Elvis

Der Nachfolger des Mega-Sellers Aloha From Hawaii Via Satellite  kommt im Juli 1973 auf den Markt und heißt schlicht Elvis.

Ab dem 21. des Monats notiert Billboard die Scheibe in der Top LPs Chart, wo sie sich 13 Wochen lang hält und Position 52 erreicht. Am 25. August steigt Elvis  auch in die Hot Country Albums Chart ein. Hier reichen die 200.000 verkauften Kopien für eine 14wöchige Notierung und Rang 8.

 In Großbritannien landet der King mit diesem Album einen Top20-Hit, weltweit geht es etwa eine Million Mal über die Ladentheken.

Für das Cover nutzte RCA ein Szenenfoto aus dem Aloha-Special, das zuvor bereits die Rückseite der Single Steamroller Blues / Fool  geziert hatte. Einerseits sollte so vom Erfolg der TV-Show profitiert werden, andererseits wollte man einen Wiedererkennungswert mit der Single herstellen. Die B-Seite befand sich nämlich auf diesem Album und sollte als kommerzielles Zugpferd dienen.

Dass es bereits 1956 und 1968 jeweils eine LP mit dem Titel Elvis  gegeben hatte, wurde geflissentlich übersehen. Die Rückseite der Verpackung dient einmal mehr als Werbefläche für vorangegangene Produktionen.

Am ersten März 1973 hatte Elvis seine Rechte auf künftige Tantiemen für alle bis Ende 1972 eingespielten Songs (mit der Ausnahme des bereits erwähnten Titels Fool) gegen die Einmalzahlung von 5,4 Millionen US-Dollar an RCA abgetreten. Und so wurde entschieden, dass die nächste reguläre LP des Kings nicht aus neuen Aufnahmen, sondern aus tantiemenfreiem Archivmaterial bestehen sollte.

Über die genaue Zusammenstellung gab es heftige Diskussionen zwischen der für RCA arbeitenden Produzentin Joan Deary und Elvis' eigenem A&R-Mann Felton Jarvis. Schlussendlich setzte sich letzterer durch und erwirkte noch umfangreiche Änderungen, nachdem bereits Flyer an die Händler verschickt worden waren.

Das Sammler-Label Follow That Dream Records brachte 2010 eine Classic Album-Ausgabe der LP auf den Markt, auf der auch zahlreiche Outtakes zu hören sind.

 

Fool

Den Anfang der LP bildet die eingangs bereits erwähnte Ballade. 1969 veröffentlichte das James Last Orchester das von Last geschriebene Instrumentalstück No Words. Wenig später schrieb Carl Sigman dazu einen Text mit dem Titel Fool, der von Wayne Newton gesungen wurde.

Elvis nahm den Song am 28. März 1972 im RCA Studio C in Hollywood, Kalifornien auf. Take 2 wurde zum Master-Take. Am 8. Mai ergänzte man Blechbläser und Streicher, letztere wurden auf Geheiß des Kings allerdings wieder entfernt.

Voller Inbrunst knödelt sich Elvis durch den selbstmitleidigen Text, was mir persönlich jedoch sehr gut gefällt.

Wie eingangs bereits erwähnt, kannten die Fans den Song bereits von der B-Seite der Single Steamroller Blues.

 

Where Do I Go From Here

Vermutlich fühlte sich Elvis aufgrund seiner eigenen Situation von der Paul Williams Nummer angesprochen, denn auch er dürfte sich nach dem Ende seiner Ehe die Frage gestellt haben, wie es nun weitergehen soll.

Die Aufnahme entstand am 27. März 1972 im RCA Studio C in Hollywood, Kalifornien. Obwohl sich Elvis die eine oder andere gesangliche Schwäche leistete, erklärte man den achten Versuch zum Master-Take.

Und so hing es einmal mehr von Felton Jarvis und den von ihm verantworteten Overdubs ab, aus der Aufnahme noch etwas herauszuholen. Dies geschah am 8. Mai durch das Hinzufügen von Blechbläsern und Streichern

 

Love Me, Love The Life I Lead

Der Sänger warnt die Liebste vor seinem leicht unzuverlässigen Charakter und macht dabei auch gleich klar, dass er nicht gedenkt, sein Verhalten ihr zuliebe zu ändern.

Geschrieben wurde der Song von Tony Macaulay und Roger Greenaway, die Aufnahme stammt vom 21. Mai 1971 aus dem RCA Studio B in Nashville, Tennessee.

Zwölf Takes benötigte der King für diesen doch recht anspruchsvollen Song, der auch meinen Geschmack durchaus trifft. Das Hinzufügen von Blechbläsern und Streichern fand am 21. Juni statt.

Das Original stammt übrigens von einer Gruppe namens The Fantastics und wurde 1971 herausgebracht..

 

It's Still Here

Am 19. Mai 1971 setzte sich Elvis nach der Aufnahme von A Thing Called Love  (veröffentlicht im Jahre 1972 auf der LP He Touched Me) spontan ans Klavier und sang ein paar Songs zur eigenen Begleitung. Einer davon war dieser Titel von Ivory Joe Hunter.

Der Sänger wurde verlassen und trauert nun seiner Verflossenen hinterher, was der King auch absolut glaubwürdig rüberbringt. Insgesamt spielte Elvis It's Still Here  fünf Mal, eine gekürzte Version des letzten Versuches wurde zum Master Take.

 

It's Impossible

Anfang 1972 plante RCA ein Live-Album namens Standing Room Only  und ließ Felton Jarvis dafür im Februar in Las Vegas einige Lieder mitschneiden. Schlussendlich entschied man sich dann aber zur Veröffentlichung einer Show aus dem New Yorker Madison Square Garden und beließ das Material aus Las Vegas im Archiv.

Weil It's Impossible  jedoch von Elvis zuvor noch nicht veröffentlicht worden war, nahm man die Aufnahme vom 16. Februar 1972 dann auf diese LP.

Das Original stammt aus Belgien und heißt J'ai Le Mal De Toi, Kathy Kirby sang bereits zur Mitte der 1960er eine englische Fassung namens The Way Of Love. Den großen Hit hatte 1971 aber Perry Como, bei dem der Titel bereits It's Impossible  hieß.

Elvis führte die Nummer von Armando Manzanero und Sid Wayne mit großem Orchester (bei dem hier sogar eine Harfe zu hören ist) auf und trug sie sehr gefühlvoll vor. Für mich zählt dieser Titel zu den absoluten Highlights dieses Albums. 1975 veröffentlichte RCA It's Impossible  auch auf der LP Pure Gold.

 

(That's What You Get) For Lovin' Me

Die zweite Seite der LP beginnt ebenso stark, wie die erste aufgehört hat. (That's What You Get) For Lovin' Me  stammt aus der Feder von Gordon Lightfoot, der den Titel 1964 auch als erster aufnahm.

Elvis' Version vom 15. März 1971 aus dem RCA Studio B in Nashville, Tennessee orientiert sich aber an der Fassung von Peter, Paul & Mary. Zwölf Takes benötigte der King, ehe er den zynischen Folksong eingespielt hatte.

Der Sänger "tröstet" hier seine Verflossene, indem er ihr mitteilt, dass sie nicht die einzige ist, der er übel mitgespielt hat und es auch nach ihr noch viele andere geben wird. Schade, dass Elvis nicht mehr Lieder in diesem Stil aufgenommen hat.

 

Padre

Bereits in den 1950ern hatte Elvis dieses Lied als seinen Lieblingssong bezeichnet. Es dauerte allerdings bis zum 15. Mai 1971, ehe er es selbst aufnehmen sollte.

Er tat dies im RCA Studio B in Nashville, Tennessee innerhalb von 11 Takes. Die Grundlage des Masters bildete ein Zusammenschnitt der Durchgänge 8 und 11, Blechbläser und Geigen wurden am 21. Juni hinzugefügt.

In dem Lied wird Elvis die Frau ausgespannt und er wendet sich verzweifelt an den Priester, der die beiden dereinst getraut hat.

Gesanglich hätte auch der Master noch Verbesserungspotenzial gehabt, aber irgendwie passt die leicht angegriffene Stimme und das herzhafte Schnäuzen (!) zu Elvis' selbstmitleidigem Gesang und verleiht dieser Kitsch-Nummer eine zusätzliche Tiefe.

Geschrieben wurde Padre  von Alain Romans-Paul und Francis Webster, die Erstaufnahme stammt von Gloria Lasso aus dem Jahr 1956.

 

I'll Take You Home Again Kathleen

Auch I'll Take You Home Again, Kathleen  gehörte zu den Favoriten des Kings, bereits während seiner Militärzeit in Deutschland nahm er im privaten Rahmen eine Version dieses Klassikers von Thomas P. Westendorf auf. Geschrieben wurde die Ballade 1875, erstmals aufgenommen wurde sie 1910 von Ernest Pike & Stanley Krikby.

Der Text ist recht unklar, man erfährt lediglich, dass Kathleen nach Hause gebracht werden soll, wo sich alles zum Guten wendet. Wer die Dame ist, wo sie sich befindet und warum genau sie wohin befördert werden soll, bleibt im Dunkeln.

Dies ist ein weiterer Song aus der Piano-Session vom 19. Mai 1971 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee. Bereits beim ersten Versuch hatte Elvis die Nummer im Kasten, am 8. Mai wurden noch Celli-Overdubs vorgenommen. Elvis klingt todtraurig und macht das Lied dadurch zu einem absoluten Highlight.

 

I Will Be True

Diese Ballade wurde ebenfalls schon 1959 von Elvis in Deutschland gesungen. Am 19. Mai 1971 benötigte er drei Versuche, um sie professionell aufzunehmen.

Der Komponist heißt Ivory Joe Hunter, von ihm stammt auch die Erstveröffentlichung aus dem Jahr 1952.

Längst hat die Liebste den Sänger verlassen, doch noch immer schwört er ihr die ewige Treue und wartet auf den Tag ihrer Wiederkehr. Dabei singt Elvis so einfühlsam und traurig, dass man ihm jedes Wort glauben möchte.

 

Don't Think Twice, It's Allright

Eigentlich handelt es sich bei der Aufnahme nur um einen Studio-Jam vom 16.05.1971. Elvis und seine Musiker wärmten sich im RCA Studio B in Nashville, Tennessee ein wenig für die Session auf und spielten mehr als neun Minuten lang mit dem Dylan-Klassiker herum.

Felton Jarvis schnitt das Ganze schließlich auf 2:42 zusammen und schon hatte man ein weiteres, unveröffentlichtes Lied für diese LP.

Auch wenn sie ursprünglich gar nicht zur Veröffentlichung vorgesehen war, gefällt mir die locker-flockige Aufnahme sehr gut.

 

Fazit & Bewertung

Obwohl ich eine solche Zusammenstellung eher auf dem hauseigenen Budget-Label CAMDEN angesiedelt hätte und die Stimme des Kings hier und dort ein wenig angegriffen klingt, halte ich Elvis  insgesamt für durchaus hörenswert.