Elvis Recorded Live On Stage In Memphis

Mit Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  kommt im Juli 1974 ein weiteres Konzert-Album des Kings auf den Markt.

Ab dem 27. des Monats ist die Scheibe 13 Wochen lang in der Top LPs Chart zu finden und erreicht den 33. Platz. Am 3. August steigt Elvis Recorded Live On Stage In Memphis  auch in die Hot Country LPs Chart ein. Hier wird das Album 21 Mal notiert und schafft es bis Rang 2.

Zunächst verkauft sich der Tonträger 400.000 Mal, im Jahr 1999 verleiht die RIAA dem King posthum eine Goldene Schallplatte. Der weltweite Absatz wird auf etwa 1,5 Millionen Kopien geschätzt.

Die Academy Of Recording Arts And Sciences zeichnet die Darbietung des Gospels How Great Thou Art  mit einem Grammy aus.

In den letzten drei Jahren hatte RCA die meisten Album-Cover mit Konzert-Fotos gestaltet. Kurioserweise nahm man für die Verpackung einer tatsächlichen Live-LP jetzt Bilder von Elvis' Villa Graceland.

Aufgenommen wurde die Show am 20. März 1974 im Midsouth Coliseum in Memphis, Tennessee. Als Produzent fungierte Felton Jarvis, die Tontechnik wurde von Mike Moran, Gus Mossler und Ron Olson betreut.

Elvis' Band bestand aus James Burton (Gitarre), Charlie Hodge (Gitarre und Harmonie-Gesang), John Wilkinson (Gitarre), Duke Bardwell (Bass), Ronnie Tutt (Schlagzeug) und Glen D. Hardin (Klavier). Zudem spielte das Orchester des Las Vegas Hilton unter der Leitung von Joe Guercio. Für den Hintergrundgesang sorgten J.D. Sumner & The Stamps (Ed Enoch, Dave Rowland und Bill Baize), Voice (Donnie Sumner, Per-Erik Hallin und Tim Baty), The Sweet Inspirations (Sylvia Shemwell, Myrna Smith und Estelle Brown) sowie Kathy Westmoreland.

Weil RCA kein Doppel-Album veröffentlichen wollte, wurde die Aufnahme entsprechend gekürzt. Neben dem Intro Also Sprach Zarathustra  fielen auch die Titel All Shook Up, Steamroller Blues, Teddy Bear / Don't Be Cruel, Love Me Tender, Fever, Polk Salad Annie, Suspicious Minds  und Funny How Time Slips Away  der Schere zum Opfer. Zudem wurden einige Kürzungen bei I Got A Woman / Amen  vorgenommen, Wortbeiträge herausgeschnitten und der Fehlstart von Help Me  weggelassen. Schlussendlich bearbeitete Felton Jarvis auch noch die Publikumsreaktionen, um beim Zuhörer das Konzerterlebnis zu optimieren.

 

See See Rider

Die LP beginnt mit dem Opening Riff, zu dem Elvis die Bühne betrat. Das Instrumentalstück geht direkt in See See Rider  über, das die Fans bereits von den Live-Alben On Stage - February 1970  (1970) und Aloha From Hawaii Via Satellite  (1973) kannten.

Der Vortrag ist weniger kantig als 1970, aber auch deutlich schwungvoller als im Vorjahr. Elvis wirkt kraftvoll, entspannt und gut gelaunt.

 

I Got A Woman / Amen

Von I Got A Woman  hatte es von RCA bis dato noch keine Live-Version gegeben, lediglich im Film Elvis On Tour  (1972) wurde eine Konzertaufnahme gezeigt. Tatsächlich befand sich der Ray-Charles-Klassiker aber schon seit den 1950ern nahezu durchgängig im Bühnenprogramm des Kings und wie man hört, schien ihm das Lied noch immer Spaß zu machen.

Wie schon in der Konzert-Dokumentation, so verbindet Elvis auch heute das Lied mit ein paar Takten des Gospels Amen.

 

Love Me

Die Ballade war zuvor bereits auf den Alben Elvis As Recorded At Madison Square Garden  (1972) und Aloha From Hawaii Via Satellite  (1973) veröffentlicht worden. Zwar kommt der King auch hier nicht an seine Originalaufnahme von 1956 heran, von den Konzert-Versionen ist die Memphis-Aufnahme allerdings die charmanteste.

 

Trying To Get To You

Die im Januar 1974 auf den Markt gebrachte LP A Legendary Performer - Volume 1  hatte einen Live-Mitschnitt von Trying To Get To You  enthalten, der im Rahmen des TV-Specials SINGER presents Elvis  (1968) entstanden war.

Damals hatte der King in kleiner Runde mit den Musikern aus seinen Anfangstagen zusammengesessen, auf dieser Scheibe bekamen die Fans nun eine typische Konzert-Fassung mit vollständiger Band, Hintergrundgesang und Blechbläser-Untermalung zu hören.

Auch hier ist Elvis wieder mit Leib und Seele dabei und überzeugt mit einer grandiosen Performance. Für mich gehört Trying To Get To You  zu den absoluten Highlights dieser LP.

 

Rock'n'Roll Medley

Der bunte Reigen der Oldies geht weiter mit einem Medley aus Long Tall Sally, Whole Lotta Shakin' Goin' On, Mama Don't Dance, Flip Flop & Fly, Jailhouse Rock  und Hound Dog. Die ersten beiden Songs hatte Elvis bereits im Rahmen der Aloha From Hawaii Via Satellite-Show präsentiert, hier in Memphis klingt er jedoch kraftvoller und bedeutend engagierter.

Zwar hätte er auch mit diesem Vortrag in den 1950ern wohl kaum die Krone des Rock'n Roll-Königs gewonnen, als Reminiszenz an die glorreiche Vergangenheit funktioniert das Medley aber gut und macht beim Zuhören Spaß.

 

Why Me, Lord

Eigentlich hatte Elvis keine Solo-Kariere angestrebt, vielmehr wollte er Teil eines Gospelquartetts sein. Hier erfüllte er sich nun diesen Traum und überließ die Strophen dem Bass-Sänger J.D. Sumner. Er selbst war nur während des Refrains zusammen mit dem Stamps Quartet zu hören.

Die Fans kannten diesen Titel bis dato noch nicht von Elvis, erst im Januar 1974 hatte er Why Me Lord  in die Show genommen. Das Original stammt von Kris Kristofferson, von dem der King zuvor auch schon For The Good Times  und Help Me Make It Through The Night  gecovert hatte.

 

How Great Thou Art

Im Vergleich zur Studio-Aufnahme ist die Bühnenversion bombastischer arrangiert und auch Elvis' Gesang ist mehr auf Emotion und Dramatik angelegt. Mir gefällt diese Interpretation ausnehmend gut und auch bei der Academy Of Recording Arts And Sciences stieß der King auf offene Ohren.

Wie seinerzeit das Album, so zeichnete sie auch diesen Live-Vortrag von How Great Thou Art  mit einem Grammy aus.

 

Blueberry Hill / I Can't Stop Loving You

I Can't Stop Loving You  gehörte schon seit Jahren zum Konzertprogramm des Kings und auch RCA hatte den Song bereits auf den Alben From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  (1969), Elvis As Recorded At Madison Square Garden  (1972) und Aloha From Hawaii Via Satellite  (1973) herausgebracht.

Auf der neuerlichen Live-LP koppelte Elvis den Titel mit Blueberry Hill, das er allerdings nicht sonderlich ernst zu nehmen schien.

Insgesamt macht das Medley aber Spaß, insbesondere bei I Can't Stop Loving You  (bei dem er die Zeile ...to live in memory  durch ...to live in Tennessee  ersetzte) läuft der King zu vokaler Hochform auf und klingt einmal mehr deutlich vitaler als während der Aloha-Show.

 

Help Me

Hier präsentierte Elvis nun einen neuen Song, der zum Zeitpunkt der Aufnahme, also am 20. März 1974, noch gar nicht veröffentlicht worden war. Im April hatte RCA den Country-Song auf der B-Seite von If You Talk In Your Sleep  herausgebracht und dem King damit einen weiteren Top10-Hit in der Country Chart beschert.

Auf der Bühne sang Elvis das Lied ebenso gefühlvoll wie im Studio und bis zur letzten Tournee sollte er immer mal wieder darauf zurückkommen. Ohne Frage handelt es sich auch hier wieder um einen Höhepunkt der LP.

 

An American Trilogy

Dieser Song hingegen lag den Fans bereits in drei Varianten (auf einer Single sowie den Alben Elvis As Recorded At Madison Square Garden  und Aloha From Hawaii Via Satellite) vor und auch im Film Elvis On Tour  war eine Performance zu sehen gewesen.

Leider war dem Song inzwischen ein Teil seines Flairs abhanden gekommen, weil der King das Tempo überplanmäßig angezogen hatte. Beim Publikum in der Halle verfehlte allerdings auch diese Version ihre Wirkung nicht und verbreitete wie gewohnt patriotische Stimmung.

 

Let Me Be There

Im Vorjahr hatte Olivia Newton-John mit dem Country-Schlager einen Hit verbuchen können, jetzt coverte auch Elvis die Nummer und hatte hörbar seinen Spaß daran. Diese Art von Musik passt einfach perfekt zum damaligen Stil des Kings, bis 1976 sollte Let Me Be There  regelmäßig in seinen Shows zu finden sein.

Kurioserweise fand sich die hier zu hörende Aufnahme im Sommer 1977 erneut auf dem Album Moody Blue.

 

My Baby Left Me

Nun geht es wieder zurück in die Golden Fifties und einmal mehr hat Elvis offenkundig seine Freude an dem Lied. Es fällt allerdings auf, dass die Nummer nicht zum Standardprogramm gehörte und die eine oder andere zusätzliche Probe hätte vertragen können.

 

Lawdy Miss Clawdy

Diese Nummer hingegen funktioniert perfekt und stellt eine ernsthafte Konkurrenz für die 1956er Studio-Aufnahme dar. Insbesondere der Einsatz der Hintergrundsänger und der Blechbläser des Joe-Guercio-Orchesters gefallen mir gut.

Bereits 1968 hatte RCA eine in deutlich kleinerer Besetzung eingespielte Live-Fassung auf dem Album Elvis herausgebracht, eine der 1974er Memphis-Performance ähnliche Version kannten die Fans aus dem Film Elvis On Tour (1972).

 

Can't Help Falling In Love

Die LP schließt mit dem unvermeidlichen Can't Help Falling In Love, das einmal mehr kaum mit dem Original mithalten kann. Wie gewohnt geht der Song in das Closing VAMP  über, zu dem Elvis die Bühne verließ.

Weil die Show in Memphis stattfand, änderte Al Dvorin seinen typischen Spruch Elvis has left the building  in Elvis has left for Graceland  ab. Für die LP mischte Felton Jarvis diese Absage mit dem Closing VAMP  zusammen.

 

Fazit & Bewertung

In seiner Heimatstadt wirkt Elvis deutlich entspannter als im New Yorker Madison Square Garden oder während seines TV-Konzerts in Honolulu. Gut gelaunt und bei bester Stimme präsentiert er eine gelungene Mischung aus alten und neuen Songs und kommt dabei unglaublich sympathisch rüber.