Aloha From Hawaii Via Satellite (Soundtrack)

Im Februar 1973 bringt RCA mit dem Doppel-Album Aloha From Hawaii Via Satellite  den Soundtrack zum gleichnamigen TV-Special auf den Markt.

Innerhalb eines Jahres verkauft sich das Set allein innerhalb der USA mehr als zwei Millionen Mal. Billboard notiert es ab dem 24. Februar 52 Wochen lang in der Top LPs Chart, wo Aloha From Hawaii Via Satellite  schließlich zum Nummer 1-Hit wird. In der Hot Country LPs Chart erreicht das Set ebenfalls den ersten Platz. Hier steigt das Doppel-Album am 3. März in die Hitparade ein und kommt auf eine Laufzeit von 31 Wochen.

Noch im Monat der Veröffentlichung überreicht die RIAA dem King eine Goldene Schallplatte, posthum erfolgen Updates auf Doppel-Platin (1988), Dreifach-Platin (1999) und Fünffach-Platin (2002).

Außerhalb der USA ist Aloha From Hawaii Via Satellite  ebenfalls sehr populär, allein im asiatischen Raum werden 3,5 Millionen Kopien abgesetzt. Heute gilt das Doppel-Album mit einem Gesamtverkauf von mehr als 10 Millionen Stück als eine der erfolgreichsten Schallplattenveröffentlichungen des Kings.

Die LPs steckten in einer Bildhülle, auf der eine Live-Aufnahme des Kings zu sehen war. Am oberen Linken Rand wurde zusätzlich für das Album Elvis As Recorded At Madison Square Garden  geworben. Die Rückseite des LP-Covers zierte eine etwas merkwürdig anmutende Fotomontage, in der man den in ein Mikrophon singenden Elvis vor eine Südsee-Kulisse gestellt hatte.

Die äußere Verpackung hatte ein Loch, durch das man die Innenhülle mit dem Bühnen-Elvis sehen konnte. Auf der Innenseite des aufklappbaren Covers ist eine Weltkarte zu sehen, auf der in verschiedenen Sprachen Wir lieben Elvis  zu lesen ist.

Wie auch schon bei der vorangegangenen Live-LP, so wurden auch hier die Cover vorproduziert, um die Alben möglichst schnell veröffentlichen zu können. Die enthaltenen Songs waren lediglich auf einem Sticker zu lesen, der nachträglich auf die Hüllen aufgebracht wurde. Spätere Auflagen hatten ein normal bedrucktes Cover und auch die LPs steckten in regulären weißen Hüllen.

Zunächst wurde das Album nur als quadrophonische Version herausgebracht. Hierbei handelte es sich um einen Vorläufer der heute gängigen Surround-Verfahren, bei dem die Musik mit vier Lautsprechern wiedergegeben wurde. Eine Stereo-Ausgabe war zunächst nur über den RCA Record Club erhältlich. Später ersetzte diese Version allerdings das quadrophonische Original, da sich dieses Verfahren nicht durchsetzen konnte.

Aufgenommen wurde das Album am 14. Januar 1973 im Honolulu International Center auf der Insel O'ahu. Die Produktion oblag Joan Deary, die Tontechniker hießen Al Pachucki, Dick Baxter und Rick Ruggieri. Elvis' Band bestand aus James Burton (Gitarre), John Wilkinson (Gitarre), Charlie Hodge (Gitarre), Jerry Scheff (Bass), Ronnie Tutt (Schlagzeug) und Glen D. Hardin (Klavier). Für den Hintergrundgesang sorgten J.D. Sumner & The Stamps Quartet (Ed Enoch, Bill Baize, Donnie Sumner und Edward Wideman), The Sweet Inspirations (Myrna Smith, Sylvia Shemwell und Estelle Brown) sowie Kathy Westmoreland. Zudem spielte das Joe Guercio Orchestra, das für diese Show um die Streicher des Honolulu Symphony Orchestra ergänzt worden war.

 

Also Sprach Zarathustra

Wie die im Juni des Vorjahres veröffentlichte Live-LP Elvis As Recorded At Madison Square Garden, so beginnt auch dieses Doppel-Album mit einem Ausschnitt aus dem klassischen Werk von Richard Strauß. Ohne Unterbrechung geht das Stück in ein rhythmisches Opening Riff  über, zu dem der King die Bühne betritt.

 

See See Rider

Das Opening Riff  mündet in den alten Blues-Song See See Rider, den die Fans bereits von der LP On Stage - February 1970  (1970) und aus dem Film Elvis On Tour  (1972) kennen. Die Band spielt hervorragend, doch dem King fehlt der nötige Drive.

 

Burning Love

Natürlich möchte das Publikum auch den großen Hit aus dem Vorjahr hören. Elvis bedient diese Erwartung und bringt den Song gleich als zweiten Titel der Show. Abermals bleibt er hinter seinen früheren Leistungen zurück und kann weder mit der Studio-Aufnahme von der Single, noch mit seiner Live-Darbietung aus dem Film Elvis On Tour  konkurrieren.

 

Something

Nach einer kurzen, sehr nervös klingenden Begrüßung der Zuschauer folgt die Ballade Something. Gesanglich ist auch diese Nummer keine Großtat, der King wirkt merkwürdig desinteressiert und auch seine Stimme hat hier und dort einen ungewöhnlichen, leicht nasalen Unterton. Zwar hatte Elvis das Lied in den letzten beiden Jahren immer mal wieder im Programm gehabt, eine Schallplattenaufnahme war bis dato aber noch nicht veröffentlicht worden.

Geschrieben wurde die Ballade von George Harrison, erstmals veröffentlicht wurde sie auf der Beatles-LP Abbey Road. Wenig später fand sich der Song auch zusammen mit John Lennons Come Together  auf einer Single, die in den Hot 100 zum Nummer 1 Hit wurde. Seither wurde Something  unzählige Male gecovert, unter anderem von Shirley Bassey und Frank Sinatra.

 

You Gave Me A Mountain

Auch diesen Titel hatte es von Elvis bis dato noch nicht auf einer Schallplatte gegeben, einige Fans kannten ihn aber sicherlich aus dem Film Elvis On Tour  (1972). Von der Kraft der dort gezeigten Performance ist der King hier meilenweit entfernt, unter den bisher dargebotenen Songs stellt You Gave Me A Mountain  jedoch das Highlight dar.

In der gesungenen Soap Opera erleidet der Interpret ein schweres Schicksal. Die Mutter stirbt bei der Geburt, der Vater hasst ihn dafür. Später muss der Sänger unschuldig ins Gefängnis, dann verlässt ihn auch noch die Frau und nimmt ihm sein Kind.

Überraschenderweise wirkt der Song keineswegs lächerlich, sondern wird von Elvis absolut glaubwürdig verkauft.

Geschrieben und erstmals aufgenommen wurde das Lied von Marty Robbins, die kommerziell erfolgreichste Version stammt allerdings von Frankie Lane. Elvis nahm den Titel im Januar 1972 ins Konzertprogramm auf und sollte ihn mit Unterbrechungen auch bis zum Ende regelmäßig vortragen. Eine weitere Live-Aufnahme von You Gave Me A Mountain  findet sich auf dem im Oktober 1977 herausgebrachten Doppel-Album Elvis In Concert.

 

Steamroller Blues

Nach zwei getragenen Liedern zieht das Tempo der Show nun wieder an. Erstmals veröffentlicht wurde der Song 1968 von einer Gruppe namens The Masqueraders, zwei Jahre später folgte auch James Taylor, der Komponist dieser Nummer, mit einer eigenen Version auf seinem Album Sweet Baby James. Von Elvis kennen die Fans das Lied noch nicht.

Der King legt den Fokus nicht auf den humorvollen Text, sondern präsentiert das ursprünglich relativ spärlich instrumentierte Lied mit Blechbläsern, viel Backup-Gesang und einem Gitarrensolo von James Burton. Mir gefällt das etwas aufgeblasen wirkende Arrangement sehr gut, wenn Elvis auch im ersten Teil des Songs ein wenig kraftlos wirkt.

Im März 1973 koppelte RCA die Aufnahme auch auf einer Single aus, die es in den Hot 100 bis auf Platz 17 schaffte und damit im Vergleich mit dem extrem erfolgreichen Doppel-Album ein wenig enttäuschte.

 

My Way

Hier präsentiert Elvis das vierte Lied in Folge, das es bis dato on ihm noch nicht auf einer Schallplatte gegeben hatte. Vier Jahre zuvor hatte Frank Sinatra My Way  auf einem gleichnamigen Album veröffentlicht und damit einen Song in Umlauf gebracht, der für den Rest seines Lebens untrennbar mit ihm verbunden bleiben sollte.

Die Nummer basiert auf Comme d'habitude  von Claude Francois, Jacques Revaux und Gilles Thibault, den englischen Text schrieb Paul Anka. Die hier zu hörende Version ist gut gemacht, klingt für meinen Geschmack allerdings etwas seicht. Eine dramatischer arrangierte Version fand sich 1977 auf dem Doppel-Album Elvis In Concert.

 

Love Me

Erst im Vorjahr hatte RCA eine Live-Aufnahme dieser Ballade auf dem Album Elvis As Recorded At Madison Square Garden  herausgebracht. Einmal mehr wird der Song zu schnell gespielt und zu emotionslos gesungen. Es ist eine kurze Reminiszenz an die gute, alte Zeit - mehr leider nicht.

 

Johnny B. Goode

Den Chuck Berry Klassiker hatte es ebenfalls schon auf einer Live-LP von Elvis gegeben, er fand sich 1969 auf dem Doppel-Album From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis. Damals rockte der Song wie die Hölle, während der Aloha-Show klingt er jedoch lustlos und müde. Zu allem Überfluss hat Elvis auch noch Probleme mit dem Text, einzig das Gitarrenspiel von James Burton macht diese Aufnahme noch hörenswert.

 

It's Over

Nach den beiden schwach dargebotenen Oldies folgt nun wieder ein Lied, das die Fans von Elvis noch nicht kennen. Der King nahm die Komposition von Jimmy Rodgers 1971 in sein Bühnenprogramm auf, im Februar und April 1972 schnitt RCA sogar zwei Live-Versionen für ein geplantes Album-Projekt mit.

Vermutlich aufgrund seiner eigenen Situation konnte sich der King offenbar sehr mit dem Text identifizieren. Sein Vortrag war sehr gefühlvoll und auch stimmlich lieferte er hier eine gute Leistung ab.

 

Blue Suede Shoes

Eine Live-Version dieses Rock'n'Roll-Klassikers hatte es bereits vier Jahre zuvor auf dem Doppel-Album From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  gegeben. Leider will Elvis auch hier nicht im Ansatz mit seiner Performance aus dem Jahr 1969 konkurrieren und wirkt konstant gelangweilt.

 

I'm So Lonesome I Could Cry

Elvis kündigt nun das traurigste Lied an, das er jemals gehört habe. Ohne Zweifel zählt die Ballade von Hank Williams zu den wenigen Höhepunkten der Aloha From Hawaii-Show, denn Elvis singt mit so viel Gefühl, dass man ihm die Einsamkeit und Trauer ungefragt abnimmt und ihm jedes Wort glaubt.

I'm So Lonesome I Could Cry  gehört übrigens ebenfalls zu den Liedern, die das Publikum bis dato noch nicht von Elvis kannte. Vier Jahre später veröffentlichte RCA die Aufnahme erneut auf der LP Welcome To My World.

 

I Can't Stop Loving You

Der King bleibt bei den Country-Songs und präsentiert eine weitere Version von I Can't Stop Loving You. Sowohl auf dem Doppel-Album From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  (1969), als auch auf der Einzel-LP Elvis As Recorded At Madison Square Garden  (1972) was der Titel zu finden gewesen.

Die 1973er Performance ist aber zweifellos die schwächste. Einmal mehr fehlt dem King streckenweise die Kraft, hier und dort singt er auch schlicht und einfach schlampig.

 

Hound Dog

Auch dieser Titel fand sich bereits auf den beiden vorgenannten Live-Alben und auch hier kann die Fassung aus der Aloha From Hawaii-Show als die schwächste gewertet werden. Nicht einmal eine Minute lang rattert Elvis immer wieder die vier gleichen Zeilen herunter und klingt dabei etwa so aggressiv wie Bing Crosby oder Wayne Newton.

 

What Now My Love

Obwohl seine Stimme bei weitem nicht optimal klingt, bemüht sich der King hier hörbar und liefert eine zumindest ordentliche Fassung dieser groß orchestrierten, dramatischen Ballade ab.

Im Original heißt das Lied Et Maintenant  und stammt von Gilbert Becaud und Pierre Delanoe. Die englische Version schrieb Carl Sigman, der übrigens auch für den Text von Fool, der B-Seite von Elvis' Single Steamroller Blues, verantwortlich zeichnete.

 

Fever

Es folgt ein weiterer Oldie, doch im Gegensatz zu den zuvor dargebotenen Songs dieser Kategorie scheint Elvis Spaß daran zu haben. Immer wieder bringt er mit seinen Bewegungen die Damen im Saal zum Kreischen und hat -zusammen mit dem männlichen Teil des Publikums- hörbar seine Freude.

 

Welcome To My World

Die Country-Ballade stellt abermals einen Titel dar, den es bislang noch auf keiner Schallplatte des Kings gegeben hatte. Neun Jahre zuvor hatte Jim Reeves mit dem Song einen Nummer 2 Hit in den C&W Charts gehabt, geschrieben wurde der Titel von Ray Winkler und John Hathcock.

Elvis klingt gelegentlich etwas unsicher und nutzt das Lied zudem, um ein wenig mit dem Publikum herumzualbern. Obwohl die Aufnahme insgesamt bestenfalls als mittelmäßig einzustufen ist, nutzte RCA Welcome To My World  im Jahr 1977 auch als Titelsong für eine LP.

 

Suspicious Minds

Auch dieser Titel gehört zu jenen Liedern, die sich zuvor schon auf den Live-Alben From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  (1969) und Elvis As Recorded At Madison Square Garden  (1972) befunden hatten.

Und auch hier schaffte es der King nicht, an seine früheren Leistungen anzuknüpfen. Sein Gesang klingt vergleichsweise kraftlos und auch die Fernsehzuschauer dürften von seinen müden Bewegungen nicht gerade angetan gewesen sein. Der vitale Entertainer aus dem Film That's The Way It Is  (1970) schien inzwischen Geschichte zu sein, selbst im nur wenige Monate zuvor entstandenen Konzertfilm Elvis On Tour  wirkte der King deutlich lebhafter.

 

Introductions

Elvis stellt seine Musiker vor. Daneben erwähnt er auch das Einspielergebnis von 75.000 US-Dollar und die Kui Lee Krebs-Stiftung. Ähnlich wie bei der Begrüßung der Zuschauer merkt man auch hier wieder deutlich, wie nervös der Entertainer ist.

 

I'll Remember You

Nun bekommt das Publikum auch einen Song des zuvor erwähnten Komponisten zu hören. Elvis veröffentlichte ihn erstmals 1966 auf dem Soundtrack-Album zum Film Spinout, im Bühnenprogramm befand sich die Ballade seit Anfang 1972.

Für mich gehört der Song zu den Höhepunkten der Aloha From Hawaii-Show, denn Elvis singt ihn mit viel Gefühl und absolut glaubhaft.

 

Long Tall Sally / Whole Lotta' Shakin' Goin' On

Von diesem Medley kann man das leider nicht behaupten, denn nach Rock'n'Roll klingt Elvis' Gesang rein gar nicht. Vermutlich finden sich sogar in jedem Seniorenstift ein paar Einwohner, die diese Songs mit mehr Schwung vortragen könnten als der damals 38jährige Mr. Presley.

 

An American Trilogy

Doch kurz bevor die Show zur Peinlichkeit abdriftet, zeigt Elvis noch einmal sein Können und präsentiert die American Trilogy. Im Vorjahr war eine Live-Aufnahme dieses Songs aus dem Las Vegas Hilton auf einer Single erschienen, wenig später fand sich eine weitere Interpretation auf dem Album Elvis As Recorded At Madison Square Garden.

Tatsächlich schafft es der King diesmal, mit den vorherigen Veröffentlichungen gleichzuziehen. Er ist fokussiert, seine Stimme klingt gut und das größere Orchester verleiht dem Song noch mehr Volumen und Dramatik. Damit stellt die American Trilogy  den besten Vortrag dieses Konzertes dar und bildet den Höhepunkt des Soundtracks.

 

A Big Hunk O' Love

Nachdem Elvis die meisten schnellen Songs dieser Show ehr mühevoll über die Bühne gebracht hatte, erinnerte er sich hier wohl doch noch seiner Tage als Rock'n'Roll-König und brachte seinen großen Hit aus dem Jahre 1959 zumindest solide und mit einem Anflug von Spielfreude rüber.

 

Can't Help Falling In Love

Der King erwähnt nun, dass er vor etwa zehn Jahren hier einen Film namens Blue Hawaii  gedreht habe und den nächsten Song daher speziell für das heutige Publikum singen wolle. Das war natürlich Humbug, denn er beendete fast jede Show mit Can't Help Falling In Love. Sowohl auf der Doppel-LP From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis als auch auf dem Album Elvis As Recorded At Madison Square Garden  stellt diese Ballade die Schlussnummer der Konzerte dar. Leider muss auch hier gesagt werden, dass die Fassung aus der Aloha-Show die bislang schwächste war.

Ohne Unterbrechung geht der Song in das Closing VAMP  über. Im Fernsehen sah man Elvis noch eine Krone von einem Zuschauer entgegennehmen, sich ein paar Mal verbeugen und dann die Bühne verlassen. Dies tat er mit einem Elan, den man von ihm den ganzen Abend nicht gesehen hatte.

 

Fazit & Bewertung

Die Dynamik der vorangegangenen Live-Alben sucht man bei Aloha From Hawaii Via Satellite  vergebens. Das Repertoire ist recht getragen, zudem wirkt Elvis streckenweise kraftlos und singt mit einem merkwürdig nasalen Unterton.