Double Dynamite! (Budget Release)

Unter dem Titel Double Dynamite!  erscheint im Dezember 1975 eine weitere Doppel-LP des Kings. Dabei handelt es sich allerdings nicht um ein Vollpreis-Produkt mit neuen Songs, sondern um eine Budget-Veröffentlichung alten Materials aus dem Hause PICKWICK.

Zwar wird das Set aufgrund des geringen Verkaufspreises nicht in den Billboard Charts gelistet, die Verkaufszahlen können sich aber dennoch sehen lassen. Allein innerhalb der USA werden mehr als eine Million Kopien verkauft, was von der RIAA mit Gold und Platin gewürdigt wird.

Das Bild auf dem Front-Cover kennen die Fans bereits von der RCA-LP Elvis As Recorded At Madison Square Garden, das Foto auf der Rückseite war zuvor für die Verpackung der CAMDEN-Veröffentlichung Elvis Sings Hits From His Movies - Volume 1  genutzt worden.

Bei PICKWICK handelte es sich um ein auf Budget-Veröffentlichungen spezialisiertes Label, das unter Lizenz die Kataloge bekannter Künstler ausschlachtete. Anno 1975 hatte RCA die Rechte an den Presley-Alben der eigenen Billig-Schiene CAMDEN an diese Firma abgetreten, die diese Produktionen fortan unter dem eigenen Namen vertrieb. Aus dem Pool der dort enthaltenen Songs wurde dieses Doppel-Album zusammengestellt.

 

 

Burning Love

Das Album beginnt mit der Hit-Single von 1972. Der Rocker entstand am 28. März desselben Jahres im RCA Studio C in Hollywood, Kalifornien innerhalb von sechs Takes. Am 27. April wurden weitere Instrumente hinzugefügt und die Aufnahme um etwa eine halbe Minute gekürzt. Das Original dieser Komposition von Dennis Linde stammt von Arthur Alexander.

Obwohl die Band das Lied als Rock'n'Roll arrangiert, lässt Elvis' Stimme jede für diese Stilrichtung nötige Aggressivität vermissen. Vielleicht wollte er lieber wie ein Popsänger klingen, vielleicht lag es aber auch an seiner kolportierten Abneigung gegen den Song. Im Film Elvis On Tour  (1972) ist Burning Love  ebenfalls zu hören, eine Live-Aufnahme wurde auf der Doppel-LP Aloha From Hawaii Via Satellite  (1973) herausgebracht.

Auf der Bühne kam das Lied allerdings erst in den Jahren 1975/76 regelmäßig zum Einsatz. Die Studio-Version fand sich auf der Single und der CAMDEN-LP Burning Love And Hits From His Movies.

 

I'll Be There

I'll Be There  wurde von Bobby Darin geschrieben, der den Song im Jahre 1959 auch als erster aufnahm. Elvis folgte ihm am 22. Januar 1969 im American Sound Studio in Memphis, Tennessee und spielte sechs Takes dieser Country-Ballade ein.

Nachdem der dritte Versuch zur Grundlage des Masters erklärt worden war, wurden in weiteren Produktionsschritten Hintergrundgesang (24. Januar), Geigen (5. Mai) sowie Blechbläser und weiterer Hintergrundgesang (6. Mai) hinzugefügt.

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1970 auf dem Budget-Album Let's Be Friends.

 

Fools Fall In Love

Der Song stammt aus der Feder von Jerry Leiber und Mike Stoller und wurde erstmals 1956 von den Drifters veröffentlicht. Elvis nahm die Uptempo-Nummer am 28. Mai 1966 auf und benötigte dafür fünf Takes.

Er klingt dabei sehr ausgelassen und auch die Band sprüht nur so vor Spielfreude. Man hört den Beteiligten einfach an, dass ihnen diese Art von Musik viel Spaß macht.

Der Sänger vertritt hier die Auffassung, dass sich nur Trottel leicht verlieben - und er neuerdings dazugehört. Zunächst fand sich das Lied auf der B-Seite der Single Indescribably Blue  (1967), später war es auch auf der CAMDEN-LP I Got Lucky  (1971) zu hören.

 

Follow That Dream

Ursprünglich war die Nummer auf der Soundtrack-EP zum gleichnamigen Spielfilm zu hören, 1971 erfolgte die Zweitverwertung auf dem Budget-Album C'mon Everybody. Das Lied stammt aus der Feder von Fred Wise und Ben Weisman und wurde von Elvis binnen sechs Takes aufgenommen.

Die Botschaft, man solle unbedingt seinem Traum folgen, wird in eine flotte Pop-Melodie verpackt und von Elvis mit Begeisterung gesungen. Ich halte Follow That Dream  für einen der besten Filmsongs des Kings.

 

You'll Never Walk Alone

Richard Rogers und Oscar Hammerstein II schrieben You'll Never Walk Alone  1945 für das Musical Carousel, im selben Jahr nahm auch Frank Sinatra eine Fassung dieser großartigen Nummer auf.

Elvis spielte You'll Never Walk Alone  am 11. September 1967 ein, der Master ist ein Zusammenschnitt aus den Takes 1 und 8.

Der King scheint sich regelrecht in dem Song zu verlieren, seine Stimme ist voller Gefühl und klingt absolut phantastisch. Ohne Frage gehört You'll Never Walk Alone  zu den Highlights im Presley-Katalog.

Erstmals veröffentlicht wurde der Titel 1968 auf der B-Seite der Single We Call On Him, drei Jahre später machte CAMDEN ihn zum Titelsong einer Budget-LP mit religiösen Songs.

 

Flaming Star

Am 8. August 1960 nahm Elvis bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien Black Star, das Titellied seines neusten Spielfilms, auf. Nach 13 Takes spielte er zusätzlich noch 5 Insert-Takes ein, den Master kombinierte man schließlich aus den Durchgängen 13 und 5 (Insert-Take).

Weil 20th Century Fox die Produktion später in Flaming Star  umbenannte, mussten auch die Autoren Sid Wayne und Sherman Edwards ihr Lied anpassen und Elvis die Nummer noch einmal aufnehmen. Dies geschah am 7. Oktober 1960 innerhalb von 6 Takes.

Ursprünglich sollte der Song gar nicht auf einem Tonträger veröffentlicht werden. Weil aber einzelne Radiosender eine Raubpressung von Flaming Star  spielten, warf RCA Victor im Februar 1961 eilig eine EP namens Elvis By Request  auf den Markt, auf der auch dieses Lied enthalten war.

Anno 1969 war es auf dem Album Elvis Sings Flaming Star & Others  (der allgemein erhältlichen Version der LP SINGER Presents Elvis Singing Flaming Star & Others) zu hören.

 

The Yellow Rose Of Texas / The Eyes Of Texas

Für den Spielfilm Viva Las Vegas  fassten Randy Star und Fred Wise die beiden Traditionals zu einem Medley zusammen, das von Rusty (Elvis) vor einer Horde Südstaatlern in einem Casino gesungen wird.

Aufgenommen wurde die Nummer am 10. Juli 1963 bei Radio Recorders in Hollywood, Kalifornien innerhalb von 9 Takes. Weil sich hauptberufliche Sänger zu professionell angehört hätten, wurden der Part des lautstark mitgrölenden Casino-Publikums von den Studio-Musikern übernommen. Auch dieses Medley war zuerst auf der Flaming Star - LP zu hören gewesen.

 

Old Shep

Mit dieser Aufnahme dürfte Elvis seinerzeit für eine Überraschung gesorgt haben, denn eine traurige Ballade über einen Jungen und seinen Hund erwarteten wohl nur die wenigsten vom Rock'n'Roll-König. Tatsächlich stellte die Aufnahme für den jungen Superstar aber eine Herzensangelegenheit dar, denn er sang das Lied bereits seit seinen Kindertagen.

RCA Victor veröffentlichte Old Shep  auf dem Album Elvis  und der EP Elvis - Volume 2  (beide 1956). CAMDEN verwertete den Titel 1972 auf der LP Separate Ways. Der Autor heißt übrigens Red Foley, der den Titel auch als erster herausbrachte. Elvis spielte am 2. September 1956 fünf Takes ein, entschied sich schlussendlich aber für den ersten Versuch.

Durch einen Fehler von RCA Victor enthielten einige Pressungen von Elvis  den fünften Take. Diese Exemplare gelten heute als gesuchte Raritäten. Mir persönlich gefällt Old Shep  sehr gut, weil Elvis die tieftraurige Geschichte absolut glaubwürdig zu verkaufen weiß. In den 1950ern gelang ihm das nur selten.

 

Mama

Im Film Girls! Girls! Girls!  (1962) sangen The Amigos diese Ballade. Elvis hatte ebenfalls eine Version davon eingespielt, die aber seinerzeit weder im Film, noch auf der Soundtrack-LP Verwendung fand. Und so nutzte eben CAMDEN acht Jahre später dieses Überbleibsel zum Füllen des Albums Let's Be Friends.

Geschrieben wurde diese 58 Sekunden lange Nummer von Charles O' Curran und Dudley Brooks. Der Song ist recht kitschig, aber trotzdem nett anzuhören. Es gibt sicherlich schlechtere Film-Balladen als Mama.

 

Rubberneckin'

Rubberneckin'  entstand im American Sound Studio in Memphis, Tennessee. Am 20. Januar 1969 spielte Elvis den Song in nur zwei Takes ein. Zwischen dem 22. und 24. Januar wurde der Hintergrundgesang aufgenommen, die Blechbläser folgten am 19. März.

Obwohl der Titel ursprünglich nicht dafür vorgesehen war, nutzte Universal ihn im Spielfilm Change Of Habit, RCA Victor brachte die Nummer auf der B-Seite der Single Don't Cry Daddy  heraus. CAMDEN verwertete den Song im Spätsommer 1970 auf dem Album Almost In Love.

2003 veröffentlichte Sony/BMG einen von Paul Oakenfold erstellten ReMix, der in Australien und einigen europäischen Ländern zum Top10-Hit avancierte.

 

U.S. Male

Der Song stammt aus der Feder von Jerry Reed, der den Titel auch 1966 als erster herausbrachte. Die Presley-Version erschien im Februar 1968 auf der Rückseite der Single Stay Away, zweieinhalb Jahre später war sie auch auf der CAMDEN-LP Almost In Love zu hören.

In dem Song wendet sich der Sänger an einen Nebenbuhler und droht ihm allerlei Ungemach an, sollte er nicht die Finger von seiner Frau lassen. Elvis mimt den selbstgewissen und leicht hinterwäldlerischen Südstaatler perfekt, trägt den Talking Blues mit breitem Akzent vor und verlegt sogar den im Text genannten Geburtsort seiner eigenen Biographie folgend von Georgia nach Mississippi.

Wie die A-Seite dieser Single, so entstand auch U.S. Male  am 16. Januar 1968 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee. Bereits im Vorjahr hatte Elvis mit Guitar Man  einen Song von Reed gecovert und wie damals ließ der King ihn auch für diese Session als Gitarristen engagieren.

 

Frankie And Johnny

Zunächst war Frankie And Johnny  im Jahr 1966 auf einer Single und der Soundtrack-LP zum gleichnamigen Spielfilm zu hören. 1972 nutzte CAMDEN das Lied für das Album Elvis Sings Hits From His Movies - Volume 1.

Das Traditional stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist auch unter dem Titel Frankie And Albert  bekannt. Es existieren viele verschiedene Versionen, denen aber gemein ist, dass Frankie ihren Liebhaber Johnny (oder eben wahlweise Albert) aus Eifersucht erschießt. In einigen Fassungen landet sie dafür im Gefängnis, in anderen wird sie exekutiert.

Die hier zu hörende Version wurde von Alex Gottlieb, Fred Karger und Ben Weisman bearbeitet und von Elvis am 14. Mai 1965 innerhalb von sechs Takes aufgenommen. Unter den Movie Tunes zählt Frankie And Johnny  zu meinen Favoriten, da sich der Titel deutlich von den übrigen Filmschlagern der Mittsechziger unterscheidet und von Elvis auch durchaus mit Elan vorgetragen wird.

 

If You Think I Don't Need You

Die Uptempo-Nummer aus der Feder von Red West und Joey Cooper klingt wie ein typischer Filmschlager der Mittsechziger, lediglich durch die Blechbläser sticht der Song ein wenig hervor. Wirklich schlecht ist das Lied nicht, aber es bleibt auch nicht im Gedächtnis.

Trotz des mittelmäßigen Materials investierte Elvis am 9. Juli 1963 relativ viel Zeit in If You Think I Don't Need You  und spielte 13 Takes davon ein. Die Fans kannten den Song bereits von der EP Viva Las Vegas  und dem Album I Got Lucky.

 

Easy Come, Easy Go

Der Titelsong des gleichnamigen Spielfilms wurde von Ben Weisman und Sid Wayne komponiert und von Elvis am 28. September 1966 innerhalb von neun Takes aufgenommen. Der Sänger hat in jedem Hafen ein anderes Mädchen, alles ist unkompliziert, eben Easy Come, Easy Go.

Ich würde den Song als typischen Filmschlager dieser Tage beschreiben - nicht schlecht, aber auch eben nichts Besonderes. Anfang 1967 veröffentlichte RCA Victor den Titel auf der entsprechenden Soundtrack-EP, das CAMDEN-Label folgte 1971 mit der LP C'mon Everybody.

 

Separate Ways

Die Ballade wurde von Red West und Richard Mainegra geschrieben und am 27. März 1972 im RCA Studio C in Hollywood, Kalifornien aufgenommen. Elvis arbeitete hart an dem Song und spielte insgesamt 25 Takes davon ein. Schlussendlich bildete der 21. Versuch die Grundlage des Masters. Noch am Tag der Aufnahme ergänzte der King den Harmonie-Gesang, Blechbläser und Streicher wurden am 8. Mai hinzugefügt. Auf Elvis' Geheiß wurden die Geigen später allerdings wieder entfernt.

Ende 1972 war der Song auf der Single Separate Ways / Always On My Mind  und dem CAMDEN-Album Separate Ways  zu hören.

 

Peace In The Valley

Am 6. Januar 1957 hatte Elvis das Publikum überrascht, als er bei seinem Auftritt in der Ed Sullivan Show  diesen Gospel vortrug. Sieben Tage später spielte er den Titel auch im Studio ein, Take 9 wurde zum Master. Ursprünglich hatte Thomas A. Dorsey Peace In The Valley  1937 für Mahalia Jackson geschrieben, den großen Hit damit landeten allerdings Red Foley & The Sunshine Boys. Deren Version erreichte 1951 den siebten Platz der Country & Western Charts und zählt zu den ersten Gospel-Aufnahmen, die sich mehr als eine Million Mal verkauften.

Bei vielen Balladen klang Elvis' Gesangstechnik in den 1950ern noch nicht ganz ausgereift, Peace In The Valley  trägt er aber absolut großartig vor und auch auf der emotionalen Ebene nimmt man ihm das Lied jederzeit ab. Erstmals zu hören war der Song im April 1957 auf der gleichnamigen Gospel-EP, wenig später veröffentlichte ihn RCA Victor erneut auf der LP Elvis' Christmas Album. Die dritte Verwertung fand 1971 über die CAMDEN-LP You'll Never Walk Alone  statt.

 

Big Boss Man

Der Song wurde von Al Smith und Luther Dixon geschrieben und im März 1960 von Jimmy Reed erstmals aufgenommen. Elvis' Version entstand am 10. September 1967 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee innerhalb von 11 Takes.

In dem Blues stellt der Sänger seinen Chef zur Rede, der ihn ausbeutet und rund um die Uhr arbeiten lässt. Mir gefällt die Interpretation des Kings sehr gut, er singt mit deutlich aggressivem Unterton und bringt seine Wut absolut glaubwürdig rüber.

1967 war das Lied auf einer Single und dem Clambake-Soundtrack zu finden, fünf Jahre später nutzte CAMDEN es für die LP Elvis Sings Hits From His Movies - Volume 1. Zwischen 1974 und 1977 kam die Nummer auch während seiner Bühnenshows zum Einsatz.

 

It's A Matter Of Time

Diese schöne Country-Ballade entstand am 29. März 1972 im RCA Studio C in Hollywood, Kalifornien und bildete seinerzeit die B-Seite der Erfolgs-Single Burning Love. Folglich fand sie sich später auch auf der CAMDEN-LP Burning Love And Hits From His Movies.

Elvis benötigte für die Aufnahme der Komposition von Clive Westlake fünf Takes. Am 8. Mai ließ Felton Jarvis noch Blechbläser und Streicher hinzufügen, letztere wurden später auf Geheiß des King allerdings wieder entfernt.

Der Sänger meint, es sei nur eine Frage der Zeit, bis er wieder nach Hause fahre. Im Verlauf des Liedes findet er allerdings immer wieder Gründe, warum es ihm jetzt gerade nicht möglich ist. Elvis klingt ein wenig traurig und sein Gesang passt einfach wunderbar zur wehmütig-kitschigen Melodie.

 

Fazit & Bewertung

Als Dynamit würde ich diese etwas willkürlich anmutende Zusammenstellung von Filmschlagern und regulären Studioaufnahmen nicht bezeichnen wollen. Die Songs sind aber nett anzuhören, hier und dort befinden sich sogar ein paar Highlights darunter.