Elvis Sings The Wonderful World Of Christmas

Angespornt vom Erfolg des neu aufgelegten Elvis' Christmas Album  bringt RCA Victor im Oktober 1971 eine weitere LP mit Festtagsliedern auf den Markt.

Beginnend mit dem 4. Dezember notiert Billboard den Tonträger vier Wochen lang in der Christmas Chart, wo er den zweiten Platz erreicht. In den beiden folgenden Jahren wird Elvis Sings The Wonderful World Of Christmas  ebenfalls in dieser Hitparade zu finden sein und jeweils zum Nummer 1-Hit werden.

Nach dem Tod des Kings findet sich der Tonträger ab dem 3. Dezember 1977 zusätzlich in der Hot Country LPs Chart. Hier wird er siebenmal notiert und erreicht den 13. Platz.

Die RIAA honoriert die US-Verkäufe mit Gold (1977), Platin (1977), Doppel-Platin (1988) und Dreifach-Platin (1999). Der weltweite Absatz wird auf etwa fünf Millionen Einheiten geschätzt.

Bei der Gestaltung des Covers wich RCA Victor vom üblichen Prozedere ab und verzichtete auf ein weiteres Bühnen-Foto. Stattdessen wählte man einen hellen Hintergrund und nutzte weihnachtliche Motivbilder. Die Rückseite wurde weniger festlich gestaltet und dient in weiten Teilen nur als Werbefläche für die religiösen Alben des Kings.

Weil man wohl doch nicht so ganz auf das obligatorische Live-Bild verzichten wollte, legte RCA Victor der Erstauflage eine Foto-Postkarte bei, die den King während eines Auftritts im Herbst 1970 zeigt.

Die Aufnahmen entstanden am 15. und 16. Mai 1971 im RCA Studio B in Nashville, Tennessee. Begleitet wurde Elvis von James Burton (Gitarre), Chip Young (Gitarre), Charlie Hodge (Gitarre), Norbert Putnam (Bass), Jerry Carrigan (Schlagzeug, 15. Mai), Kenneth Buttery (Schlagzeug, 16. Mai), David Briggs (Klavier) und Glenn Spreen (Orgel). Für den Hintergrundgesang sorgten die Imperials (Jimmie Murray, Terry Blackwood, Greg Gordon und Joe Moscheo) sowie Millie Kirkham, Temple Riser und Ginger Holladay.

Die Nachbearbeitungen fanden im Juni und Juli 1971 im RCA Studio in Hollywood, Kalifornien statt. Produziert wurden die Aufnahmen von Felton Jarvis, die Tontechnik betreuten Al Pachucki (Nashville) und Mickey Crofford (Hollywood). 

 

O Come, All Ye Faithful

Die Hymne basiert auf dem lateinischen Adeste Fideles  und wurde um 1743 von John Francis Wade komponiert. 1823 machte Friedrich Heinrich Ranke daraus Herbei, O Ihr Gläubigen, neunundzwanzig Jahre später übersetzten Frederick Oakeley und Thomas Brooke den Text schließlich als O Come, All Ye Faithful.

Elvis spielte am 16. Mai 1971 zwei Takes dieses Klassikers ein und erklärte den ersten Durchgang zur Grundlage des Masters. Am 21. Juni wurden Blechbläser und Streicher ergänzt, eine Orgel wurde am 26. Juli hinzugefügt.

Das Arrangement ist bombastisch und kitschig, wobei das Schlagzeug allerdings ungewöhnlich rockig klingt. Insgesamt gefällt mir die Aufnahme gut und bildet einen schönen Einstieg in die LP. 2008 veröffentlichte Sony/BMG auf der CD Christmas Duets  eine posthum produzierte Duett-Aufnahme mit Olivia Newton-John.

 

The First Noel

Nach dem fulminanten Einstieg mit Pauken und Trompeten wird es nun deutlich ruhiger. Zu Orgel, Bass, Klavier und einem Becken singen Elvis und der Chor diesen wunderschönen Klassiker und lassen dabei echte Weihnachtsstimmung aufkommen. Das Wort Noel bedeutet Weihnachten und geht auf das lateinische Natalis (Geburtstag) zurück.

Die Ursprünge dieses Traditionals liegen im 18. Jahrhundert, die heute bekannten Fassungen gehen auf die Bearbeitung von John Stainer zurück, der sein Arrangement 1871 in dem Buch Carols, Old And New  veröffentlichte.

Elvis nahm The First Noel  am 16. Mai 1971 auf, weil die Originalbänder fehlen gibt es allerdings keine Informationen über die Anzahl der eingespielten Takes. Es ist lediglich bekannt, dass der Master-Take am 24. Mai mit zusätzlichem Hintergrundgesang ergänzt wurde.

Für die Veröffentlichung auf der CD Christmas Duets  (2008) wurde ein neuer Music Track aufgenommen, der mit Elvis' Gesangsaufnahme kombiniert wurde. Auch diese aktualisierte Version gefällt mir gut.

 

On A Snowy Christmas Night

Wie es der Titel bereits vermuten lässt, wird mit der Ballade ein verschneiter Weihnachtsabend beschrieben. Der Song stammt aus der Feder von Stanley J. Gelber und wurde direkt für Elvis komponiert. Dieser nahm ihn am 16. Mai 1971 auf, doch auch hier ist die Anzahl der benötigten Versuche aufgrund fehlender Bänder nicht bekannt. Am 24. Mai wurde der Master-Take mit zusätzlichem Gesang ergänzt, Streicher fügte man am 22. Juni hinzu.

Ich mag dieses sentimentale Lied sehr, die Melodie ist einfach wunderschön und Elvis' melancholischer Gesang tut ein Übriges, die Nummer zu einem echten Highlight werden zu lassen.

 

Winter Wonderland

Das Arrangement ist rockig, James Burton liefert mit seiner E-Gitarre ein paar nette Einwürfe und es gibt das typische Elvis-Ending. Das alles klingt zunächst einmal gut, doch leider konnte sich der Hauptakteur nur wenig für das Winter-Wunderland erwärmen und sah auch keine Veranlassung, diesen Umstand zu verbergen.

Zehnmal sang er das Lied durch, den letzten Versuch erklärte er zum Master. 2008 wurde für die CD Christmas Duets  ein neuer Rhythm Track eingespielt und mit Elvis' Gesang zusammengeschnitten.

Die Autoren heißen Dick Smith und Felix Bernard, das Original stammt aus dem Jahr 1934 von Guy Lombardo & His Royal Canadians. Seither wurde dieses Winterlied unzählige Male gecovert und gehört heute zu den bekanntesten Songs seiner Art.

 

The Wonderful World Of Christmas

Der Titelsong des Albums wurde von Charles Tobias und Al Frisch geschrieben und von Elvis am 16. Mai 1971 aufgenommen. Angaben zu den Takes fehlen aufgrund der vermissten Originalbänder auch hier. Am 24. Juni wurde der Hintergrundgesang eingespielt, am 21. Juni folgten Blechbläser und Streicher.

Inhaltlich arbeitet die Ballade diverse Weihnachtsklischees ab, insgesamt kann ich The Wonderful World Of Christmas  durchaus etwas abgewinnen.

 

It Won't Seem Like Christmas (Without You)

Vor weihnachtlicher Kulisse trauert der Sänger seiner Verflossenen hinterher. Im Grunde gefällt mir diese leicht bluesige Nummer sehr gut, leider singt Elvis nicht immer sauber und scheint das Lied auch insgesamt nicht sonderlich ernst zu nehmen.

Die Aufnahme entstand am 15. Mai 1971, der siebte Take wurde zur Grundlage des Masters und am 24. Mai (Hintergrundgesang) und 22. Juni (Streicher) nachbearbeitet. Der Komponist von It Won't Seem Like Christmas (Without You)  heißt übrigens J. A. Balthrop.

 

I'll Be Home On Christmas Day

Die Grundstimmung bleibt gedämpft, auch hier erlebt der Interpret den Christmas-Blues. Geschrieben wurde dieser wunderbare Song von Michael Jarrett, die Aufnahme erfolgte am 16. Mai 1971 innerhalb von 8 Takes. Am 10. Juni versuchte sich Elvis noch einmal an dem Lied, entschied sich schlussendlich aber für die erste Version. Diese wurde am 22. Juni mit einem Schlagzeug (gespielt von Larrie Londin) und Streichern ergänzt.

Meines Erachtens wäre weniger hier mehr gewesen, insbesondere die Geigen empfinde ich als störend.

 

If I Get Home On Christmas Day

Thematisch ist diese Nummer ähnlich angesiedelt, auch hier möchte der Interpret so schnell wie möglich nach Hause. Von Wehmut oder dem Bedauern der langen Abwesenheit ist hier allerdings nichts zu spüren, vielmehr erweckt Elvis den Eindruck der Vorfreude auf ein baldiges Wiedersehen.

Der Autor von If I Get Home On Christmas Day  heißt Tony Macaulay, aufgenommen wurde der Song am 15. Mai 1971. Der achte Versuch wurde zum Master-Take erklärt und am 24. Mai (Hintergrundgesang) und 21. Juni (Blechbläser und Streicher) nachbearbeitet.

Auf der CD Christmas Duets  (2008) befindet sich ein ReMake, für das die Musik neu eingespielt wurde. Wie das Original, so gefällt mir auch die neue Version ausnehmend gut.

 

Holly Leaves And Christmas Trees

Der Sänger blickt wehmütig auf die Weihnachtsfeste früherer Tage zurück und muss erkennen, dass ihm diese Zeit nichts mehr bedeutet, seit seine Liebste fort ist. Ich halte die Komposition von Red West und Glen Spreen für sehr gelungen und auch der Vortrag des Kings ist tadellos. In seiner Stimme schwingt unverkennbar ein Hauch von Traurigkeit mit, was seiner Interpretation zusätzliche Glaubwürdigkeit verleiht.

Die Aufnahme entstand am 15. Mai 1971 innerhalb von zehn Takes. Am 24. Mai wurde der Hintergrundgesang hinzugefügt, die Streicher folgten am 22. Juni. Wie bereits bei I'll Be Home On Christmas Day, so bin ich auch hier der Ansicht, dass der Song vom Weglassen der Geigen profitiert hätte.

 

Merry Christmas Baby

Musikalisch fällt dieser krachende Blues völlig aus dem Rahmen dieser LP. Aufgenommen wurde er am 15. Mai 1971, es gibt nur einen vollständigen Take. Zeitgleich mit dem Album veröffentlichte RCA Victor den Song auch mit O Come, All Ye Faithful  auf einer Single. Diese geriet allerdings zu einem veritablen Flop und fand gerade einmal 100.000 Käufer - weltweit!

Mir persönlich ist dieser Misserfolg unerklärlich, denn zweifellos gehört Merry Christmas Baby  zu den großartigsten Blues-Aufnahmen, die der King jemals produziert hat. Er ist voll in seinem Element und auch die Musiker geben hier so richtig schön Gas. Das Gitarrensolo stammt übrigens von Eddie Hinton und wurde am 26. Juli nachträglich eingespielt.

2008 gab es auf der CD Christmas Duets  eine künstlich erzeugte Duett-Version mit Gretchen Wilson. Ich persönlich halte Merry Christmas Baby  für ein solches Unterfangen allerdings für gänzlich ungeeignet, so dass mir die Originalaufnahme um Längen besser gefällt.

Geschrieben wurde der Song übrigens von Johnny Moore und Rou Baxter, erstmals aufgenommen wurde er 1947 von Johnny Moore's Three Blazers.

 

Silver Bells

Das Album endet mit einem Filmschlager aus dem Hollywood-Streifen The Lemon Drop Kid  (1951). Auf der Leinwand wurde das Lied von Bob Hope und Marilyn Maxwell gesungen, die erste auf einem Tonträger veröffentlichte Fassung stammt von Bing Crosby und Carol Richards.

Zu einer zuckersüßen Melodie beschreiben die Komponisten Ray Evans und Jay Livingston ein vorweihnachtliches Einkaufsszenario und lassen den Stress und die Hektik in einem nahezu romantischen Licht erscheinen. Elvis nimmt den leicht ironisch wirkenden Song sehr ernst und liefert eine eingängige und hörenswerte Fassung davon ab.

Aufgenommen wurde Silver Bells  am 15. Mai 1971 innerhalb von drei Takes, der zweite Durchgang bildete schließlich die Grundlage des Masters. Am 24. Mai wurde der Hintergrundgesang eingespielt, die Streicher folgten am 22. Juni, den Abschluss bildete das Hinzufügen der Glocken am 26. Juli. Auf der CD Christmas Duets  (2008) befindet sich ein posthum produziertes Duett mit Ann Murray.

 

Fazit & Bewertung

Zugegebenermaßen befand sich der King im Frühjahr 1971 nicht in vokaler Hochform, doch passt sein angegriffenes Timbre wunderbar zu den zumeist melancholisch angehauchten Songs dieser LP. In meinen Augen stellt Elvis Sings The Wonderful World Of Christmas  ein stimmungsvolles und musikalisch abwechslungsreiches Weihnachtsalbum dar.