Having Fun With Elvis On Stage

Nachdem RCA im Juli 1974 die LP Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  auf den Markt brachte, folgt im Oktober mit Having Fun With Elvis On Stage  ein weiteres Konzert-Album des Kings. Diesmal ist es allerdings A Talking Album Only.

Dass Elvis auf seinem aktuellen Album gar nicht singt, scheint viele Fans kurioserweise nicht zu stören. In der Top LPs Chart landet die Scheibe auf Rang 130, in der Hot Country LPs Chart knackt sie sogar die Top10 und kann bis zur Nummer 9 vorrücken.

Insgesamt verkauft sich Having Fun With Elvis On Stage  etwa 300.000 Mal und es wären vermutlich noch deutlich mehr Kopien geworden, wenn der King das Album nicht hätte vom Markt nehmen lassen.

Das Cover zeigt sechs Konzertfotos vom Mai 1974, auf der Rückseite ist eine Landkarte der USA zu sehen, die anzeigt, in welchen Städten die Elvis Presley Show bereits gastiert hat. Mit den Worten Sold Out!  wird suggeriert, dass jedes Konzert restlos ausverkauft war, was tatsächlich nicht ganz der Wahrheit entspricht.

Statt der üblichen Hinweise auf die letzten Schallplatten-Veröffentlichungen des Kings wird nur ganz allgemein dazu aufgefordert, sich Elvis auf RCA-Schallplatten oder Kassetten anzuhören und die von RCA Record Tours präsentierten Konzerte zu besuchen.

Ursprünglich handelte es sich bei Having Fun With Elvis On Stage  um ein Projekt von Boxcar Records, dem Schallplatten-Label der Boxcar Inc.

Diese Firma war im Januar 1974 gegründet worden und diente dem Vertrieb von Presley-Merchandising. Es sollten aber auch andere Künstler unter Vertrag genommen und vermarktet werden. Colonel Parker, der Manager des Kings, war mit 56% beteiligt, Elvis Presley und Tom Diskin hielten jeweils 22% der Anteile.

Seit dem großen Live-Comeback im Sommer 1969 waren zahlreiche Shows über das Mischpult des Tontechnikers mitgeschnitten worden. Diese Aufnahmen sollten nun über die neue Firma zu Geld gemacht werden. Weil aber nur RCA die Gesangsaufnahmen des Kings veröffentlichen durfte, ließ Elvis' cleverer Manager einfach Gags und Bühnenmonologe zusammenschneiden und produzierte dieses Talking-Album.

Erstmals vertrieben wurde es im Rahmen des Elvis Summer Festival 1974  über die Souvenir-Stände im Las Vegas Hilton. Nachdem allein während des zweiwöchigen Gastspiels mehr als 20.000 Kopien verkauft worden waren, zeigte auch RCA Interesse an der Produktion.

Und so handelte Colonel Parker einen Vertrag zwischen der Schallplatten-Firma und Boxcar Inc. aus.

RCA zahlte eine Garantiesumme von 100.000 US-Dollar an Boxcar, die nachfolgend mit den Tantiemen für die realen Verkäufe verrechnet werden sollte. Hier richtete man sich nach dem Vertrag zwischen RCA und Elvis und legte die Zahlung auf 50 Cent pro verkaufter LP fest.

Da Elvis der Produktion dieser LP und auch der Veröffentlichung durch RCA zustimmte, dürfte ihm das Projekt zunächst als vorteilhaft erschienen sein. Schließlich kam Geld in die Kasse, ohne dass er selbst in irgendeiner Form tätig werden musste.

Als Having Fun With Elvis On Stage  dann aber tatsächlich als reguläres Album vermarktet wurde, schien er sich der Außenwirkung langsam bewusst zu werden. Daraufhin wurde vereinbart, nach dem Abverkauf der Erstauflage keine weiteren Kopien zu produzieren und die LP dadurch vom Markt verschwinden zu lassen.

Geld verloren hat bei diesen Aktionen freilich niemand.

Boxcar dürfte schon durch die Verkäufe im Las Vegas Hilton in der Gewinnzone gewesen sein, hinzu kamen noch die Garantiezahlung von RCA sowie mindestens 50.000 US-Dollar an regulären Tantiemen.

RCA trug lediglich den Aufwand für die Herstellung und den Vertrieb der Alben und die vorab garantierten Tantiemen hatten sich nach 200.000 Kopien amortisiert.

Mit einer Laufzeit von 37:06 Minuten ist Having Fun With Elvis On Stage  übrigens länger, als so manches reguläre Presley-Album.

 

A Talking Album Only

Einen Teil der Spielzeit nimmt Elvis' Lebensgeschichte ein, so wie er sie im Rahmen seiner Comeback-Shows im Sommer 1969 immer erzählte.

Davon abgesehen reiht Having Fun With Elvis On Stage  lediglich zusammenhanglose Clips aneinander, die in weiten Teilen ohne den Kontext der Show nur leidlich amüsant rüberkommen.

 

Fazit & Bewertung

Ein Komiker ist an Elvis definitiv nicht verloren gegangen, insgesamt darf diese Veröffentlichung mit Fug und Recht als peinlich angesehen werden.

 

Soweit bekannt liegen die Bildrechte am Schallplatten-Cover bei Boxcar Records / RCA Records.