Elvis As Recorded At Madison Square Garden

Neben dem Budget-Album Elvis Sings Hits From His Movies - Volume 1  kommt im Juni 1972 auch die Vollpreis-LP Elvis As Recorded At Madison Square Garden  auf den Markt.

Mit 500.000 verkauften Kopien wird der Tonträger ab dem 8. Juli 34 Wochen lang in der Top LPs Chart notiert, wo er schließlich den 11. Platz erreicht.

Bereits zwei Monate nach der Veröffentlichung kann Elvis in Las Vegas eine Goldene Schallplatte entgegennehmen, posthum erfolgen Updates auf Platin (1988), Doppel-Platin (1992) und Dreifach-Platin (1999).

Besonders erfolgreich ist das Live-Album in Australien und Großbritannien, wo es jeweils den dritten Platz der Hitparade erreicht. Weltweit verkauft sich Elvis As Recorded At Madison Square Garden  etwa 5 Millionen Mal.

Auf der Single An American Trilogy / The First Time Ever I Saw Your Face  war ein Album namens Standing Room Only  angekündigt worden. Weil den Auftritten im Madison Square Garden aber ein riesiges Medien-Echo vorausging, entschlossen sich RCA Victor und Colonel Parker zur Ausnutzung desselben und ließen stattdessen die beiden Auftritte vom 10. Juni 1972 mitschneiden.

Bereits am folgenden Tag wurde die Aufnahme der Abendshow nachbearbeitet. Für das Cover wurde auf den Entwurf der Standing Room Only-LP zurückgegriffen und nur der Schriftzug ausgetauscht.

Aufgrund der Nierenerkrankung von Felton Jarvis übernahmen Joan Deary und Harry Jenkins die Rolle des Produzenten, die Tontechnik betreuten Al Pachucki und Dick Baxter. Elvis' Band bestand aus James Burton (Gitarre), John Wilkinson (Gitarre), Charlie Hodge (Gitarre und Harmonie-Gesang), Jerry Scheff (Bass), Ronnie Tutt (Schlagzeug) und Glen D. Hardin. Unterstützt wurde die Truppe von Joe Guercio, der diesmal nicht sein eigenes, sondern das Joe Malin Orchester leitete. Für den Hintergrundgesang sorgten J.D. Sumner & The Stamps Quartet (J.D. Sumner, Ed Enoch, Bill Baize, Richard Sterben und Donnie Sumner), The Sweet Inspirations (Estelle Brown, Sylvia Shemwell und Myrna Smith) und Kathy Westmoreland..

 

 

Also Sprach Zarathustra

Die LP beginnt mit dem ersten Teil der sinfonischen Dichtung von Richard Strauss. Das klassische Stück aus dem Jahr 1896 versetzt den Zuhörer in eine angespannte Erwartungshaltung, die sich urplötzlich in einem Trommelwirbel entlädt, der in eine rhythmische Einleitung mündet, zu der Elvis die Bühne betritt.

 

That's All Right

Ohne Unterbrechung geht das Riff in die ersten Takte von That's All Right  über. Der Song wird deutlich schneller gespielt als 1954 und klingt auch mehr nach Las Vegas als nach Country & Western.

Die Kombination aus dem spannungsgeladenen Kapitel Einleitung, Oder Sonnenaufgang  von Strauss und Arthur Crudups dynamischem That's Alright  bildet aus meiner Sicht den optimalen Einstieg in die Elvis Presley Show.

 

Proud Mary

Zwei Jahre zuvor war der Titel schon einmal auf der LP On Stage - February 1970  zu hören gewesen. Damals wurde das Lied allerdings langsamer gespielt und war ein wenig anders arrangiert. Mir persönlich gefällt dieses neue, flottere Arrangement besser.

Im Film Elvis On Tour  sollte wenige Monate später ebenfalls eine Fassung von Proud Mary zu sehen sein, die am 18. April 1972 in San Antonio, Texas aufgenommen wurde.

 

Never Been To Spain

Diesen Song kannten die Fans von Elvis noch nicht. Zwei Jahre zuvor hatte die Gruppe Three Dog Night damit einen Hit verbuchen können, geschrieben wurde er von Hoyt Axton.

Mir gefällt Never Been To Spain  sehr gut. Besonders stark finde ich den Refrain, weil Elvis hier seine Stimme voll ausspielen kann. Auch dieser Song war später in Elvis On Tour  zu sehen, ebenfalls gefilmt in San Antonio.

 

You Don't Have To Say You Love Me

Vor zwei Jahren hatte Elvis mit dem Titel einen Top20-Hit landen können, jetzt bekamen die Fans also auch eine Live-Version zu hören.

Im Konzert kam der Vortrag sicherlich sehr gut rüber, im direkten Vergleich zur Studio-Version fällt allerdings auf, dass Elvis das Tempo ein wenig erhöht hat und gelegentlich auch etwas schlampig singt. Im Ganzen ist die Darbietung in Ordnung, die Studio-Aufnahme ist aber besser.

 

You've Lost That Loving Feelin'

Die Fans hatten bereits eine Live-Aufnahme aus Las Vegas in der Sammlung, die RCA im November 1970 auf dem Album That's The Way It Is  herausgebracht hatte. Damals sang Elvis das Lied absolut phantastisch, er schien es regelrecht zu fühlen.

Im Madison Square Garden brachte Elvis den Song noch immer großartig rüber, die Seele schien ihm jedoch abhanden gekommen zu sein. Alles klingt ein wenig gehetzt und auch ein bisschen zu glatt.

 

Polk Salad Annie

Auf dem Album On Stage - February 1970  gehörte der Song zweifellos zu den absoluten Highlights und auch im Film That's The Way It Is  stellte er einen akustischen und visuellen Höhepunkt dar. Anno 1972 hatte Elvis das Arrangement deutlich verändert. Die gesprochene Einleitung gab es nicht mehr, das Tempo war merklich angezogen worden und Jerry Scheff spielte nun ein Solo auf dem Bass.

Man könnte fast sagen, Elvis habe Raffinesse durch schlichte Kraft ersetzt. Polk Salad Annie  gehörte ebenfalls zu den Songs, die später im Film Elvis On Tour  zu sehen sein würden. Die dort gezeigte Fassung stammt vom 9. April 1972 aus Hampton Roads, Virginia.

 

Love Me

Das Original befand sich 1956 auf der LP Elvis, doch vom Herz/Schmerz-Feeling der Studio-Aufnahme war 1972 nichts mehr übrig. Schnell und emotionslos wird das Lied abgesungen - das Publikum scheint sich daran allerdings nicht zu stören.

 

All Shook Up

Auch dieses Lied wird viel zu schnell gespielt und erinnert nur noch rudimentär an die großartige Single aus dem Jahr 1957. Allerdings muss ich gestehen, dass ich auch der Hochgeschwindigkeitsversion durchaus etwas abgewinnen kann.

Im Konzert dürfte All Shook Up  damals gut rübergekommen sein, denn das Arrangement passt sehr gut zum Tempo der Show. Eine erste Live-Aufnahme veröffentlichte RCA übrigens 1969 auf der Doppel-LP From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis.

 

Heartbreak Hotel

Die tieftraurige Stimmung des Originals mag hier nicht mehr aufkommen, allerdings verleiht Elvis seinem ersten Nummer 1-Hit auch hier einen bluesigen Touch und bringt das Lied ordentlich rüber.

 

Teddy Bear / Don't Be Cruel

Erneut drückt der King aufs Gaspedal, insgesamt ist sein Vortrag jedoch in Ordnung und stellt eine nette Erinnerung an die gute, alte Zeit dar.

 

Love Me Tender

Elvis singt hier relativ schlampig und gibt sich auch keine große Mühe, sein Desinteresse an dem Titel zu verbergen. Wie man allerdings deutlich hören kann, ignoriert der weibliche Teil des Publikums den persönlichen Geschmack des Sängers und kreischt sich die Seele aus dem Leib.

 

The Impossible Dream

Deutlich besser als die schnellen, oft ein wenig emotionslos klingenden Oldies ist der Vortrag von The Impossible Dream. Das Lied stammt aus dem Musical Man Of La Mancha  und wurde von Mitch Leigh und Joe Darion geschrieben.

Die dramatische Ballade gibt Elvis einmal mehr Gelegenheit, seine Stimme voll auszuspielen und den Zuhörer mit dem Volumen seines Gesangsorgans zu beeindrucken.

 

Introductions

Kurz und schmerzlos stellt der King seine Mitstreiter vor.

 

Hound Dog

Zuerst singt Elvis den Song langsam, dann in gewohnt schnellem Tempo. Allerdings wiederholt er dabei immer nur dieselben paar Zeilen. Insgesamt hat das Lied mit der grandiosen Single aus dem Jahr 1956 nicht mehr viel zu tun. Auch auf dem Doppel-Album From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  sang der King nicht den ganzen Song, doch anno 1969 rockte selbst dieses Fragment noch wie die Hölle.

Im Madison Square Garden hingegen arbeitete er den Song nur noch pflichtgemäß ab - und das nicht einmal ordentlich.

 

Suspicious Minds

Auch hier kann Elvis nicht mit der großartigen Live-Performance von der Doppel-LP From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  mithalten. Ihm fehlt einfach der Biss und die überschäumende Energie der Jahre 1969/70. Das heißt allerdings nicht, dass sich die hier enthaltene Fassung nicht ebenfalls hören lassen kann.

 

For The Good Times

Es folgt nun das dritte Lied des Albums, das es bis dato noch nicht von Elvis gab. Kris Kristofferson hatte die Ballade 1970 geschrieben und auch als erster aufgenommen.

Elvis trägt den Song sehr gefühlvoll vor und man merkt, dass ihm diese Art von Musik sehr am Herzen liegt. Im Film Elvis On Tour  singen der King und seine Jungs das Lied während der Rückfahrt von einem Konzert kurz an.

 

An American Trilogy

Im April hatte RCA eine Live-Aufnahme dieses Titels auf einer Single veröffentlicht. Nun bekamen die Fans den Song -wenn natürlich in einer anderen Version- auch auf einem Album. Zu Beginn leistet sich Elvis einen kleinen Scherz und antwortet auf den Ruf eines Fans mit einem schrillen what?. Danach singt er die Nummer aber seriös durch und beeindruckt einmal mehr mit seiner großartigen Stimme.

Für mich stellt An American Trilogy  den absoluten Höhepunkt dieses Live-Sets dar. Übrigens war auch dieser Titel im Film Elvis On Tour  zu sehen. Die dort gezeigte Fassung entstand am 10. April 1972 in Richmond, Virginia.

 

Funny, How Time Slips Away

Die Ballade stammt ursprünglich von der 1971er LP Elvis Country - I'm 10,000 Years Old. Auf der Bühne ließ der King den Song schneller spielen und interpretierte ihn auch lange nicht so emotional wie seinerzeit im Studio.

Für die Konzertbesucher bestand der Gag darin, dass Elvis die Saalbeleuchtung anschalten ließ und somit die gesamte Kulisse überblicken konnte. Auch diese Szenen kamen in Elvis On Tour  zum Einsatz, erneut gefilmt in Richmond, Virginia.

 

I Can't Stop Loving You

Eine Live-Aufnahme von I Can't Stop Loving You  hatte es bereits 1969 auf dem Doppel-Album From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  gegeben. Drei Jahre später zog Elvis nicht mehr ganz so wild, aber dennoch kraftvoll zu Werke. Mir gefällt die hier zu hörende Version sehr gut.

 

Can't Help Falling In Love

Auch dieser Titel war auf From Memphis To Vegas / From Vegas To Memphis  zu hören gewesen, doch weder auf dem 1969er Album, noch auf dieser LP kann mich Elvis mit seiner Performance überzeugen. Dem Vortrag fehlt jedes Gefühl und einmal mehr wird der Song viel zu schnell gespielt.

Nahtlos mündet der Klassiker aus dem Film Blue Hawaii  in das dem Opening Riff  entsprechenden Exit Theme, zu dem Elvis schließlich die Bühne verlässt. Zugaben gibt es keine, der Kreis wird geschlossen. Besser kann man ein solches Event nicht inszenieren.

 

Fazit & Bewertung

Die Dramaturgie der Show ist perfekt, die Auswahl und Platzierung der Songs exzellent und auch stimmlich hätte Elvis besser kaum sein können. Im Vergleich zu den vorangegangenen Live-Alben wirkt der King jedoch ein wenig gehetzt und so manchem Vortrag fehlt die Präzision und emotionale Tiefe früherer Aufnahmen.