im Album-Format erschien der Song auf Elvis' Golden Records  (1958) und Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  (1970). Auf diesem Album ist allerdings nicht die Master-Aufnahme, sondern der bis dato unveröffentlichte Take 15 zu hören. Elvis verdreht hier an einer Stelle den Text und singt I need you, I want you, I love you.

 

Blue Suede Shoes

Der Song geht auf eine Begebenheit zurück, die Johnny Cash während seines Militärdienstes in Landsberg am Lech erlebte. Dort hatte er einen Vorgesetzten, der stets auf sein Aussehen achtete und zu sagen pflegte Just don't step on my blue suede shoes. Cash erzählte dem Singer/Songwriter Carl Perkins davon und als dieser eines Abends auf einer Tanzveranstaltung einen Mann sah, der seine Partnerin aus Angst um seine Schuhe auf Abstand hielt, fügte er die beiden Begebenheiten zusammen und machte den Song Blue Suede Shoes  daraus.

Am ersten Januar 1956 wurde der Titel zusammen mit Honey Don't  auf einer Single veröffentlicht und sorgte für großes Aufsehen. Weil auch Elvis das Lied bereits im Fernsehen gesungen hatte, drängte Steve Sholes seinen jungen Schützling ebenfalls zu einer Schallplattenaufnahme. Sie entstand am 30. Januar im RCA-Studio in New York innerhalb von 10 Takes. Mit der geballten Marktmacht von RCA Victor wollte er die Presley-Version ebenfalls auf einer 45er herausbringen und Perkins den Hit abspenstig machen. Angeblich war es Elvis selbst, der sich gegen ein solches Vorgehen aussprach.

Er stimmte allerdings zu, die Aufnahme sowohl auf der LP Elvis Presley, als auch auf den beiden gleichnamigen EPs herauszubringen. Im August 1956 fand sich die Nummer schließlich doch noch auf einer Single - zusammen mit Tutti Frutti, einer weiteren Cover-Version eines aktuellen Hits der Konkurrenz.

Für seinen Spielfilm G.I. Blues  spielte Elvis 1960 eine weitere, deutlich zahmere Fassung von Blue Suede Shoes  ein und auch auf den Live-Alben From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  (1969) und Aloha From Hawaii Via Satellite  (1973) war der Song vertreten.

Die hier zu hörende Aufnahme entstand am 27. Juni 1968 (20:00 Uhr-Vorstellung) im Rahmen der TV Show SINGER presents Elvis  und war bis dato unveröffentlicht.

 

Blue Christmas

Der Weihnachtsklassiker entstand am 5. September 1957 innerhalb von drei Takes. Auf der LP Elvis' Christmas Album  (1957) und der EP Elvis Sings Christmas Songs  (1957) war die Nummer ebenso vertreten, wie auf den Singles Blue Christmas / Wooden Heart  (1964) und Santa Claus Is Back In Town / Blue Christmas  (1965) sowie der CAMDEN-Ausgabe von Elvis' Christmas Album  (1970). Anno 2008 gab es zusätzlich ein künstlich erzeugtes Duett mit Martina McBride auf der CD Christmas Duets.

Geschrieben wurde Blue Christmas  von Bill Hayes und Jay Johnson, erstmals aufgenommen wurde das Lied 1948 von Doye O'Dell. Populär wurde die Nummer jedoch erst im folgenden Jahr durch die Aufnahmen von Ernest Tubb, Hugo Winterhalter & His Orchestra und Russ Morgan & His Orchestra.

Elvis schien Blue Christmas  sehr zu mögen, denn in den 1970ern trug er es - übrigens völlig unabhängig von der Jahreszeit - regelmäßig in seinen Konzerten vor.

 

Jailhouse Rock

Dieser legendäre Rock'n'Roll-Song entstand am 30. April 1957 bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien. Zunächst spielte Elvis acht Takes ein, von denen aber nur die Versuche 4 und 5 vollständig durchgingen. Danach wurden zwei so genannte Pick-Up-Takes produziert, die mitten im Song ansetzten und mit denen man die zuvor nicht komplett durchgespielten Versionen ergänzen konnte. Die schlussendlich veröffentlichte Fassung besteht aus Take 6 (eigentlich ein langer Fehlstart) und Pick-Up-Take 2.

RCA Victor brachte den Jailhouse Rock  neben der Single auch auf der gleichnamigen Soundtrack-EP sowie auf den Alben Elvis' Golden Records  (1958), Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  (1970) und Pure Gold  (1975) heraus. Live-Aufnahmen sind auf den LPs Elvis  (1968) und Elvis In Concert  (1977) zu finden. Im Rahmen des Rock' n Roll Medley ist der Titel zudem auf Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  (1974) enthalten.

Für mich zählt Jailhouse Rock  zu den absoluten Signature Songs des Kings. An die Klasse seiner Studioaufnahme kam niemand -einschließlich er selbst- jemals wieder heran. Geschrieben wurde der Titel übrigens von Jerry Leiber und Mike Stoller, was sich auch in dem herrlich subversiven Text wiederspiegelt.

 

It's Now Or Never

1898 schrieb der neapolitanische Sänger und Musiker Eduardo Di Capua das Lied O Sole Mio  (Meine Sonne) und nutzte dafür die Verse des Dichters Giovanni Capurro. Obwohl sich der Song schnell zum Hit entwickelte, starben beide Komponisten in Armut. Damals gab es noch keine Tantiemen für Urheberrechte und so verkauften Di Capua und Capurro den Titel für 25 Lire an den Verlag von Ferdinando Bideri. Jahre nach der Entstehung von O Sole Mio  klagten die Erben eines gewissen Emanuele Alfredo Mazzucci und erhoben finanzielle Ansprüche. Da Mazzucci seinerzeit die Noten aufgeschrieben hatte bekamen seine Nachkommen Recht und erhalten seither Tantiemen - etwa 250.000 US-Dollar im Jahr.

Die erste bekannte Tonaufnahme von O Sole Mio  stammt von Francisco Daddi aus dem Jahr 1901, elf Jahre später entstand unter dem Titel Your Own Dear Kiss  von Elisabeth Spencer erstmals eine englische Fassung. Elvis lernte den Song über eine weitere Adaption namens There's No Tomorrow  kennen und wollte das Lied ebenfalls aufnehmen. Da sich die Melodie inzwischen im Public Domain befand, schrieben Aaron Schroeder und Wally Gold einen neuen Text und machten It's Now Or Never  daraus.

Elvis spielte den Song am 3. April 1960 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee ein. Der Master ist eine Kombination aus den Takes 4 und 2, am 5. April 1960 wurden noch ein Klavier und Perkussion hinzugefügt.

Mit über 28 Millionen verkauften Exemplaren stellt die 45er die erfolgreichste Single-Veröffentlichung des Kings dar. 1961 fand sich It's Now Or Never  auf der EP Elvis By Request, später brachte RCA Victor die Aufnahme zusätzlich auf dem Album Elvis' Golden Records - Volume 3  (1963) und der 4-LP-Box Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  (1970) heraus. Zudem findet sich eine Live-Version auf dem Doppel-Album Elvis In Concert  (1977).

 

A Cane And A High Starched Collar

Die Nummer stammt aus der Feder von Sid Tepper und Roy C. Bennett und wurde für den Film Flaming Star  (1960) geschrieben. Elvis spielte am 8. August 1960 bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien sechs Takes davon ein, danach entstanden sechs Insert-Takes mit dem Ende des Songs. Den Master kombinierte man schließlich aus Take 6 und Insert-Take 6.

Seinerzeit hatte RCA Victor auf eine Veröffentlichung verzichtet, 16 Jahre später stellte das lustige Liedchen für die meisten Fans sicherlich ein nettes Fundstück aus längst vergangenen Tagen dar.

 

Presentation Of Awards To Elvis

Die Übergabe von Auszeichnungen wurde am 25. März 1961 auf den Hawaii Inseln aufgezeichnet. und war bis dato ebenfalls unveröffentlicht.

 

Blue Hawaii

Der Titelsong des erfolgreichsten Spielfilms des Kings wurde von Leo Robin und Ralph Rainger geschrieben, Bing Crosby sang ihn bereits 1937 und auch Patti Page und Frank Sinatra hatten Blue Hawaii  bereits vor Elvis eingespielt. Die Version des Kings entstand am 22. März 1961, Take 7 wurde zum Master.

Auch wenn Blue Hawaii  nicht zu meinen Favoriten gehört, verbreitet der Song trotzdem eine angenehme Urlaubsatmosphäre und passt perfekt zum Thema des Films. Die hier zu hörende Fassung entstand am 14. Januar 1973 im Rahmen der TV-Show Aloha From Hawaii Via Satellite  und klingt eher müde als romantisch.

 

Such A Night

Schon seit Jahren war Elvis ein Fan von Clyde McPhatter, am 4. April 1960 nahm er schließlich dessen R&B-Hit Such A Night  auf. Obwohl er sich recht nah an das Original hielt, wirkte seine Version ein wenig lässiger und auch die Gradwanderung zwischen suggestivem Unterton und humorvoller Übertreibung gelang ihm perfekt.

Der fünfte Versuch wurde zum Master und fand sich auf dem Album Elvis Is Back!  (1960) und der Single Such A Night / Never Ending  (1964). Auf diesem Album sind die bislang unveröffentlichten Takes 2 und 3 zu hören.

Der Fan kann hier erleben, wie das Lied eingezählt wird. Heute sind solche Studio-Chats nichts Besonderes, im Jahr 1976 stellten solche Einblicke in die Sessions jedoch ein absolutes Novum dar.

 

Baby What You Want Me To Do

Der Blues-Song stammt aus der Feder von Jimmy Reed, der ihn 1959 auch als erster veröffentlichte. Die hier zu hörende Aufnahme entstand während der ersten informellen Show vom 27. Juni 1968, die um 18:00 Uhr aufgezeichnet wurde. Die Fans kannten diese Aufnahme bereits von der LP Elvis  (1968).

 

How Great Thou Art

Anno 1967 bildete die Hymne den Titelsong des zweiten Gospel-Albums des Kings. Der Ursprung des Liedes liegt in dem 1886 von Carl Boberg geschriebenen schwedischen Lied O Store Gud. Im Jahre 1907 übersetzte Manfred von Glen den Song mit Wie Groß Bist Du, 1925 folgte eine erste englischsprachige Fassung mit dem Namen O Mighty God, When I Behold The Wonder. Acht Jahre später verfassten die Missionare Mr. und Mrs. Stuart Hine schließlich How Great Thou Art  und beriefen sich dabei auf die deutsche Übersetzung von Manfred von Glen.

Diese endgültige Version wurde von unzähligen Sängern und Gospelgruppen aufgenommen, 1962 konnte Tennessee Ernie Ford damit sogar einen Pop-Hit landen. Elvis spielte seine Fassung am 25. Mai 1966 ein und benötigte dafür vier Takes.

1969 veröffentlichte RCA Victor die Aufnahme zusammen mit His Hand In Mine  auf einer Single, Konzertmitschnitte befinden sich auf den Alben Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  (1974) und Elvis In Concert  (1977). Für die Memphis-Aufnahme erhielt der King 1975 von der Academy Of Recording Arts And Sciences einen Grammy.

 

If I Can Dream

Die LP endet mit dem von W. Earl Brown verfassten Traum von einer besseren Welt. Offenbar traf der King damit endlich wieder den aktuellen Zeitgeschmack, denn die im November 1968 veröffentlichte Single If I Can Dream / Edge Of Reality  erreichte in der Hot 100 den zwölften Platz und stellte damit Elvis' erfolgreichste 45er seit drei Jahren dar.

Aufgenommen wurde der Song am 23. Juni 1968 innerhalb von fünf Takes. Später fand sich If I Can Dream  auch auf dem Album Elvis  (1968) und der 4-LP-Box Worldwide 50 Gold Award Hits - Volume 1  (1970).

Gesanglich orientierte sich der King übrigens an Tony Bruno, den er in den Monaten zuvor in Las Vegas gesehen hatte.

 

Fazit & Bewertung

Erneut entführte RCA das Publikum auf eine Zeitreise und präsentierte dabei eine gelungene Mischung aus bekannten und unbekannten Aufnahmen. Und wie schon der erste Teil, so verkaufte sich auch die Fortsetzung deutlich besser, als die aktuellen Veröffentlichungen des Kings.