He Touched Me

Das dritte Gospel-Album des Kings heißt He Touched Me  und kommt im April 1972 in die Geschäfte.

Mit 250.000 verkauften Kopien notiert Billboard den Tonträger ab dem 22. des Monats zehn Wochen lang in der Top LPs Chart, wo er Rang 79. erreicht. Am 20. Mai steigt He Touched Me  auch in die Hot Country LPs Chart ein. Hier kommt das Album auf eine Laufzeit von sechs Wochen und erreicht den 32. Platz.

Die RIAA honoriert die US-Verkäufe mit Gold (1992) und Platin (1999), von der Academy Of Recording Arts And Sciences erhält der King einen Grammy.

Der weltweite Absatz beträgt etwa zwei Millionen Stück.

Für das Album-Cover nutzte RCA Victor ein Konzert-Foto, das während des Elvis Summer Festival 1971  in Las Vegas geschossen worden war. Auf der Rückseite wird für die vorangegangenen Gospel-Alben How Great Thou Art  (1967) und His Hand In Mine  (1960) geworben.

Die Aufnahmen für He Touched Me  entstanden im Frühjahr 1971 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee. Aus diesen Sessions gingen diverse Singles, sowie die Alben Elvis Sings The Wonderful World Of Christmas  (1971) und Elvis Now  (1972) hervor. Weitere Titel fanden sich auf der LP Elvis (1973). Details zu den Aufnahmen finden sich in dem Artikel über das Weihnachts-Album.

 

He Touched Me

Die titelgebende Hymne bildet den Einstieg in die LP. Geschrieben wurde das Lied von William "Bill" Gaither, der es 1963 auch als erster aufnahm. Elvis orientierte sich allerdings eher an der Version der Imperials, die ihn bei den Aufnahmen ja auch als Hintergrundsänger unterstützten.

Die Aufnahme des Kings entstand übrigens am 18. Mai 1971 innerhalb von vier Takes. Mir persönlich gefällt He Touched Me  außerordentlich gut. Elvis ist mit Inbrunst bei der Sache und harmoniert einfach perfekt mit den Imperials.

 

I've Got Confidence

Auch dieses Lied hatte es zuvor schon von den Imperials gegeben, die Originalaufnahme der Komposition von Andrae Crouch stammt aber von Sherman Andrus (der später Mitglied der Imperials wurde). Elvis' Version entstand am 18. Mai 1971, bereits der zweite Durchlauf wurde zum Master erklärt.

Im Gegensatz zum getragenen Titellied lassen es der King und seine Mannen hier richtig schön krachen und würde der Text nicht vom unerschütterlichen Gottvertrauen des Sängers handeln, so käme wohl niemand auf die Idee, dieses Lied mit Religion in Verbindung zu bringen.

Technisch singt Elvis hier übrigens nicht immer perfekt, was aber irgendwie zum "Garagenrock-Feeling" des Songs passt.

 

Amazing Grace

Wohl jeder Sänger, der länger im Geschäft ist, nimmt früher oder später einmal diesen Klassiker auf. Elvis tat das am 15. März 1971 und benötigte dafür fünf Takes. Am 18. März folgte der Hintergrundgesang.

Der Text, in dem die Güte und Gnade des Allmächtigen beschworen wird, stammt von John Newton. Die Melodie geht zurück auf ein schottisches Volkslied namens Loch Lomond  aus dem 17. Jahrhundert und die englische Hymne Todlen Hame. Erstmals aufgenommen wurde Amazing Grace  im Jahr 1922 vom Original Sacred Harp Choir, die Version der Royal Scots Dragoon Guards erreichte 1972 sogar die Spitze der UK-Charts.

Elvis singt den Song mit leichtem Blues-Einschlag in der Stimme, was mir persönlich gut gefällt.

 

Seeing Is Beliving

Der recht rockige Song stammt aus der Feder von Red West und Glen Spreen, die dem King auch das ebenfalls während dieser Sessions aufgenommene Holly Leaves And Christmas Trees  lieferten. Elvis spielte den Song am 19. Mai 1971 ein und benötigte dafür 14 Takes. Auch hier lässt es die Band wieder richtig gut krachen, wobei Elvis an einigen Stellen ein wenig müde klingt.

Gemäß dem Text stellt allein das Vorhandensein von Naturschönheiten den endgültigen Gottesbeweis dar - man kann es sich auch einfach machen.

 

He Is My Everything

Einfach machte es sich auch Dallas Frazier, als er die Country-Ballade There Goes My Everything  mit einem religiösen Text ausstattete und daraus He Is My Everything  machte. Elvis musste sich am 9. Juni 1971 ebenfalls nicht sonderlich anstrengen, denn er hatte nahezu exakt ein Jahr zuvor den Originalsong eingespielt. Nach fünf Durchläufen wurden die Takes 3 und 5 zusammengeschnitten und am 22. Juni mit Streichern ergänzt.

Der wesentliche Unterschied zum Original ist das leicht erhöhte Tempo, das den Song leider nicht besser macht. Zudem wird im direkten Vergleich deutlich, dass Elvis stimmlich nicht auf dem Niveau des Vorjahres operierte und sein Vortrag ein wenig schlampig wirkt.

 

Bosom Of Abraham

Die erste bekannte Aufnahme dieses Traditionals stammt aus dem Jahr 1937 von den Heavenly Gospel Singers, es gibt aber auch zahlreiche andere Einspielungen von den Blackwood Brothers, den Jordanaires und vielen anderen. Elvis' Version stammt vom 9. Juni 1971, Take 6 wurde zum Master (insgesamt gibt es sieben Durchläufe).

Für mich zählt dieser Gospel-Klassiker zu den absoluten Highlights der LP. Elvis und die Imperials harmonieren absolut perfekt und allen Beteiligten ist der Spaß an dieser flotten Quartett-Nummer anzuhören.

 

An Evening Prayer

Hier handelt es sich um ein gesungenes Gebet aus der Feder von Maude Battersby und Charles Hutchinson Gabriel. Das Original wurde von Homer Rodeheaver im Jahr 1913 aufgenommen, Elvis spielte seine Fassung am 18. Mai 1971 innerhalb von 10 Takes ein.

Das Lied mag anspruchsvoll und exzellent gesungen sein, ich kann dem Abendgebet weder inhaltlich, noch akustisch etwas abgewinnen.

 

Lead Me, Guide Me

Ganz im Gegensatz zu der vorherigen Nummer, bekommen wir jetzt ein echtes Highlight zu hören. Der Song stammt von Doris Mae Akers, die ihn 1954 auch als erste aufnahm. Elvis' Version entstand am 17. Mai 1971, Take 6 wurde zum Master. Auch hier harmoniert der King wieder grandios mit den Imperials und während der Strophen klingt seine Stimme einfach großartig. Es ist wieder einer jener Titel, bei dem man Elvis anhört, wie sehr er ihn mag.

1972 war Lead Me, Guide Me  auch im Film Elvis On Tour  zu sehen. Hier sang er den Song zusammen mit dem Stamps Quartet im Rahmen einer Session im RCA Studio C in Hollywood, Kalifornien.

 

There Is No God But God

Dieses musikalische Leichtgewicht stammt aus der Feder von Bill Kenny, der den Song auch 1966 als erster aufnahm. Kurioserweise gibt es nur eine einzige Strophe, die mehrfach wiederholt wird und auch die Melodie klingt weder originell, noch anspruchsvoll.

Trotzdem ist die Botschaft, dass es eben keinen Gott außer dem einen Gott gibt, recht angenehm zu hören - pures Easy Listening eben. Elvis nahm den Song am 9. Juni 1971 auf, Take 5 wurde zum Master.

 

A Thing Called Love

Ich persönlich würde dieses Lied eher dem Bereich Country & Western als den Rubriken Contemporary Christian Music oder gar Gospel zuordnen. Insofern ist es mir ein wenig rätselhaft, warum RCA Victor diesen Titel gerade hier veröffentlichte, während die eindeutig religiösen Songs Put Your Hand In The Hand  und Miracle Of The Rosary  auf dem Album Elvis Now  herausgebracht wurden.

Geschrieben wurde A Thing Called Love  von Jerry Reed, der den Titel auch 1968 als erster veröffentlichte. Elvis hielt sich aber mal wieder an die Aufnahme der Imperials als er am 19. Mai 1971 seine Version einspielte.

Der King übernimmt hier den Part des Bass-Sängers, wird aber dabei von Armond Morales unterstützt. Das ist auch gut so, denn während es sich bei Morales tatsächlich um einen Bass-Sänger handelt, war Elvis eigentlich ein Bariton und die Tonlage damit für seine Stimme eindeutig zu tief.

Nichtsdestotrotz scheint er Spaß an der Nummer zu haben und auch ich kann der Aufnahme durchaus etwas abgewinnen.

 

I, John

Wie der Titel schon vermuten lässt, wird hier die Offenbarung des Johannes musikalisch aufgearbeitet. Elvis hatte den Song schon in den 1960ern privat gesungen, die offizielle Studio-Aufnahme entstand am 9. Juni 1971. Der King benötigte nur zwei Takes, bevor er die Aufnahme im Kasten hatte.

Bei I, John  handelt es sich um ein Traditional aus dem neunzehnten Jahrhundert, die früheste Aufnahme stammt aus dem Jahr 1926 von den Arizona Dranes. Auch dieser Song ist im 1972er Film Elvis On Tour  zu sehen, wo der King ihn während einer Probe spontan anstimmt.

 

Reach Out To Jesus

Die LP endet mit einer Komposition von Ralph Carmichael, der den Song auch 1968 mit dem Ralph Carmichael Orchestra zuerst aufnahm.

Die Botschaft, Jesus sei immer für einen da, wird musikalisch sehr ansprechend verpackt und von Elvis gut vorgetragen. Dies geschah am 8. Juni 1971, Take 10 wurde zum Master.

 

Fazit & Bewertung

Im Gegensatz zu seinen ersten beiden religiösen Alben widmet sich Elvis hier nicht dem traditionellen Gospel, sondern der modernen, christlichen Popmusik. Leider beließ er es häufig beim Kopieren bekannter Aufnahmen und klingt überdies häufig müde und angestrengt.